Anlizismen und die deutsche Sprache

Anonym 06.12.02 16:38

Liebe squeaker,

da ich mich selbst regelmäßig bei der Verwendung von unzähligen Anglizismen ertappe, würde mich eure Meinung zu dem -zugegeben recht umfangreichen- Thema "Erhalt der deutschen Sprache" interessieren.

Nachdem ich bei der Schuldiskussion schon einen Rüffel bekommen habe, daß meine Beiträge gelegentlich zu lang sind, möchte ich euch einen Text und wenige Zitate beifügen und euch ansonsten die Seite des "Verein Deutsche Sprache" anbieten (www.vds-ev.de), dem ich diese Texte auch entnommen habe.

Besonders interessiert mich eure Meinung zur Aktezptanz von "Non-Buzz-Words" im Berufsleben. Ich habe durchaus die Erfahrung gemacht, daß man mit Customer Relationship Management, Customer Asset Management, Enterprise Resource Planing und Groupware ein gehöriges Plus an Achtung verbuchen kann.

Aber machen solche Worte bspw. im Verkauf Sinn? (vgl. bspw. "Badesalz - All Clean Service")

Auf den Müll, Ihr Bücher! die ihr
Lang schon nicht mehr up to date
Dick und deutsch im Bücherschrank hier
Zwischen meinen paperbacks steht!
Deine Räuber sind längst killer,
Wilhelm Tell greift zur emm-pee.
Sorry for you, Freddy Schiller,
Sorry, poor old Germany!

Auch der Götz hat nachgelassen:
Wenn der heute flucht und schwört,
Bringt ers nur noch zu nem blassen
Ordinärn four-letter word.
Werther ersäuft seine Nöte,
Faust sitzt in der Psychiatrie.
Sorry for you, Johnny Goethe,
Sorry, poor old Germany!

Mann, könntest Du die Urenkel
Des Ribbek auf Ribbek im Havelland sehn!
Da öffnen sich Dir die Senkel,
Mein lieber Theo Fontane!
Ribbeks Birnbaum ist längst Asche,
Und der gutmütge einstige Kinderfreund
Füllt als dealer sich die Tasche:
Come here, baby! Willstn joint?

Weiß nicht, was soll es bedeuten,
Deine Worte sterben aus,
Sind nicht mehr in bei den Leuten,
Jetzt spricht alles wie die Mickymaus.
Loreley rettet alleine
Haar-Spray-Werbung im tee-vee.
Sorry for you, Henry Heine,
Sorry, poor old Germany!

Schade für uns, wie ich meine.
Sorry, dear old Germany!
(Reinhard Mey - Poor Old Germany)


Ich hasse Anglizismen. Das ist alles Bullshit.
Georg Kofler zur Rückbenennung von Premiere World zu Premiere

Ein Arbeitsloser kommt ins Job-Center, trifft am Front Desk auf den Case-Manager, der auf Grundlage eines Tiefenprofilings mit Unterstützung des Back Office ein Vermittlungsangebot an die PSA macht.
Isolde Kunkel-Weber, ver.di Vorstandsmitglied, über Anglizismen im Hartz-Bericht (ver.di News vom 12.8.2002)

Ich habe vielleicht etwas Weltverbesserndes. Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, daß daß man contemporary sein muß, das future-Denken haben muß. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated CONCEPT entscheidend, die Idee, daß man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewußte Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muß Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils. (im Magazin der FAZ, 1996)
Jil Sander, Modeschöpferin aus Hamburg

Damn, jetzt ist der Artikel doch wieder oversized.... ;-)

  1. Hen... 09.12.02 18:08

    na dann sind wir uns gar nicht so uneinig -- oder ist IB new economy? :D

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  2. Anonym 09.12.02 15:56

    Da bin ich nicht ganz deiner Meinung. Beispiel IB. Versuch mal Uebersetzungen fuer Zinsswap, Rating oder Due Diligence zu finden, die halbwegs passabel sind und wo nicht die Haelfte des englischen Inhalts verloren geht...

