Bildungsmißstand

cpo... 09.01.02 21:02

Nicht erst seit der Pisastudie wird der Bildungsstand der deutschen Schüler aber auch Studenten angekreidet. Man hat auch gleich die Erklärung parat: Natürlich sind die geringen Etats für Bildung in Deutschland der Grund für diese Mißstände. Schlecht ausgebildete, unmotivierte oder zu wenig Lehrpersonen, mangelhaftes Lernmaterial, etc...
Alles richtig und hier muß etwas getan werden.

Über was jedoch niemand spricht sind jedoch die Eltern. Gerade in der heutigen Zeit werden doch Kinder und Jugendliche immer mehr stärker allein gelassen. Wieviel Eltern haben den noch Zeit und Interesse mit ihren Kindern gemeinsam zu üben oder sie zu motivieren mal etwas anderes zu tun als fernseh zu schauen...

O.k. dieses ist sicherlich auch ein wenig polemisch. Es gibt mit Sicherheit noch genügend Ausnahmen. Aber vielfach ist die Tendenz sehr erschreckend. Doch ich finde, daß im eigenen Elternhaus vielfach die Basis gelegt werden muß.
O.k., jetzt kommt der Einwand mit der ungleichen Chancenverteilung. Aber für mich geht dieser Aspekt in der heutigen Diskussion einfach komplett unter.
Es ist ja auch viel einfach den Staat für alles verantwortlich zu machen.

  1. Anonym 09.01.02 21:40

    Deinen Hinweis auf mangelnde Beschäftigung mit dem Thema kann ich nicht teilen. Die "großen" Magazine und Zeitungen (Spiegel, Focus, FAZ, Süddeutsche) haben sich mit dem Thema sehr wohl auseinandergesetzt.

    Deine Sicht allerdings kann ich nur BESTätigen. Die Lust am Lesen zum Beispiel muß sehr früh geweckt werden. Bei mir war es zunächst das abendliche "Vorlesen" und später eine sehr engagierte Lehrerin in der Grundschule. Wir hatten eine eigene "Klassenbibliothek", die sie aus eigenen Mitteln finanziert hat. Nach der vierten Klasse sind die Bücher dann noch unter uns aufgeteilt worden.

    Als Antwort auf die PISA Studie wird die Rückkehr zu der "alten" Tradition aus verschiedenen Gründen allerdings nicht ausreichen. Zum einen sind heute viele Frauen berufstätig, die Kinder sind (zumindest während des schulpflichtigen Alters) alleine zuhause. Die 100% Mammi, wie ich sie noch erleben durfte, ist selten geworden. Zum anderen hat sich insbesondere in den sozial benachteiligten Familien eine Art "Vererbung" des Desinteresses breit gemacht. Auch darüber gibt PISA Auskunft. Um die Kinder hier herauszuholen Bedarf es eben engagierter Lehrer. Um ersteres Problem zu lösen, sehe ich keine Alternative zur Ganztagsschule mehr. Auch wenn ich diese Schulform bis vor wenigen Wochen noch abgelehnt habe. Auch das finische Konzept der Gesamtschulen und insbesondere der absoluten Finanzautonomie halte ich für notwendig, um in Zukunft zu besseren Ergebnissen zu kommen.

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  2. Suesse 09.01.02 22:00

    Vererbung des Desinteresses bei sozial schwachen Familien finde ich ein bißchen hart, Markus! Die Pisa-Studie belegt ebenso wie der 1. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung und auch die neueste Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks, dass es hier nicht unbedingt um Desinteresse geht, sondern dass die soziale Situation bereits bei SchülerInnen massive Auswirkungen auf deren Bildungschancen hat. Dass es sich Familien nicht leisten können, ihre Kinder Abi machen zu lassen, ist in diesem unseren Lande leider keine Seltenheit! Aber dagegen tut niemand was... (BaföG gibt es dafür übrigens nicht, nur um dem Einwand vorzubeugen).

    Die "100% Mami" halte ich übrigens für ziemlich kontraproduktiv - wie soll sie ihre Kinder zu einem wachen Geist erziehen, wenn sie selbst kaum Input kriegt und ihr geistiges Potential nicht wirklich einsetzen kann?

    Davon abgesehen finde ich es ganz schön krass, mit welcher Selbstverständlichkeit du hier auch in dieser Zeit noch Kindererziehung als reiner Frauenjob darstellst!!!

