Saddam warnt die USA vor Angriff

Anonym 08.08.02 13:28

Iraks Präsident Saddam Hussein will im Konflikt um die Uno-Waffeninspektoren offenbar nicht nachgeben. In einer Rede hat er für den Fall eines Angriffs der USA mit unabsehbaren Konsequenzen gedroht

  1. Anonym 08.08.02 13:30

    Er habe keine Angst vor den Drohungen der USA, und sein Land sei bereit, jeden Angriff zurückzuschlagen, sagte Saddam in einer am Donnerstag im Fernsehen übertragenen Rede an die Nation. "Es gibt keine andere Wahl im Umgang mit denjenigen, die Drohungen und Aggressionen einsetzen, als die, sie zurückzuschlagen, selbst wenn dies ihnen selbst Schaden bringt", sagte er anlässlich des 14. Jahrestages der Beendigung des Krieges mit dem Nachbarland Iran.


    "Angreifer landen in der Mülltonne der Geschichte"


    Vor dem Hintergrund eines möglichen US-Angriffs warnte Saddam in seiner in der gesamten arabischen Welt ausgestrahlten Rede vor einer militärischen Konfrontation, die für Aggressoren in einer schmachvollen Niederlage enden werde. Angreifer landeten in der "Mülltonne der Geschichte", sagte Saddam. Feindliche Soldaten, die in sein Land einmarschieren wollten, sollten ihre Särge gleich mitbringen. "Ich sage das in solch klaren Worten, damit kein Schwächling auf die Idee kommt zu denken, wir ließen uns von unverschämten Drohungen ängstigen und damit kein gieriger Tyrann zu einer Handlung verlockt wird, deren Konsequenzen jenseits seiner Vorstellungen liegen", sagte Saddam weiter.


    Die USA streben einen Machtwechsel in Irak an und haben dafür auch den Einsatz militärischer Mittel nicht ausgeschlossen. Am Mittwoch hatte Bush gesagt, er wolle alle Möglichkeiten ausloten, die ihm gegen die Bedrohung durch Irak zur Verfügung stünden. Dazu zähle auch das Militär.



    Saddam verlangt Aufhebung der Sanktionen


    Die Frage der Rückkehr der UN-Waffenkontrolleure sprach der seit 1979 herrschende Präsident nicht direkt an, aber er sagte die internationalen Anstrengung seines Landes müssten honoriert werden. Dies wurde als Forderung nach Aufhebung der vor zwölf Jahren verhängten Sanktionen gegen den Golfstaat verstanden, wie sie am Vortag Iraks Außenminister Nadschi Sabri in einem Interview mit dem britischen Sender BBC erhoben hatte. In der vergangenen Woche hatte Saddam den Leiter der Uno-Waffeninspektoren zu Verhandlungen über den weiteren Verlauf der Inspektion seiner Waffenarsenale nach Bagdad eingeladen. Uno und USA wiesen die Einladung als Ablenkungsmanöver zurück. Sie bestehen auf der bedingungslosen Fortsetzung der Inspektionen, die im Dezember 1998 unterbrochen wurden. Am Dienstag hatte UN-Generalsekretär Kofi Annan die Führung in Bagdad aufgefordert, sich an UN-Beschlüsse zu halten und neue Waffenkontrollen zu ermöglichen. Die Beendigung der Sanktionen ist an die Bescheinigung durch UN-Kontrolleure gebunden, dass Bagdad nicht mehr über Massenvernichtungswaffen verfügt.



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  2. Anonym 08.08.02 13:39

    Irgendwie weiss ich nicht, was ich vom amerikanischen Interventionismus halten soll.

    Wer gibt diesem Staat eigentlich das Recht, ueber andere zu richten.

    "Die USA streben einen Machtwechsel in Irak an und haben dafür auch den Einsatz militärischer Mittel nicht ausgeschlossen"...

    ... den Satz muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, das ist als ob die Airforce Westerwelle zum Bundeskanzler machen wuerde, klar kann sich dann eine Demokratie in solchen Laendern nicht entwickeln.

    Bevor mein Blutdruck noch hoeher geht hoere ich jetzt aber lieber auf...

    ... was ist eure Meinung zur politischen Situation auf der Welt? Und wann ist Europa eurer Meinung soweit, das auch politsch so stark ist, dass es auch mal gegenueber den USA NEIN sagen kann?

