D-Zug Education

Anonym 14.01.02 00:55

Die Forderung nach einer verkürzten Gymnasialzeit werden immer lauter. Nach Sachsen und Thürigen, sind jetzt auch Bayern und Baden-Würtemberg auf den Zug aufgesprungen und bilden Ihre Einwohner im Schnellwaschgang.

Den nachfolgenden Text habe ich vor einiger Zeit, noch vor der Veröffentlichung der PISA Studie geschrieben und würde gerne eure Meinung dazu erfahren. Einige der Passagen sind aus den Quellen ziemlich wortgetreu übernommne (auch wenn man das nicht machen sollte). Bei Interesse an Quellen zu dem Thema stehe ich für Rückfragen gerne zur Verfügung:D-Zug Education

"23jähriger Softwareingenieur mit mindestens 15 Jahren
Berufspraxis und hervorragenden Kenntnissen in Deutsch,
Englisch, Französisch und Spanisch gesucht.

Idealerweise haben Sie Ihre Erfahrungen im Ausland
gesammelt und verfügen über herausragende
Teamfähigkeit und Führungsqualitäten."

So etwa stellen wir uns den Prototypen des
Mitarbeiters von Morgen von. Was klingt
verlockender als diesem Ideal mit einer
auf 8 Jahre verkürzten Gymnasialzeit
entschlossen entgegenzutreten?

Ohne Frage: unser Bildungssystem steht am Abgrund.
Angesichts dieser Tatsache kann es wohl kaum Sinn
machen, geschlossen hinter diesem System zu stehen
und aus Bequemlichkeit auf den tiefen Fall zu
warten.

"Es gibt einen besseren Weg. Finde ihn!" hat uns
Thomas Alva Eddison schon im 19. Jahrhundert
zugerufen.


- Ist das 12jährige Abitur der Weg dorthin?

Schauen wir uns zunächst einmal in Europa um. Gerne
wird von den großartigen Erungenschaften anderer
Länder geschwärmt und die jungendlich frischen
Gesichter der Berufseinsteiger gepriesen, die
in nur 12 Jahren ihr Abitur erreichen.

Wer genau hinschaut wird enttäuscht werden. In
der Europäischen Gemeinschaft z.B. verleiht streng
genommen nur Belgien die allgemeine Hochschulreife
nach 12 Jahren. Alle anderen EG-Länder mit verkürzter
Schulzeit vergeben nur eine fachgebundene oder
eingeschränkte Hochschulreife nach dieser Zeit. So
müssen vor Aufnahme des Hauptstudiums in Frankreich
häufig so genannte "classes préparatoires" absolviert
werden, in Spanien ein Vorbereitungsjahr, der "Curso
de Orientation Universitaria". Immerhin in vier Ländern
der Gemeinschaft wird die Hochschulreife wie in
Deutschland nach 13 Jahren vergeben.

Außerdem wir etwas ganz Wesentliches in der
öffentlichen Diskussion oft vergessen. Fast alle
Industrieländer mit verkürzter Schulzeit haben
wie z.B. Japan und Frankreich Ganztagsunterricht
oder wie etwa Österreich obligatorischen
Samstagsunterricht.

Schon jetzt erhalten die meisten Schüler in Ländern
mit verkürzter Schulzeit deshalb mehr Unterrichtsstunden
bis zum Abitur als in Deutschland. Beim Unterrichtsvolumen
sind wir mit lediglich 10.500 Vollzeitstunden bis zur
Hochschulreife weit hinter Frankreich mit 12.000
Vollzeitstunden oder gar Japan mit 12.500.

- Opa Studenten

Wem scheint es da verwunderlich, daß unsere
Abiturienten aufgrund des langen und steinigen Weg
zum Abitur als alte Greise die Showbühne der Wirtschaft
betreten?

Schnell wird vergessen, daß es auch andere Gründe für
das relativ hohe Durchschnittsalter akademischer
Berufsanfänger gibt. Nicht nur das zu hohe
Einschulungsalter von inzwischen knapp 7 Jahren, nicht
nur die sich vergrößernde Lücke zwischen Abitur und
Studienbeginn, sondern ganz besonders die sich ständig
verlängernden durchschnittlichen Studienzeiten an unseren
Universäten. Wer eine Reform der gymnasialen Ausbildung
fordert und gleichzeitig die Nöte der Universitäten vergißt,
handelt nicht nur blind, sondern verantwortungslos. Hinzu
kommen noch deutsche Besonderheiten wie die allgemeine
Wehrpflicht. während Länder wie die USA oder England
Berufsarmeen unterhalten.