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  3. Anonym 10.01.02 11:30

    ad 1 - Ich denke schon, dass wir mittlerweile in einem Zeitalter angekommen sind, wo es den meisten Menchen ermöglicht wird, Ihr Abitur zu realisieren - schau doch mal Jahrzehnte zurück, da sah es noch ganz anders aus

    ad 2- Ich find die 100% Mami alles andere als kontraproduktiv, da ich selber so ein Kind bin und meine Mami mich schon dahin gebracht hat, wo ich heute stehe (knappe 26, Consulting!). Sicherlich gibt es nicht nur positive Elemente einer 100% Mami - Stichwort Selbstständigkeit! Dennoch würd ich meine Erzeihung um keinen Preis eintauschen wollen!

    ad 3 - Ich denke die Darstellung der Kindererziehung als reine Frauenaufgabe ist sicherlich nicht mehr zeitgemäß, doch wollen ziehen sich auch heutzutage noch sehr viele Frauen diesen Schuh an.

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  4. Suesse 10.01.02 13:18

    Hallo Unbekannte(r),
    Zu deinem 1. Punkt: Bis ich die oben genannten Studien las, hatte ich eine ähnlich blauäugige Vorstellung davon - aber wenn gleich 3 sehr renommierte Studien aus dem gleichen Zeitraum das belegen, scheint wohl was dran zu sein. Das Schlimme daran: Dieser Befund setz sich an der Uni noch fort und verschärfte sich in den letzten Jahren sogar noch: nur noch 10 % der Studis kriegen BaföG, der Anteil von "Arbeiterkindern" geht immer weiter zurück, dafür steigt der Anteil von Studierenden aus sehr gut situiertem Elternhaus besonders stark an. In meinem weiteren Bekanntenkreis bzw. in meiner Nachbarschaft gibt es übrigens tatsächlich einige, die es sich nicht leisten können, ihr Kids bis zum Abi zu finanzieren, an ein Studium ist schon gleich gar nicht zu denken!

    Zu deinem 2. Punkt: Ich hatte zeitweise auch eine 100% Mami - und sie war alles andere als glücklich damit und wollte schleunigst wieder in ihren Job zurück!

    Zu 3.: Die Frage ist aber doch, ob das eine selbstbestimmte Entscheidung ist, die wohlüberlegt gemeinsam mit dem Partner getroffen wurde, oder ob es einfach als Selbstverständlichkeit erachtet wird. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass Frauen einfach mal so gerne ihren Job sausen lassen, für den sie immerhin einige Jahre an Ausbildung investiert haben! Und die Bereitschaft der Herren, zugunsten ihres Nachwuchses den Job eine Weile ruhen zu lassen oder auch nur zeitweilig einzuschränken, geht gegen Null - das zeigen z.B. Statistiken zum Erziehungsurlaub. In Skandinavien ist man damit schon viel weiter!

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  5. Glo... 10.01.02 14:06

    ad 1- ok, wenn es also dann 3 Studien empirisch aufzeigen, kann ich wohl nicht mehr gegenanstinken ;-)
    Mein Bauchgefühl und auch meine Erfahrung zeigen mir was anderes, besonders was das Abi angeht, aber ok! Müssen wir eben den deutschen Sozialapparat noch mehr aufblähen ...

    ad 2- naja, es war DEINE mami und sie war unglücklich, doch es gibt mit Sicherheit ne Menge Frauen, die sich wohlfühlen und was man schließlich draus macht, liegt doch an jedem Einzelnen.

    ad 3- Sicherlich ist eine Frage der Entscheidungsmodalitäten. Aber hey, wieso kannst Du Dir es nicht vorstellen, nur weil Du vielleicht anders tickst? ES gibt genügend und sogar gebildete Frauen, die entweder ganz oder zumindestens auf einen Teil Ihres Jobs verzichten. Schließlich ist da nun ein KIND und wenn ich eins NICHT VERSTEHEN kann und werde, dann sind es genau diese Familien, die Kinder in die Welt setzen und dann mal schauen ... Dann muss also jede Dame, deren Mann aufs KInd aufpassen soll eben nach Skandinavien auswandern - bitte schön!