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  3. dos... 08.08.02 13:47

    Wenn überhaupt Saddam entmachten hätte dies im Golfkrieg II (1991) geschehen sollen und nicht jetzt. Imerhin ist offensichtlich Saddam Hussein von der Mehrzahl der Bevölkerung Iraks gewollt und auch nur von der Bevölkerung abzusetzten, sei es mit Putschen oder einem Aufstand.
    Was Europa anbelangt, so denke ich schon seit längerem das Europa, wozu ich auch Russland zähle, eine stärkere Oppostion gegenüber der USA darstellen sollte. Zur Zeit kann sich die USA mangels polit. Gegengewicht alles erlauben und dazu noch den Deckmantel der Terrorismus Bekämpfung überwerfen.

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  4. Anonym 08.08.02 16:13

    Kann es sein, das Europa in den naechsten Jahren, zu einer wirtschaftlichen Macht avanzieren wird, ohne sich der politschen Verantwortung zu stellen?

    Der Euro ist da und weitestgehend akzeptiert (bis auf Deutschland, dem Land in dem laut Bild alles teurer wurde mit dem Teuro), von einem echten europaischen Parlament ist aber noch nichts zu sehen - Bezeichenend oder?

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  5. runaway 08.08.02 17:52

    finde ich nicht..
    Die EU ist keine klassische Staatsstruktur, sie ist besser...sie ist ein "demokratischer" Zusammenschluß von demokratischen Staaten.. Die EU kann daher aus einer reichen Erfahrung (die all ihrer Mitglieder) schöpfen. Man unterschätzt ihren Einfluß und unterstellt ihr, keine einheitliche Außenpolitik zu betreiben; doch wozu wäre diese nützlich? Die EU ist facettenreich und kann daher mit allen andersstrukturierten Staaten oder Staatengemeinschaften vorbehaltlos in Kontakt treten und Interessen durchsetzen. Das ist derzeit wirtschaftlich, aber in den kommenden Jahrzehnten auch politisch sehr von Vorteil. Ein großer Vorteil in beiderlei Hinsicht ist zudem, daß die EU vor der Globalisierung die Erfahrung der Kontinentalisierung durchgemacht hat. EU ist eine neue Art von Gemeinschaft, die in diesem Jahrhundert sicherlich noch ihre Nachahmer finden wird, denn sie ist wirtschaftlich+politisch konstruktiver.

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  6. dos... 08.08.02 14:19

    Wenn überhaupt Saddam entmachten hätte dies im Golfkrieg II (1991) geschehen sollen und nicht jetzt. Imerhin ist offensichtlich Saddam Hussein von der Mehrzahl der Bevölkerung Iraks gewollt und auch nur von der Bevölkerung abzusetzten, sei es mit Putschen oder einem Aufstand.
    Was Europa anbelangt, so denke ich schon seit längerem das Europa, wozu ich auch Russland zähle, eine stärkere Oppostion gegenüber der USA darstellen sollte. Zur Zeit kann sich die USA mangels polit. Gegengewicht alles erlauben und dazu noch den Deckmantel der Terrorismus Bekämpfung überwerfen.

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  7. dos... 08.08.02 14:47

    Sorry, dieses Posting sollte nicht ein zweitesmal erscheinen, wohl doch zuviel Sonne auf dem Bildschirm und im falschen Fenster den Reload Button gedrückt :-(

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  8. runaway 08.08.02 14:59

    naja, seit spätestens "Kennedy" hat sich bei den Präsidenten der USA die Gewohnheit breitgemacht, durch Bombardierung irgendeines Landes (weit der USA) sich im Inneren zu profilieren...Ich befürchte nur ein 2.Vietnam mit der Abweichung, daß nicht primär die USA einen Schaden davonträgt...Saddam wird auf die Bevölkerungsgruppen im Irak losschlagen. Selbst für den Fall, daß der Sturz möglich sein sollte, stehen ohnehin der Region unstabile Zeiten entgegen.

    @dosie
    na dann bin ich aber froh, daß vor allem Rußland einen anderen Deckmantel vorzuweisen hat..

