Finance Karriere

Die Finanzkrise

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Im Jobinterview für deine Finance-Karriere musst du mit Fragen zur Finanzkrise und deren Folgen auf die Bankenbranche rechnen. Die Auswirkungen der größten Wirtschaftskrise der letzten Jahrzehnte sind in der Finance-Branche bis heute zu spüren.

Finanzkrise, Weltwirtschaftskrise, Zeitbombe
© Mopic

via fotolia

Alles, was diese Krise ausmacht, so kommentierte der Wirtschaftsnobelpreisträger des Jahres 2008, Paul Krugman, hat es schon einmal zuvor gegeben: eine platzende Immobilienblase, ähnlich jener Ende der achtziger Jahre in Japan, eine Serie von „Bank Runs“, vergleichbar mit denen Anfang der dreißiger Jahre (nur das diesmal nicht gewöhnliche Banken betroffen waren, sondern vorwiegend das Schattenbankensystem), eine Liquiditätsfalle in den Vereinigten Staaten, die wiederum an Japan erinnert und zuletzt eine Störung der internationalen Kapitalströme sowie eine Welle von Währungskrisen, die allzu sehr an das erinnern, was in den ausgehenden neunziger Jahren in Asien geschah. Doch wie war es zu dieser Krise gekommen?

Da sich das Thema Finanzkrise oder Eurokrise sehr gut eignet, um zu überprüfen, ob sich der Kandidat wirklich für die Finance-Branche interessiert und mit ihr auseinandersetzt, solltest du dich darauf ausgiebig vorbereiten. Neben aufmerksamer Lektüre der hier gegebenen Zusammenfassung ist es von Vorteil, sich über die aktuelle Diskussion zu Regulierung und dergleichen in den (renommierten) öffentlichen Medien zu informieren. Gute Informationen mit Erläuterung der Zusammenhänge gibt es z. B. im Economist.

Die Dot-Com-Krise begründet eine Immobilienblase

Im Zuge des New Economy Booms und seiner ansteckenden Erfolgsmeldungen, kletterten die Börsenbewertungen von Unternehmen der Finance-Branche in schwindelerregende Höhen. Der neue Markt überflügelte schon bald den alten. Im März 2000 wurde Yahoo mit 195 Milliarden US-Dollar bewertet und war somit mehr „wert“, als Volkswagen, BASF, Metro und Lufthansa zusammen. US-Notenbankchef Alan Greenspan sprach von "irrationaler Überschwänglichkeit" und erhöhte die Zinsen. Wenige Monate später platzte die Blase und die Aktien von Dot-Com-Unternehmen verloren massiv an Wert. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 rauschten die Kurse dann endgültig in den Keller. Niemand wollte etwas von neuen Geschäftsideen wissen. Risikokapital gab es nicht. Banken froren ihre Kreditlinien ein. Schließlich reagierte die US-Notenbank und senkte den Leitzins im November 2002 auf 1,25% und im Juni 2003, obwohl die Rezession von 2001 schließlich vergleichbar milde ausfiel, um weitere 25 Basispunkte auf 1%. Die Krise schien bezwungen, doch die nächste bahnte sich schon an. Der Grund war ausgerechnet das billige Geld, das die US-Notenbank dem Markt zur Verfügung stellte. Denn wegen der Billigkredite hatten die amerikanischen Haushalte mehr Geld zur Verfügung als gesund war. Ein Konsumrausch auf Pump war die Folge – fast niemand in Amerika sparte. Schließlich setzte das günstige Geld und die gestiegene Liquidität eine Immobilienblase in Gang, die bereits im Juli 2005 ihren Höhepunkt fand. Sehr spät hatte die amerikanische Notenbank, die Federal Reserve (Fed), die Zinsen an diese Kapitalakkumulation angepasst und sukzessive erhöht. Im Herbst begann der Immobilienboom in den USA nachzulassen. Als die Preise eine Höhe erreicht hatten, bei der der Kauf eines Hauses – selbst ohne Anzahlung und zu Lockvogelzinsen – für die meisten Amerikaner unerschwinglich geworden war, gingen die Umsätze zurück. Infolge dieser Entwicklung fielen die Preise erst langsam, dann in einer Spirale mit zunehmender Geschwindigkeit.