    ... viel Spass dabei

    Das zaehlt natuerlich nur fuers Investment Banker, dass die ganzen Marketingleute natuerlich voellig ohne Rund englische Begriffe verwenden um wichtig zu tun, steht voellig ausser Frage ;-)

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    (4/5)   3 Votes
  3. Anonym 08.12.02 18:35

    Ja.

    Nein.

    ;-)

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    (4.4/5)   5 Votes
  4. Anonym 08.12.02 08:21

    Liebe Leute,

    ich muss mich ja schon sehr um Eure Sorge um die deutsche Sprache wundern. Manche scheinen ja den Untergang des christlichen Abendlandes zu fuerchten.

    Woher kommen diese Bedenken? Was ist der Kern des Problems? Ihr koennt doch alle Englisch! Fuehlt Ihr Euch denn wirklich in Eurer deutschen Identitaet getroffen?

    Wenn es nur ein paar Anglizismen braucht, um Euer Deutschenbild ins Wanken geraten zu lassen, dann ist es wohl nicht weit her mit der Identitaet. Wahrscheinlich wollen einige auch die DM zurueck.

    Let's face it: die Welt veraendert sich, Gesellschaft veraendert sich, Sprache veraendert sich. Na und! Veraenderung ist gut.

    Fuer mich ist 'Deutsch' das 'Deutsch', das momentan mit all den Anglizismen gesprochen wird. Was kann denn schon schlimmes passieren? Etwas mehr Flexibilitaet bitte - das muss schon sein, wenn die Weltgemeinschaft etwas naeher zusammenrueckt.

    Ihr werdet ja auch in Zukunf Euren Grosseltern noch auf gut Deutsch erklaeren koennen, was ein key account manager ist, oder? Regt Euch also nicht so auf.

    Cheers,
    Ingo

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  5. Anonym 08.12.02 16:49

    Erstmal ein Hinweis zu einem häufigen Missverständnis:
    Anglizismen beschreiben DEUTSCHE Wörter und Redewendungen, die den Weg in die Deutsche Sprache aus der ÜBERSETZUNG aus dem Englischen gefunden haben. Beispiele sind "gefeuert werden" aus "getting fired" usw.

    Dass zunehmend Englische Wörter im Deutschen benutzt werden, sehe auch ich kritisch, nämlich genau dann, wenn der Verwender des Wortes dessen eigentliche Bedeutung und passende Anwendung nicht versteht. Beispiele sind erwähntes "fuck" als wirklich sehr krasses Schimpfwort oder das "contemporary"-Gelaber von der Sander. "Handy" statt "Mobile-Phone" bzw. Mobiltelefon (dass ist übrigens ein Anglizismus!).

    Tatsächlich hat das Englische Einzug in unsere Sprache gefunden, wie viele andere Sprachen auch. Da, wo man sinnvoll Englische Begriffe einsetzen kann, sollte man dies auch tuen (zur klareren Beschreibung oder auch, um Marken zu bilden).

    Der Name squeaker.net ist Englisch, um den potentiellen internationalen Anspruch der Plattform zu unterstreichen. Wörter wie "Community" oder "Insidernetzwerk" lassen sich nur schlecht ersetzen und klingen einfach besser.

    Jedes Mal, wenn wir ein englisches Wort auf squeaker.net verwenden, denken wir gründlich darüber nach und vergleichen mit passenden deutschen Wörtern. Solten wir Wörter unpassend gewählt haben, bitte ich um Kritik an mich.

    Beispiele: Die "CompanyTour" ist ein Markenname, der sich erfahrungsgemäß einfach besser verkaufen lässt, als die zigste "Unternehmenspräsentation" oder ein "virtueller Unternehmensrundgang". "QuickMessage" bringt es m.E. einfach auf den Punkt, worum es geht. Man beachte die von den Mitgliedern selbst geprägte Wortschöpfung QM oder "ich qm-e dir dann mal..:"

    Schöne Seite: http://uebersetzungsfallen.de

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  6. Anonym 08.12.02 17:34

    Beflügelt durch die laufende Diskussion, bin ich auf die Webseite des "Vereins Deutsche Sprache" gekommen. Hier habe ich in der Anglizismenliste einige Fehler gefunden und Ergänzungen vorgeschlagen. Nachdem ein Fehler beim Abschicken des Kommentar-Formulars entstand, erhielt ich folgende Fehlermeldung:
    "
    Syntaxfehler

    Sie haben mehrmals commitet!
    (...)