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  9. dos... 08.08.02 17:17

    Was ich Russland meine, zu Zeiten des kalten Krieges gab es zumindest ein Abschreckungsportential. Da erschien es mir als ob beide Weltmächte nicht so in der Welt rumgeflipt sind und haben sich als Weltpolizei aufgespielt. Russland hat sich zwar nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, Stichwort: Tschetschenien. Nur wenn Russland nicht mehr in die Weltpolitik eingebunden wird, sehe ich die Gefahr eines abgleitens dieses Staates in eine Diktatur. Und schließlich ist Russland eine Weltmacht, wenn auch gerade sehr blass.

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  10. runaway 08.08.02 17:25

    ich denke, wir meinen dasselbe....die Weltpolitik geht den Bach 'runter...von Gleichgewichten bzw. checks and balances kann keine Rede mehr sein..;-)

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  11. Anonym 09.08.02 02:00

    USA hat bei Saddam nichts zu suchen. Semper fi.

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  12. runaway 10.08.02 08:57

    sehr beeindruckend an deinem Beitrag sind: die exakte historische Herleitung, die langatmige Abwägung des Für und Wider und eine nicht enden wollende Argumentation deiner eigenen Position... ;-)))

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  13. Anonym 10.08.02 17:33

    Die herleitung ueberlasse ich dir. Die Informationen sind bekannt, warum sollte ich also mehr als meine Position darstellen?

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  14. Anonym 10.08.02 18:46

    wieso sollte deine position interessant sein? ähnlich könntest du "ich hab hunger" oder "mir ist langweilig" reinschreiben. interessant sind nur die argumente, die zu deiner meinung führen.

    überleg dir das mal, bessere dich und dann versuchs nochmal.

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  15. runaway 11.08.02 16:36

    äh, das ganze war eigentlich ironisch gemeint..sorry, scheint falsch 'rübergekommen zu sein..

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  16. Anonym 11.08.02 20:20

    mein beitrag hingegen war nicht ironisch gemeint, nicht dass das jetzt falsch rüberkommt.

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  17. Anonym 13.08.02 15:13

    Die Argumente sind aber dennoch allgemein bekannt und es wäre unnötiger Aufwand diese nochmal darzulegen.
    Positionen sind immer interessant, weil aus einzelnen Positionen Tendenzen und Mehrheiten entstehen.

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  18. runaway 14.08.02 11:59

    Eine gute Argumentation und fundiertes Hintergrundwissen unterscheidet - in Bezug auf die kollektive Meinungsbildung - den Meinungsinhaber von einem Meinungsmitläufer.

    (p.s.: ich bin mir sicher, daß du deine Argumente hattest und den Konflikt auch kennst; nimm es bitte daher nicht persönlich. Aber du wirst staunen, was in der Bevölkerung alles nicht "allgemein bekannt" ist.)

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  19. Anonym 09.08.02 11:19

    Mit der Einladung von Uno-Chefkontrolleur Hans Blix verschafft sich Bagdads Despot neuen Spielraum. US-Präsident George W. Bush, zum Schlag gegen den Irak entschlossen, gerät in Legitimationsnot. Washingtons Falken nehmen bereits den nächsten Schurken ins Visier - Iran.

    Geheimnisvolles tut sich im türkischen Kurdenland. Während hoch droben am Himmel immer häufiger stahlgraue Kampfflugzeuge wie anatolische Geier ihre Kreise ziehen, wachsen in den Grenzstädten Silopi und Uludere gigantische Auffanglager aus dem Boden.

    Der Spiegel

    Zu Lande oder aus der Luft: Mögliche Angriffsszenarien gegen den Irak


    In einem Geheimerlass hat der gesundheitlich und politisch angeschlagene Premierminister Bülent Ecevit die "Operation Regen" angeordnet. Die Türkei rüstet für eine drohende humanitäre Katastrophe: kurdische Flüchtlinge, die - wie 1991 geschehen - zu Hunderttausenden einem neuen Golfkrieg zu entkommen trachten.

    Auf Druck aus Washington, vielleicht aber auch in der Hoffnung, so die miesen Aussichten seiner Partei für die Neuwahlen im November aufzubessern, scheint sich der Premier in das offenbar Unvermeidliche zu schicken: Der Bush-Krieg gegen den ungeliebten Nachbarn Saddam Hussein, bislang in Ankara kategorisch abgelehnt, wird heimlich vorbereitet.

