Karriere im Consulting

Verantwortung für Kollegen, Kunden und Arbeitnehmer tragen

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Integrität gegenüber Kollegen und Kunden

Mein erstes richtiges Projekt war eines von jenen, deren Intensität selbst den an sich nicht arbeitsscheuen Unternehmensberatern mächtig Respekt einflößt. Beauftragt wird diese Art von Projekten von einer der wenigen Berufsgruppen, die noch länger im Büro sitzt als Unternehmensberater – den sogenannten Private Equity-Firmen, im Volksmund auch „Heuschrecken“ genannt. Hier geht es um Firmenübernahmen und Unternehmensberater werden engagiert, um die sogenannte „Commercial Due Diligence“ durchzuführen. Das bedeutet, dass wir innerhalb kürzester Zeit und bei denkbar schlechter Datenlage eine Einschätzung abgeben sollten, „ob sich der Deal lohnt“, und wie viel Potenzial in dem Übernahmekandidat noch steckt. Ich will hier überhaupt nicht auf Sinn oder Unsinn, auf wirtschaftlichen Mehrwert oder gesellschaftliche Verwerflichkeit solcher Übernahmen eingehen – dazu wurde schon an anderer Stelle viel zu viel geschrieben. Ich will auch nicht auf die Work Life Balance-Bilanz als Berater eingehen, auf die Nacht- und Wochenendschichten. Mir geht es um die Integrität im Umgang mit Projekten, deren Ergebnisse nicht nur große finanzielle Auswirkungen haben, sondern vor allem auch das berufliche Schicksal vieler Arbeitnehmer bestimmen.

Chart-Karaoke im Consulting

In der Consulting-Branche gibt es sogar einen eigenen Ausdruck für das unvorbereitete Präsentieren: „Chart-Karaoke“, d.h. ähnlich wie beim Karaoke singen, liest man blitzschnell, was auf der nächsten Seite („Chart“) der Präsentation steht und versucht, das Ganze überzeugend und in einem Fluss vorzustellen.

Einen ersten Indikator für den Stellenwert von Integrität in diesem speziellen Projekt erhielt ich gleich zu Anfang, und zwar auf dem Weg zu einem der ersten Treffen mit dem Kunden und allen anderen beratenden Parteien (z.B. Anwälten, Steuerexperten). Der Partner, der das Projekt akquiriert hatte, flog mit mir und der Projektleiterin nach Frankfurt, um diesen Termin wahrzunehmen. Wir waren beide ganz neu in der Firma und wussten zu dem Zeitpunkt herzlich wenig über das Projekt – er wollte uns unterwegs „briefen“ und sollte ja außerdem dabei sein, um die Verhandlungen zu führen und ein erstes Grobkonzept vorzustellen. In Frankfurt angekommen eröffnete er uns, dass er jetzt einen Weiterflug nach New York City habe, rief den Kunden an, entschuldigte sich mit dem Hinweis auf eine plötzliche Magen-Darm-Geschichte und wünschte uns mit einem Grinsen viel Erfolg für das Meeting. Dreißig Minuten später standen wir also vor ca. 20 Experten für Firmenübernahmen und stellten ein Grobkonzept vor, das mehr grob als Konzept war und uns dazu noch völlig unbekannt. Im weiteren Verlauf dieses Projektes passierten noch ähnlich Dinge. Zum Beispiel wurde ich, der bis heute keinerlei juristische Vorbildung hat, phasenweise als ausgewiesener Kartellrechtsexperte vorgestellt, eingesetzt und vor allem mit saftigem Tagessatz dem Kunden in Rechnung gestellt. 

Die Angst vor der Kündigung

Wie bin ich damit umgegangen? Um es kurz zu sagen: In meiner Ohnmacht habe ich zunächst mitgespielt – d.h. ich habe geblendet – weil ich das Ganze nicht auffliegen lassen wollte. Ich sagte mir, dass ich dies tue, um der Beratung nicht zu schaden und um das Projekt nicht zu gefährden. In Wirklichkeit tat ich dies nur, um interne Sanktionen (bis hin zur Kündigung) zu vermeiden. Ein geflügeltes Wort besagt, eine der wichtigsten Fähigkeiten eines Unternehmensberaters sei „überzeugendes Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit“. Und die größte Gefahr dabei ist, dass man sich irgendwann daran ergötzt, damit durch zu kommen. Auch mir ging es phasenweise so und ich lief Gefahr, meine Integrität zu verlieren.


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