Erfahrungsberichte Wirtschaftsprüfung

Der Wechsel von der Wirtschaftsprüfung in die Finance-Branche

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Was war der Anlass für den Wechsel ins Bankwesen?

Ein ganz menschlicher Grund. Irgendwann führte mich mein Weg als Associate nach Frankfurt. Dort habe ich in einem großen internationalen Beratungsprojekt mitgewirkt, in dem wir uns ausgiebig mit Sarbanes Oxley beschäftigt haben. Anfangs sollte ich nur vier Wochen an diesem Projekt mitarbeiten. Da ich mich nicht so schlecht angestellt habe, wurde ich für weitere acht Monate gebucht. In dieser Zeit bin ich viel gereist und war faktisch 90 Prozent der Zeit nicht zu Hause. Danach habe ich ein Angebot für weitere zwei Jahre erhalten, aber dies ließ sich dann nicht mehr mit meinen privaten Vorstellungen in Einklang bringen: Obwohl es mir bei PricewaterhouseCoopers sehr gefallen hat, stand die Familienplanung im Vordergrund. Work-Life-Balance  ist für mich sehr wichtig im Leben. Man sollte sich nicht davon irritieren lassen, wenn Arbeitskollegen stets 100 Prozent geben. Der Grund hierfür ist, dass diese Kollegen vorerst keine Familie gründen wollen, sondern ihre Karriere in den Vordergrund stellen.

Was würdest du einem Absolventen raten, der in die WP-Branche einsteigen möchte?

Ein Bewerber muss auf jeden Fall Anpassungsfähigkeit und Flexibilität mitbringen, z. B. muss er einen Standortwechsel in Kauf nehmen. Reisen mag auf den ersten Blick schön und gut sein, aber irgendwann wird es zur Belastung und das sollte man wissen. Ganz wichtig ist Teamfähigkeit. Der Stressfaktor ist immer wieder hoch – vor allem vor Jahresabschlüssen. Wenn dann jemand aneckt und nicht mitzieht, ist es ganz wichtig, soziale Kompetenzen und emotionale Intelligenz mitzubringen, so dass man schnell realisiert: Ein Teammitglied ist heute schlecht drauf und kann nicht 100 Prozent geben, also kompensiert das Team diesen Missstand. Außerdem muss man immer bereit sein, zu lernen, um nicht auf der Stelle zu treten. Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass die englische Sprache nicht zu unterschätzen ist. Besitzt man hier Schwächen, dann bleiben einem die guten Mandate verwehrt. In meiner Zeit als Associate durfte ich bspw. für zwei Wochen in New York arbeiten, was eine spannende Erfahrung war.

Also würdest du heute wieder alles genau so machen...?

Für zwei bis drei Jahre würde ich wieder bei PricewaterhouseCoopers arbeiten. Außerdem macht sich das gut im  Lebenslauf .

Thema Headhunting. Wirtschaftsprüfern wird nachgesagt, sie würden gezielt wegen ihrer Kompetenzen abgeworben. Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht?

Nach zwei bis drei Jahren Berufserfahrung passiert es öfter, dass man einen  Anruf vom Headhunter  bekommt – das passiert mir heute immer noch. Das hat aber vor allem damit zu tun, dass ich mich in meinem Fachgebiet spezialisiert habe. Bei PricewaterhouseCoopers habe ich mich auf Sarbanes Oxley fokussiert. Das war der Zeitpunkt, als das Gesetz erlassen wurde. Die Wirtschaft sucht Spezialisten, keine Generalisten.

Hast du noch Kontakt zu deinen ehemaligen Arbeitskollegen?

Ja, sogar mit sehr vielen. Oftmals berufsbedingt, z. B. wenn sie als Berater bei uns im Projektteam sitzen. Allerdings muss ich erwähnen, dass niemand mehr als Wirtschaftsprüfer tätig ist. Die meisten sind in die freie Wirtschaft gewechselt.

Auf den Karriereseiten der großen Firmen gibt es weniger Stellenangebote, viele Jobs sind gefährdet. Wie siehst du die Situation in der Branche?

Sicherlich kann es passieren, dass der eine oder andere Mandant wegfallen wird, aber auf lange Sicht arbeiten Wirtschaftsprüfer auch in beratenden Projekten. Und da gibt es immer wieder neue Themen, die angegangen werden müssen. Beispielsweise war es damals Sarbanes Oxley und jetzt aktuell ist es das Gesetz zur Modernisierung des Bilanzrechts. Von daher wird die Arbeit einfach nicht weniger. Und das wäre auch mein Insider-Tipp für alle zukünftigen Wirtschaftsprüfer: Setzt euch jetzt schon im Selbststudium mit Bilanzreformen wie BilMoG auseinander. Damit könnt ihr in jedem  Vorstellungsgespräch  punkten und zeigt Eigeninitiative.

Über den Autor

Sebastian Grosse* (*Name von der Redaktion geändert), 30 Jahre, ist Referent im IFRS Rechnungswesen und Treasury bei einer der größten Banken Deutschlands in Frankfurt. 2005 wechselte er nach einigen Jahren im Wirtschaftsprüfungssektor, wo er drei Jahre lang als Associate bei PricewaterhouseCoopers gearbeitet und zuvor ein Praktikum absolviert hatte. Sebastian Grosse studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln und sammelte an der Erasmus University in Rotterdam Auslandserfahrung. Er ist verheiratet und hat eine Tochter.

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Inhalt

  1. Einleitung: Wechsel in die Finance Branche
  2. Der Wechsel von der Wirtschaftsprüfung in die Finance-Branche

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