Jeder kann arbeiten!

Anonym 08.02.02 18:24

Laut Stoiber ist der Absand zwischen der Sozialhilfe und Niedriglohnjobs zu gering. Arbeitsunwilligen soll die Sozialhilfe gestrichen werden, damit ein Anreiz entsteht zu arbeiten.

Meine etwas provokante These lautet, dass jeder Arbeiten kann und wenn er nur vor meiner Tuer das Laub wegfegt. Koennen Sozialhilfeempfaenger zu Sonderarbeiten herangezogen werden?
Koennen arbeitsfaehigen Arbeiten zugewiesen werden?

Gibt es ueberhaupt faule, arbeitsunwillige Menschen?

  1. Anj... 08.02.02 20:10

    Es gibt faule, arbeitsunwillige Menschen, das glaube ich schon.

    Während meiner ganz "sozialen" Phase haben wir "Kinder von der Kirchengemeinde" mal ein Projekt in Angriff genommen: "Das bunte Haus" in Düren unterstützt. Das bunte Haus bietet Obdachlosen und Sozialschwachen ein Ersatz-Zuhause.

    Während Gesprächen dort lernte ich einen Mann kennen, der uns seine Gründe für die Obdachlosigkeit erzählte. Er sagte, er kann einfach nicht arbeiten, er sei ein Mensch, der nicht in einen festen Rhythmus gezwungen werden kann. Er hat sämtliche Jobs hintereinander verloren, weil er nicht in der Lage war, eine Woche lang zur selben Zeit am selben Ort zu sein.

    Was machen wir mit solchen Menschen? So oder so kommt kommt der Steuerzahler mal wieder auf.

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  2. Anonym 09.02.02 10:58

    Es gibt aber nicht genug Laub vor den Türen...und das Laub wird weniger.
    Wir befinden uns auf dem Weg in eine Hochtechnologiegeselschaft, was zur Folge hat, dass hochqualifizierte Jobs
    entstehen und gleichermaßen Jobs auf dem Niedriglohnsektor wegbrechen. Daraus ergibt sich die Arbeitslosigkeit in der modernen Gesellschaft als Strukturproblem, dass man mit leicht populistisch angehauchten Thesen nicht lösen kann. Die Aussage, dass einige Arbeitslose nicht arbeiten wollen, hilft nicht weiter. Die Tatsache, dass etwas weniger als eine Million offene Stellen über vier Millionen Arbeitslosen gegenüberstehen, sollte für sich sprechen.
    Und das über der Ausschreibung solchcer Stellen nicht unbedingt "Maurer"
    oder ähnliches steht, ist ebenfalls offenkundig.

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  3. Jan... 09.02.02 12:44

    "Es gibt aber nicht genug Laub vor den Türen...und das Laub wird weniger."

    Gut dann muss man halt das Laub vor anderen Türen suchen .....

    "Wir befinden uns auf dem Weg in eine Hochtechnologiegeselschaft, was zur Folge hat, dass hochqualifizierte Jobs
    entstehen und gleichermaßen Jobs auf dem Niedriglohnsektor wegbrechen."

    Wir sollten in dieser Debatte nicht die große Chance, die sich uns durch den Dienstleistungs-/ Bio- /Umwelt-/Pflege- sektor ergeben.

    Die Bereitschaft in diesen Sektoren tätig zu werden:

    a) gering ist,
    b) die Deutschen verlernt haben, Qualifikationen in diesen Bereichen zu erlangen und
    c) Ihnen an der Kundenfreundlichkeit fehlt.

    Grüße,

    Jan
    c)

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  4. cpo... 09.02.02 13:15

    Also, ich finde, daß auch in dieser provokanten These ein wahrer Kern steckt. Sicherlich kann man grundsätzlich nicht verallgemeinern.

    ABER, daß mit unserem Sozialsystem etwas nicht in Ordnung ist, weiß doch eigentlich jeder.
    - Da ist zum einen die geringe Differenz zwischen Leistungen aus dem Sozialsystem und den Löhnen, die den Anreiz für viele Personen deutlich gering halten, sich eine Arbeit zu suchen ("Warum soll ich denn arbeiten, wenn ich für das gleiche Geld auch bequem zu Hause herumsitzen kann?")

