China - neue Weltmacht?!

sky... 05.02.02 13:34

Wie seht ihr China's Position im Verhältnis zu Europa bzw. den USA in den nächsten 20 Jahren. Inwieweit hat dabei Eure berufliche Orientierung eventuell Anstoss genommen?

Carsten

P.S. Studiert jemand von Euch (Süd)Ostasienwissenschaft oder vergleichbares?

  1. Anonym 05.02.02 21:34

    Zwanzig Jahre sind ein lange Zeit, dennoch: Entweder wird China durch grauenvolle Jahre des Hungers und Elends gehen, oder es gibt zuvor eine blutige Revolution.

    So wie bisher wird es nicht weitergehen.

    China hat für mich beruflich keinerlei Relevanz, weil ich dieses System nicht unterstütze.

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  2. tig... 05.02.02 21:38

    In einer Werbekampagne von Accenture heißt es: 2005 wird Chinesisch die Web-Sprach Nr. 1 sein. Würde das Wachstum Chinas so weitergehen wie in den letzten 20 Jahren, dann hätte das BIP Chinas das der USA im Jahre 2020 überholt.
    Ganz klar ist China im Moment einer der Wachstumsmärkte schlechthin. Die Entwicklung der stetigen Öffnung Richtung Westen und Marktwirtschaft seit Ende der 70er Jahre ist so schnell vorangegangen, dass sich zumindest die Küstenstädte in moderne Wirtschaftszentren verwandelt haben. In Shanghai existeieren zur Zeit 30.000 Baustellen, der Blick über die Skyline gleicht einer Stadt wie New York.
    Das zeigt, wie viel dort möglich ist. In Anbetracht der Tatsache, dass trotz aller Entwicklung bis jetzt immer noch so ein geringer Teil der 1,3 Milliarden großen Bevölkerung an dieser Entwicklung teilhaben konnte, steckt in China sicherlich ncoh ein riesiges Potenzial, auch gerade durch den WTO-Beitritt.
    Nicht außer Acht gelassen werden sollten aber auch Faktoren wie die immer größer werdende Arbeitslosigkeit durch die Privatisierung und die aufreißende Armutsschere als Effekt dessen.
    Jetzt folgt eine Phase, in der viele Probleme erst einmal gelöst werden müssen, bevor China Europa oder gar die USA "überholt". Ich denke da z.B. an ein funktionierendes Rechtssystem und die langfristige Etablierung der sozialistischen Marktwirtschaft.
    Trotz allem ist China ein hochspannedes Land. Wir waren im Oktober auf Studienreise dort und beindruckt von dem Tempo, was in China vorherrscht. Und die Entwicklung ist noch lange nicht am Ende, ich sehe es nur kritisch, dass das alles so schnell zu verwirklichen ist.

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  3. cpo... 05.02.02 23:31

    Das in China ein riesiges Potential liegt, was man heute noch gar nicht richtig abschätzen kann ist richtig. Dennoch glaube ich, daß die Chinesen ihre Stärke nicht richtig ausspielen können, solange sie noch an ihrem jetzigen politischen System festhalten und der WTO-Beitritt mit allen Konsequenzen nicht nur vollzogen sondern auch umgesetzt wird.
    Ich persönlich habe mich noch nicht auf den Chinesischen Markt vorbereitet. Dieses würde jedoch auch einiges mehr als nur Sprache lernen bedeuten. Vor allem die kulturellen Unterschiede müssen verstanden werden, was nicht so ganz einfach sein soll.