In England sind trotz ebenfalls 13-jährigen Schulzeit
die Studienanfänger über 2 Jahre jünger als in
Deutschland. Die Gründe: frühere Einschulung mit 5 bis
6 Jahren, Spezialisierung an den weiterführenden Schulen,
verschultes Studium und keine Wehrpflicht. Mit einer so einfach
anmutenden Forderung nach einem D-Zug Abitur ist es also nicht
getan.

Das Gymnasium, dessen Dauer abgesehen von der NS-Zeit,
als Hitler das Gymnasium verkürzte, um zu Kriegsbeginn
zwei Abiturienten- bzw. Offiziersjahrgänge zur Verfügung
zu haben, immer gleich geblieben ist, stellt nicht die Ursache
des gestiegenen Durchschnittsalter akademischer Berufsanfänger
dar.

Um die böswillige Übertreibung des körperlichen
Zustands unserer Absolventen ein wenig zu relativieren, sei
erwähnt, daß sich trotz der Notwendigkeit einer umfassenden
Bildungsreform Deutschland durchaus mit dem großen Bruder
auf der anderen Seite des Teiches messen kann. Der deutsche
Anglistenverband hat vor kurzem in einer Studie überzeugend
dargestellt, daß der Magisterabschluß sowohl in den
USA, als auch in der Bundesrepublik im Durchschnitt mit 27
Jahren erworben wird. Von einer "Vergreisung" deutscher
Berufsanfänger im Vergleich zu denen der führenden Weltnation
kann also keine Rede sein.

Im übrigen sei jedem Leser empfohlen einmal mit
Personverantwortlichen großter deutscher Unternehmen zu
sprechen, die ihre Stellen international ausschreiben und
besetzen. Wie sie mehrfach öffentlich geäußert haben,
entscheiden sie nach Qualität und Persönlichkeitsprofil.
Ob ein Bewerber ein Jahr älter oder jünger ist, spielt
keine Rolle und wäre ökonomischer Selbstmord.

- Qualität der Lehre

Wie wichtig die Qualität der Lehre ist, zeigt ein
kurzer Blick über die bundesdeutsche Bildungslandschaft.
Die Länder Sachsen und Thürigen, die bei dem DDR Modell
der 8jährigen Gymnasialzeit geblieben sind, haben statt
blühender Landschaften erschreckende Ausbildungsstandards
erreicht.

So attestiert der KMK-Bericht von 1993 den neuen
Ländern erhebliche Niveaudefizite bei den Abituranforderungen,
insbesondere in den Fremdsprachen. Vier Jahre danach verglich der
Bildungsbeirat des BPV Abituraufgaben aus den neuen Bundesländern
und Bayern. Mit einem ähnlich niederschmetternden Ergebnis.

Auch aktuellere Zahlen können da keine bessere Kunde
verbreiten. Bei der TIMS-III-Studie 1999 wurde festgestellt,
daß das fehlende Jahr im Fach Physik bei den Ostabiturienten
zu einem eklatanten Wissensrückstand führe.

Die Tatsache, daß die Studienquote in den neuen
Ländern inzwischen auf unter 50% gesunden ist,
hat sicher eine Reihe von Ursachen. Ein Grund
dafür ist aber auch, daß die Abiturienten sich
dort einem Studium zunehmend nicht mehr gewachsen
fühlen.

Und es gibt noch ein Indiz für Qualitätsprobleme:
Sachen hat die höchste Abiturdurchfallquoten der
gesamten Bundesrepublik: Zwischen 10 und 13 Prozent
der sächsischen Abiturienten bestehen eine Reifeprüfung
im ersten Anlauf nicht. Der Bundesdurchschnitt liegt
hier im übrigen bei 2%.

- Aus Alt mach Neu

Der Griff in die eigene Gedächtnisschublade fördert so
manch vergilbte Erinnerungen an die eigene Schulzeit zu Tage
und weckt die Hoffnung, daß unser Dillemma mit dem deutschen
Bildungswesens an der Verschlankung der Lehre und Befreiung
von dem überflüssigen Balast unnötigen Wissens genesen möge.
Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir, wird
da so manchem wieder einfallen, Lifelong Learning ist also
angesagt.

Dies bedeutet jedoch nicht, daß grundlegende allgemein
bildende Lerninhalte plötzlich verzichtbar geworden sind.
Die Anforderungen an die jungen Menschen zu Beginn des 21.
Jahrunderts sind stark gestiegen.

