Einblicke

Wie Bain & Company sich von der Konkurrenz abhebt

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Susann Baeck berichtet über ihren Alltag bei Bain & Company

Warum sind Sie Unternehmensberaterin geworden, Frau Baeck?

Ich bin vom Hintergrund BWLerin und habe zusätzlich Technologiemanagement an der TU am CDTM studiert. Als BWLerin liegt das Ziel Unternehmensberatung zumindest einmal nahe. Ich hatte über Kommilitonen schon viel über Beratungen gehört und habe dann über ein Praktikum den Einstieg gefunden. Mein Praktikum in einer kleineren Beratung hat so viel Spaß gemacht, dass ich nach der Uni plante, fest in die Beratung einzusteigen. Ich habe mir die ganze Bandbreite an Beratungen angeschaut, von kleinen spezialisierten über große Strategieberatungen, und bin dann über die Gespräche zu Bain gekommen.

Berater sind dafür bekannt, dass sie die Tätigkeit im Consulting als Sprungbrett für eine Karriere in der Industrie nutzen. Stimmt das?

Ja, das trifft häufig zu. Die durchschnittliche Verweildauer bei Bain liegt bei ca. 5,5 Jahren – und somit höher als der Branchendurchschnitt – ich selbst bin inzwischen seit fast 5 Jahren dabei. Einer der klassischen Wege aus der Beratung führt, wie man es ja auch oft hört, zum Kunden. Wenn man ein Unternehmen von innen gesehen und mit dem quasi zukünftigen Team schon zusammengearbeitet hat, weiß man relativ genau, was einen erwartet. Dorthin den Absprung zu machen ist durchaus attraktiv. Weiterhin haben wir auch immer wieder Kollegen, die zu Start-Ups gehen oder selber Unternehmen gründen. Das hat den Vorteil, dass man sich das entsprechende Business-Know-How über einige Jahre angeeignet und sich ein Netzwerk aufgebaut hat, das man dann natürlich auch für ein Start-Up gut nutzen kann. Ich persönlich fand die Kollegen, die Themen und die Projekte bei Bain bisher immer so spannend, dass mich andere Optionen bislang nicht gelockt haben.

Wie sieht Ihre typische Arbeitswoche aus? Können Sie das kurz skizzieren?

Eine klassische Berater-Woche beginnt Montagmorgen am Flughafen oder im Auto zum Kunden. Vor Ort sitzen wir in einem Team von normalerweise fünf, sechs Kollegen, treiben gemeinsam mit dem Kundenteam das Projekt voran, haben Meetings und Workshops, arbeiten an den entsprechenden Analysen und Unterlagen. Am Freitag sind wir im „Heimatbüro“, in meinem Falle München, wo man andere Kollegen trifft, Trainings hat, aber auch Zeit für Lunch mit Freunden, ein Freitagabendbier oder ein Firmenevent.

Was ist Ihre durchschnittliche Arbeitsstundenzahl pro Woche? Viele denken, Unternehmensberater arbeiten sich fast zu Tode?

Ich glaube, Unternehmensberater arbeiten mehr, als man z.B. in einem großen Konzern in einer „nine-to-five“ Position arbeitet. Überstunden fallen an, vor allem vor wichtigen Präsentationen oder Meetings mit dem Kunden oder wenn das Projekt in eine intensive Phase geht. Wichtig ist für mich, dass das Wochenende frei bleibt. Das ist während meiner inzwischen fast 5-jährigen Zeit bei Bain bis auf sehr wenige Ausnahmesituationen auch so gewesen. Die meisten Arbeitsstunden konzentrieren sich auf Montag bis Donnerstag, wenn man unterwegs ist. Am Freitag mache ich nach Möglichkeit pünktlich Schluss, treffe Freunde, gehe Essen oder aus. Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich, dass man an Tagen wie Montag auch mal um sechs Uhr morgens ins Taxi steigt und erst um Mitternacht wieder im Bett liegt.