    - Dann gibt es seitens der Arbeitsbehörden auch wenig Handlungsmöglichkeiten, Arbeitslosen andere Jobs verpflichtend anzubieten ("Leistung gegen Leistung", das Beispiel des Laub fegens, es gibt auch noch genug andere Möglichkeiten in den öffentlichen Sektoren, z.B. längere Öffnungszeiten für Museen, etc.. Wenn die Allgemeinheit schon zahlt, sollte sie zumindest davon auch profitieren.)

    - Häufig liegt es aber auch an der Bequemlichkeit der Betroffenen. Von den jüngeren Arbeitnehmern wird Mobilität und Flexibilität gefordert. Bei älteren Arbeitslosen wird dieses nicht mehr verlangt. Diesem kann man dann nicht mehr zumuten, noch einmal umzuziehen und einen neuen Job anzunehmen, ggfls. umzuschulen.

    - Umschulungen sind auch so ein besonderer Punkt. Hier werden auch Maßnahmen angeboten, die zum einen am Markt vorbei geplant sind und zum anderen auch nur unzureichend wahrgenommen werden. Bzw. auch hier besteht kein Leistungsdruck, diese Maßnahme mit einem bestimmten Erfolg abzuschließen.

    Das Thema ist ein wirklich sehr heißes. Wie gesagt, ich möchte nicht pauschalisieren, aber etwas dran ist an solchen Aussagen bestimmt.

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  5. Anonym 09.02.02 17:44

    Meine Mutter arbeitet in einem Projekt der Stadt Koeln bei dem Jugendliche auf ihrem Weg ins Arbeitsleben begleitet werden. Es sind hauptsaechlich Jugendliche von Hauptschulen und E-Schulen. Es werden Bewerbungsgespraeche, Puenktlichkeit, Zuverlaessigkeit, Sauberkeit etc. geuebt und dann Stellenvermittelt.

    Es gibt zwei Phaenomene. Einmal gibt es Maedchen (und dieser Spruch kam haeufiger vor) die nicht arbeiten wollen, da sie schon im zarten Alter von 16 jahren sozialhilfe empfangen. das eine maedel bekommt 800 dm im monat und wuerde in der Ausbildung weniger verdienen. ihr argument war, mit 800 komme ich ueber die runden und wenn ich mehr brauche dreh ich mir ein kind an, dann gibt es mehr unterstuetzung.

    meine mutter hat durch diese kinder erfahren wie man das system austrickst und was man fordern kann und was nicht. nebenbei kann man ja noch am bau arbeiten.

    der andere punkt ist, das einige Unternehmen keine hauptschueler einstellen. es gibt immer wieder schueler die alles einsen auf dem Zeugnis haben, aber nicht auf die realschule wechseln, weil ihre freunde auch auf der schule sind, weil sie angst haben den schritt zu tun etc...ausbildungen als industriekaufmann, bankkaufmann etc sind nur sehr schwer moeglich.

    jetzt zu meiner provokanten these. ich glaube an die marktwirtschaft (das soziale gefaellt mir nicht so sehr, ist aber ein anderes thema!). eine leistung kann man nur durch eine gegenleistung erlangt werde. es gibt menschen, die nicht koennen, weil sie kindererziehen, krank sind etc. aber jeder der zwei beine hat, gesund ist kann etwas tun. in spanien werden sozialhilfeempfaenger zu arbeitsdiensten eingerufen. das sind die leute die morgens um 3 uhr die strasse fegen.

    ich weiss, dass die sozialhilfe nur ein Teil eines grossen Problems in Deutschland ist...

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  6. runaway 09.02.02 18:21

    ..mein Vater besitzt einen Betrieb für Inneneinrichtungen in Krefeld. Seit er sich erinnern kann, werden ihm vom Arbeitsamt arbeitslose Schreiner geschickt, da in der Tat welche gebraucht werden. Diese sind junge kräftige Menschen. Aber, ich kann die Erfahrung nur unterstützen: die wollen nicht unbedingt arbeiten. Nach 3 Wochen gibt es die ersten Krankmeldungen, dann ist mal völlig unklar, ob die überhaupt wiederkommen, und irgendwann wird ihnen natürlich gekündigt; und das ganze bei 1,-DM mehr als dem Branchenüblichen Stundenlohn. Die wissen, dass es bei ihrem Status als "Arbeitslose" wenn auch weniger Geld, aber dafür keine Arbeit gibt. Andererseits bin ich überzeugt, dass es - wie ja anscheinend in Spanien - mit dem Zwang zur Arbeit nicht getan ist. Diese Bevölkerungsschicht muss irgendwie zur Arbeit motiviert werden, fragt sich nur wie? ich kenne da auch keine Antwort..

