Bewerbung, Berufseinstieg und Karriere

Beratung für Sozialwissenschaftler

moutch 12.02.15 12:04

Vor gut 2 Jahren, habe ich die Frage gestellt wie sinnvoll es ist, als Sozialwissenschaftler in die Beratung zu gehen und wie man dies am Besten anstellt.
Mittlerweile habe ich im Rahmen von Workshops und Praktika fast sämtliche größeren Beratungen kennen gelernt und habe bei einer der beiden großen Beratungen nach einem erfolgreich absolvierten Praktikum unterschrieben. Deswegen denke ich, dass meine Erfahrungen und Einschätzungen insbesondere für andere Sozial-/ und Geisteswissenschaftler hilfreich sein dürften:

Insgesamt gilt bei allen Beratungen das gleiche Profil. Sprich: Abitur mit 1,x; Studium mit 1,x (bei Sozialwissenschaften idealerweise in den sehr guten 1,x Regionen, da hier die Notenvergabe ja meist etwas entspannter ist), Auslandssemester (Mindestens 5 Monate, egal wo), ggf. soziales / außeruniversitäres Engagement (ist jedoch eher on top zu sehen und nicht zwingend notwendig, damit kann auf keinen Fall ein Abi von 2,3 ausgeglihen werden...) und praktische Erfahrungen (idealerweise 1-2 Praktika à 3 Monate). Der Name der Universität zählt in Deutschland so gut wie nicht, gerade bei Sozialwissenschaftlern (Bei BWLern sieht das oft anders aus...). Wer jedoch von einer FH kommt, bekommt z.B. bei BCG keine Einladung, da hier nur Uni-Absolventen eingeladen werden. McKinsey lädt auch FH-Studenten ein, oftmals sind das jedoch duale Studenten von großen Unternehmen (ich kenne Leute von IBM, Schenker...)

Während Noten etc. überall stimmen sollten (MBB+Berger sind hier allerdings strenger als kleinere Beratungen) unterscheiden sich die Beratungen insbesondere bei den Ansprüchen an die praktischen Erfahrungen:
BCG: Wer kein Wiwi studiert hat, muss auch nicht zwingend ein betriebswirtschaftliches oder gar Consulting Praktikum absolviert haben. Wer 3 Monate am Theater war, bei dem der sonstige Lebenslauf stimmt (NOTEN!) und der nachweisen kann, warum er nun in die Beratung möchte, bekommt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Bei BCG habe ich die buntesten Lebensläufe gesehen und gerade viele Exoten hatten keine Wirtschafts- oder gar Consulting-Erfahrung. Viele waren sogar am Anfang mit Excel-Basics überfordert. Dafür waren die Leute aber ansonsten top, konnten schnell lernen und habe spannende Sachen gemacht (Bundestag, Politische Stiftung, Forschung etc.). BCG bietet hier auch ein gutes Training an.

McKinsey/Roland Berger: Setzten Erfahrung in der Wirtschaft auch für Exoten voraus (Vor allem wichtig sind hier große Namen: DAX-Konzern!!!). Ausnahme können hier Exoten bilden, die sehr stark politisch orientiert waren und somit gut in den Public Sector Bereich passen (Aber auch hier wichtig: Große Namen - Auswärtiges Amt, Bundestag etc.) - Dann auch in Bewerbung darauf hinweisen. Insgesamt nimmt McKinsey auch lieber Exoten, die bereits im Master sind.

Bain: Sehen gerne Exoten, die praktische Erfahrung bei Banken etc. gesammelt haben, da Bain starken private equity Fokus hat. Auch wer bereits bei anderen größeren Beratungen war, hat bei Bain gut Chancen. Ansonsten ist es hier für Sozialwissenschaftler richtig schwer reinzukommen. Bain hat einen quantitativen Fokus und stellt deshalb auch gerne Mathematiker und Ingenieure ein. Wer als Sozialwissenschaftler allerdings im Abi ggf. Mathe-LK und dann noch richtig gute Noten hatte, hat hier unter Umständen auch Chancen. Insgesamt aber eher schwierig, da Sozialwissenschaftler nun mal nich als die quantitativen Cracks betrachtet werden und Bain genau hierauf Wert legt.

