als Jurist

Arbeiten in mittelständischen Kanzleien

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Juristen müssen vor dem ersten Staatsexamen Pflichtpraktika ableisten. Um dir eine überlegte Entscheidung zu ermöglichen, setzen wir uns hier mit den Unterschieden zwischen Großkanzleien und mittelständischen Sozietäten auseinander.

Sprungbrett Karriere
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Praktische Studienzeiten empfinden viele Jura-Studenten als lästig. Bis es nach den ersten Semestern soweit ist, hast du bestimmt schon viele Geschichten älterer Kommilitonen gehört, die bei Kreisämtern und Amtsgerichten über Wochen ein trauriges Dasein fristen mussten und im Wesentlichen nur ihre Zeit absaßen. Wer große Ambitionen und weit überdurchschnittliche Studienleistungen vorzuweisen hat, wird hingegen häufig mit dem Gedanken spielen, seine Praktika bei einer deutschen oder angloamerikanischen Großkanzlei zu absolvieren – und weiß hinterher nicht selten von ebenso überdurchschnittlichen Arbeitszeiten ohne oder mit nur wenig Vergütung zu berichten. Das mögen viele als notwendiges Übel auf dem Weg zum Spitzenanwalt empfinden – Lehrjahre sind ja bekanntlich keine Herrenjahre. Wer aber einmal Großkanzlei-Luft geschnuppert hat, sollte trotz der eindeutigen Vorzüge dieser Firmen (beispielsweise hohe Einstiegsgehälter und ein internationales Arbeitsumfeld) nicht die Möglichkeit aus den Augen verlieren, bei mittelständischen Kanzleien zu arbeiten. Trotz weniger glamouröser Recruitingevents stellen diese Sozietäten eine echte Alternative – vor allem für Studenten und Referendare, aber auch für Berufseinsteiger – dar.

Wer nicht nur bei Großkanzleien, sondern auch bei kleineren, überregional tätigen Kanzleien gearbeitet hat, weiß die genannten Vorteile von Großkanzleien objektiver einzuschätzen; denn mittelständische Kanzleien können sich geradezu als Geheimtipp erweisen. Soweit man diese Sozietäten über einen Kamm scheren kann, sprechen insbesondere die folgenden Überlegungen für eine Tätigkeit bei mittelständischen Kanzleien:

Steile Lernkurve in kleineren Kanzleien

Aus akademischer Sicht gilt während des Jura-Studiums grundsätzlich die Regel: Je kleiner die Sozietät, desto mehr kann man lernen. Großkanzleien bewältigen mit ihren Kapazitäten häufig riesige Unternehmenstransaktionen, wobei der Löwenanteil der anfallenden Arbeit darin besteht, sämtliche Verträge des Kauf- bzw. Verkaufsobjekts, des so genannten Targets, zu sichten und auf rechtliche Besonderheiten zu überprüfen – die berühmte due diligence. Studenten eignen sich für diese Tätigkeit ganz hervorragend, sodass es durchaus passieren kann, dass du die Hälfte deines Praktikums in einem fensterlosen Datenraum verbringen musst. In kleineren Kanzleien bist du hingegen häufig mit der Erstellung eigenständiger Rechtsgutachten beschäftigt und hast mit ein bisschen Geschick und Glück sogar das ein oder andere Mal Kontakt zum Mandanten.

Karrierechancen für Juristen

Im Hinblick auf dein persönliches Fortkommen kann eine Tätigkeit in mittelständischen Kanzleien ebenfalls von Vorteil sein. Zum einen hast du dort einen engeren Kontakt zu den zuständigen Partnern, die letztendlich auch die Einstellungsentscheidungen treffen. Wer dort einen guten Eindruck hinterlässt, hat beim späteren Bewerbungsprozess unter Umständen gleich einen einflussreichen Fürsprecher. Zum anderen kommen in kleineren Sozietäten deutlich weniger Associates auf einen Partner; damit ist der Konkurrenzdruck deutlich geringer und die Arbeitsatmosphäre nicht selten kollegialer. Schließlich zeigt die Erfahrung, dass die formellen Einstellungskriterien bei Großkanzleien deutlich härter sind als bei mittelständischen Kanzleien. Trotz guter Praktikumsleistungen kann dir die Tür zur Großkanzlei daher verschlossen bleiben, wenn du eines der Staatsexamina ohne Prädikat absolvierst – und das kann auch bei guter Vorbereitung durchaus passieren. Wenn du hingegen während des Studiums einen guten Eindruck bei einer kleineren Kanzlei hinterlässt, kannst du solche formellen Schwächen leichter überwinden.