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  6. Anonym 10.01.02 16:17

    Zu Punkt 1 kann ich Dir voll und ganz zustimmen. Der Trend an der Humboldt Universität (Informatik) geht dahin die Hälfte der Studenten bis zum Diplom zu vergraulen, um die Diplomanden betreuen zu können. Da die Förderung spätestens nach 9 Semestern vorbei ist (meist schon nach 4) fallen die BaföG Empfänger raus und "Pappi's Söhne" heben die durchschnittliche Studiendauer auf mittlerweile 13 Semester an. Da ich besonders schlau sein wollte und während der Ausbildung an der Fernuni Mathe f. Informatiker belegt habe (zur Übung, kein Schein), fällt meine Förderung spätestens nach 2 Semestern weg. Für mich bedeutet das entweder hinzuschmeissen, oder mein Studium selbst zu finanzieren. Bislang tendiere ich zu der zweiten Lösung.

    In Punkt 3 interpretierst Du vielleicht ein wenig falsch. Zunächst stellt sich mir die Frage, ob bei der "Selbstverständlichkeit" nicht vielleicht der falsche Partner ausgewählt wurde. Wenn solche Dinge vor der Entscheidung für ein Kind nicht geklärt sind, läuft vermutlich etwas falsch. Ich habe in einer früheren Beziehung (die nicht ich beendet habe) übrigens schon mit 18 Jahren gesagt bekommen, daß ich zuhause bei den Kindern bleibe. Als ich darüber diskutieren wollte, hat sie angefangen zu weinen. Auch so können "Selbstverständlichkeiten" bei der Kindererziehung aussehen ;-).

    Im übrigen halte ich es für eine Unterstellung Männern fehlende Bereitschaft zur Kindererziehung vorzuwerfen. In der Regel sind es ökonomische Zwänge, die dazu führen, daß mehr Frauen den Erziehungsurlaub in Anspruch nehmen. Das ist sicherlich auch diskussionswürdig, aber die Ursache liegt woanders, als der von Dir angeführt.

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  7. Glo... 10.01.02 16:25

    Klasse Beitrag!

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  8. Suesse 10.01.02 23:25

    Das mit dem falschen Partner halte ich ebenso für ein Totschlagargument wie das der ökonomischen "Zwänge". Das Problem ist - wie man auch an deiner und GPs Haltung sieht - dass offensichtlich die meisten Männer noch nicht mal bereit sind, überhaupt nur ernsthaft darüber nachzudenken, ob sie nicht (auch) Erziehungsurlaub nehmen könnten. Besonders attraktiv ist Erziehungsurlaub nun wirklich nicht und die Einstiegsmöglichkeiten hinterher oder vernünftige Teilzeit-Modelle und Kinderbetreuungsangebote sind leider immernoch Mangelware. Aber wenn man schon gemeinsam ein Kind in die Welt setzt, sollte man auch gemeinsam in diesen sauren Apfel beißen! - Das mit dem Nuckeln an Papis Brust soll wohl auch nur die Sache an sich ins Lächerliche ziehen - Vater nur am Wochenende ist trotzdem ein wenig mager!

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  9. Mic... 12.01.02 01:39

    ad 1 - Ich denke schon, dass wir mittlerweile in einem Zeitalter angekommen sind, wo es den meisten Menchen ermöglicht wird, Ihr Abitur zu realisieren - schau doch mal Jahrzehnte zurück, da sah es noch ganz anders aus


    Eben. Wir haben das allgemeines Anspruchsniveau fürs Abitur so weit abgesenkt, das es auch jeder bekommt, schließlich wäre es ja sonst auch ungerecht.

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  10. Anonym 10.01.02 16:01

    Nun, der Begriff erinnert ein wenig an Sozialdarwinismus, da gebe ich Dir Recht. An der Intension, nämlich dem Schereneffekt, der sich durch die Generationen zieht halte ich fest. Im übrigen lies doch mal in den Anmerkungen zur PISA Studie weiter. Dort wird nicht in erster Linie von den Kosten gesprochen, sondern von mangelndem Selbstbewußtsein der Eltern. "Abitur ist nur was für die intellektuellen Familien". Meine Erfahrungen stammen nicht aus Studien, sondern aus meinem eigenen Leben (entstamme der erwähnten "schwachen" Schicht) und aus den Erfahrungen aus der Bank. Da wir noch regional verwurzelt sind, habe ich viel mit den erwähnten "Problemfällen" zu tun. Und es ist selten das dort jemand den Sprung "aufwärts" schafft. Weniger aus finanziellen Gründen (das kann ich ganz gut beurteilen), sondern weil "das nix für Dich ist".