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  4. tig... 05.02.02 21:39

    In einer Werbekampagne von Accenture heißt es: 2005 wird Chinesisch die Web-Sprach Nr. 1 sein. Würde das Wachstum Chinas so weitergehen wie in den letzten 20 Jahren, dann hätte das BIP Chinas das der USA im Jahre 2020 überholt.
    Ganz klar ist China im Moment einer der Wachstumsmärkte schlechthin. Die Entwicklung der stetigen Öffnung Richtung Westen und Marktwirtschaft seit Ende der 70er Jahre ist so schnell vorangegangen, dass sich zumindest die Küstenstädte in moderne Wirtschaftszentren verwandelt haben. In Shanghai existeieren zur Zeit 30.000 Baustellen, der Blick über die Skyline gleicht einer Stadt wie New York.
    Das zeigt, wie viel dort möglich ist. In Anbetracht der Tatsache, dass trotz aller Entwicklung bis jetzt immer noch so ein geringer Teil der 1,3 Milliarden großen Bevölkerung an dieser Entwicklung teilhaben konnte, steckt in China sicherlich ncoh ein riesiges Potenzial, auch gerade durch den WTO-Beitritt.
    Nicht außer Acht gelassen werden sollten aber auch Faktoren wie die immer größer werdende Arbeitslosigkeit durch die Privatisierung und die aufreißende Armutsschere als Effekt dessen.
    Jetzt folgt eine Phase, in der viele Probleme erst einmal gelöst werden müssen, bevor China Europa oder gar die USA "überholt". Ich denke da z.B. an ein funktionierendes Rechtssystem und die langfristige Etablierung der sozialistischen Marktwirtschaft.
    Trotz allem ist China ein hochspannedes Land. Wir waren im Oktober auf Studienreise dort und beindruckt von dem Tempo, was in China vorherrscht. Und die Entwicklung ist noch lange nicht am Ende, ich sehe es nur kritisch, dass das alles so schnell zu verwirklichen ist.

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  5. Anonym 05.02.02 23:50

    Also ich habe einen grossen Teil meines Lebens in Suedostasien verbracht (Singapur) und moechte auch zu diesem Thema meinen Senf beitragen...

    Ich glaube, dass China nicht zu unterschaetzen ist. Es steckt ein SEHR grosses Potenzial in diesem Land - weshalb investieren so viele europaeische und nordamerikanische Firmen dort? Allerdings geht so etwas sehr Schwer ohne einen Partner im Lande (evtl. Joint Venture oder Distributor zur Risikominimierung), der das entsprechende "know-how" und die Connections besitzt. In China laeuft fast alles ueber "Guang-Xi", also, "Connections".

    Ich habe schon sehr frueh in meinem Leben mit einer asiatischen Sprache angefangen, und zwar war es Pflicht an meiner Schule damals, eine asiatische Sprache zu lernen. In diesem Falle habe ich japanisch gelernt, und bin nach 8. Jahren und 2 Aufenthalte in Japan immer noch dabei. Insofern habe ich mich eigentlich schon fuer eine Karriere bei einer deutschen (oder internationalen) Firma in dem asiatischen Raum ausgerichtet. Persoenlich wuerde ich es auch vorziehen, in diesem Raum zu leben.

    Wenn China dann seine interne Probleme in den Griff bekommt (warte noch 20 Jahre), werden sie einen starken Gegner fuer die westlichten Wirtschaft sein, der nicht zu unterschaetzen ist. Ich habe es auch mit meinen eigenen Augen gesehen und erlebt - fuer die Kosten eines Jobs in Europa koennen 10 neue in Asien erscheinen. (grob gesagt) Mit den sehr niedrigen Personal und Fixkosten koennen westliche Laender immer weniger mit den asiatischen Produzenten konkurrieren (hoechstens auf der Qualitaetsebene, aber der Vorsprung wird immer kleiner).

    So, nun genug von meiner Seite... ich koennte noch weiterquatschen aber halte es kurz.

    Was sagen denn die anderen squeaker zu diesem Thema?

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  6. Wal... 06.02.02 21:20

    Ich kann mich der Meinung von Cohiba nur anschliessen. Ich denke dass China ein unglaubliches Potenzial hat, dass noch am schlafen ist. Doch derzeit, nicht zuletzt auch durch das Internet und die Rückgabe Hong Kongs an China fangen die veralteten Strukturen an zu bröckeln. Da werden langfristig auch alle Versuche der Regierung zur Regulierung des Internets auch nichts helfen. Ich zweifle zwar auch derzeit noch daran, dass eine Revolution in China so friedlich verlaufen könnte, wie einst in der DDR, gebe aber auch hierfür die Hoffnung nicht auf.
    Ich selbst bin auch im Bereich E-Business Strategie tätig und arbeite nur noch mit Thailändischen Designer und Programmierern zusammen. Die Qualität ist der in Deutschland mindestens ebenbürdig und die Preise im Verhältnis ein Traum. Auch in Thailand ist ein grosser Einfluss chinesischer Geschäftsleute deutlich zu spüren.
    Wie schon von Cohiba erwähnt reicht es hier in Asien sicherlich nicht aus einfach die Sprache zu erlernen. Um erfolgreich Geschäfte zu tätigen ist eine umfangreiche Studie der Kultur und des Verhaltens notwendig und natürlich letztendlich der Aufbau von Connections oder viel Geld, damit lässt sich hier immer noch sehr viel kaufen.
    Kurz gesagt ich sehe in den nächsten 10 - 20 Jahren ein starkes Wirtschaftsmacht Potenzial in China und auch durchaus, das Chinesisch nach Englisch die meisst gesprochen Sprache der Welt werden kann.