    Bei weiteren Fragen schauen Sie bitte auf die Dokumentation im Web oder senden eine E-Mail an die Webmaster oder direkt an den Author des Skriptes
    "

    Ich lach mich schlapp! Was soll denn "commitet" bedeuten? Ich lache immer noch...

    Ha, ha, ha...


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  7. Anonym 08.12.02 18:36


    Der ist WIRKLICH gut. Ich hoffe Du hast den Screenshost mehrfach an die VDS "commitet" ;-)

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  8. Anonym 08.12.02 18:22

    Zu Deiner Definition von Anglizismen würden mich Quellen interessieren. Wissen.de und meine Lexikas geben da nur unzureichende Auskünfte. Da ich gerne dazulerne, würde mich interessieren, wie man dann die Übernahme englischer Wörter in die deutsche Alltagssprache nennt, wenn ich Anglizismus?

    Zum Begriff Community fällt mir tatsächlich nur der Begriff "Gemeinschaft" ein. Da im Netz mittlerweile jedoch der englische Begriff "Community" mit mehr Inhalten assoziiert wird, als die "Gemeinschaft", halte ich ihn für in Ordnung. Auch wenn ich mit dem Begriff "Gemeinschaft" hier keine größeren Probleme hätte.

    Das Insidernetzwerk in Zukunft als "Eingeweitennetzwerk" oder "Netzwerk der Wissenden" zu bezeichnen halte ich angesichts der boomenden Verschwörungstheoretiker für gefährlich. Also bitte auf keinen Fall ändern ;-)

    Allenfalls Deine Begründung zur CompanyTour teile ich nicht. Es ist ein wenig wie der "GermanCall" oder "FreeCall". Als ich das erste mal die "CompanyTour" entdeckte, hätte ich aufgrund des Wortes (ohne den Webseitenkontext) eher auf eine Beschreibung von DoTank (bzw. squeaker.net) getippt, statt auf einen "Unternehmensführer". Das deutsche Wort trifft es meiner Ansicht nach besser, womit ich nicht die Forderung erheben möchte die Tour umzubenennen.

    Danke für Deine Linkempfehlung, ich habe bei den Stilblüten des häufigeren herzlich gelacht ;-). Besonders, da gestern von der TransGen Liste (Übersetzungen von geneanologischen Texten) die bitte an mich herangetragen wurde "Ich bin gut drauf, bist Du gut drunter" ins Englische zu übersetzen ;-)

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  9. Anonym 08.12.02 17:57

    Lieber Ingo,

    ich muß mich schon sehr über die wenigen Argumente wundern, mit denen Du Deine Meinung hier untermauerst. Ausserdem ärgern mich Deine Unterstellungen (Untergang des christlichen Abendlandes, Festhalten an der DM).

    Deine Unterstellungen und Fragen im Einzelnen und meine Antworten dazu:

    Ingo: "Manche scheinen ja den Untergang des christlichen Abendlandes zu fuerchten."

    Ein -vermutlich unfreiwillig- komischer Einwand. Gerade den Einfluß des englischen (überwiegend amerikanischen) kann sicher von niemandem als Untergangsgeläute gedeutet werden. Die christliche Kultur in den USA ist deutlich vielfältiger als in Deutschland, Österreich, der Schweiz, ja mindestens genauso vielfältig wie in ganz Europa (Amish, Mennoniten, Baptisten, Evangelisten, Katholiken, etc. pp.). Dies hängt sicherlich damit zusammen, daß ein Großteil der Amerikaner europäischer Abstammung sind und gerade viele Gläubige die Weltkriege genutzt haben in den USA Zuflucht zu suchen. Deine Unterstellung zielt darauf, Kritiker der heutigen Sprach"entwicklung" (die lediglich aufgezwungen und mitnichten natürlich
    ist) als Deutschtümmler abzustrafen. Ein schlechter Diskussionsstil.