    Ich hatte das Glück eine Mutter zu haben (Vater ist schon einige Jahre tot), die sich den Arsch aufgerissen hat (entschuldigung für das Gossendeutsch) mir bei Abitur, Ausbildung und Studium unter die Arme zu greifen. Bei 1.800 DM Rente sicher nicht einfach. Bei meinen Geschwistern war das nicht möglich. Von uns fünf haben zwei Abitur und ich bin der einzige, der es geschafft bis zum Studium zu kommen, nicht zuletzt durch den Zuspruch meiner Geschwister und guter Freunde. Ich weiß also sehr wohl was es bedeutet ein Kind zum Abitur zu schicken. Aber es ist möglich.

    Ich finde es verwunderlich, daß Du den Hausfrauen unterstellst ohne wachen Geist und ohne Input durch's Leben zu wandeln. Glaubst Du mit Studium und Job stehst Du darüber? Kann man Lebenserfahrung und geistige Reife nur dort erfahren? Das halte ich für ein Gerücht. Meine Mutter wird mit Palto und Sokrates, mit Differenzial und Integralrechnung, sowie mit der allgemeinen Relativitätstheorie wenig anfangen können. Aber das empfinde ich auch nicht als notwendigen Bestandteil einer guten Erziehung.

    Ich stelle im übrigen die Kindererziehung nicht als reinen Frauenjob dar. Ich habe lediglich erwähnt, daß ich dankbar für Die Zeit war, als meine Mutter meinetwegen zuhause war und ich nicht wie viele andere den Nachmittag alleine verbringen musste. Und ich war natürlich froh noch "traditionell" gestillt zu werden, statt an Pappis Brust suchen zu müssen.

    Auf diese "Leben des Brian" Parodie ("Liebe Männer...und Frauen!...und Hermaphroditen!") verzichte ich gerne. Emanzipation fängt nicht bei dieser verquerten Sprache an. Selbstverständlich ist Erziehung auch Aufgabe des Vaters. Wobei ich nicht hätte tauschen wollen.

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  11. Glo... 10.01.02 16:27

    Langsam find ich gefallen an Deinen Beiträgen! Weiter so ;-))

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  12. cpo... 10.01.02 17:01

    Zu meinen Vorrednern kann ich nur sagen, daß es eigentlich egal ist, wer den Hauptteil der Erziehung übernimmt. Nur sollte es eine gemeinsam getragene Entscheidung der beiden Partner sein.

    Viel wichtiger und darauf wollte ich mit meinem Eingangsstatement heraus ist, daß überhaupt eine Erziehung stattfindet. Und diese sollte die Kinder im Rahmen ihrer Möglichkeiten dazu motivieren, Spaß am Lernen, Lesen etc... zu gewinnen. Damit sollen die kleinen Kinder nicht zu kleinen Einsteins herangezogen werden, aber hier sollte die Basis für den späteren Erfolg - egal in welchem Ausmaß und in welcher Richtung - gelegt werden.

    Und hier sehe ich leider in der heutigen Gesellschaft starke Defizite. Vielzustark wird schnell nach staatlicher Unterstützung gerufen, um neben den Kindern die eigene individuelle Verwirklichung auch zu 100% durchsetzen zu können. Jedoch sollte sich jeder, welche Kinder in die Welt setzt auch dieser Verantwortung bewußt sein.

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  13. Anonym 10.01.02 19:14

    Hmm mein Beitrag hat sich in Luft aufgeloest. Driss! Jetzt wird es kuerzer!

    Super Beitraege uebrigens!!!

    Kurz zum Gymnasium! Das Niveau am Gymnasium ist zu niedrig! Bei mir wurde z.B. Stochstik nicht abgefragt, da es meine Mitschueler laut Lehrerin ueberfordert haette. "Und wir wollen doch das jeder durchkommt!"