Natürlich gibt es Inhalte, die sich überlaufen haben.
Allerdings übertreffen die Foderungen nach Neuaufnahme von
Unterrichtsinhalten und neuen Fächern aus Politik und
Wirtschaft die möglichen Kürzungen bei weitem.

In bestimmten Fächern ist eine Entrümpelung gar
unmöglich. Bei den Fremdsprachen oder in Deutsch hat dies
sofort Auswirkungen auf die Sprachkompetenz. Beim
muttersprachlichen Anteil am Gesamtunterricht ist Deutschland
jetzt schon europaweites Schlußlicht, wie eine OECD-Studie im
Jahre 2000 erwiesen hat.

Nicht nur Goethe wird sich im Grab umdrehen, auch die
Personalchefs können ein Lied davon singen wie verherrend
die Kenntnisse der eigenen Muttersprache bei deutschen
Berufsanfänger sind.

- Kulturelle Kommunikation Adé

Die Forderung nach Streichung unnützen Leerlaufs passt
gut in dieses Bild. Studienfahrt und internationaler
Studienaustausch wird mit der naiven Schulzeitverkürzung
nicht mehr zu machen sein. Aber wozu auch, wenn die Schüler
der Zukunft sich mangels Sprachkompetenz ohnehin nicht mit
den Mitmenschen der anderen Kultur verständigen
können.


- Reifung braucht Zeit

Jeder der schon eimal den Unterschied zwischen einer
lagergereiften Tomate vom Diskounter und der selbst
gepflanzten sonnenverwöhnten Gewächshaustomate genießen
dürfen, wird mit voller Überzeugung zustimmen, daß zur
Reife schon immer Zeit gehört hat.

Das gilt für die intellektuelle Entwicklung ebenso wie
für die Persönlichkeitsentwicklung ingesamt. Letztere Bedarf
gerade auch der kulturellen Grundbildung in der Literatur,
Kunst, Musik, Sport sowie in Religion bzw. Ethik. Fächer,
die man in den meisten Staaten mit zwölfjähriger Schulzeit
bezeichnenderweise nichthat. Reifung bedeutet zudem den
außerschulichen Freiraum. Eine Verdichtung der gymnasialen
Bildung mit ihrem Ganztagsbetrieb entzöge jungen Menschen
wertvolle außerschulische Entfahltungs- und Erprobungschancen,
in kirchlichen, gesellschaftlichen und politischen
Bewegungen beispielsweise.

- Wünsch Dir was

Vielleicht sollte Politik einmal das machen, was alle
Welt von ihr fordert. Den Menschen zuhören.

Ginge es nach dem Willen der bayrischen Bevölkerung
bliebe dort auch in Zukunft alles beim alten. 58 Prozent
der Bevölkerung sprachen sich dort gegen eine Verkürzung aus.
Gerade einmal 38 Prozent waren dafür.

Ausschließlich bei der Wirtschaft nach den
Befürwortern zu suchen, wird im übrigen müßig werden. Mit 57
Prozent haben sich Beamte für die geplante Maßnahme ausgesprochen.
Sie bekunden eindeutig die höchste Symphatie für diese Maßnahme.

Neben den Umfrageergebnissen sollten wir aber auch die
tatsächlichen Entscheidungen der Deutschen nicht vergessen.
Auch heute ist es bereits möglich, durch sogenanntes Springen
das Abitur in zwölf Jahren zu erreichen. Gerade einmal 0,1 Promille
der Schüler nutzen dieses Angebot, genausowenig wie die seit 1991/92
eingerichteten D-Zug Klassen in Baden-Würtemberg. Hier waren es gerade
einmal 800 Schüler im Schuljahr 1997/98, die von diesem Angebot gebrauch
machen. Das entspricht 2 Promille aller Gymnasiasten.

Woran die Aktzeptanz dort scheitert zeigt eine
Landtagsanfrage von den Grünen 1999. Gerade einmal
50% der in der 5. Klasse gestarteten Turboschüler
im G8-Versuch Baden-Würtembergs erreichen in acht Jahren
das Abitur. Der Rest kehrt in den Normalzug zurück.