    Ingo: Woher kommen diese Bedenken? Was ist der Kern des Problems?

    "Die Mutterspache ist ein kostbares Gut. Sie ist 1500 Jahre alt. Unsere
    gemeinsame Geschichte, - von der Völkerwanderung bis zum Fall der Berliner Mauer und die Zeit danach - auch die Lebensgeschichte jedes einzelnen Sprechers sind in ihr aufgehoben. Angesichts der über uns hereinbrechenden Flut von Anglizismen ist es legitim, sich vor allem um die deutsche Sprache zu kümmern, sie zu verteidigen und sie zu schützen. Das verdient keine Verunglimpfung. In Frankreich, Polen, Spanien oder Ungarn wäre es unvorstellbar, dass die Pflege
    der eigenen Sprache als "Tümelei" kritisiert oder verspottet wird." (Zitat VDS).

    Schöner hätte ich es nicht formulieren können.

    Ingo: Ihr koennt doch alle Englisch!

    Mich hat Squeaker.net insbesondere deshalb so beeindruckt, weil man hier viele Menschen mit den unterschiedlichsten Interessen und Meinungen finden kann. Dennoch haben Sie eines gemeinsam. Jeder ist in der Lage auch einmal einen Blick über den Tellerrand zu riskieren. Warum sollten wir die deutsche Sprache aufgeben,
    nur weil ein Teil von uns Englisch spricht? Deutsch wird in Deutschland, Österreich, Teilen der Schweiz, Teilen von Dänemark, Teilen von Belgien, Teilen von Polen (Schlesien), Teilen von Rumänien (Donauschwaben), Teilen von Russland (Wolgadeutsche) gesprochen und an vielen anderen Orten der Welt gesprochen. Große Teile der Weltliteratur (Goethe, Schiller, Brecht, Mann) sind in Deutsch verfasst. Dein Einwand kommt einer Aufforderung zur Aufgabe der deutschen Sprache gleich. Warum ist Deiner Ansicht nach Englisch dem Deutschen überlegen? Ich plädiere dafür Sprachen gleichberechtigt zu behandeln. So wie es in Demokratien schon immer üblich gewesen ist (etwa die zweisprachige Beschilderung
    für die Sorben "rund um Cottbus"). Sprachunterdrückung hat es nur im Totalitarismus gegeben. Bei Hitler, Stalin oder in der VR Polen. Ich möchte meiner Großmutter gerne erklären, was ein "Key Account Manager" einer amerikanischen Firma macht. Verschlossen bleibt mir allerdings, warum ich ihr den Großkundenbetreuer der im Gewerbegebiet ansässigen Fensterputzerfirma erklären muß.

    Ingo: Fuehlt Ihr Euch denn wirklich in Eurer deutschen Identitaet getroffen?

    Sprachliche Zusammengehörigkeit ist nur zu einem begrenzten Teil "Identität"
    (völlige Gleichheit, Übereinstimmung), denn die deutsche Sprache ist über
    große Teile Europas, bis nach Vorderasien verbreitet. Mag' man dennoch den Begriff "Identität" darüber stülpen, so muß ich sagen: Ja, ich fühle mich davon getroffen. Denn die Entwicklung der Anglizismen ist mitnichten eine autochtone, sondern eine aufgedrängte. Gerade in der Werbung bemüht man sich darum für jeden Unsinn eine (oft auch noch falsche) engische Entsprechung zu
    finden. Etwa der Moonshine-Tarif, der Germancall oder das "Tee-Vee" (in der
    entsprechenden Ausprache). Betrachtet man die Einflüsse des französischen, dessen Beziehung zu Deutschland ungleich länger und intensiver
    war, als der Austausch mit den Vereinigten Staaten, dann stellt man leicht fest, daß die deutsche Sprache in ihrer Selbstentwicklung weitaus weniger
    Wörter daraus übernommen hat, als in den letzten 20 Jahren aus dem Englischen.