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  7. Anonym 09.02.02 18:46

    Leute, I`m with you all...

    Das es ein soziales Netz in unserer sozialen Marktwirtschaft geben muß ist für mich völlig klar. Leute die aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten können haben einen Anspruch auf die Unterstützung durch das Steuersystem.

    Auch bei den Bevölkerungsschichten, die nicht diese Leistungsrientierung in der Kinderstube (im Gengensatz zu den meisten squeakern wahrscheinlich) mitbekommen haben soll solch ein Netz meiner Meinung nach greifen. Man kann keine Jugendlichen dafür verantwortlich machen, daß sie im Elternhaus gelernt haben, daß man am besten auf Vater Staats Tasche lebt. Da ist der Zug so oder so schon abgefahren.

    Für mich stellt sich eher die Frage wo dieses soziale Netz greifen soll?

    Meiner Meinung nach muß es so gut bemessen sein, daß jeder sich vernünftig kleiden kann und sich gesund ernähren kann. Aber ob davon Handy-Rechnungen und Mallorca/Ibiza-Urlaube finanziert werden müssen ist die andere Frage. Wer also in den Genuß von "Lebensqualität" sei es durch Urlaube, Essen und tinken gehen etc. kommen möchte hat zu begreifen, daß es dafür vorher morgens aufstehen muß und sein Geld verdienen muß. Wer jedoch sagt, das er bereit ist sein lebenlang am Existenzminimum zu leben, der soll von mir aus bis zum Tode Sozialhilfe empfangen (Und das sagt jemand der selber Steuern bezahlen muß!)

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  8. Anonym 09.02.02 20:25

    Das einzige Druckmittel was greift ist GELD. Warum nicht die Leute vor die Wahl stellen? Und den Spread zwischen Niedriglohn und Sozialhilfe vergroessern?
    Es lohnt sich zur Zeit nicht zu arbeiten, weil mit Abzuegen kein Anreiz gegeben wird.

    Ich bin nicht deiner Meinung Raoul. Wer ein Lebenlang am Existensminimum von meinen Steuern lebt, soll bitte im Fruehjahr meinen Garten machen!


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  9. Wal... 09.02.02 21:36

    Ich möchte hier Björn beipflichten, wir müssten in Deutschland mal wieder ein paar Schritte in Richtung freie Marktwirtschaft tun. Dazu gehört nun einmal, dass sich Leistung einfach mehr lohnt, als auf der faulen Haut zu liegen. Und mal mit verLAUB gesagt, wenn es in Deutschland nicht geung Niedriglohn Jobs gibt, dann liegt das daran, das Unternehmen auf Grund der hohen sozialen Absicherung diese Jobs nicht mehr in Deutschland schaffen, sondern ins Ausland verlegen. Dass auch die Hochtechnologie nicht mehr genügend Jobs produziert sehe ich so auch nicht. Ich denke mal dass man IBM wohl zu einem Hochtechnologie-Unternehmen zählen kann und gerade hat IBM in Thailand ein neues Werk eröffnet, in dem Bauteile zusammen gesetzt werden und dadurch haben 2500 Thais einen Job erhalten.
    Wer sich da nun einfach hinsetzt und sagt er kann gut von dem Leben was andere für ihn erarbeiten, nimmt dadruch in Zukunft (wenn dieses Sozialsystem nicht mehr tragbar ist) denen die Chance auf Sozialleistung, die wirklich darauf angewiesen wären.

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  10. a29... 10.02.02 04:02

    Viel teurer als die paar arbeitslosen Drückeberger wird doch in ein bis drei Jahrzehnten die umgekippte Alterspyramide. Ist doch toll, wenn der Staat heute schon kinderproduzierende 16-Jährige fördert...
    Und die paar Mark, die wir für die Arbeitslosenversicherung mehr zahlen müssen, holen wir uns doch locker durch das ein oder andere Steuersparmodell wieder rein, gelle?

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  11. Anonym 11.02.02 12:32

    Vielleicht solltest du dazu ein Forum eroeffnen...ist sicherlich interessant zu diskutieren, wie wir mehr leisten sollen und dabei mindestens 4 Kinder "produzieren" muessen...