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  7. cpo... 08.02.02 09:34

    zu Kosten für den Job:
    Dieses ist zur Zeit noch so. Und wahrscheinlich auch in den nächsten zehn Jahren. Jedoch haben wir diese Entwicklung in Europa auch durchlebt, wenn auch ein/zwei Jahrhunderte vorher. Länder wie China werden im Expresstempo (im Vgl. zu der Entwicklung im Westen) sich dem westlichen Lohnniveau nähern. Durch die Medien wird den Menschen vorort vor Augen geführt, welche Leistungen/Löhne in unserer Gegend gezahlt werden und welche Rechte der Arbeiter/Angestellte hier hat. Die Menschen werden sich dann auch nach weiteren Werten sehnen. Freizeit/Urlaub etc.. werden dann einen ganz anderen Stellenwert bekommen.

    Die Japaner haben zur Zeit ja auch dieses Problem. Hier entdecken die arbeitenden Menschen auch das Leben neben der Arbeit und wollen hier mehr Rechte für sich durchsetzen.

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  8. Anonym 08.02.02 11:12

    China ist die Macht mit dem größten
    Wachstumspotential - so weit sind wir uns
    vermutlich alle einig. Allerdings ist es von den vier
    Zentren der Weltwirtschaft auch dasjenige mit den
    größten Hürden vor sich. Die Probleme Europas
    und Amerikas sind im Prinzip beherrschbar, sie
    wären durch energische Führung, Abschneiden von
    alten Zöpfen (Subventionen und ähnlichem
    Quatsch), investitionsfreundlichere Steuersysteme
    und verstärkte Technologieförderung (gennante
    Punkte vor allen Dingen bei uns) zu beheben.
    Amerika muss an seinen Handelsbilanzen arbeiten,
    ansonsten entsteht eine Kapitalströmung, wie es sie
    schon einmal gegeben hat (vor 29).
    Japan steht seit zehn Jahren mit dem Rücken zur
    Wand, es handelt sich um eine Systemkrise, die
    Politik minimalen Imports, billigen Geldes usw. lässt
    sich nur mit einer Wirtschaft durchführen, die kein
    sonderliches Gewicht in der Welt hat. Mindestens
    ein Jahrzeht wird es auch dauern, bis Japan diese
    Krise überwunden hat.
    China steht vor einer solchen Sytemkrise. Es sind
    tausende maroder, technologisch überholter,
    defizitärer Staatsbetriebe vorhanden, die
    glänzenden Erfolge in anderen Bereichen können
    darüber nicht hinwegtäuschen. Die Sanierung bzw.
    die Schließung dieser Produktionseinrichtungen
    wird ein schmerzhafter Prozess.
    Gesellschaftliche Probleme kommen hinzu. Es ist
    ein Gemeinplatz, die Korrelation von
    wirtschaftlicher iund politischer Freiheit
    anzuführen, aber es ist ein Gemeinplatz, der sich
    bisher immer BESTätigt hat. Politische Reformen
    sind notwendig, wenn sie nicht durchgeführt
    werden, werden sie erzwungen werden. Und
    niemand ist unfähiger, echte politische Reformen
    durchzuführen, als eine kommunistische Führung.
    Dann gibt es das technologische Problem. Die
    wirtschaftlichen Schlachten der Zukunft werden
    nicht auf dem Billiglohnsektor entschieden -
    insofern zieht dieses Argument nicht. Biotech und
    Nanotechnologie sind Bereiche, in denen nur
    hochqualifizierte Spezialisten agieren können (und
    die sind überall teuer) In beiden Bereichen hat der
    Westen eindeutig die Nase vorn, selbst in Europa
    und dort selbst in Deutschland hat eine dynamische
    Entwicklung eingesetzt, von der im gesamten
    asiatischen Raum nicht annähernd so viel zu spüren
    ist.
    Der Westen bewegt sich mit Riesenschritten in eine
    Hochtechnologiegesellschaft, für die in China der
    gesellschaftliche Unterbau fehlt. Insofern glaube
    ich nicht daran, dass China mit Europa und
    Ameriak in absehbarer Zeit auf den entscheidenden
    Gebieten gleichziehen kann.