    Ingo: Wenn es nur ein paar Anglizismen braucht, um Euer Deutschenbild ins Wanken geraten zu lassen, dann ist es wohl nicht weit her mit der Identitaet.

    Wenn nicht die Sprache, was ist Deiner Ansicht nach das "identitätsstiftende" Merkmal eines Volkes? Ich war im vergangenen Sommer zum ersten mal in Ratibor (Racibórz) und empfand die gemeinsame Sprache als große Identitäts"hilfe". Mehr als bei meinen früheren Besuchen in Tschenstochau (Czestochowa) oder Warschau (Warszawa), wo weitaus weniger deutschsprachige Menschen leben. Deswegen habe ich die letztgenannten Besuche nicht weniger genossen, wirklich zuhause gefühlt habe ich mich aufgrund der Sprachbarriere jedoch sicher nicht.

    die Welt veraendert sich, Gesellschaft veraendert sich, Sprache veraendert sich. Na und! Veraenderung ist gut.

    "Schon der alte Grieche Platon sagte, Sprache sei nicht physis (Natur), sondern nomos (Vereinbarung, Konvention). Bei Jacob Grimm lesen wir:
    "Alles verbürgt uns, dass die Sprachen Werk und Tat der Menschen sind."

    Die Lautentwicklung einer Sprache - wîp zu "Weib", hûs zu "Haus", itan zu "essen" - kann vielleicht als "natürlicher" Vorgang angesehen werden. Unser heutiges Denglisch wird "gemacht". Selbsternannte rohe Sprachmeister, die über große Verbreitungsmacht verfügen, bringen englische Wörter in den öffentlichen
    Umlauf und "machen" unsere Sprache. Die Anglizismen verdrängen deutsche Wörter.
    Wo single, news, bike und shop Wörter wie "Junggeselle", "Nachrichten", "Fahrrad" und "Laden" oder "Geschäft" ersetzen, sterben die deutschen Ausdrücke aus. Es ist barer Unsinn, diesen Vorgang als "Leben" zu bezeichnen. (GS)"

    ...und wieder einmal ein Zitat des VDS, da ich auch hier wenig hinzufügen mag.

    Fuer mich ist 'Deutsch' das 'Deutsch', das momentan mit all den Anglizismen
    gesprochen wird. Was kann denn schon schlimmes passieren? Etwas mehr
    Flexibilitaet bitte - das muss schon sein, wenn die Weltgemeinschaft etwas
    naeher zusammenrueckt.

    Die "Sprachpanscherei" als Fexibilität auszulegen ist ein witziges Unterfangen.
    Versuche als "Weltmann" mit Deinem "Weltdeutsch" mal einem Amerikaner die Vorzüge Deines "Handys" zu erklären. Im besten Falle wird er Dich verständnislos
    anblicken, in der Regel vermutlich auslachen oder mitleidig belächeln. Den Begriff gibt es im englischen überhaupt nicht. Weltläufigkeit und Globalisierung haben nichts mit der unsinnigen Geste zu tun, sinnentleerte Worthülsen in der Werbung zu verwenden. Um mit anderen Völkern und Nationen zu kommunizieren, muß man seine Sprache nicht aufgeben. Im Moment gibt es kein anderes Volk, daß auf diesen Unsinn aufspringt.

    Ingo: Ihr werdet ja auch in Zukunf Euren Grosseltern noch auf gut Deutsch erklaeren
    koennen, was ein key account manager ist, oder?

    Ich frage mich, warum ich das muß. Du bist leider bis zum Schluß die Erklärung schuldig geblieben, warum es ein Vorteil ist, den Großkundenbetreuer einer deutschen Fensterputzerfirma als "Key Account Manager" zu bezeichnen? Vielleicht liest Du den Artikel von Dosie nochmal und nimmst Dir ein Beispiel daran?

    Regt Euch also nicht so auf.

    Wer reitet late night durch Wind und Schauer?
    Es ist Ol' Dad mit mega viel power!
    Er hält sein kid safe im ARM,
    "Bleib fit, oh boy, dort ist die Farm!"