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  12. a29... 12.02.02 15:34

    Bescheidener werden, weniger das Glück im Materiellen suchen, Verzicht zu Gunsten der Kleinen üben. Eigene Interessen (3x Urlaub/Jahr) zurückstellen usw.

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  13. Anonym 10.02.02 15:53

    Stimme voll und ganz zu !
    Wenn man sich andere Länder und deren ABM's ansieht, so sieht man doch ganz klar, dass es funktionieren kann.

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  14. Suesse 10.02.02 21:20

    Was mich an der ganzen Diskussion ein wenig stört, ist, wie pauschal Arbeitslose als faul und arbeitsunwillig hingestellt werden. Sicher gibt es auch solche Arbeitslose, aber es gibt eben auch die, die unfreiwillig ihren Job verloren haben (z.B. Firma pleite) und es aufgrund ungenügender Ausbildung, planloser Umschulungen, zu hohem Alter (was wohl mittlerweile bei Mitte 40 anfangen dürfte), schlechter Arbeitsmarktlage in ihrer Branche, fehlender Kinderbetreuungsmöglichkeit und der Dinge mehr schlicht nicht schaffen, wieder einen Job zu finden. Bei meiner Nachbarin lief es z.B. so, dass sie für einen Kindergartenplatz hätte nachweisen müssen, dass sie einen Job hat, die Jobs aber alle nicht bekam, weil sie keine Kinderbetreuung nachweisen konnte. Leider kein Einzelfall.

    Ich denke, dass man an den grundlegenden Problemen unseres Arbeits- und Sozialsystems mit Arbeitszwang für Sozialhilfeempfänger nichts ändern kann. Diese unterbezahlten Hilfsdienste sind für mich eher - um mal eine etwas provokative Gegenthese aufzustellen - der perfide Versuch, öffentliche Haushalte zu entlasten, indem man den Leuten, die sich nicht zum Müllaufpicken im Stadtpark o.ä. hergeben wollen, einfach weniger zahlt. Sinnvoller wäre es sicher, für das gleiche Geld richtige Stellen zu schaffen, anstatt den völlig ineffektiven 2. Arbeitsmarkt noch mehr aufzublähen.

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  15. Anonym 10.02.02 23:59

    Leute die sich nicht zum Müllaufpicken o.ä. hergeben wollen! Soll ich mich jetzt dazu bereit erklären, jeden zu finanzieren, bis er seinen Traumjob gefunden hat? Rücken wir damit nicht immer weiter von einer freien Marktwirtschaft weg? Ich stimme dir völlig zu, dass nicht alle Arbeitlosen faul und unwillig sind, aber hier möchte ich mal ein paar provokative Fragen dagegen stellen:
    Führt ein so hohes Sozialsystem nicht unweigerlich dazu Eigenverantwortung abzugeben? Darf jemand, der z.B. die körperliche Fitness bestitz einen Job ablehnen, weil er lieber im Büro sitzten möchte? Wo bleiben dann die Rechte der Mehrheit, die täglich ihrem Job nachgehen, obwohl sie sich oft auch einen anderen wünschten? Wieviel Sozialstaat verträgt eine Marktwirtschaft?
    Ich habe auch in meinem obigen Beitrag bereits nicht ausgeschlossen, dass es auf jeden Fall hilfsbedürftige Menschen gibt, für die auch sicherlich jeder bereit wäre etwas abzugeben. Nur wenn jemand diesen Menschen nun dieses soziale Netz zerstört, dann sind das aber die, die dieses Netz über seine erträglichen Grenzen ausnutzen.
    Stellen schaffen - der Staat braucht ja nun kein Geld um Stellen zu schaffen, es wäre nur an der Zeit, dass Politiker wieder Grundlagen schaffen, auf denen Firmen auch wieder Jobs in Deutschland entstehen lassen. Die Deutschen haben eine Regulierungs- und Kontrollwut entwickelt, die in meinen Augen jedes vernünftige Mass an Sicherheit und sozialer Absicherung überschreitet. Natürlich ist hier nicht nur der Staat gefordert, vorallem auch die Menschen müssen sehen, dass der Wohlstand, den die Nachkriegsgeneration aufgebaut hat, durch Arbeit gepfelgt werden muss und nicht wie eine fette Erbschaft verprasst werden kann bis auf den letzten Cent. Dann ist es nämlich zu spät.