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  9. Anonym 08.02.02 18:03

    Eine kleine Geschichte vor ab, die mir ein Bekannter der fuer eine deutsche Firma in Asien arbeitet. Ein chinesischer Kuehlschrankhersteller sagte einmal zu meinem Bekannten. Wenn ich jedes Jahr an jeden chinesischen Einkommensmillionaer einen Kuehlschrank verkaufen koennte, haette ich keine Probleme in meinem Leben.
    Was ich gelesen habe gibt es uber 1,5 Millionen Einkommensmillionaere in China.

    Ich denke, dass sehr viel Potential in China steckt. Denke es gibt mehr Probleme als Chancen. Das ganze Kapital sitzt in den sogenannten Handelszonen...sicher 90% der Bevoelkerung haben keinen Anteil an dem "Wirtschaftswunder". Die Schere zwischen ARM und Reich ist praegnant. Als ich diesen Sommer kurz in China war sah ich auf den Hauptstrassen dicke Wagen und in den Nebenstrassen nackte bettelnde Kinder!
    Bevor es richtig losgeht wird es vorher zu einem richtigen Krach kommen! Entweder durch eine Revolution oder eine wirtschaftliche Reaktion. (die chinesischen Aktien die in Hong Kong gehandelt werden sind weit overpriced!)


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  10. runaway 15.02.02 19:11

    China wird innerhalb der nächsten 20 Jahre bestimmt nicht mit Europa und den USA mitziehen können. Sie wird wirtschaftlich asiatisches Mittelgewicht bleiben.
    Die Bevölkerungszahl China's finde ich nicht beeindruckend, eher beängstigend für das Land selber.
    China hat nunmal eine unmöglich große Bevölkerungszahl. Diese muss ernährt werden. Über landwirtschaftliche Nutzflächen verfügt das Land nicht in der erforderlichen Größe; auch ist diesbezüglich die nötige technologische Entwicklung nicht gegeben.
    Desweiteren ist das Land nicht reich an Rohstoffen, Mineralien, Erzen usw. Es muss vieles importieren. China lebt daher hauptsächlich von der (Billig-)Produktion für den Westen. Das wird sich auch in den nächsten 2 Jahrzehnten nicht ändern.
    China ist ein klassisches Beispiel dafür, was geschieht, wenn der Bevölkerungszuwachs unkontrolliert wächst, also verwildert. China hätte hiergegen mindestens 100 Jahre vorher reagieren müssen. Nun ist es fast zu spät, China ist auf dem besten Wege in die Lähmung.
    Auch hatte China -historisch betrachtet - das Pech vom Kommunismus eingenommen zu werden. Zunächst übten sich die kommunistischen Machthaber in imperialistischen Beutezügen (siehe Tibet) und isolierten hiermit das Land für mehrere Jahrzehnte von der weltwirtschaftlichen Entwicklung, dann wurden sie immer repressiver und erstickten jede Art von neuer "Kulturrevolution". Das alles kann sich ja nur Bitter rächen.

    China kann sich nur noch mit einer agressiven Bevölkerungsentwicklungsdrosselung und mit Liberalisierung seiner staatlichen Struktur (so paradox das ganze klingt) aus der Beklemmung retten.
    Zudem kann man China politisch nur noch anraten, Tibet aus dem Würgegriff freizugeben. Nur so könnte China entsprechende Sympathien im Westen erwerben, damit dieser ihm entgegenkommt. Die westliche Gesellschaft ist, bei aller ihr gegenüber gerichteten Kritik, eine Wertegemeinschaft, was bedeutet, dass bei entsprechenden Werteannäherungen sie hilfreich jeder anderen Gesellschaft zur Seite steht.

    Und..... Europa und USA wird innerhalb der nächsten 20 Jahre und auch danach so leicht keiner einholen. Woran das liegt, ist aber ein (Forum-)thema für sich.

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