Die Wirtschaftsvereinigung Bauindustrie NRW teilte
anlässlich einer Anhörung im NRW-Schulausschuß mit,
daß Schülerinnen und Schüler, die länger als 12 Jahre
bis zum Abitur bräuchten, von bestimmten Wirtschaftszweigen
erst gar nicht mehr zu Vorstellungsgesprächen eingeladen würden.
Solche Entgleisungen, die im eindeutigen Widerspruch zu den
Äußerungen der meisten Personalentscheider stehen zeigt nur eines.
Teile der Wirtschaft trauen der Politik eine umfassende Bildungsreform
nicht mehr zu.

Wenn schon schlecht ausgebildet, dann doch bitte
möglichst jung.


- Der bessere Weg

Statt dem Verlangen Vorschub zu leisten, Deutschland
in die bildungspolitische und wirtschaftliche Steinzeit zu
katapultieren, sollten wir kreative, aber nicht minder pragmatische
Lösungen suchen.


- Absenkung der Einschulung auf das übliche Alter von 5 bis 6 Jahren.

- Begabte können auf das Studium anrechenbare Qualifikationen in der
Schule erwerben

- Mehr Praktika und verbesserte Berufvorbereitung

- Individuelleres Angebot

- Verzahnung von Schule, sowie Wissenschaft und Wirtschaft. Zusätzliche
Lehrangebote für interessierte Schüler durch Zusammenarbeit von Forschung
und Kapital.

- Umfassende Universitätsreform, um Studenten den Abschluß innerhalb der
Regelstudienzeit zu ermöglichen. Insbesondere Entferung der systemwidrigen
Notwendigkeit der Nachbearbeitung schulischer Schwächen, insbesondere im
naturwissenschaftlich-mathematischen Bereich


  1. Glo... 14.01.02 10:08

    Markus, ich hatte mich eigentlich auf das Thema gefreut, als ich es eben bei squeaker erblickte. Doch leider musste ich feststellen, dass DU uns hier mit Deiner Privatprosa beglückst, die ja sicherlich nicht schlecht ist, doch würd ich einfach mal die Frage in die Runde werfen, ob diese Foren zu solch völlig ausartenden literarischen Kundgebungen genutzt werden sollen/ können!?! Oder sollten wir uns nicht lieber auf "weniger ist mehr" einigen?
    Vielleicht schickst Du denn interessierten Suqeakern bei nächsten Mal einfach ne eMail!

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    (4.2/5)   3 Votes
  2. Anonym 14.01.02 14:41

    Der Text ist ein ANSTOß zu einer Diskussion. Der Text gibt meine persönliche Meinung wieder. In meinen Augen krankt die Diskussion um dieses Thema an Fakten, die sich nuneinmal nicht ein einem Fünfzeiler darstellen lassen. Hindert Dich die Länge des Textes jetzt etwa an einer Stellungnahme? Hätte diese Diskussion jemand anderes begonnen, hätte ich mit dem gleichen Text geantwortet. Darf ich umfangreiche Antworten deshalb nicht mehr veröffentlichen? Argumente nur noch in kleinen Häppchen?

    Das besondere an den squeaker Foren in Abgrenzung zu anderen "Diskussionsforen" ist doch gerade die verstärkte Objektivität und fehlende Oberflächlickeit. Da passt eine Längenbeschränkung nicht ins Bild

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    (4.1/5)   6 Votes
  3. Glo... 14.01.02 14:56

    Markus, ich verstehe schon, dass der Text Deine persönliche Meinung wiedergibt, wessen Meinung auch sonst? Ich bin auch d´accord mit Dir, wenn Du dieses Thema nicht in einen 5-zeiler packen kannst/ willst. Aber für mich reduziert sich meine Vorfreude auf Deine Beiträge, wenn Du in dieser Art und Weise schreibst! Demokratie - Du darfst sicherlich weiterhin umfangreiche Antworten und Argumente in die Squeakerwelt streuen, doch gehöre ich dann nicht mehr zu Deiner Fangemeinde. Und wenn sich nuneinmal die squeaker-Verantwortlichen gegen eine Längebeschränkung entschieden haben, dann wird es schon seinen Sinn haben und ich werd auch damit Leben können - doch ist es einfach nicht mein Stil!

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  4. Suesse 14.01.02 14:48

    Ich stimme GP zu, dass das heftig lang für ein Forum ist, Markus (was stand gleich am Anfang des Textes? *g*) In der Kürze liegt die Würze...