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  16. Suesse 11.02.02 22:11

    Ist denn eine freie Marktwirtschaft das, was wir haben sollten? Definitiv nein - schlimm genug, dass das, was sich hierzulande mal soziale Marktwirtschaft nannte, immer weiter reduziert wird. Schlimm vor allem, wenn man sich z.B. den 1. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung durchliest (was ich dringend empfehlen kann!) und von stetig wachsender Altersarmut, Legionen von SozialhilfeempfängerInnen im Kindes- und Jugendalter, der prekären finanziellen Situation alleinerziehender Mütter usw. liest. Sicher sehr produktiv, diesen Menschen das letzte bisschen zum Leben - sorry - unterm Arsch wegzuziehen und sie zum Laubfegen zu verdonnern!

    Und ist es nicht merkwürdig, dass einige Firmen jedes Jahr höhere Gewinne einfahren, aber andererseits jammern, dass sie schon wieder Stellen abbauen müssen, weil die Sozialabgaben ja ach so hoch sind? Dann lieber wieder 60-Stunden-Woche ohne soziale Absicherung und wer krank wird, hatte eben Pech und muss sehen, wo er oder sie bleibt... Die Langzeitarbeitslosen und SozialhilfeempfängerInnen sind nicht die Auslöser, eher die Opfer dieser Entwicklung!

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  17. runaway 11.02.02 22:30

    klasse Beitrag....

    möchte aus familiärer Erfahrung unterstützend mitreden:
    Was die Unternehmen, so vor allem die Grosskonzerne, mitverursacht haben wird meist übersehen. Aus eben der o.g. Branche lässt sich Resume ziehen: die Arbeitsplätze sind dann rapide verschwunden - bedingt durch Schliessung von Mittel- und Kleinbetriebe - als die Möbelindustrie meinte, ihre Produktion in den Osten Europas zu verlegen, nur weil da die Arbeitskraft und das Holz billiger ist. Davon, dass die Qualität damit einhergehend ebenso rapide abgenommen hat, will natürlich niemand etwas wissen. Die Arbeitslosenproblematik ist hausgemacht. Leute deswegen Laub fegen zu machen, ist sicherlich nicht feinfühlig, ja eher verachtend. Es muss eher etwas gegen den Mißbrauch getan werden. Bezüglich der Unwilligen kann ich nur Fragen: Wofür geben wir eigentlich die Steuergelder aus für den Fachbereich (Arbeits-)Psychologie an Universitäten. Warum fühlt sich diese Branche bzw. Wissenschaft bei diesem Problem nicht angesprochen?

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  18. runaway 11.02.02 22:36

    menno Fernsehen und tippen klappt nicht gut...sollte heissen: ..Laub fegen zu lassen...

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  19. cpo... 11.02.02 09:43

    zu Suesse:
    Wie auch schon oben gesagt, kann man dieses Thema nicht pauschalisieren.
    Auf Dein Argument, der Entlastung der öffentlichen Kassen, kann ich nur entgegnen: Wunderbar!
    Denn dann steht dieses Geld für andere Maßnahmen zur Verfügung: z.B. Ausbau der Infrastruktur, Steuersenkung, etc.. Alles Maßnahmen die sich (un-)mittelbar positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken können.

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  20. Anonym 11.02.02 12:31

    Ich habe nie von den sozialen Schicksalen gerdet, die du ansprichst. Ich weiss, dass es viele Arbeitslose gibt, die arbeiten wollen und aufgrund ihres Alters, Qualifikation, etc keinen Job bekommen. (Z.B. meine Mutter, die weil sie gerne Arbeitet unterbezahlte ABM Jobs annimmt, aber wohl jetzt im Alter von 50 in Rente gehen muss, weil sie fuer ABM Jobs zu alt ist!)

    Ich wollte die Frage anstossen, ob Menschen die Leistungen ohne Gegenleistungen vom Staat erhalten nicht in der Gesellschaft in der Verpflichtung stehen? Kann der Staat diese Menschen auffordern fuer ihn zu arbeiten. Ich rede nicht vom 2.Arbeitsmarkt, der sehr ineffektiv und kontraproduktiv ist, sondern ich rede von Arbeiten die der Gesellschaft zu Gute kommen.

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  21. Suesse 11.02.02 22:17

    Diese "sozialen Schicksale" sind aber genau die Menschen, die ihr hier alle zum Laubfegen verdonnern wollt! Denn woran soll die Arbeitsverpflichtung denn sonst anknüpfen als an die Tatsache, dass jemand Arbeitslosen- oder Sozialhilfe bezieht? Dabei wird nun mal nicht danach differenziert, ob jemand das freiwillig tut, weil er/ sie nicht arbeiten will, oder ob es ein "soziales Schicksal" ist.

