Finance Karriere

Auswirkungen der Krise auf die Investmentbanken

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Stand-alone-Investmentbanken

Sogenannte Stand-alone-Investmentbanken verfügen über kein Einlagengeschäft, weswegen ihre Bankaktiva vergleichsweise weniger liquide sind. Die liquiden Mittel beschränken sich auf einen Bruchteil der hohen kurzfristigen Verbindlichkeiten. Somit sind sie bei ihrer Finanzierung stark vom Kapitalmarkt – und damit vom Wohlwollen der anderen Handelspartner – abhängig. Durch äußere Ereignisse oder Vertrauensverlust kann daher ein Bank Run ausgelöst werden. Das war nach den Ereignissen der Krise der Fall. Die Banken sahen sich schließlich gezwungen, zusätzliche Liquidität zu beschaffen: entweder bei anderen Banken, bei der Zentralbank, oder durch den Verkauf von Aktiva. Die Kapitalaufnahme am Markt war bei der dramatischen Lage versiegt oder zumindest enorm erschwert, und die Aktiva (Vermögenswerte) sanken rapide im Wert. Daher kam es zunächst zum „Bail-out“ von Bear Stearns durch die amerikanische Regierung zusammen mit der Fed. Erklärtes Ziel dieser Maßnahme war es, die Geschäftspartner zu schützen, denen sie Geld schuldete oder mit denen sie Finanzgeschäfte vereinbart hatte. Kurz darauf wurden die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac, sowie die AIG verstaatlicht. Bei Lehman Brothers kam man jedoch zu einer anderen Einschätzung und ließ das 158 Jahre alte Institut in den Konkurs gehen. Daraufhin gerieten sämtliche klassische Investmentbanken ohne Einlagengeschäft unter enormen Druck. Bear Stearns selbst wurde schließlich an J.P.Morgan verkauft, Merrill Lynch fusionierte mit der Bank of America, Morgan Stanley trat in Verhandlungen mit Wachovia ein und Lehman Brothers ging teilweise an Barclays Capital (Nordamerikageschäft) und teilweise an Nomura (Europageschäft). Goldman Sachs akquirierte mehrere Milliarden zusätzliches Eigenkapital durch den Investor Warren Buffet. Schließlich blieben von den ehemaligen traditionsreichen amerikanischen Stand-alone Investmentbanken nur Morgan Stanley und Goldman Sachs eigenständig, gaben jedoch ihren Status als klassische Investmentbanken auf und fallen somit als herkömmliche Bankenholding seitdem unter die Bankenaufsicht der Fed.

Da die Geschäftspartner und Investoren weltweit verstreut saßen, wirkte sich die Krise relativ schnell global aus. In Deutschland waren vor allem die Hypo Real Estate und die Landesbanken betroffen, aber auch große Universalbanken wie die Commerzbank mussten massiv Investments abschreiben. Dies führte zu enormen Kapitalstützen durch den Staat – Diskussionen über „systemrelevante Banken“ sowie die erste Zwangsenteignung seit dem Zweiten Weltkrieg in Form der Verstaatlichung der Hypo Real Estate waren die Folge.

Fazit zur Finanzkrise

So ging zu Ende, was einst durch den sogenannten Glass Steagall Act als Konsequenz des großen Börsencrashs von 1929 begann: die bewusste Trennung der Geschäfts- und Investmentbanken. Traditionelle Kreditinstitute nahmen Einlagen von Privatkunden herein und vergaben langfristige Kredite. Refinanzieren konnten sie sich bei der Fed, die sie im Gegenzug aber stark kontrollierte. Die weniger regulierten Investmentbanken, die deswegen höhere Risiken eingehen konnten, versorgten sich am Kapitalmarkt.

In den vergangenen Jahren haben Investmentbanken die Finanzierungsfunktion der Geschäftsbanken zunehmend übernommen, indem sie neu entwickelte Finanzprodukte anboten, z. B. Collateralized Debt Obligations (CDO). Das war ein profitables Geschäft, weil Investmentbanken im Gegensatz zu Kreditinstituten weniger Eigenkapitalreserven gegen potenzielle Verluste vorhalten mussten. Schließlich erwiesen sich die massiven Verluste bei Hypothekenanleihen als zu hoch für die dünne Kapitaldecke der Investmenthäuser. Da gleichzeitig die Kapitalquellen der Kreditmärkte, aus denen sie sich finanzierten, versiegten, konnten die hohen Verbindlichkeiten nicht mehr beglichen werden und das bisherige Konzept der Investmentbanken scheiterte.

Der Autor, Thomas Trunk, studierte nach seiner Ausbildung bei der Deutschen Bank, BWL und VWL in Passau und Málaga, Spanien. Während des Studiums sammelte er Praxiserfahrung im Equity Research (VMR AG), Asset Management und Equity Derivatives (Deutsche Bank), Equity Trading/Sales (ehem. Merrill Lynch), M&A (Lazard), Marketing Consulting (Simon Kucher), Internationaler Handel (Deutsch-Malaiische Handelskammer) und in der Politik (Bundestag).
Nach Abschluss seines Studiums war Thomas Trunk über zwei Jahre in der Investment Banking Division bei Goldman Sachs tätig und dort u. a. Mitglied des Recruiting Teams. Während dieser Zeit wirkte er an zahlreichen Transaktionen in unterschiedlichen Industriesektoren mit, z. B. im Bereich Pharma (Sell Side), Transport und Logistik (Buy Side, IPO), Erneuerbare Energien (Kapitalerhöhung), Post- und Logistikdienstleistungen (IPO/Privatisierung) sowie Infrastruktur Services (Sell Side – LBO Exit).
Neben Finance-Themen begeistern Thomas vor allem Backpackingtouren in alle Ecken der Welt.

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Inhalt

  1. Einleitung: Finanzkrise
  2. Auswirkungen der Krise auf die Investmentbanken

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