D21-Vorstand: Steigende Arbeitslosigkeit durch Internet-Nutzung

dos... 28.10.02 08:16

Hallo squeaker,
stimmt ihr dieser These zu oder ist dies Unfug?
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Die zunehmende Nutzung des Internet in Wirtschaft und Verwaltung lässt nach Ansicht von Alfons Rissberger von der bundesweiten Industrie-Initiative D21, die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland weiter steigen. "Geistige Routinearbeit wird wegrationalisiert. Das wird in den kommenden Jahren eine Million Jobs kosten. Nicht vier, sondern fünf Millionen Menschen werden dann Arbeit suchen ", sagte Rissberger in einem dpa-Gespräch. Bundeskanzler Gerhard Schröder müsse deshalb für eine Kehrtwende in der Arbeitsmarktpolitik sorgen.

Rissberger forderte den Kanzler auf, der Debatte um eine Neuverteilung von Arbeit und Wohlstand nicht auszuweichen. "Auch gegen den Widerstand der Gewerkschaften. Denn weniger Arbeiten bei vollem Lohnausgleich wird nicht funktionieren. Die Gewerkschaften werden sich ebenso den Realitäten fügen müssen, wie Top-Manager, deren Gehälter wieder auf ein akzeptables Maß zurückzuführen sind", sagte der Multimedia-Experte und Geschäftsführer des Landes-Datenverarbeitungszentrums in Schwerin.

"Um effektiver zu werden und so dem Wettbewerbsdruck Stand halten zu können, entlassen Firmenchefs und Bankenvorstände massenhaft Mitarbeiter. Die einen werden krank, weil sie nichts mehr zu tun haben, und die anderen, weil die Arbeit zu viel wird", beschreibt Rissberger die Situation. Die Folgekosten würden über Arbeitsämter und Krankenkassen auf die Gemeinschaft abgewälzt. Doch seien die Sozialsysteme längst überfordert. "Die Zeiten der steten Wohlstandsmehrung sind vorbei. Wir müssen lernen, zu teilen."

Die vom Staat gesetzten Rahmenbedingungen würden nicht mehr auf die globalisierten Wirtschaftsabläufe passen. "Selbst wenn es mit den Hartz-Vorschlägen gelingt, mit so genannten Ich-Gesellschaften Arbeitslosen eine Existenz zu schaffen, so werden sie doch anderen Firmen Arbeit wegnehmen. Die Arbeit wird nicht zunehmen. Schröder hat mit seiner neuen Regierung die Pflicht, dieses Thema anzufassen und den Leuten zu sagen, dass wir als Einzelne im Interesse aller Abstriche machen müssen", forderte Rissberger. Neben den großen Chancen von Multimedia und Globalisierung müssten auch die "Folgen der Folgen" bedacht werden -- wie wachsendes Wohlstandsgefälle in der Welt, Zuwanderung und selbst Terrorismus. (dpa) / (jk/c't)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/data/jk-27.10.02-003

  1. runaway 28.10.02 10:04

    ja, stimme der Ausgangsthese zu...daß jeder Fortschritt letztendlich althergebrachte Arbeitsplätze kostet, ist bekannt und ergibt sich aus der Natur der Sache (sonst könnte man die Forschung ja einstellen) Auch die aufgezählten Konsequenzen liegen nahe..jedoch sind die gefolgerten Erfordernisse vage formuliert. Was meint der gute Mann mit "lernen, zu teilen"? Welche Vorschläge hat er, außer daß er verdeckt von Zuwanderung abrät. Verdächtig ist ja schon, daß er den Begriff mit dem Wort Terrorismus in einem Atemzug nennt. Mir ist nicht klar, worauf er eigentlich hinaus will, dir vielleicht?

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  2. dos... 28.10.02 10:39

    Es stimmt zwar das neue Technologien, wie du es nanntest, 'althergebrachte' Arbeitsplätze rationalisieren. Andererseits werden auch neue Arbeitsplätze geschaffen, welche erst durch den technologischen Fortschritt möglich sind.

    Mir ist aber immer noch die Kernaussage des Artikels unklar. Denn was will Herr Rissberger sagen, etwa das Deutschland mit 4-5 Mio. Arbeitslosen leben muss oder dass das relativ humane Einwanderungsgesetz D-Land nur Terroristen bescheren wird?

    Ich halte daher die Äusserungen von Herrn Rissberger für nicht komplett durchdacht.

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  3. Hen... 28.10.02 13:09

    Zitat: Die Arbeit wird nicht zunehmen.

    Umfang in dem Arbeit nachgefragt wird, hängt von ihren Kosten ab -- also Steuern verringern und ich bin mit einem niderigeren Bruttoeinkommen zufrieden und verlange von meinem Arbeitgeber weniger, also Lohnnebenkosten runter, und mehr Arbeitslose können eingestellt werden - was wiederum den Kostendruck auf das Sozialsystem verringert und niederigere Sozialbeitäge erlaubt. Historisch läuft unsere Wirtschaftspolitik also spätestens seit der Finanzierung der Dt. Einheit über die Belastung des Faktors "Arbeit" in einen Teufelskreis.

    Das grundlegende Problem unserer Wirtschaft ist der finanzielle Anspruch den der Staat direkt und indirekt an seine Bürger stellt -- mit geringeren Kosten wären einige Firmen auch wettbewerbsfähiger.

    Ob das Internet oder DV-Technik immer zu Rationalisierung iSv weniger notwendiger Arbeit führen muss wage ich zu bezweifeln - die Technik macht immer auch Arbeit - was die Integration von Systemen und Prozessen angeht - wenn diese den stattfindet. "Intelligente" Menschen sind flexibler und können vieles besser interpretieren als dumme Maschinen mit mehr oder weniger starren Regeln - von daher sehe ich durchaus auch höhere Kosten in der Technik versteckt. Dass das allerdings immer in den üblichen Kalkulatinen berücksichtigt wird glaube ich nicht.

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