    Im Grunde sollte es denke ich bei 9 Jahren Gym bleiben, aber mehr Unterricht (warum nicht nachmittags?), der gerne deine Forderungen ganz am Schluß berücksichtigen und insbesondere auch mehr auf wissenschaftliches Arbeiten vorbereiten sollte - die Facharbeit in Bayern (für die die's nicht kennen: etwa 20-30seitige Arbeit, die man über ein Thema aus dem Bereich eines der beiden Leistungskurse schreibt & die unmittlebar in die Abi-Note einfließt) ist ein ganz guter Ansatz. Allerdings müßte dabei noch mehr Wert auf die Technik wissenschaftlichen Arbeitens gelegt werden, denn das können die Leute an der Uni nach wie vor nicht!

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  5. Anonym 14.01.02 14:55

    Brummel. Da gibt man sich schonmal die Mühe eine wirklich umfassende Stellungnahme abzugeben und alle sind am motzen.... ;-))))

    Wir sind uns -ausnahmsweise oder mal wieder?- einig. Ich halte Ganztagsgesamtschulen für den vernünftigeren Weg.

    (War das kurz genug? ;-)

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  6. Suesse 14.01.02 15:06

    Hey, inhaltlich sage ich ja garnichts gegen deinen Text - ein paar sehr sinnvolle Gedanken (ob ich mir jetzt welche machen sollte, weil wir uns einig sind??? *g*) Aber gib zu, dass es verdammt anstrengend ist, das ganze Teil zu lesen und vernünftig drauf zu antworten - Überblick fehlt irgendwie...

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  7. runaway 14.01.02 23:08

    puuh..da hab ich mich jetzt durchgearbeitet...also meine Meinung: ich finde 9 Jahre Gymnasium, sprich wie bisher, einfach ideal und halte nicht viel von Ganztagsgesamtschule...die Nachmittage frei zu gestalten, ist einfach zu köstlich, als dass ich darauf verzichten würde...siehe Sportverein, Theater-AG, Musikunterricht etc..
    bei der Forderung nach 8 Jahren wird u.a. damit argumentiert, dass die 11te an für sich überflüssig wäre....das sehe ich nicht so...für viele war und ist es noch eine Gelegenheit, für Monate oder sogar ein Jahr das Ausland kennenzulernen oder aber auch sich auf seinen Rosinen (die Mittelstufe) auszuruhen und sich gründlich Gedanken über die Berufswahl oder den Werdegang zu machen....
    ich finde nicht, da muss ich dir zustimmen Markus, dass das französische oder aber das japanische Schulmodell zu favorisieren sind..sie haben nur zu deutliche Schwächen, nicht genug Philosophie, Sowi und andere interessante Fächer...da kommt es weniger auf Denkstrukturen (hoffe es klingt jetzt nicht provokativ, da es so nicht gemeint ist), viele mehr auf das Auswendiglernen an..
    alles im allem schwärme ich für das Gymnasium-Modell; vielleicht auch deswegen, weil ich selbst damit gut gefahren bin...

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  8. runaway 21.01.02 07:50

    ..uuups...gemeint waren natürlich die Lorbeeren...man wird schon konfus, wenn man parallel zum networken sich einen handelsrechtlichen Fall nach der "Rosinentheorie" anschaut...

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    (4.3/5)   6 Votes
  9. Anonym 21.01.02 18:38

    Ich war jahrelang der verfechter, dass die 11 klasse bleiben soll und habe auch mit dem ausland argumentiert (war halt einer der gluecklichen der rosinen hatte und sich 1 jahr ausruhen konnten, obwohl ich in den usa zum ersten mal lernen gelernt habe. das ist aber ne andere geschichte!)

    jedoch bin ich nicht mehr dieser meinung. je kuerzer man die schule durchziehen kann um so besser. ich habe im sommer in hong kong gearbeitet und mein kollege war mit 25jahren, 2 abgeschlossenen studien, MBA und 3 jahren berufserfahrung zwar der ueberflieger, aber es geht...(leider wieder nur in den usa! damit habe keine aussage ueber die qualitaet der high school oder des college gemacht!)

    auch glaube ich nicht, dass wir am abgrund mit unserer schule befinden. in vielen laendern wird immer noch sehr stark aufs auswendig lernen gelegt, das sind auch die laender die in diesen laender vergleichen meist gut abschliessen. jedoch konnten die amis in der high school nicht qualifiziert ueber ein thema diskutieren und die spanier (wo ich gerade studiere!) etwas in den zusammenhang bringen! (auchtung pauschalisierung!!!!)

    meine forderung ist erstmal beim wehrdienst anzufangen, plus 11 Klasse, dann wuerden sogar mal uniabsolventen mit 24 fertig werden!!!!