    Das mit dem mangelnden Selbstbewusst sein der Eltern verstehe ich nicht. Es gibt zu viele unqualifizierte Schueler auf dem Gymnasium. Es hat einerseits damit zu tun, dass man das Beste fuers Kind will und die anderen ALternativen keine richtigen sind. Der Realschulabschluss ohne Hoeherehandelsschule ist nur noch im Handwerk was wert und die Hauptschule ist zum Sammelbecken verkommen!

    Kurze Anmerkung zum Arbeiten und Bafoeg. Ich haette nie eine Chance es zu bekommen und habe davon auch keine Ahnung, aber Arbeiten und das Geld sich selber verdienen ist immer die bessere Alternative. (Will keinem auf die Fuesse treten, ausserdem zahlt man das Geld ja auch zurueck!!!! Das weiss ich!!! ;-)
    Das Studium in Deutschland ist ja so gestrickt, dass man genug Zeit hat um zu studieren und ausreichend zu arbeiten.

    Zu den Frauen und Kindern halte ich meinen Mund. Nur soviel. Zur Not tut es auch eine Kinderfrau!

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  14. Anonym 10.01.02 20:17

    Das Niveau des Gymnasialen Abschlusses ist zu gering, darin gebe ich Dir Recht. Hier sind allerdings nicht mangelnde Selektion ausschlaggebend, sondern mangelhafte Unterrichtsgestaltung, sofern er überhaupt noch stattfindet. Hessen zeigt mit dem Modell der Selektion der Grundschüler durch die Lehrer, daß mitnichten das Niveau dadurch nachhaltig zu steigern ist. Darum habe ich die Gesamtschule (mit Gymnasialer Oberstufe) angeführt. Hier besteht die Möglichkeit eines "Schulwechsels" ohne Gefahr einer sozialen Isolation, wovor (für viele hier vermutlich unverständlich, aber so ist es nunmal) viele Schüler und Eltern Angst haben. Bitte beachtet dabei, daß ich mir der Fehler in der Umsetzung des deutschen Gesamtschulkonzeptes sehr wohl bewußt bin. Wenn ihr solche Konzepte funktionsfähig sehen wollt, schaut nach Finnland oder Schweden. Und vergeßt nicht die Ergebnisse in der PISA Studie zu berücksichtigen. Verbunden mit einer Ganztagsschule haben wir auch die Probleme der berufstätigen Frauen entschärft.

    Bei Deiner Stellungnahme zum BaföG musste ich grinsen. ;-) Finanzierst Du Dein Studium (ausschließlich) aus eigener Arbeit? Ich habe in der Vergangenheit sehr häufig solche schlauen Sprüche gehört. Ich habe 22 Semesterwochenstunden, wenn ich ein Überflieger wäre, würde ich vielleicht mit den von meinen "Beratern" veranschlagten 44 Stunden pro Woche klarkommen. Bei 80% Mathematik, daß sehr übungsintensiv ist, tendiere ich jedoch eher auf 50-55 Stunden, je nach Stofflage. Um mein Studium zu finanzieren, muß ich eine Halbtagsstelle annehmen (20 Stunden). Macht eine Arbeitsbelastung von etwa 70 bis 75 Stunden die Woche. Das als erstes meine Studienleistung unter Formtiefs leidet, muß ich wohl kaum erwähnen. Denn mit dem Wissen über Turing-Maschinen oder Logik kann ich meine Miete leider nicht bezahlen.

    Was Frauen und Kinder angeht: Ich halte eine "Kinderfrau" für den falschen Weg, soll sie als Mutter- (oder Vater-) Ersatz dienen. Wer Kinder nicht als Lebensaufgabe, sondern als "optionale Lebensergänzung mit Arbeitsminimierungsmöglichkeit" betrachtet, sollte lieber keine in die Welt setzen. Wobei ich prinzipiell das Gefühl habe, daß immer die falschen Leute Kinder bekommen ;-)

    Viele Grüße,
    Markus

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  15. Anonym 11.01.02 11:24

    Hallo Markus,

    ich gehe halt von mir aus und sehe was ich zu Leisten im Stande bin und schliesse oefter mal auf andere.
    Kurz zu mir. Ich habe eine Bankkaufmannsausbildung gemacht und gleichzeitig mit dem Studium angefangen. Da ich ein berufsintegriertes Studium absolviere ist das so auch vereinbar. (Zur Zeit geniesse ich alle Freiheiten in Sevilla.....)
    Ansonsten arbeite ich Mittwochs bis Freitags und studiere Montag, Dienstag, Samstag von 9 bis 20 Uhr. Die Arbeitszeiten im Investmentbanking sind anders (es wird aber ein wenig aufs Studium ruecksicht genommen). Ab April schreibe ich in einem engen Zeitfenster (12 bis 14 Wochen) meine Diplomarbeit.

