Stoiber im TV

Anonym 23.01.02 17:48

Am Montag von Stefan Raab und am Dienstag von Harald Schmid komplett demontiert und lächerlich gemacht ! Wie sehr haben seine Äußerungen bzw. Satzverschachtelungen bei Christiansen Herrn CSU geschadet ?? Bleibt die spannende Frage was er wohl heute abend bei "Was nun Herr Stoiber ?" zum Besten geben wird.
Für mich jedenfalls ist Herr Stoiber nicht mehr derjenige, den ich aus Überzeugung wählen würde.

  1. Anonym 23.01.02 19:51

    Habe beide Sendungen leider nicht gesehen. Was hat denn der Bayernkanzler von sich gegeben?

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  2. Anonym 23.01.02 20:17

    Viele unverständliche Sätze, hat zur Christiansen "Frau Merkel" gesagt, rechnet Euro mal 2 um den DM Betrag zu erhalten, wirres Zeug zum Thema Einwanderung und vieles mehr. Kleiner Tipp: einfach nochmal Raab, Schmid und Co. schauen..die werden sich bestimmt noch die ganze Woche amüsieren ;-)

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  3. cpo... 23.01.02 21:13

    Auch wenn ich kein Fan von Herrn Stoiber bin, so kann ich mir nicht vorstellen, daß er an diesen Äußerungen scheitern wird.

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  4. runaway 23.01.02 21:54

    ...seit wann zeigen uns die geistig wie äusserlich breithodrigen Spaßsendungen a la Stefan Raab + Harald Schmidt wo's langgeht...die würden als Kandidaten auch nicht besser aussehen....ich denke, die CDU/CSU wird verlieren, keine Frage....warum? weil CDU/CSU 16 Jahre an der Macht waren und die SPD sich mit 4 Jahren nicht zufrieden geben wird..letztlich geht alles um Macht und die -dauer...und die Performance bei Sabine Christiansen hat dabei nichts zu bedeuten...

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  5. Suesse 24.01.02 02:25

    Peinlich ist er übrigens auch bei sonstigen Auftritten, von denen ich dank "Heimvorteil" schon einige genießen konnte (wie könnte man sich einem so charismatischen Landesvater auch entziehen?!). Wie schön, dass der Rest der Republik dieses Vergnügen nun teilen kann... Und: Seit wann können Juristen unverschachtelte Sätze von sich geben? ;-)

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  6. Glo... 24.01.02 09:02

    Inwiefern ist er peinlich? Und wieso kommt bei mir das charismatisch so leicht ironisch rüber? Denke er ist mit Sicherheit charismatischer als der Schröder!

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  7. Suesse 24.01.02 15:50

    Findest du? Auf mich wirkt er eher hölzern. Peinlich? Nunja, ich habe mir vor den letzten Landtagswahlen spaßeshalber ein paar Wahlkampfreden von ihm angehört (auch, wenn mir durchaus bewußt ist, dass die immer irgendwie peinlich sind), einfach sehr platt und zum Teil wirklich hetzerisch. Wenn es denn wirklich so einfache Lösungen gäbe, wie er behauptet... Das kann er vielleicht in Bayern bringen, wo die CSU sowieso nahe an 50 % ist und er praktisch sagen kann, was er will. - Letztendlich ist es natürlich einfach nur mein subjektiver Eindruck. Aber im Gegensatz zu den meisten hier konnte ich den Herrn Stoiber wirklich schon eine ganze Weile miterleben.

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  8. Glo... 24.01.02 16:43

    Ok, bei einer Veranstaltung des Herrn S. bin ich noch nicht gewesen, doch im Gegensatz dazu auf zwei anderen Wahlkampfsitzungen/ -kunggebungen ... und ich kann Dir nur sagen, daß es dort nicht minder peinlich abgeht - aus Rücksicht auf andere squeaker ;-) nenn ich lieber die Partei nicht *grins, aber ich denke Du kannst Dir vorstellen welche ich meine, oder?

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  9. Anonym 24.01.02 07:39

    Ich muß Runaway bepflichten, daß Stefan Raab nicht unbedingt zum Pflichtprogramm politisch interessierter Bürger zählt, im Gegensatz zu Harald Schmidt im übrigen.

    Dennoch erreichen solche Bilder ein Millionenpublikum, die vielleicht nicht so einfach damit umgehen können, wie Zuschauer der Sendung Christiansen.

    Edmund Stoiber hat schon mit seiner Reaktion auf die Stern Titelgeschichte gezeigt, daß er die Medienmacht unterschätzt. Vielleicht hat er nun auch gerade deshalb einen ehemaligen BamS Chef als persönlichen Berater angeheuert.

    In einiger Zeit werden solche Bilder vergessen sein und gemeinsam mit seinem Team wird er auch damit besser umgehen können. Dennoch wird er in der Beherrschung der Medien an Schröder nicht herankommen können. Es sei denn er läßt sich auch scheiden und heiratet eine Journalistin ;-)

    Aber seine Äußerungen, die Unbeholfenheit Stoibers zeigt, daß der rasche Umstieg von Landespolitik auf Bundespolitik nicht unproblematisch ist. Bayrische Konzepte lassen sich nicht problemlos auf Gesamtdeutschland übertragen, die Berücksichtigung von Partikularinteressen ist plötzlich an der Tagesordnung, die Gewerkschaften, die Umweltschützer, jeder will mitreden. In Bayern ist ihm ein hoher Rückhalt in der Bevölkerung sicher, ernstzunehmende Gegner hat er dort keine.