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  10. Anonym 21.01.02 21:26

    Ich vermisse ein wenig die Argumente in Deiner Stellungnahme, so daß es mir schwerfällt auf eine persönliche Einschätzung zu antworten.

    Du wirst mir sicherlich zustimmen, daß der geschilderte Fall eine Ausnahme darstellt. Auch in Deutschland ist es im übrigen möglich Klassen zu überspringen und sich frühzeitig an der Universität weiterzubilden. Auf dem Weg ins Seminargebäude bin ich vor einigen Wochen nur knapp einem Beinbruch entgangen, weil ich über einen 11jährigen gestolpert bin. Die anfängliche Vermutung, es handele sich dabei um den Sohn des Hausmeisters hat sich nicht BESTätigt. Wie ich aus der Tageszeitung entnehmen konnte ist er mittlerweile in der Oberstufe und besucht die ersten "Einführungskurse" in Mathematik. Mit einem speziellen Lehrangebot des Dekans, versteht sich. Nicht erwähnen muß ich, daß mich die erneute Vorführung meiner mangelnden kognitiven Fähigkeiten wieder einmal in eine schwere Identitätskrise gestürzt hat ;-). Fraglos muß aber im Bereich Hochbegabtenförderung noch einiges getan werden.

    Der Zusammenhang zwischen "Auswendiglernen" und der Fähigkeit Zusammenhänge darzustellen sind übrigens nicht deterministisch. Japan wurde dies lange vorgeworfen und erst durch PISA und die Folgeuntersuchungen aufgrund des "Japanphänomens" lassen den Schluß zu, daß sich jahrelanges "Auswendiglernen" von mathematischen Textaufgaben durchaus auf die Kompetenz Zusammenhänge zu verstehen und darzustellen auswirkt.

    Deine Erfahrungen aus Spanien und den USA decken sich durchaus mit den Ergebnissen der PISA Studie. Deutlich zumindest für Spanien, die Kompetenz "qualifiziert" zu diskutieren wurde dort natürlich nicht gemessen. Aber die amerikanische Informationspolitik und der "Way of life" sprechen hier für sich.

    Deine Forderung nach der Abschaffung des Wehrdienstes mag ich noch verstehen. Auch der Wunsch nach schnellem Berufseinstieg leuchtet mir ein. Aber hängt die Forderung nach diesem immer mit der Frage der Schuldauer zusammen? Ich habe im obigen Text ausführlich erklärt, daß dies nur eine sehr geringe Auswirkung hat. Warum soll an einer Stelle gespart werden, die sich DIREKT auf die Kompetenz unserer Absolventen auswirkt? Glaubst Du wir können die Zukunftsprobleme lösen, indem wir zwar schneller in den Beruf kommen, aber unsere Schüler und Studenten langsam aber sicher verblöden lassen? ;-)

    Glaubst Du Dein obiges Beispiel hätte ein Problem mit dem Berufseinstieg gehabt, wenn er 26 Jahre alt gewesen wäre? ;-)

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    (4.5/5)   4 Votes
  11. Anonym 22.01.02 18:12

    Ich habe deinen sehr ausfuehrlichen Text nicht zu Ende gelesen...

    Mit dem Klassenueberspringen muss ich dir wiedersprechen, es ist zweifellos in der Grundschule moeglich und danach nur noch theoretisch. Einigen die ich kenne wurden massiv Steine in den Weg gelegt, als sie den Wunsch aeusserten. Und der Sohn des Hausmeisters stellt sicherlich eine Ausnahme dar. Ich rede nicht von Hochbegabten (Kenne eine, die im Alter von 9 Englisch und Spanischwoerterbuecher gelesen hat und seiddem die Sprache spricht! Das sind Einzelfaelle!), sondern von der Masse.

    Ich denke nicht, dass die Welt verdummt wenn Die Zeit zwischen Schule und Beruf verkuerzt wird. Der Inhalt und die Moeglichkeiten muessen steigen und die Dauer sinken.
    Das ist wiederum mit laengeren Schulstunden verbunden...

    Antworten Melden
    (4.3/5)   4 Votes
  12. Anonym 22.01.02 19:58

    Es ist Schade, daß Du meinen Text nicht bis zum Ende gelesen hast, denn ausreichende Informationen über die Argumente der anderen Seite, sowie zu Zahlen zur Untermauerung der eignen Position halte ich für unabdingbar in einer so wichtigen Diskussion.