    Ich glaube dir gerne, wenn man das Studium ernst nimmt, das man locker auf 70 Stunden kommen kann. Jedoch habe ich sehr viele Freunde an der Uni Koeln, die meist vor 10 nicht aus dem Bett kommen und mich fuer doof halten, wenn ich in der Woche nicht bis 3 Uhr feiern kann und will!

    Wollte dir also nicht auf die Fuesse treten!

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  16. Suesse 10.01.02 23:39

    Sich das Studium selbst finanzieren ist aber dann nicht mehr die bessere Alternative, wenn du vor lauter Jobben nicht mehr wirklich zum Studieren kommst! Die von Markus erwähnte 75-Stunden-Woche kenne ich selbst nur zu gut - es geht schon irgendwie, die Praxiserfahrung möchte ich auch nicht missen, aber die Qualität des Studiums leidet auf jeden Fall drunter. Das Studium mag übrigens bei BWLern und Juristen so gestrickt sein, dass beides nebeneinander ganz gut geht, weil man nicht unbedingt in die Vorlesungen muss - aber Mediziner, Naturwissenschaftler oder Ingenieure haben es da mit ihren vielen Übungen, Laborpraktika usw. mit Anwesenheitspflicht doch ein Stück härter...

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  17. Anonym 11.01.02 11:29

    Viele meine Kommolitonen haben aufgrund der hochen finanziellen Belastungen einen Kredit aufgenommen, den sie nach dem Studium zurueckzahlen.

    Fuer mich ist ein Studium ein Investition in die Zukunft. Zum Glueck haben meine Eltern mir von Anfang die volle Unterstuetzung zugesagt. Mit einem halben Bankkaufmannsgehalt kann man sich sehr schwer Wohnung und Studiengebuehren und das Leben leisten.

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  18. Anonym 11.01.02 18:59

    Nun, in meinem Fall wären das rund 70.000,- DM (sehr knapp kalkuliert), die ich Aufnehmen müsste. Ich bezeifle, daß meine Bank (ohne Sicherheiten?) da mitspielt.

    Für jeden ist es eine Investition in die Zukunft. Wenn ich alleine an die rund 150.000,- DM Verdienstausfall denke.... :-(

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  19. Anonym 11.01.02 20:04

    gut, gut...jeder Fall ist halt anders. Es war ja ein moeglichkeit, wie sich Studenten meiner Hochschule finanzieren. (wir areiten auch bei der Bank und die hat immer den Finger auf den Finanzen!) Aber habe auch von Ausbildungs bzw. Studienkrediten gehoert...aber vielleicht muessen da auch die Eltern ihr Haus der Bank in den Rachen werfen....

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  20. Suesse 10.01.02 23:07

    Nein, ich unterstelle nicht Hausfrauen, ohne wachen Geist durchs Leben zu wandeln und ich lasse mir auch nicht gerne die Worte im Mund herumdrehen, das ist einfach nur mieser Diskussionsstil! Ich sagte, sie bekommen wenig Input von außen und können ihr geistiges Potential nicht voll einsetzen. Und das ist eine völlig normale und logische Folge davon, dass man aus seinem Job eine Weile raus ist: Kein Austausch mit KollegInnen, keine (neuen) geistigen Anforderungen, aktuelle Entwicklungen nicht mehr mitbekommen, nichts mehr lernen müssen, etc. Damit sind auf Dauer tatsächlich viele Frauen unzufrieden (und zwar auch die, die zunächst mal gerne auf die Kinder aufpassen wollten). Es braucht noch lange nicht Platon oder Integralrechnung sein, wie du so reizend polemisch formuliert hast! - Und dass ich drüber stehe, weil ich studiert habe - nett, wirklich! (aber ernst nehmen muss ich den Quatsch nicht, oder?)