Gehalt in mittelständischen Kanzleien

Selbst aus finanziellen Erwägungen spricht zumindest während der Ausbildungszeit einiges für eine Tätigkeit in mittelständischen Sozietäten. Zwar sind die hohen Berufseinstiegsgehälter vieler Großkanzleien von kleineren Kanzleien meist unerreicht – obwohl auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. Während des Studiums, der Promotion oder des Referendariats zahlen kleinere Kanzleien jedoch nicht selten wesentlich besser als Großkanzleien. Bei gleicher Arbeitszeit kommt man beispielsweise als Promotionsstudent oder Referendar bei Pöllath + Partners, einer renommierten kleineren Private Equity-Kanzlei mit Standorten in München, Berlin und Frankfurt auf beinahe das doppelte Gehalt wie bei den Großkanzleien White & Case oder Linklaters.

Niveau & Internationalität der Kanzleien

Kaum haltbar ist demgegenüber das Gerücht, das juristische Niveau sei bei Großkanzleien höher als bei kleineren Sozietäten. Wer das erste Staatsexamen hinter sich hat, weiß, dass ein fehlendes Prädikatsexamen keineswegs mangelnde juristische Begabung und Kenntnisse ausweist. Die in praktischer Hinsicht weicheren Einstellungskriterien bei mittelständischen Kanzleien sind somit keinesfalls zum Preis geringerer Kompetenz erkauft. Auch die Internationalität vieler Großkanzleien muss sich nicht zwangsläufig in der täglichen Arbeit niederschlagen. Wenn du auf Jet Set aus bist, findest du ihn selbst in Großkanzleien erst auf Partnerebene – wenn dir die Businesslounge im Flughafen mit Mitte 20 wichtig ist, solltest du in die Beratungsbranche gehen. Das deutsche Staatsexamen qualifiziert nur für die Lösung deutscher Rechtsfragen und folglich nicht für das internationale Arbeiten. Damit ist die Internationalität auch in Großkanzleien auf einzelne Conference-Calls mit Kollegen in Übersee beschränkt.

Vorteile von Großkanzleien

Unschlagbar sind große, internationale Sozietäten wie Freshfields Bruckhaus Deringer, Allen & Overy, Latham & Watkins, Linklaters oder Baker & McKenzie  natürlich auf den Ebenen der internen Weiterbildungsmaßnahmen, des Mandantennetzwerks sowie der Gehaltsaussichten für Partner. Ungleich schwieriger im Vergleich zu kleineren Sozietäten ist es aber, bis in diese Sphären vorzudringen – dies hängt häufig nicht nur von Leistung, sondern auch von Glück ab.

Wenn für dich nach wie vor nur die Karriere in einer namhaften Law-Firm in Frage kommt, kannst du dir mit unserem Insider-Dossier "Karriere in der Großkanzlei" den Einstieg erleichtern.

 

Vorteile von kleinen und mittelständischen Kanzleien

Kleinere Kanzleien wie Heuking Kühn Lüer Wojtek und Pöllath + Partners stellen daher insgesamt eine echte Alternative zu Großkanzleien dar – nicht nur für Studenten während der praktischen Studienzeiten sowie nach dem ersten Examen, sondern gerade auch für Berufseinsteiger. Auch wer sich von großen Transaktionen, riesigen Büros und hohen Gehältern in den Bann ziehen lässt, sollte wenigstens einmal in einer kleineren Kanzlei gearbeitet haben, um ein vollständiges Bild des Arbeitsmarkts für Rechtsanwälte bekommen zu haben.

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