    Wenn Du von der Masse sprichst, verstehe ich Deine Äußerungen erst recht nicht. Der Masse ist durch eine blinde Verkürzung der Schulzeit ohne wesentliche Änderungen im Bildungssystem nicht im geringsten gedient. Im Gegenteil, hier wird mit den Zukunftsperspektiven junger Menschen gespielt.

    Längere Schulstunden sind psychologisch gesehen allenfalls in der Oberstufe möglich. Wenn die Kinder ab der Minute 45 (in der Regel schon früher) abschalten, weil die Konzentration nachlässt, ist die zusätzliche Zeit verschenkt.

    Du solltest noch einmal mein vorheriges Statement (kling, 10ct für die Anglizismenkasse) lesen. Es gibt unzählige, wesentlich sinnvollere Alternativen zur unsäglichen "Wir streichen einfach die 11. Klasse" Holzhammermethode. Wenn es wirklich nur an einem Jahr liegen würde -was an der Realität völlig vorbei geht-, dann wäre das Problem bereits mit einer früheren Einschulung gelöst. Im übrigen verdummt nicht die Welt, sondern nur die Deutschen. Viele Länder haben das Problem schon gelöst, etwa Finnland, daß einen wesentlich erweiterten Ansatz verfolgt. "Der Inhalt und die Möglichkeiten müssen steigen" ist ein Allgemeinplatz. Was möchtest Du denn genau ändern?

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    (4.4/5)   4 Votes
  13. Anonym 22.01.02 20:04

    Jetzt habe ich doch glatt einen Teil vergessen: Das überspringen einer Jahrgangsstufe ist nach einer Leistungsüberprüfung problemlos möglich. Ich selbst hatte einen Mitschüler in meinem Jahrgang, der die 11. Klasse übersprungen hat. Wenn Du meinen Text gelesen hättest, wüsstest Du allerdings auch, daß in den BW D-Zug Klassen (12 Jahre) lediglich 50% der Schüler diese rasch wieder verlassen haben, was dafür spricht, daß trotz abgestimmten Lehrplan die Schüler mit dem Stoff in dieser Zeit schlicht überfordert haben. Auch die geringe Nachfrage nach dem "Springen" lässt in mir die Frage aufkommen, warum die Forderung nach einem verkürzten Abitur aufgegriffen wird, wenn doch offensichtlich gar keine Nachfrage besteht. Kein Unternehmen würde sich soetwas leisten.

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    (4.2/5)   6 Votes
  14. Anonym 22.01.02 20:12

    Jetzt habe ich doch glatt einen Teil vergessen: Das überspringen einer Jahrgangsstufe ist nach einer Leistungsüberprüfung problemlos möglich. Ich selbst hatte einen Mitschüler in meinem Jahrgang, der die 11. Klasse übersprungen hat. Wenn Du meinen Text gelesen hättest, wüsstest Du allerdings auch, daß in den BW D-Zug Klassen (12 Jahre) lediglich 50% der Schüler diese rasch wieder verlassen haben, was dafür spricht, daß trotz abgestimmten Lehrplan die Schüler mit dem Stoff in dieser Zeit schlicht überfordert haben. Auch die geringe Nachfrage nach dem "Springen" lässt in mir die Frage aufkommen, warum die Forderung nach einem verkürzten Abitur aufgegriffen wird, wenn doch offensichtlich gar keine Nachfrage besteht. Kein Unternehmen würde sich soetwas leisten.

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    (4.2/5)   4 Votes
  15. Anonym 22.01.02 20:15

    Man, heute ist der Wurm drin. Es muß natürlich heißen:

    "...beachtliche 50% der Schüler".
    und "...diese trotz abgestimmten Lehrplan mit dem Stoff in ..."
    ;-)

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    (4/5)   7 Votes
  16. Anonym 23.01.02 17:12

    es hat zwei gruende warum ich deinen text nicht gelesen habe...ich nutze zur zeit das internet in einem cafe und zahle teueres geld pro stunde...

    wie wuerde es denn mit einem cafeteria system aussehen in dem man je nach gusto seine kurse waehlen kann, aehnlich wie in einigen High Schools in den USA. Es gibt Pflichtstunden und wer will macht mehr...

    und der praemisse, es gibt genuegend lehrer, weitgreifendes angebot und und und ...