    "Mein Vater, mein Vater,
    Denglisch haucht giftig mich an,
    Meiner Sprache wurde ein Leid getan!"

    "Oh boy, was soll dieser joke?
    Shut up und trink deine Coke!"

    Der kleine Guy wird pink und red,
    "My God, das kid ist dead!"

    Ol' Dad, er reitet ohne Stop
    Zum citynahen Särgeshop.

    Auf seinem Weg hört er Erlkönig weh im Winde:
    "Sprache, mein Freund, war Mutter Dir im Kinde.
    Du erschlugst, was Du glaubtest morsch und alt,
    Ermordet hast', was Sinn Dir gab und Halt!"
    (Dr. Alfred Becker)

    Viele Grüße,
    Markus

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  10. Anonym 09.12.02 07:08

    Hey Markus,

    nun pack mal das Zitatebuch beiseite und hoere mit dem pseudo-intellektuellen Gerede auf. Du hast doch sicher nicht einmal die Haelfte der angefuehrten Dichter und Denker in Primaerform gelesen...oder?

    Du kannst meinen Diskussionsstil gerne als 'schlecht' bezeichnen, andere wuerden es Provokation nennen, die m.E. erfolgreich war. Immerhin hat sie diesem Forum Deine lange Stellungnahme beschert.

    Zum Thema Muttersprache: meine wird die deutsche Sprache bleiben. Bist Du irgendwie gefaehrdet, Deine Muttersprache bald Denglisch nennen zu muessen? Ich zweifle daran. Insofern nehme ich Dir immer noch nicht Deine Betroffenheit ab. Und dann frage ich mich, warum Du Dich aufschwingst, die deutsche Sprache zu retten.

    "Sprachunterdrückung hat es nur im Totalitarismus gegeben" - Du sagst es. Betrachte die Sprache als Markt und jede 'Reinhaltungsmassnahme' oder Verteidigung als Regulierung. Ueberlass es dem Markt - er wird es richten.

    Identitaet is ein gutes Thema. Da gehen wohl unsere Ansichten weit auseinander. Ich sehe Sprache nicht mehr als das ausschlaggebende Kriterium an. Wieviele Menschen in Deutschland sind bereits Deutsche ohne die Landessprache sprechen zu koennen? Ich gebe nicht viel auf irgendwelche Intergrationsversuche. Das ist mein Verstaendnis einer multikulturellen Gesellschaft. Diese Gesellschaft ist eine Wirtschafts- und Steuergemeinschaft; nicht unbedingt mehr eine Sprachgemeinschaft. Der klassische Staatsbuergerbegriff basierend auf Abstammung ist ja bereits ueberholt. Nur ausgehend von dieser Neudefinition werden wir Probleme wie 'Ueberalterung der Gesellschaft' etc. loesen koennen.

    "Um mit anderen Völkern und Nationen zu kommunizieren, muß man seine Sprache nicht aufgeben."

    Muss man nicht - man sollte sich aber auch nicht von einer gegenseitigen Anregung schuetzen wollen - Dialog

    "Im Moment gibt es kein anderes Volk, daß auf diesen Unsinn aufspringt."

    Ich moechte nicht rechthaberisch sein, aber das ist nicht richtig. In Japan gibt es z.B. ein eigenes Alphabet fuer die Darstellung dieser ganzem neuen Woerter. Und das macht diese alte Sprache so flexibel wie kaum eine andere. Als kollektiven Unsinn wuerde ich das dennoch nicht bezeichnen.

    Und schliesslich faellt mir hier eine schoene Doppelmoral auf. Fuer die Aengste, die hier antizipiert werden, ist doch hauptsaechlich der Teil der Bevoelkerung mit hoeherem Bildungsgrad verantwortlich. Wer sind denn die zukuenftigen Markteingstrategen, Lenker und Meinungsmacher?? Beklagt Euch also nicht ueber die Geister, die Ihre gerufen habt.