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  21. runaway 11.01.02 08:00

    bezüglich der Hausfrauen ist wahres dran. Hausfrauen (im klassischen Sinn) werden zu sehr pädagogisch gefordert und irgendwann, wenn die Kinder aus dem Haus sind, wissen sie mit ihrer Zeit nicht mehr viel anzufangen(war zum. meine familiäre Erfahrung). Ich finde, dass die Halbtagsjobs-Angebote für Hausfrauen ausgebaut werden müssen, vestehe nicht, warum die Unternehmen sich dabei immer noch anstellen. Vielleicht sollten wir die Aussage korrigieren: es fehlt nicht an dem Viel an Wissen(das Wort Input erinnert zu sehr an Computer), sondern es überwiegt ein einseitiges Wissen. Somit finde ich die Kompromisslösung mit Halbtagsjob, Kinderfrau sehr passend, aber meine auch, wie zuvor gesagt, dass die Erwachsenen sich da zuvor einigen müssen, wer welche Rolle für wie lange übernehmen will. Letzlich kommt nicht alles nur auf das Kind an, dieses muss auch die Bedürfnisse der Eltern mitbekommen.

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  22. runaway 10.01.02 23:48

    Ich möchte in diesem Zusammenhang doch noch auf eine weitere Perspektive hinweisen. Das bisher besprochene ist sicherlich ein wichtiger Teilaspekt der Problematik.
    Ein Teil der Medien und auch der Politik interpretiert die PISA-Ergebnisse als deswegen so schlecht, weil der Ausländeranteil sehr hoch wäre. In Finnland wäre der Ausländeranteil ja nur 4%. Bevor ich mich über diese Interpretation der Dinge kräftig auslassen werde, will ich doch noch eine Anekdote erzählen:
    Als ich noch im 8. Schuljahr war, wurden zu der 3./4. Unterrichtsstunde (wir) alle türkischen Schüler der Mittelstufe in die Aula gerufen. Wie alle anderen auch verpasste ich während dessen wichtigen Unterricht, wie Englisch, Mathe, Deutsch etc. Innerhalb der Zeit in der Aula wurden wir von 2 Mitarbeitern des Arbeitsamt dahingehend informiert, wie wertvoll und wichtig doch die Ausbildung ist als Kfz-Mechaniker usw....Am Ende liess sich nur noch Resumee ziehen: Ausbildung, Ausbildung, Ausbildung, bloß kein Abitur!!!! Ich halte jedoch fest: unter denen, die in die Aula gerufen wurden, waren ausnahmslos alle türkischen Schüler der Mittelstufe. Eine solche Initiative war noch nicht mal von türkischen Eltern gefordert worden. Der Schulleitung war es offensichtlich egal, wie das Schulverhalten der Kinder war. Ein guter Teil der Schüler damals waren ständige einser- und zweier-Kandidaten bei Klassenarbeiten (darunter auch meine Wenigkeit). Sie sind heute Ärzte, Wirschaftswissenschaflter und Juristen geworden. Dennoch wurden sie damals für 2 Unterrichtsstunden lang behandelt wie pathologische Schwachköpfe. Von solchen Dingen erfährt die Öffentlichkeit nicht, nicht die deutschen Kinder und ihre Eltern. Denen wurde bei Elternabenden allen ernstes erzählt, dass die türkischen Schüler das Niveau herunterziehen würden!!
    Also, wenn man in Zukunft Studien mit besseren Ergebnissen erzielen will, so sollte man nicht sich widersprechende Politiken verfolgen. In Deutschland geschehen leider solche Dinge und die Bevölkerung spielt hin und wieder mal mit, so z.B. die Wähler der Schill-Partei in Hamburg, die sich durch eine popelige "Die kriminellen Ausländer"-Politik haben verführen lassen.

    P.S.: Es möge mir keine/r den Beitrag übelnehmen. Ich bin von eurer Liberalität hier völlig überzeugt. Doch das musste auch mal gesagt werden.

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  23. Anonym 11.01.02 11:51

    Ich habe eine etwas andere Erfahrung gemacht. Wir hatten bis zur 10ten auslaendische Mitschueler bei uns, die keinen graden Satz schreiben konnte.

    Ich habe so eine Sitzung auch mitgemacht, wo mir vom Arbeitsamt erzaehlt wurde wie toll doch eine Ausbildung ist.

