Bewerbung, Berufseinstieg und Karriere

Studentensprecher der WHU

Anonym 01.03.03 15:16

Die folgende Mail macht derzeit ihre Runden in Studentenkreisen (und einigen Unternehmen). Der erste Teil ist die ursprüngliche Originalmail eines Studenten, der gerne Studentensprecher der WHU werden möchte. Die (Auswahl an) Antworten fallen so unterhaltsam aus, dass ich dies der squeaker.net Community nicht vorenthalten möchte.

Nach dem Lachen auch ruhig mal drüber nachdenken...

Ab hier Zitat:

Hallo liebe Kommilitonen,
morgen, nach noch nicht einmal zwei gemeinsamen Wochen, stehen für
uns schon die Wahlen zu diversen wichtigen Posten auf dem Programm.
Besonders der Semestersprecher
übernimmt viel Verantwortung und Ehre. Das Potential dieses Amt zu
bekleiden
ist bei uns allen
ist sehr groß. In den letzen Jahren stand die Motivation der einzelnen
diesem in nichts nach, was dazu führte, dass fast der gesamte Jahrgang
kandidierte.

Viele von uns denken sehr zukunftsorientiert
insbesondere in bezug auf den eigenen Lebenslauf.
"Semestersprecher" macht sich da
sicherlich sehr gut, aber das sollte nicht der Grund sein, sich für
dieses Amt aufstellen zu lassen. Wir alle haben schon tolle Lebensläufe,
sei
es durch Auslandsaufenthalte, besondere Aktivitäten und nicht
zuletzt durch den WHU, an der wir nun studieren. Das Ziel eines jeden
Kandidaten muss es sein, sich für die Gemeinschaft unseres Jahrgangs
einzusetzen, deren Meinungen auch gegen den eigenen Willen zu vertreten
und
Probleme von ihr abzuwenden. Damit birgt dieses Amt jedoch einen hohen
Arbeitsaufwand, der Austin, respektive Ranking 1-3, immer weiter
entfernt.

Über all das sollte man sich im Klaren sein, bevor
man aufsteht und kandidiert. Nach intensiven Beratungen mit älteren
Semestern habe ich mich dazu entschlossen zu kandidieren. Im
folgenden werde ich versuchen, mich euch mit Ausschnitten aus meinem

Lebenslauf noch etwas näher zu bringen:


Auslandsaufenthalt 1997 im Dschungel von Malaysia Dieses
"Survival-Training" in einer 21-köpfigen
islamischen Familie fernab jeglicher Zivilisation hat meine
Sozialkompetenz
geschult und meine Teamarbeits- und Integrationsfähigkeit verfeinert.

Ehrenamtliche Tätigkeiten
- 1. Vorsitzender eines Segelvereins
- Mitglied des Landesvorstandes der Jungen Liberalen
Rheinland-Pfalz
- Mitglied des Bezirksvorstandes der Jungen
Liberalen Koblenz
- Stellvertretender Kreisvorsitzender der Jungen
Liberalen Mayen-Koblenz
- Stellvertretender Verbandsgemeindevorsitzender der
FDP VG Mendig
(Momentan bekleide ich zwar noch alle diese Ämter,
aber einige werde ich bei den nächsten Hauptversammlungen
niederlegen, da sich das sonst mit dem Studium keinesfalls
vereinbaren lässt. Meine Maxime
ist immer: "Mach es gut, oder gar nicht")
Im Rahmen dieser Ämter durfte ich an einigen
Seminare (Rhetorik, Organisation, konstruktive Teamarbeit)
teilnehmen.
Außerdem konnte ich mich hier daran gewöhnen, Meinungen einer
Gruppierung
mit
großer Inbrunst auch in der Öffentlichkeit zu vertreten, unabhängig
davon
ob sie zu meinen eigenen konträr waren.

Entrepreneurship
Dass ich vor zwei Jahren eine Firma mit drei freien Mitarbeitern
gegründet habe, hat sich ja schon weitestgehend rumgesprochen,
deshalb gehe ich arauf nicht näher ein.

Weitere Fragen beantworte ich per E-Mail aber auch
gerne im Plenum der Wahlversammlung.

Außerdem möchte ich auch die anderen ernsthaften Kandidaten darum
bitten, in einer ähnlichen Rundmail ihren persönlichen Background
darzustellen, damit wir morgen eine qualifizierte Wahl mit
nachhaltigen Resultaten treffen können.

Gruß

Dominik

- der Absender der ersten Mail ist ein Erstsemester der WHU in Vallendar.
Sein Name und sein Foto hingen übrigens auch an der Kettenmail
- die Antwortmail (unten) stammt von einem Ex-WHUler, der in der Abt.
"Konzernentwicklung" der Dt. Bahn arbeitet
- die Mails sind zunächst durch einige Abtlg. der Konzernspitze der DB
kursiert
- dann durch die Citigroup gelaufen (eine nicht gerade unbedeutende Bank)
- und dann zur Boston Consulting Group gekommen, wo einige Berater ziemlich
fiese Kommentare bezgl. der ersten Person und WHUlern im allg. gemacht haben
- danach ging's bei McKinsey weiter. Zitat: "WHUler alle RAUS!!!" sowie
"Mein Reden... keinen mehr einstellen!!!"

Fazit: dieser Mensch mit Name und Foto wird definitiv einige Probleme haben,
bei den genannten Firmen ein Praktikum oder einen Job zu bekommen - vom Ruf
der WHU mal abgesehen. Die genannten Firmen bzw. Abteilungen sind auch gar
nicht mal so untypisch für WHUler. Und er wird auch, wenn er später woanders
arbeitet, durchaus bei einigen Leuten im Gedächtnis geblieben sein - und auf
Vorstandsebene kann so ein Eindruck schonmal ziemlich beschissen sein, glaub
ich.