    In Bagdad blieb kaum verborgen, dass die Zeiger auf Amerikas strategischen Uhren unaufhaltsam auf die Angriffsstunde am ominösen D-Day vorrücken: Zeit für den in Washington längst befürchteten politischen Gegenschlag.

    Ohne Vorwarnung ließ Präsident Saddam Hussein, der gerade noch Uno-Generalsekretär Kofi Annan in gleicher Sache hatte abblitzen lassen, vergangenen Freitag dessen Chefinspektor Hans Blix einladen - zu Gesprächen über die Wiederaufnahme der Rüstungskontrollen. Diese waren dem irakischen Aggressor 1991 nach seiner vernichtenden Niederlage in Kuweit von der Weltorganisation auferlegt worden.

    In Washington hatte man mit Saddams Verzögerungstaktik gerechnet. Es sei völlig undenkbar, raunzte etwa Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, dass der Despot seine geheimen Depots und Labors wirklich für tief schürfende Inspektionen öffnen werde.

    Gewiss: Viel spricht für eine Finte des Irakers. Aber der Schachzug Ende voriger Woche verschafft ihm Handlungsspielraum. George W. Bush, der eben noch wie ein wilder Stier auf sein rotes Tuch Saddam losging, könnte nun eher dastehen wie ein Don Quichotte, der sich mit seinem mächtigen Kriegsgerät in den Flügeln von Bagdads Propagandamühlen verheddert.

    Doch der Amerikaner, so scheint es, lässt sich von seinem Ziel nicht abbringen. Warnzeichen, Hindernisse und Risiken zählen schon lange nicht mehr für den Mann, dessen Vater, 1991 im Golfkrieg noch Triumphator über Saddam, im April 1993 Opfer eines Mordanschlags von Bagdads Schergen werden sollte.

    Nicht einmal die Aussicht auf eine - wie 1991 - kriegsbedingte Rezession schreckt Bush. Dabei müssten die USA diesmal sicher die Hauptlast der Kosten tragen, die sie 1991 noch weitgehend auf Alliierte abwälzen konnten.

    Vergebens warnte Jordaniens König Abdullah II. vorige Woche Bush junior ganz undiplomatisch vor dem "schrecklichen Fehler" eines militärischen Angriffs auf den Irak, der zu "verheerenden Auswirkungen" in der ganzen Region führen werde. "Ziemlich grotesk" seien die Pentagon-Pläne angesichts des hell lodernden Nahost-Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern.

    Auch Uno-Generalsekretär Kofi Annan, Lordsiegelbewahrer des Weltfriedens, machte keinen Hehl aus seiner tiefen Abneigung gegen den bellizistischen Kurs der US-Administration. Sogar enge Verbündete Washingtons wie der deutsche Kanzler Gerhard Schröder und Frankreichs Präsident Jacques Chirac schränkten unter dem Eindruck des immer lauter über den Atlantik schallenden Kriegsgeschreis ihre seit den Terroranschlägen vom 11. September oft beschworene Solidarität mit der Supermacht drastisch ein: Ohne ein neues Votum des Uno-Sicherheitsrats sei ein Krieg gegen den Irak undenkbar.

    Sie können sich dabei auf das Urteil führender Völkerrechtler stützen. Der Berliner Professor Christian Tomuschat etwa ist überzeugt, dass ein vom Sicherheitsrat nicht sanktionierter Angriff auf den Irak die Grundlage des Völkerrechts und der Vereinten Nationen zerstören würde - den prinzipiellen Gewaltverzicht in den internationalen Beziehungen. Fortan könne so jeder Staat unter dem Vorwand einer befürchteten Bedrohung zu den Waffen greifen - mit verheerenden Folgen für die internationale Ordnung.

    Bedenken, Mahnungen und Rechtsvorbehalte finden bei den Bush-Kriegern derzeit jedoch nur eine Antwort: immer neue Pläne für Auf- und Vormärsche, Umstürze, Luftschläge und Kommandoeinsätze. Die Optionen für einen Angriffskrieg gegen den Irak werden öffentlich debattiert, als gäbe es kein Völkerrecht.