    Da ich keinen Kontakt zu deutschen Medien habe, es sei denn ich lese sie uebers Internet, ist mir die Schlussfolgerung der Presse unbekannt. Aber es liegt meiner Meinung nach nicht an dem "hohen" Auslaenderanteil, sondern an anderen Aspelten, die wir hier schon teilweise angesprochen haben.

    Ich halte immer noch fest, dass den heutigen Schuelern der Respekt fehlt, im Leben wie auch in der Schule. Sind Lehrer noch Respektpersonen??? Mein Vater fand ja, da er bei Fehlverhalten noch eins auf die Finger bekommen hat. (Ob das die richtige Art ist sei dahingestell.) In meiner Zeit kam es vor, dass Schueler der Schule verwiesen wurden, bzw. Zeitstrafen bekamen (2 Wochen Unterrichtsausschluss!). So weit mir bekannt ist das heute nicht mehr moeglich.
    Wie soll sich ein Lehrer durchsetzen, wenn er keine Moeglichkeit hat dies zu tun? Und eine 6, die zum Sitzenbleiben verdammt wurde auf meiner Schule inoffiziell vom Direktor verboten. (Er hat bei 6 den Lehrer zu sich bestellt und danach war es immer eine 5!)

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  24. Jan... 11.01.02 13:21

    Ich glaube, dass es sehr verschiedene Erfahrungen gibt. Ich kenne ausländische Schüler, die die Elite gebildet haben und umgekehrt Deutsche, die viel besser waren. Einigen wir uns darauf, dass in jeder Bevölkerung Leute existieren, die besser und schneller lernen können als die anderen. Nicht, dass sie dadurch zu besseren Menschen würden. ;-)

    Interessanter finde ich folgendes:

    A) Ich kenne einige Osteuropäer, die sehr gebildet sind und vor allem auf die Vorzüge ihrer Ausbildung hinweisen: Weniger Freiheit, mehr Zwang, mehr Auswendiglernen, mehr Hausaufgaben, mehr Kontrolle. Doch komischerweise haben auch diese Ländern schlecht abgeschnitten, viel schlechter als die Deutschland. Und ehrlicherweise muss ich sagen, ich finde Teile des osteuropäischen Systems für viel besser als das deutsche System! :-)

    B) Die Japaner, die so "gut" abgeschlossen haben, wollen gerade Ihr System verändern, da es ein System ist, das Kreativität, Selbstständigkeit, Freiheit zerstört.

    a) Japan ist ein System, wo der Kindergarten die Schule bestimmt, die Schule die Uni, die Uni das Unternehmen.
    b) Es wird fast nur auswendig gelernt.
    c) Es gibt sehr großen Wettbewerb. Viele Fälle von Schülerselbstmorden.
    d) Die Schüler müssen teilweise sehr viel Nachhilfeunterricht nehmen.
    e) Teilweise bereiten sie sich ein Jahr auf die Uniprüfungen (falls sie die Prüfung das erste Mal nicht bestanden haben).
    f) Ihr sollten Mal eine japanische Schulklasse erleben. :-)
    g) Oft müssen sie nur die ANtworten auf die Fragen wissen, die in test vorkommen werden und so lernen sie teilweise die Tests auswendig.
    aa) Gravierendes Beispiel Sprachen: es kommt nur auf die test, die schriftliche test sind.
    bb) Beispiel Deutschunterricht: Ich habe letztes Jahr einen japanischen Sudenten erlebt, der mir gezeigt hat, welche Buchstaben er benutzen musste, für einen test. Es war Alt-Deutsch (?), ß wurde noch als zwei Buchstaben geschrieben und vor allem die "schöne Schrift": also ich hätte wohl den test nicht bestanden. ;-) Ich weiss, es ist ein extremes Beispiel, denn sein Lehrer war sehr, sehr alt, aber dennoch.

    C) Was will ich damit sagen?

    *überleg´*
    *Lichtaufgeht*
    *g*

    VIELLEICHT IST DIE STUDIE SOWIESO QUATSCH!!!!!

    Vielleicht sind einfach nicht alle Faktoren berücksichtigt worden? :-)

    Grüße

    Jan

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  25. runaway 11.01.02 14:51

    ich finde nicht, dass die Studie quatsch ist..sie ist vielleicht sogar untertrieben..aber es sollten die richtigen Lehren daraus gezogen werden und darin ist die Politik gefordert...und deshalb meckere ich lieber vorher als nacher...

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