Oder, ums anders zu sagen: er hat sich mit der Mail einige Karrieresteine in
den Weg gelegt.

Hallo liebe Kommilitonen,

diverse Titel und Auszeichnungen sind noch zu
vergeben. Besonders der "Großmeister und Imperator der Westlichen
Welt" übernimmt viel Verantwortung und Ehre. Das Potenzial, dieses
Amt zu bekleiden ist unter uns Ex-WHUlern sehr groß, so dass der
eine oder andere auf die Idee kommen könnte, hierfür zu kandidieren.

Vielen von uns denken sehr karriereorientiert und
der Titel "Großmeister und Imperator der Westlichen Welt" macht sich

sicherlich gut auf dem Lebenslauf. Aber das sollte nicht der Grund
sein, sich für dieses Amt aufstellen zu lassen. Wir alle haben schon

tolle Lebensläufe, seinen sie nur ein bisschen gefälscht oder völlig

frei erfunden. Das Ziel eines jeden Kandidaten muss es sein, sein
Ego und seinen Größenwahn klar vor die Gemeinschaft zu stellen.
Dahinter verbirgt sich natürlich die Gefahr einer Einsamkeit an der
Spitze. Über all das sollte man
sich im Klaren sein, bevor man aufsteht und kandidiert.

Da mein Konto nach zwei Jahren unternehmerischer
Tätigkeit immer noch ein negatives Saldo aufweist, habe ich mich
nach intensiven Beratungen mit meinem Steuerberater, meinem
Wellensittich und dem dunkelhaarigen Mädchen auf Seite 23 des
November-Playboys dazu entschlossen, zu kandidieren. Im folgenden
werde ich versuchen, mich Euch
mit
Ausschnitten aus meinem Lebenslauf noch etwas näher zu bringen:

Mit 13 Jahren trat ich aus dem britischen Hochadel
aus um mich unter Euch Proletarier zu mischen und meine
Sozialkompetenz zu schulen. Meine Teamfähigkeit ist so ausgeprägt,
dass ich das Wort schon sein Jahren nicht mehr mit "ieh" schreibe.

Mit 16 trat ich der Guerilla-Armee Burmas bei und
lernte dort, Feinde mit Grashalmen zu durchbohren, meine Notdurft
unter Aufsicht zu verrichten und Pickel mit Blutegeln zu heilen.
Meine diplomatischen Fähigkeiten bei der Schlichtung des
Bürgerkriegs in Brühl-Pingsdorf brachten mir mit 18 Jahren meinen
ersten Nobelpreis ein, dem mittlerweile
vier
weitere gefolgt sind (für die Initiierung der Hippiebewegung, meine
bahnbrechenden Inzeststudien auf Rheininseln, meine Erforschung der
Psyche
von
Quark sowie für die Mondlandung). Ich bin Gegenstand diverser Bücher,
Dokumentationsfilme und Begabungsforschungsstudien. Warren Buffet fragt
mich
nach Anlagetipps.

Ich habe niemals Mundgeruch.

Ich kann bei Frauen mehrstündige Orgasmen auslösen.
Bis 1977 war ich als "Elvis Presley" bekannt.
An Samstagnachmittagen ziehe ich durch Altenheime
und repariere kostenlos kaputte Toaster. Kinder vertrauen mir. In
meiner Freizeit übersetze ich die Bibel in diverse chinesische
Dialekte. Ich habe Michael Schuhmacher Autofahren beigebracht. Ich
habe den Kölner Dom konzipiert. Mike Tyson hat Angst vor mir.
Mittwochs rette ich Wale. Ich bin
ein
Veteran der Liebe und ein Volksheld in Venezuela. Ein
Sekt-Fruchtsaftgemisch wurde nach mir benannt, ebenso wie eine
Weltreligion.
Ich weine im
Kino. Mit nur einer Handvoll Reis und einer Heizdecke koche ich
Michelinprämierte Fünfgangmenüs.

Wenn ich schlafe, dann nur im Stehen.

Meine ehrenamtlichen Tätigkeiten umfassen:

- Stammesältester der Tuareg
- Maskottchen des Kegelclubs "Dumm' Sau"
- Präsident der Welthandelsorganisation
- Stellvertretender Kassenwart des TuS Buxtehude e.V.
- Honorary President of the Lonely Quiltmakers, North Carolina

Ich verstehe Frauen. Und Unternehmensberater.
Würde man meine bei Golfturnieren gewonnenen
Preisgelder in 100-Dollar-Scheinen aneinander reihen, sie würden
dreimal um die Welt reichen. Ich bin der echte Crocodile Dundee.
Unter dem Pseudonym "Berners-Lee" erfand ich das WWW. Ich lerne
Telefonbücher von Großstädten innerhalb von Minuten auswendig und
zerreiße sie
anschließend. Ich spiele den Minutenwalzer in 12 Sekunden, koche
die 5-Minuten Terrine in einer. Kardinäle und Gurus kommen für
Motivation
und
Inspiration zu mir.

Da meine drückende Überlegenheit für die Kandidatur
auf dieses Amt offensichtlich ist, gehe ich davon aus, dass sich
niemand anderes aufstellen lässt und nehme Eure Wahl dankend an.

Einen gebenedeiten Gruß entbietet

Euer

Großmeister Chris, Imperator der Westlichen Welt

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