    Vergangene Woche hielt der Kongress in Washington Anhörungen ab, um aus dem Dickicht von Drohungen und Kriegsszenarien herauszufiltern, was reale Planung ist und was vielleicht nur Verwirrtaktik. Selbst Parteifreunde des Präsidenten, wie der republikanische Senator Chuck Hagel, stellen bohrende Fragen:

    Was geschieht mit dem Irak, wenn Saddam beseitigt ist? Muss dann eine bis zu 50 000 Soldaten starke Besatzungsarmee vielleicht ein Jahrzehnt dort stationiert bleiben? Und wie kann Saddam diesmal wirksam vom Einsatz seiner Massenvernichtungswaffen abgeschreckt werden, wenn er so oder so mit seinem Ende rechnen muss?

    Selbst ranghohe Militärs verweisen inzwischen auf die wirksame Eindämmungspolitik in den Flugverbotszonen im Norden und Süden des Irak, in denen der Diktator seit elf Jahren in Schach gehalten werde. "Ich kenne keine Verbindung zu al-Qaida oder zum Terrorismus", wundert sich ein in Afghanistan eingesetzter US-General über die Obsession des jüngeren Bush mit Saddam. "Deswegen stellt sich mir die Frage, ob das irgendwie damit zu tun hat, dass sein Vater Ziel von Saddam gewesen ist."

    Bush & Co. rechtfertigen sich mit dem Verhalten des gefürchteten Diktators:

    Der hat seine Nachbarn wiederholt bedroht und sogar überfallen. Vor allem Saddams ungestümer Griff zu Massenvernichtungswaffen - seien es atomare, biologische oder chemische - weckt Ängste weit über die Region hinaus. Seit Bagdad die Verpflichtungen aus der Niederlage im Golfkrieg um Kuweit ignoriert und den Abrüstungskontrolleuren der Uno ab 1998 die Einreise verwehrt, gilt der Diktator in Washington als Paria.

    Bush-Vorgänger Bill Clinton versuchte wiederholt, den unliebsamen Iraker mit Waffengewalt zur Räson zu bringen. Sein Nachfolger ermächtigte nun sogar seinen Geheimdienst CIA zu Mordkomplotten.

    Doch Saddam ist Überlebenskünstler: Stets hat Bagdads mächtiger Sicherheitsapparat Verschwörungen und Putschgelüste aufgedeckt. Zu Tausenden wurden Saddam-Gegner exekutiert. Deswegen fanden die Strategen auch wenig Gefallen an der so genannten Bürgerkriegsoption:

    Mit Hilfe der innerirakischen Opposition und abtrünniger Clans der Schiiten im Süden sowie der nordirakischen Kurdenstämme sollten amerikanische Kommandosoldaten den Sturz Saddams besorgen. Doch das "Beispiel Afghanistan" sei auf den Irak nicht übertragbar, musste selbst Verteidigungsminister Rumsfeld einräumen. Weder bringen die untereinander zerstrittenen Gruppen der irakischen Opposition die Kampfkraft der afghanischen Nordallianz auf. Noch ist Saddams 400 000-Mann-Armee in einem ähnlich desolaten Zustand wie die seinerzeit weit überschätzte Söldnertruppe des Taliban-Regimes in Kabul.

    Folgerichtig wurde daher "Oplan 1003" aufgelegt: Mit massiven Bombenangriffen, Panzerarmeen und bis zu 300 000 US-Soldaten sollen Saddams Streitkräfte aus der Türkei, aus Jordanien und aus Kuweit heraus in einen zermürbenden Dreifrontenkrieg verstrickt und geschlagen werden. Entscheidender Schönheitsfehler: Die designierten Aufmarschstaaten machen nicht mit.

    Deshalb kam es zur Idee der Blitzkriegsstrategie: Buchstäblich aus heiterem Himmel soll ein 50 000 Mann starkes Rollkommando direkt in der Hauptstadt Bagdad sowie wichtigen Kommandozentren landen und die Hydra des Saddam-Regimes enthaupten. Führungslos würden sich die stramm hierarchisch geführten Streitkräfte des Irak geschlagen geben, wenn die Invasionstruppe - gleichsam von innen nach außen - die Machtstrukturen des Regimes aufrollt, hoffen Pentagon-Planer.

