1. Mai in Paris

Mat... 02.05.02 16:05

Eine halbe Million Menschen haben gestern auf dem Platz der Republik in Paris fuer den Erhalt der Demokratie demonstriert . Die Manifestation rief zum nachdenken ueber Menschenrechte und Humanitaet auf. Diese Entwicklung laesst erwarten das Chirac im 2. Durchgang klarer Sieger der Praesidentschaftswahl wird. Es bleibt jedoch die Frage ob die franzoesiche Gesellschaft tatsaechlich einen politischen Schritt nach rechts gemacht hat. Den Waehlern bleibt immerhin im 2. Durchgang nur die Wahl zwischen dem konservativen Chirac und dem rechtsextremen Le Pen. Andererseits koennte das Ergebnis als Indikator der politischen Stimmung sehr verfaelscht sein. Ein Grossteil der Bevoelkerung in den Ballungsgebieten ist aus politischem Verdruss nicht zur 1. Wahl erschienen.

Woher kommt der unerwartete und starke Rechtsruck? Haben die politischen und wirtschaftlichen Ereignisse der letzten Zeit (Zusammenbruch der NewEconomy, 11. September, Einfuehrung des Euro...) diesen Wandel beeinflusst?

  1. Anonym 02.05.02 21:24

    Eine pauschale Antwort kann auf das Phänomen Le Pen in Frankreich genausoweing gegeben werden wie auf das Erstarken der extremen Rechten in vielen Ländern Euopas. Es hat den Anschein, dass ein Großteil der Wähler aus Protest "einfach mal ein Kreuz" bei Le Pen gemacht hat. Die Franzosen fühlen sich anscheinend einfach "von denen da oben" nicht verstanden, auch das ist kein neues Phänomen. Die Herkunft der verantwortlichen Politiker, die zum Großteil von Eliteschulen kommen, mag dies noch verstärken.
    Ein anderer Punkt mag das Wahlkampfthema Nummer Eins gewesen sein, die Sicherheit. Von Chirac instrumentalisiert, hat es vielleicht Wähler auf die Seite Le Pens geschlagen, der in dieser Hinsicht die radikaleren Lösungen vorschlägt. In der Tat ist Sicherheit vor allem in den Randbezirken ein Thema; Polizei meidet Viertel, weil Banden diese unter Kontrolle halten.
    Dies sind nur zwei Punkte, die vielleicht das Phänomen erklären können, das allerdings keineswegs neu ist in Frankreich. In keinem anderen europäischen Land wird seit einem Jahrzent konsequent rechtsextrem gewählt. Dass dieses Ergebnis bei diesen Präsidentschaftswahlen so extrem ausfällt, liegt wohl nicht zuletzt an dem hohen Anteil an Nichtwählern - die absolute Zahl der Le Pen-Wähler hat sich offenbar nur leicht erhöht.
    Dennoch: Knapp 20% für die extreme Rechte; ein extreme Linke, die ebenfalls stark ist und von dem Debakel der Sozialisten profitiert. Das gibt einem schon zu denken.

    Nichtsdestotrotz wird das Ergebnis am 5. Mai wohl klar ausfallen. Wie sagt man: Lieber den Gauner im Elysée als den Faschisten....

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  2. Che... 03.05.02 07:38

    Wo du die Wahlbet. ansprichst. Das zeigt dann wohl nebenbei, dass Nicht-Waehlen-Gehen rechts waehlen bedeutet (wie man es uns in SoWi begebracht hat seinerzeit). Daher Waehlen gehn!
    By the way, da faellt mir ein, kann man bei den komischen Wahlautomaten (in Koeln) eigentlich auch ungueltige Stimmen abgeben?

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  3. cpo... 03.05.02 13:41

    Ich habe in einem Artikel des Spiegels gelesen, daß die Franzosen häufig im ersten Wahldurchgang mit ihrer Stimme spielen. Jedoch haben sie sich diesesmal verzockt. Den das Duell heißt nicht wie erwartet Chirac gegen Jospin sondern Chirac gegen Le Pen.

    Dem einen sagt man Verwicklungen in mehreren Koruptionsskandälen nach, der andere ist für seine rechtsextremen Äúßerungen hinlänglich bekannt. Was für tolle Alternativen.

    Daher kann ich nur hoffen, daß wir für die Bundestagswahl daraus lernen werden.

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  4. Anonym 03.05.02 15:35

    Also meines Erachtens ist das Ergebnis bei der 1. Wahlrunde, das beste was den konservatinven passieren konnte, weil Chrirac mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Präsident Frankreichs bleibt (Korruptionsfälle sind ja auch für uns alltäglich geworden, in Frankreich gibt es eben den gleichen Filz wie hier)

    Die Linken haben die beste Basis um die Mehrheit in der Assemblee Nationale später in diesem Jahr zu bekommen sozusagen als kleine entschädigung für die Präsidentschaftwahlen.

    Somit ziehen alle großen Parteien nur Vorteile aus der Wahl Le Pens in die 2. Runde, also brauchen wir uns nicht so sehr darum zu kümmern.

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