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  22. Anonym 12.02.02 17:35

    Laubfegen ist vielleicht ein wenig pauschal, aber fuer jeden leicht verstaendlich.

    wenn das arbeitsamt arbeitslosen einen job zuweist und die diesen nicht annehmen kriegen sie schon soziale leistungen gestrichen (bis zum sozialhilfesatz). (berichtig mich wenn ich schwachsinn erzaehle!)
    wenn der arbeitslose nun eine arbeit zugewiesen bekommt und im bewerbungsgespraech erzaehlt, er hat eigentlich keinen bock, hat er zeit und sich geld gespart.

    natuerlich ist "fast" jeder der sozialhilfe bekommt im gewissen sinne ein soziales schicksal. wenn man aber die differenz zwischen niedriglohn und sozialhilfe ausweitet, dann kann es dennoch anreiz sein zu arbeiten. (natuerlich weiss ich auch, dass eine alleinerziehende mutter nur arbeiten kann, wenn ihr kind unterkommt!) aber warum kann ein alleinerziehende mutter fuer einen gewissen lohn nicht andere kinder betreuen??? und schon hat sie einen job und 4 andere muetter koennten arbeiten...(ich weiss ich habe eine rosarote brille auf!)

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  23. runaway 12.02.02 21:08

    Das Problem bei dieser Betrachtung ist, dass sie zu ökonomisch ist und juristische Aspekte übersieht, so wie dass ein Arbeitszwang, sei er auch durch eine Androhung durch (oder Züchtigung mittels) Geldentzug erschlichen, gegen die grundgesetzlich zugesicherte allgemeine Handlungfreiheit des Bürgers verstösst..Der Bürger muss demnach aus eigener Motivation heraus arbeiten. Diese Freiheit (hier die Freiheit der Entscheidung zur Arbeitsaufnahme bzgl des wann und wie) muss ihm durch den Staat gesichert sein. Das kann sie aber nur, wenn der Bürger in seinem Existensgrundlagen abgesichert ist, und nichts anderes sind die Sozialleistungen....und eine Reise nach Mallorca dürfte damit nicht zu finanzieren sein...
    Daher halte ich das Problem bezüglich der deutlich arbeitsunwilligen Arbeitslosen für ein psychologisches Problem.

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  24. Suesse 13.02.02 01:18

    "Anreiz" ist reichlich euphemistisch, Björn! Für die meisten wird es eher die Frage sein, ob sie dann ihre Miete noch zahlen können bzw. ob sie am Ende des Monats noch was zu essen kriegen. Vergrösserung der Differenz zwischen Niedriglohn und Sozialhilfe darf so gesehen eingentlich nur heissen: Löhne anheben, nicht Sozi kürzen!

    Im übrigen: klasse Beitrag, Run!!!

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  25. Mas... 13.02.02 00:26

    Ich kann Dir nur zustimmen Björn, dass die Leute die arbeiten können und Leistungen auf Kosten der Gesellschaft bekommen in er Pflicht stehen. Hier ist schon oft vom Laubfegen gesprochen worden - vielleicht können wir da mal ein wenig kreativer werden. Hier sehe ich vor allem die in letzter Zeit so ins Gerede gekommenen Arbeitsämter in der Pflicht. Wir alle reden doch von der Servicewüste und davon das die Deutschen keinen Kundenservice kennen. Freundlichkeit ist doch wohl eine Eigenschaft die jeder an den Tag legen kann. Und in diesem Bereich könnte man schnell viele Jobs durch Schulungen erzeugen. Dieses dann in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Warum sind die privaten Jobvermittlungen denn seid Jahren auch auf "hoffnungslose" Fälle bezogen so erfolgreich? Weil Sie mit der Wirtschaft zusammenarbeiten und kein trüber Haufen sind der sich größtenteils selbst verwaltet.
    Könnte man hier ansetzten hätten wir schnell viele Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger untergebracht. Und einhergehen damit muss dann noch eine größere Lücke zwischen Arbeit und nicht arbeiten. Soll heißen Einkommen bis zu einer Grenze Abgabenfrei zu machen. Ich spare doch ein vielfaches an Sozialleistungen wieder ein...

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