    Cheers,
    Ingo

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  11. Anonym 09.12.02 15:48

    @ Ingo & Markus

    ich bin beindruckt, endlich mal squeaker die mit Herz und Seele ihre Standpunkte vertreten #klappklappklapp#

    Meines Erachtens, liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.

    Ingo's laisser faire Mentalitaet (ich bin halb-franzose - benutze daher sowieso lieber franzoesische als englische Ausdruecke ;-) ist meines Erachtens zu unbekuemmert. Klar muss es mich nicht wirklich interessieren, was mit meiner Sprache passiert aber man sollte doch wenigtens einige Argumente der Sprach-"Beschuetzer" akzeptieren.

    Auf der anderen Seite ist die Sprache als Bestandteil der Kultur auessert fraglich. Fuer mich ist es Kommunikationsmittel und nothing more. Kultur ist, wie ich mit anderen Menschen umgehe, was ich esse, wie ich mein Leben gestalte. Kultur ist die Geschichte und die Literatur meines Landes (der Inhalt, nicht die Sprache)...

    Es geht bei dem Beschuetzen der Sprache m.E. um die Frage, warum soll ich eine andere Sprache verwenden, wenn die meinige bereits klar genug ist. Wo ist der Zusatznutzen Key Account Manager statt Grosskundenbetreuer zu sagen?

    Aber bitte erklaert mir mal einer von Euch, was Due Diligence auf deutsch bedeutet?

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  12. Anonym 10.12.02 11:52

    http://dict.leo.org/?search=Due+Diligence&searchLoc=0&relink=on&spellToler=standard&sectHdr=off&tableBorder=1&cmpType=relaxed&lang=en

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  13. Anonym 10.12.02 15:04

    @ irvar

    Was haeltst Du davon mal dein Profil zu vervollstaendigen.

    Erklaer mir mal welcher der Ausdruecke die leo.org so als Ergebnis liefert halbwegs das Zusammenfast, was man so unter due diligence versteht.

    Ein Kaufpruefung hoert sich eher nach einem Dekra Mitarbeiter an, der einen Gebrauchtwagen prueft...

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  14. Anonym 11.12.02 11:48

    re profil: halte nicht viel davon.

    das nennt sich hier 'insidernetzwerk', nicht wahr? glaubst du, ich haette interesse daran, insiderwissen zu teilen, wenn es leicht auf mich zurueckzufuehren waere??

    die welt is klein...

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  15. Hen... 09.12.02 18:06

    ad: Wieviele Menschen in Deutschland sind bereits Deutsche ohne die Landessprache sprechen zu koennen? Ich gebe nicht viel auf irgendwelche Intergrationsversuche. Das ist mein Verstaendnis einer multikulturellen Gesellschaft. Diese Gesellschaft ist eine Wirtschafts- und Steuergemeinschaft; nicht unbedingt mehr eine Sprachgemeinschaft. Der klassische Staatsbuergerbegriff basierend auf Abstammung ist ja bereits ueberholt.

    Hallo Ingo,
    - dein Staatsverständnis kann ich so nicht ganz akzeptieren... Multikulti iSv Integration verschiedener Kulturen und Sichtweisen zu etwas Neuem ja, Überholung der Definition auf Basis von Abstammung: ja. Aber was danach - historisch / kulturvergleichend betrachtet - kommt ist die Willensnation (Bsp. Frankreich, USA)., die sich aufgrund der Akzeptanz eines bestimmten Wertesystems definiert. Und dies setzt die Kenntnis und Akzeptanz von Konzepten und Werten voraus. Dies basiert auch bzw. wird übertragen durch ein gemeinsames Sprachverständnis. Dies fehlt m.E. in Multikulti-Überlegungen zu oft. Neben den praktischen Schwierigkeiten die sih fehlende Sprachkenntnisse von Einwanderern ergeben können. Ohne aktive Integrationsmassnahmen was Sprachvermittlung und zumindest Kenntnis des Wertesystems des gastlandes (in diesem Fall D) geht es mittel- und langfristig nicht.