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    (4/5)   4 Votes
  17. Anonym 23.01.02 21:37

    Also ich habe mein ganzes Leben im Ausland verbracht und hatte auch "nur" 12 Jahre Schule. Aber es hat von der Zeit her gereicht. Wenn man hier in Deutschland mal die durchschnittliche Studiendauer betrachtet, dann kann man nur den Kopf schuetteln. Mit 30 noch Student und immer noch kein "richtigen" Job gehabt? Mit 30+ den ersten Job antreten? Come on... that's ridiculous... and very sad.

    Die Dauer des Studiums MUSS gekuerzt werden, damit man mit seinen Altersgenossen aus dem Ausland auf den Jobmarkt zeitlich ueberhaupt mithalten kann!

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    (4.5/5)   5 Votes
  18. Anonym 24.01.02 09:33

    Aaaaaaaaaaaaaaaaah! Gleich verzweifel ich ;-) Hat eigentlich IRGENDJEMAND meinen Text vorher gelesen? ;-)

    Lieber Christian, Du kannst doch jetzt nicht beginnen ein vollkommen anderes Schulsystem, daß 12 Jahre umfasst, aber völlig andere "Umstände" beherbergt (Gesamtstundenzahl bis zum Abschluß, Unterrichtsausfall, Kursgröße, Inhalt, Schulkonzept, etc. pp) auf das deutsche Modell übertragen und jetzt daraus eine Forderung basteln?

    Das Die Zeit bis zum Eintritt in die Berufswelt zu lange ist, ist mein Argument. Wir reden hier über das
    Abitur nicht das Studium. Aber dazu
    kann ich gerne auch nochmal einen
    Text einstellen, den SOWIESO KEINER LIEST! ;-)

    Deine Antwort auf meine Mail Christian ist "ridiculous", nicht meine Argumentation. ;-)

    Markus, der jetzt erstmal zur Beruhigung in den Aldi geht..... ;-))))

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    (4.3/5)   4 Votes
  19. Anonym 24.01.02 09:48

    Nochmal einen Nachtrag nach einem Moment der Besinnlichkeit:

    Stelle doch mal das Konzept Deiner Schule vor und laß uns darüber reden.

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    (4/5)   3 Votes
  20. Anonym 24.01.02 10:56

    Ich glaube, es gab hier ein Mißverständnis.

    Nachdem ich Deinen Beitrag etwa zur hälfte durchgelesen hatte, war es mir leider schon zu viel. (was nicht heissen soll, dass dieses Thema oder Deinen Beitrag nicht interessant für mich war). 10 x die Scrolltaste zu betätigen, um einen Beitrag zu lesen ist leider für ein Forum dieses Formats übertrieben.

    Und ich möchte auch gar nicht Fragen, wieviel Zeit denn für diesen Beitrag benötigt wurde...

    Da musst Du Dich nicht wundern, wenn Forenleser einfach mittendrin abbrechen. Tatsache ist (und dies würde Dir jeder Presentations-Profi sagen) - es schreckt ab, wenn man mit so einer grossen Masse an Informationen presentiert wird. Da bleibt dann auch weniger hängen. Verstehe mich bitte nicht falsch - wir sind hier in ein demokratisches Forum, man darf schreiben soviel und was man möchte - aber bitte hab ein bischen Rücksicht auf die Forum Leserschaft.

    So, nun zum Thema D-Zug Education... ich unterstütze ja Dein Argument, dass die Die Zeit bis zum Berufseintritt in Deutschland viel zu lange dauert. Die Bedeutung von "Ridiculous" sollte untermauern, wie Schade und Traurig ich es finde (und vor allem das hier ein grosser Bedarf an Reform vorliegt), dass der Einstieg ins Berufsleben so lange dauert.

    Wenn Du meinst, dass ich deine Argumentation lächerlich finde, dann hast Du aber fehlgeschlagen - dies war in keinem Falle ein persönlicher Angriff! Ein bischen zwischen den Zeilen lesen kann doch jeder, oder? :o)

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    (4.4/5)   6 Votes
  21. Anonym 24.01.02 11:50

    Lieber Markus,

    um nochmal aufzugreifen was viele Meter oben gesagt worden ist. Weniger ist oft mehr!!!

    Wie wars bei Aldisch?

    Antworten Melden
    (4.4/5)   4 Votes
  22. FLO... 24.01.02 22:57

    Also bei so einem Forumseintrag steigt man doch aus! Nein ich habe ihn nicht gelesen, würde aber eine Management summary ansehen.

    Chill bro!
    and go with the FLOw

    Antworten Melden
    (4/5)   4 Votes

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    Aly Zaazoua, Squeaker und angehender Praktikant bei Siemens Management Consulting
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