Studienrichtungen unterscheiden sich oft signifikant hinsichtlich der Notendurchschnitte. Wird dieser Punkt bei Bewerbern berücksichtigt?

Diese Frage wird mir oft gestellt. Dazu zwei Punkte. Der Erste: Noten sind wichtig, aber es entscheidet immer das Gesamtbild einer Bewerbung. Neben Noten sind für uns die bisherige Praxiserfahrung, Auslandserfahrung sowie außeruniversitäres Engagement sehr wichtig. Besonders neugierig werden wir, wenn jemand zu seinen exzellenten Leistungen spannende Erfahrungen gemacht hat. Das gleicht nur durchschnittliche Leistungen nicht aus, aber relativiert sie.

Was ist spannend für Sie?

Spannende praktische Erfahrungen, Praktika, Auslandserfahrung, interessante Erlebnisse, außergewöhnliche Tätigkeiten, zum Beispiel, wenn Studenten bei der IKOM aktiv sind. Das finde ich spannend, das ist etwas, worüber ich gerne mit demjenigen reden möchte und im persönlichen Gespräch einen Anknüpfungspunkt habe. So etwas ist schon ein Pluspunkt auf dem Weg zum Bewerbungsgespräch. Der zweite Punkt: Die Recruiting-Abteilung hat ein sehr gutes Gespür dafür und weiß, wie sich in einzelnen Fächern und an einzelnen Universitäten die Noten entwickeln. Durch die Vielzahl an Bewerbungen, die tagtäglich bearbeitet werden, durch unabhängig erhältliche statistische Daten und ehemaligen Studenten der jeweiligen Universitäten, die dann zu Kollegen werden, ist es kein Geheimnis, wo besonders gut und wo besonders schlecht benotet wird.

Das überrascht mich nicht, dass Sie das oft gefragt werden, weil ich weiß, dass das die Studenten sehr beschäftigt.

Ja, aber wir erhalten tausende von Bewerbungen im Jahr. Wenn man diese alle zusammen nimmt, bekommt man einen sehr guten, repräsentativen Schnitt, wie einzelne Unis benoten. Insofern wird das bei uns auch berücksichtigt.

Man sagt, Unternehmensberater sei ein harter Job. Würden Sie sagen, dass Sie dieser Job mit der Zeit verändert hat?

Ja, weil man sich wahrscheinlich durch alles verändert, was man macht. Aber insbesondere positiv, bedingt durch die Vielzahl an Menschen, die man trifft, die Vielzahl an Beziehungen, die man aufbaut. Wenn ich jetzt zurückblicke, habe ich in den letzten fünf Jahren mit mindestens fünfzig Kollegen eng zusammengearbeitet, die alle eine andere Persönlichkeit, einen anderen Hintergrund und andere Schwerpunkte haben. Ich habe mit verschiedensten Charakteren zusammengearbeitet, nicht immer nur angenehm - aber schon allein dadurch nehme ich sehr viel mit und verändere mich natürlich.

Der perfekte Bewerber: wie würde sein Lebenslauf aussehen, welche Sprachen würde er sprechen, was hätte er sonst für Kenntnisse?

Ganz weit oben steht sicherlich analytisches Denkvermögen, also die Fähigkeit, Probleme strukturiert zu durchdringen. Auch Kommunikation ist wichtig und Berater sein, ist ein Teamberuf. Man kommt nicht umhin Tag für Tag mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten. Was für mich wichtig ist, ist dass da eine interessante Persönlichkeit sitzt, die Facetten hat, die vielleicht auch einfach Haken hat – viel wichtiger als ein ‚aalglatter‘ CV ist, dass ich mit der Person etwas anfangen kann, sie den sogenannten BAINfit hat. Wenn ich von montagmorgens bis Mitternacht mit jemandem in einem Raum sitze, dann möchte ich mit demjenigen auch gerne über Nicht-Arbeitsthemen sprechen, mal ein Glas Wein trinken, Abendessen gehen. Deswegen finde ich es immer super, wenn Kandidaten neben Noten und Praktika auch andere Themen haben. Es geht nicht darum, dass jemand exotisch ist – interessant heißt einfach nur, die Person hat verschiedene Facetten und steht mitten im Leben.