    Steuer und Wirtschaftsgemeinschaft ist praktisch momentan sicherlich nicht falsch, aber gerade ein Teil des Problems unserer Gesellschaft - nicht ein Modell für die Zukunft: nämlich der fehlenden hinreichenden Vision davon, wo es hingehen soll. Dies liegt sicherlich auch an den mit dem wirtschaftlich-technologischen Wandel und mit der europäischen Integration verknüpften Unsicherheiten "was sich kulturell durchsetzen" wird. Dies ändert aber nix daran, dass solche ein Vision - wie fuzzy und wie genau sie auch immer aussehen mag - notwendig ist, um sowohl die deutsche Multikultigesellschaft als auch die Europäische Gemeinschaftsgesselschaft langfristig zusammenzuhalten.

    In beiden Fällen gilt das unterschiedliche Sichtweisen, Konzpete und Verständnisse zu Missverständnissen und Konfliketen führe und damit eine zentrifugale Kraft uaf dei beiden gesellschaftlichen Systeme haben.

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  16. Anonym 10.12.02 11:58

    Hennig,

    schoene Gedanken. Du musst mein Verstaendnis nicht akzeptieren.

    Du hast einen Unterschied gut herausgearbeitet und sprichst von einer deutschen Multikultigesellschaft - ich von einer solchen in Deutschland.

    Ein Literaturtip zu diesem Thema:

    http://www.Amazon.de/exec/obidos/ASIN/3880224781/qid=1039517834/sr=2-1/ref=sr_2_3_1/028-6807800-8940501

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  17. Hen... 10.12.02 20:50

    den Unterschied musst Du mir noch mal erklären: dt. Multikultiges. vs Multikultiges. in D.

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  18. dro... 11.12.02 10:40

    ..."Im Boom überwiegt die Fremdsprachen-Anleihe, das Vokabular des Überschwangs ist die Sache der Deutschen nicht." (Sueddeutsche, 11.12.02)...

    das ist doch mal ein interessante Erklärungsansatz. Unsere ganze Anglizismen-Diskussion hätte noch vor 2-3 Jahren vielleicht gar nicht stattgefunden. Und nicht nur, weil sie zu dem Zeitpunkt nicht so sehr in unsere Sprache Einzug gehalten hätten, sondern weil wie in konjunkturell guten Zeiten lebten.

    Was haltet ihr von der These....das Vokabular des Überschwangs ist der Deutschen Sache nicht, also werden vor allem in Boom-Zeiten viele Anglizismen attrahiert.....und unter Umstände geht das den Leuten dann wiederun im Abschwung "doppelt auf die Nerven"....zu der wirtschaftlich schlechten Lage kommen noch diese "miesen Fremdwörter" ...-:))

    Anregungen erwünscht

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    (4.3/5)   7 Votes
  19. dos... 12.12.02 07:19

    Mit den 'miesen' Fremdwörtern möchte ich dir Recht geben.

    Meiner Meinung hat sich aber die Frage vor 2-3 Jahren so nicht gestellt, da viele Leute erst die Vokabeln lernen

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  20. runaway 20.12.02 10:39

    als nicht-Muttersprachler bezüglich des Deutschen kann ich deine Sorgen wenig teilen..
    es gibt immer noch einen sehr hohen Anteil im (Bildungs-)bürgertum, welcher gutes Deutsch redet.. Langfristig wird ohnehin jedes (Mode-)wort eingedeutscht..
    Für die, die nicht so richtig daran glauben: ich als ausländischstämmiger fand und finde die deutsche Sprache klangvoll und schön. Sie verfügt über eine ausgebaute Rhetorik-Möglichkeit und kann schwerste logische Zusammenhänge problemlos ausdrücken. Ich verspüre es als eine Bereicherung, deutsch zu können, auch wenn die Sprache nicht so verbreitet sein mag wie Englisch, Spanisch oder Französisch. Grundsätzlich denke ich, daß jede Sprache ihre besondere Art hat, wünschte nur, daß ich mehr als nur 3 fließend sprechen könnte. 'halte daher die gesamte Diskussion für einen Streit um Kaisers Bart.. ;-(

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