Folgen der Immobilienblase

Der Boom der Subprime-Kredite beruhte auf der Annahme, dass es dem Kreditgeber gleichgültig sein konnte, ob der Kreditnehmer zu den Hypothekenzahlungen wirklich in der Lage war – die Hauspreise stiegen bis dato kontinuierlich weiter und erhöhten somit die Sicherheiten des Kreditgebers. Als die Ausfallquote schließlich stieg, begannen die Zwangsvollstreckungen, die aber nur einen Bruchteil der Forderungen erlösten. So kam es schließlich zum Ausfall einiger Tranchen der sog. Collateralized Debt Obligations (CDO). Dies waren gebündelte Hypothekenforderungen, die nach Bonität tranchiert handelbar gemacht wurden. Zuerst gab es Ausfälle bei der Rückzahlung an Gläubiger mit nachrangigen Tranchen, also mit geringerer Bonität. Das markierte bereits das Ende der Vergabe von Subprime-Krediten, da sie nicht mehr in Tranchen geschichtet als CDOs verkäuflich waren. Noch bis Oktober 2007 hatten Ratingagenturen die sog. Senior-Tranchen (mit der besten Bonität) mit höchster Bonitätswertung „AAA“ bewertet, die daraufhin noch immer zum Nennwert handelten. Doch als das Ausmaß der Immobilienkrise weitläufig bekannt wurde, waren auch die besser besicherten Tranchen nicht mehr sicher. Viele institutionelle Kapitalanleger zogen ihre Gelder aus diesen Finanzierungsarrangements ab und flüchteten in sichere US-Schatzanweisungen. Dies setzte einen Kreislauf des „Deleveraging“ in Gang: Die Liquidität floss aus diesen Anlagen ab und erforderte somit den Verkauf der ihr zugrunde liegenden Vermögenswerte. Dies drückte die Preise erneut nach unten. Diese „Bank Runs“ waren jedoch im Gegensatz zu vergleichbaren Krisen auf unregulierte, in Zweckgesellschaften organisierte Finanzinvestoren („Schattenbanken“) gerichtet, die kein Einlagengeschäft hatten und somit auch keiner Einlagensicherung angeschlossen waren. In der Gesamtsicht hatten somit sehr kurzfristige Kredite (Investments der Finanzinvestoren) langfristige illiquide Vermögenswerte finanziert.

So schwappte die Krise vom Subprime-Bereich über die Investoren und deren Vermögensverluste auf andere Bereiche der Finanzbranche über. Die Fed senkte infolge der Krise die Fed Funds Rate, den Leitzins, von 5,25% vor Ausbruch der Krise auf 1% und später fast auf null, was die Kreditaufnahme der in Mitleidenschaft gezogenen Banken auf über 400 Mrd. US-Dollar steigen ließ. Dennoch wirkte sich diese dramatische Zinssenkung wegen der Unsicherheit im Markt nicht auf die Realwirtschaft aus. Unternehmen ohne erstklassige Bonität zahlten sogar höhere Zinsen an ihre Banken als noch vor der Krise. Die herkömmliche Geldpolitik hatte keinen Einfluss mehr auf die Realwirtschaft und eine Liquiditätsfalle baute sich langsam auf. Durch die im Vergleich zu vorherigen Krisen viel stärker globalisierte Finanzbranche, wirkte sich schließlich die Krise, die im amerikanischen Immobilienmarkt begonnen hatte, wie ein Transmissionsmechanismus in weiteren Runden auf ausländische Märkte aus. So kam es beispielsweise zum Kollaps von Hedgefonds, die mit einer französischen Bank verbunden waren und dem Zusammenbruch des isländischen Bankensystems, welches indirekt mit Immobilienkrediten in Florida zusammenhing. Internationale Investoren hatten häufig durch sog. Carry Trades die Zinsunterschiede zwischen Niedrig- und Hochzinsländern ausgenutzt. Der Investor nimmt dabei in einem Land mit Niedrigzinsen (etwa in Japan) Geld auf und verleiht es in Hochzinsländern wie Brasilien oder Russland. Im Zuge der dramatischen Ereignisse, wie dem Kollaps von Lehman Brothers am 15. September 2008, dem Notverkauf von Merrill Lynch und dem akuten Kapitalbedarf des weltgrößten Versicherers AIG, sackte das Vertrauen in die Märkte erneut ab. Dies zog die Vermögenswerte mit sich und der Kapitalfluss aus Niedrigzinsländern brach ab, was nun die Währungen der Hochzinsländer (häufig Schwellenländer) nach unten drückte. Resultat waren massive Verluste bei allen Carry-Tradern – zu großen Teilen Hedgefonds.


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