Gibt es sonst irgendetwas, das Sie speziell zu Ihrem Unternehmen noch sagen möchten?

Was mich überzeugt bei Bain, sind die Kollegen, mit denen ich zusammenarbeite. In unserem Beruf gibt es Höhen und Tiefen und vermutlich ist einer der wichtigsten Gründe, warum ich heute noch hier bin, dass ich immer wieder auf Menschen getroffen bin, die mich coachen, die mich inspirieren, die mich weiterbringen und mit denen ich auch freundschaftlich verbunden bin.

Als Bewerber würde ich mir die Frage stellen: Warum gerade Bain & Company?

Auch da fange ich mit den Menschen an. Was uns auszeichnet ist, dass wir sehr pragmatisch sind – im Beratersprech würde man sagen: sehr „hands-on“, „down to earth“, eine „lets do it attitude“. Ich glaube, wir reden nicht viel um den heißen Brei herum, sondern packen die Dinge an. Wir sind gegenüber dem Kunden sehr ergebnisgetrieben – wir sind nicht die Richtigen, um Material für die Schublade zu produzieren, sondern wir wollen wirklich etwas erreichen – und das tun wir mit Leidenschaft.

Auf einer Skala von 1 bis 5, wobei 1 richtig gut ist und 5 nicht so gut, wo würden Sie Ihr Unternehmen einordnen?

Eins.

Und bei Familienfreundlichkeit?

Drei – einfach weil Beratung per se nicht außergewöhnlich familienkompatibel ist. Ich würde Bain dafür eine Eins geben, dass es mittlerweile zig Modelle gibt, wie man seine Karriere familienfreundlich gestalten kann. Wir haben viele Beraterinnen mit Kindern. Wir haben Partnerinnen, die ein Kind haben. Wir haben viele Kollegen, die in Teilzeit arbeiten oder für eine gewisse Zeit interne Rollen übernehmen. Wir haben Frauen, die haben beraten, später ein Kind bekommen, sind aus dem Job rausgegangen und haben pausiert, sind wiedergekommen, haben das zweite Kind bekommen, haben Teilzeit gearbeitet, interne Rollen übernommen – es gibt extrem viele Möglichkeiten. Dafür eine Eins! Die Drei gibt es dafür, dass es generell herausfordernd ist, in der Beratung so etwas zu machen. Teilzeit bei einer anspruchsvollen Woche und Kundenterminen ist immer noch viel Arbeit und erlaubt nicht notwendigerweise, dass man um 14 Uhr seinen Laptop und sein Handy ausschaltet und für den Rest des Tages nicht mehr erreichbar ist. Dafür gibt es dann die Abstriche. So wie der Job etwas anstrengender ist als andere, ist auch dieses Thema ein bisschen schwieriger als vielleicht bei anderen Branchen. Was ich interessant finde, ist, dass es ein Thema ist, das extrem viele bewegt. Diese Frage höre ich von ganz vielen, gerade von Frauen: „Wie schaut es denn aus, wenn ich in vier/fünf Jahren mal Kinder haben will?“

Aufstiegschancen?

Eins - nach zehn Jahren kann man Partner werden, wenn man gut ist.

Abschließend: Ihr Unternehmen in drei Worten?

People. Passion. Results.

Susann Baeck, Case Team Leader, Office München

Susann Baeck hat BWL und Technologiemanagement studiert und arbeitet seit fünf Jahren bei Bain & Company. Auf der ICOM gab sie einen Einblick in ihr Leben als Unternehmensberaterin.

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