    Unerwähnt ließen die Strategen die Risiken des tollkühnen Unternehmens. Denn schwer vorstellbar ist, dass die nach wie vor durch den Vietnam-Krieg traumatisierte US-Bevölkerung tage- oder wochenlange Häuserkämpfe in irakischen Metropolen mit ansehen würde, bei denen vielleicht Tausende GIS ums Leben kämen. Zudem müsste eine Entsatztruppe von mindestens 200 000 Mann bereitstehen, die das Blitzkriegskorps im Notfall herauspauken kann. Dazu wäre ein Monate dauernder Aufmarsch ebenso notwendig wie Stützpunkte in Nachbarstaaten des Irak.

    In der Region stoßen Washingtons Kriegspläne jedoch auf massiven Widerstand. Bereits im März erklärten sich alle 22 Mitgliedsländer der Arabischen Liga auf ihrem Gipfeltreffen in Beirut mit Bagdad solidarisch. Sie fürchten, wohl zu Recht, dass ein US-Angriff in den arabischen Metropolen die Straße mobilisiert - nicht nur gegen die Bush-Krieger, sondern auch gegen allzu US-hörige Potentaten.

    In Kairo ist Staatschef Husni Mubarak schon froh, die anti-israelischen Proteste in den Griff bekommen zu haben. Dass Washington die Vergeltungspolitik des israelischen Premiers Ariel Scharon deckt, empört den Ägypter zutiefst.

    Statt in der palästinensischen Autonomie-Regierung und in Bagdad auf einen Machtwechsel zu drängen, so die einhellige Forderung von Amman bis Riad, solle Bush erst mal Scharon eine Lektion erteilen. Eine zweite Front neben dem eskalierenden Nahost-Konflikt, so Mubarak, könne die Region nicht verkraften.

    Auch bei dem strategisch wichtigsten Partner im ersten Golfkrieg kommt Washington weder mit Geld noch guten Worten weiter. In Saudi-Arabien verbietet das Königshaus die Nutzung des 1996 mit fast sechs Milliarden Dollar aus dem Wüstensand gestampften Luftwaffenstützpunkts "Prinz Sultan". Seit dem 11. September fürchten sich die Öl-Prinzen mehr denn je vor der fundamentalistischen Opposition in ihrem Reich. Immerhin waren 15 der 19 September-Attentäter und sogar Terrorchef Osama Bin Laden Landsleute.

    Nicht mal Kuweit, das seine Befreiung dem Vater des US-Präsidenten verdankt, will beim Waffengang mitmachen. Die Zurückhaltung in dem Emirat erklärt sich auch mit Saddams diplomatischem Geschick. Auf dem Araber-Gipfel von Beirut garantierte Bagdad Souveränität und Sicherheit des Emirs.

    Auch Jordaniens König Abdullah II., dessen Vater Hussein 1991 noch für Saddam Partei ergriffen hatte, warnt immer wieder vor dem Angriff. Saddams jüngster Schachzug stärkt den Widerstand in Amman wie bei wohl allen Gegnern der amerikanischen Kriegspläne.

    Nur Briten-Premier Tony Blair, stets Washingtons treuester - und diesmal womöglich einziger - Knappe, teilt den Frust der Bush-Krieger: Sie fürchten, der Iraker könne ihnen doch noch aus der Kiste springen, die sie bereits für ihn gezimmert haben.

    Deswegen glaubt bislang auch kaum jemand daran, dass die Kriegsgefahr wirklich abgewendet worden ist. Sogar in Bagdad ist Vize-Premier Tarik Asis überzeugt, dass selbst "die Rückkehr der Inspektoren einen Angriff nicht verhindern wird".

    Das schürt Ängste im benachbarten Iran. Der dem Westen vergleichsweise wohlgesinnte Staatschef Mohammed Chatami warnte Washington vor dem "Anfachen der Flammen des Krieges". Seit Bush dem Mullah-Regime jeglichen Reformwillen abspricht und den Gottesstaat mit Irak und Nordkorea zur "Achse des Bösen" erklärt hat, sehen sich die Iraner als Nächste auf der Abschussliste des "großen Satans" Amerika.