Siemens Management Consulting: Zählt zwar eigentlich zu den Inhouse-Beratungen, hat jedoch relativ hohe Ansprüche an Bewerber, da z.B. auch das Gehalt hier ähnlich, teilweise sogar besser als bei den großen 4 Beratungen ist (BCG, McK, Berger und Bain). Erfahrung größerer Management-Beratung (PWC, Deloitte, Wyman, Strategy&) wird hier oftmals erwartet, um als Exot in Frage zu kommen. Alternative wäre Industrieerfahrung bei einem Dax-Konzern. Da Siemens nur Festeinsteiger mit Master sucht, sollte man auch für eine Praktikumsbewerbung im fortgeschritteten Teil des Studiums sein (mindestens Ende Bachelor). Ähnliches gilt auch für die Top-Inhouse Beratungen von Deutsche Bank, BASF und Bayer, wobei Arbeitszeit und Gehalt hier etwas niedriger sein sollen als bei Siemens.

Inhouse-Beratungen: Gerade Commerzbank, Deutsche Bahn und Deutsche Telekom bieten hier sehr gute Chancen für Sozialwissenschaftler. Oftmals ist es von Vorteil Erfahrung in einer studentischen Unternehmensberatung gesammelt zu haben.

Studentische Unternehmensberatungen: Wie aufgezeigt, gerade für Inhouse-Beratungen und kleine Unternehmensberatungen interessant. Die großen Beratungen sehen studentische UBs jedoch weniger als gute Arbeitserfahrung, sondern eher als soziales Engagement an(Siehe oben, das ist nice to have, aber kein Ausgleich für schlechte Noten oder fehlende Arbeitserfahrung). Für den Einstieg sicher gut, sonst würde ich mich aber lieber auf "richtige" Beratungen fokussieren, die studentische UB jedoch bei Interesse als Hobby weiterbetreiben. Macht ja auch Spaß das Ganze, aber bitte nicht überbewerten für die spätere Karriere, selbst wenn ihr Vorstand der studentischen UB gewesen seid, das interessiert bei MBB+Berger keinen besonders.
Siehe: http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/nebenjob-studentische-unternehmensberater-lernen-fuer-berufseinstieg-a-1003558.html
"Ein Jobgarant sei die Mitarbeit in einer studentischen Beratung aber nicht, sagt Feldkamp. Grundsätzlich sei sie hilfreich für einen späteren Einstieg - jedoch nicht gleichwertig mit Praktika in der Industrie. Die müssen die Studenten in der Regel zusätzlich zu ihren Projekten machen. "


Einsatzgebiete:

BCG/Inhouse Beratungen/Bain: Querbeet über alle Funktionen und Industrien. So kann es sein, dass ihr gleich im ersten Projekt eine Kostenrechnung für einen Industriegüterhersteller aufsetzen dürft (Als Sozialwissenschaftler!!!). Man steht euch mit Rat und Tat zur Hilfe setzt jedoch auch voraus, dass ihr schnell lernt (Manchmal sind die Erwartungen dabei etwas hochgegriffen, alles muss beim ersten Mal verstanden werden). Wer hier erfolgreich sein will, sollte sich zusätzlich zu dem angebotenen BWL-Training auch in der Freizeit ein paar Konzepte aneignen: Cashflow, NPV-Berechnung etc. Public Sector Projekte gibt es selten bis gar nicht, da BCG und Bain hier aktuell (noch) nicht besonders stark sind.

Berger/McKinsey: Wenn Vorerfahrung in anderen Branchen vorhanden, dann ggf. Einsatz in diesen Branchen. Ansonsten sehr auf Public Sector fokussiert. Gerade bei Berger muss man sich als Einsteiger von Anfang an für eine Branche entscheiden und bei Sozialwissenschaftlern ist das eben oft Public Sector. Bei McKinsey ist man etwas freier, allerdings werden Sozialwissenschaftler hier oft auch im Public Sector eingesett.

Gerade für Sozialwissenschaftler würde ich folgenden Pfad empfehlen:
1. Studentische Unternehmensberatung (3-6 Monate neben der Uni)
2. Praktikum Inhouse Consulting / Dax-Konzern (3 Monate)
3. Bewerbung bei großer Beratung für ein Praktikum (3 Monate);
3.1 Bei Absage Bewerbung bei Beratung aus zweiter Reihe (Wyman, Strategy&, zeb, Stern Stewart, goetzpartners, Solon, A.T. Kearney, Stratley, L.E.K. , Monitor Deloitte, Detecon, Beratungsabteilungen von PWC, KPMG, Deloitte).
4. Nach Praktikum bei großer Beratung einsteigen

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