    Die Sorge ist nicht unbegründet. Als sei Saddam bereits besiegt, gucken die Falken um Bush schon den nächsten Gegner in ihrem Krieg gegen den Terror aus: Sollte Teheran wirklich seinen Atommeiler in Buschehr (SPIEGEL 23/2002) in gut drei Jahren in Betrieb nehmen und so seine Aussichten auf Atomwaffen verbessern, böte das vielleicht die erste Möglichkeit, die neue US-Doktrin der "vorbeugenden Angriffe auf Schurkenstaaten" anzuwenden. "In der Regierung", warnt Anthony Cordesman, einer der führenden US-Strategen, "gibt es einige Unterstützung für diesen Entwaffnungsschlag."


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  20. Anonym 09.08.02 11:34

    Auch wenn die USA sich wie die Weltpolizei aufspielen, bleibt natuerlich die Frage, ob wir nicht vieleicht auch froh sein sollten, das wenigstens ein Land mit wachsamen Auge darauf achten, das die Grundfesten der Demokratie nicht angetastet werden.

    Auch wenn der Irak m.E. nicht wirklich eine Gefahr darstellt, so hat der Anschlag auf das WTC doch gezeigt, dass man wachsam sein soll.

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  21. dos... 09.08.02 12:46

    Die USA mal wieder als Weltpolizei ?!
    Ein Angriff der USA ohne Mandat des UN-Sicherheitsrat ist undenkbar, da wie im Artikel geschrieben "... die Grundlage des Völkerrechts und der Vereinten Nationen zerstören würde ..." Demnach könnte jedes souveräne Land ein anderes angreifen und keiner könnte sich mehr auf geltendes Völkerecht beziehen.
    Dem Terror in Israel oder Palästina schaut derweil die USA tatenlos zu. Meiner Ansicht sollten hier schon längst UN-Blauhelme stationiert sein, um erstmal wieder Verhandlungen ohne Waffengewalt möglich zumachen.

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  22. Che... 09.08.02 13:43

    Weltpolizei spieln die ja seit eh und je.
    So wie ich das sehe aber sehr willkuerlich. Wenn man bedenkt, wie in Ruanda und ex-Jugoslawien um nur zwei zu nennen (Israel siehe dosies beitrag) sich erstmal niemand drum gekuemmert hat bis sich dann dochmal jemand 'erbarmt' hat, waehrend die Besetzung Kuwaits sofort alle mobilisiert hat.
    Ich sehe das auch so, dass wen ein Land Demokratie und Freiheit (bspw. im Irak) verteigigen bzw. errichten moechte, nicht die Demokratie der UN hintergehen darf, damit wuerden die USA (und wer immer noch) ihre eigenen Ideale hintergehen (aber darin haben die meiner Meinung nach schon genug Erfahrung).

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  23. dos... 09.08.02 16:25

    Ich kann dir nur vollkommen zustimmen.

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  24. Suesse 11.08.02 13:07

    @ dosie:

    ... und ein Angriff der USA _mit_ UN-Mandat würde die UN-Charta bzw. das Gewaltverbot ein Stück weiter zum Feigenblatt für willkürliche Kriegspolitik machen. Wie man es dreht: Völkerrecht geht eben von einer friedlichen Welt aus bzw. will diese sichern, nicht Gewalt ermöglichen. Insofern fände ich einen Angriff ohne UN-Mandat fast erträglicher (nicht falsch verstehen: ich bin absolut gegen diesen Angriff!!), da er wenigstens eklatant gegen geltendes Völkerrecht verstößt.

    Dass der Angriff gleich die Grundlage der UN / des Völkerrechts zerstören würde, halte ich nebenbei für völlig übertrieben. Er verstößt dagegen und ist Symptom der völkerrechts-ignoranten Haltung der USA. So mächtig sind die USA allerdings auch wieder nicht, dass sie im Alleingang gewachsene internationale Rechtsprinzipien beerdigen könnten.

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  25. Anonym 12.08.02 09:26

    Hi Suesse,

    so gerne ich deinem Beitrag zu stimmen wuerde, kann ich es nicht ganz.

    Falls die USA, wie du es sagst, im Alleingang gewachsene internationale Rechtsprinzipien beerdigen wuerde, sehe ich zur Zeit niemanden, der ihr wiedersprechen wuerde. Was kann zum Beispiel Europa schon anrichten, es spricht nicht mit einer Stimme. Ein paar Staaten wuerden wahrscheinlich einen Angriff unterstuetzen, ein paar nicht und schon haette die EU kaum mehr Handlungsspielraum.

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