    Ich war sehr verwundert darüber, daß Stoiber überhaupt angetreten ist, zumal mit solchem Tatendrang. Er ist sicher der bessere Kandidat von beiden gewesen, aber letztlich kann er nichts gewinnen. Macht er seinen Job gut hat er sich nicht verbessert. Es ist die Erwartungshaltung der Wähler an ihn. Kann er diese Erwartungen nicht erfüllen, was angesichts der Probleme Deutschlands und der weltwirtschaftlichen Lage zu erwarten ist, kann er nur verlieren. Einen Weg zurück nach Bayern gibt's dann auch nicht mehr.

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  10. Lan... 24.01.02 22:37

    Nun, so dramatisch sehe ich das nicht. Die Menschen werden sich schon genau überlegen, ob Sachkenntnis und Arbeitsdisziplin oder etwa Medienpräsenz bzw. eine gewisse Perfektion in der Darstellung, die bessere Kompetenz für die Lösung der Probleme unseres Landes darstellt.

    Als Unbeholfen würde ich die bisherigen Auftritte nun auch nicht sehen. Sicher hat Stoiber nicht die mediale Eleganz von Schröder, aber viel wichtiger sind Fachkompetenz und ein gewisser Ehrgeiz in der Sache. Am Ende kommt es auf die Mannschaft an und die war ja bei Schröder recht durchwachsen.

    Die Kernkompetenzen, die für die Arbeit des Bundeskanzlers von Bedeutung sind, sehe ich jedoch im Ergebnis bei Stoiber stärker ausgeprägt als bei Schröder.

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  11. Glo... 25.01.02 12:57

    Sören, nach langem Überlegen geb ich Dir recht und bin auch zu dem Entschluß gekommen, daß es Mr. S nicht schaden wird, wobei seine Auftritte alles andere als gut waren!
    Frage bleibt für mich, ob Mr. S es schafft, die sog. MITTE anzusprechen und demzufolge genügend ;-) Wählerstimmen für sich zu gewinnen. Kann denn wirklich in der Bevölkerung ein Drang entstehen, der den bisherigen Menschen an der Spitze Deutschlands, die Wahl verlieren läßt? Ist der Leidensdruck - abgesehen vom numerischen - wirklich so groß?

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  12. Anonym 25.01.02 22:24

    Nun Sören, höhere Kompetenz, Sachkenntnis und Arbeitsdisziplin muß man kommunizieren. Hier stellt sich die Frage, wann und in welchem Umfang sich Stoiber diese Fähigkeiten aneignen wird. Zur Frage der Mannschaft muß ich Dir zustimmen. Die Auswahl Schröders war nicht nur durchwachsen, sondern beschissen: Lafontaine (an dieser Stelle ein Dank für den Rücktritt), A. Fischer, J. Trittin, R. Scharping.

    Das eine erfahrene Mannschaft nach 16 Jahren Kohlregierung nicht so ohne weiteres aus dem Boden gestampft werden kann halte ich jedoch für verständlich. Mit dem was heute dort sitzt bin ich sehr zufrieden, mit Ausnahme von Scharping, der in jedem Fall die nächste Wahl nicht überleben wird. Zur Frage nach Stoibers "Schattenkabinett" habe ich mich an anderer Stelle schon geäußert.

    Mich würde interessieren, was Du unter Kernkompetenzen eines Bundeskanzlers verstehst. Sicherlich Wirtschaftskompetenz. Die hat Stoiber, keine Frage.

    Wie sieht es mit Diplomatie aus? Mir geben die harrschen Zurückweisungen der Äußerungen des tschechischem Ministerpräsident Milos Zeman zu denken. Insbesondere wenn man berücksichtigt, daß Stoiber schon seit Jahren die Aufhebung der Benes Dekrete fordert und die Vertreibung der Sudeten als "Unrecht" bezeichnet. Da ich ihn für sehr intelligent halte, muß ich ihm unterstellen, daß er dies wider besseres Wissen tut, um Stimmen bei den Sudetendeutschen zu sammeln, deren programatische Erklärung folgende, seltsam anmutende Formulierung enthält: "Unsere unabdingbare Forderung ist die Rückgabe der Heimat in den Sprach- und Siedlungsverhältnissen von 1937". Wider besseren Wissens deshalb, weil die verurteilte Aussiedlung der Deutschen aus Tschechien ihre primäre Grundlage mitnichten in den Benes-Dekreten hat.
    Eine internationale Vereinbarung, nämlich der Artikel XIII des Potsdamer Abkommens vom 2. August 1945, legte fest, dass „die Überführung von deutscher Bevölkerung, die in Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn zurückgeblieben ist, nach Deutschland durchgeführt werden muss“. Sie sollte „in ordnungsgemäßer und humaner Weise erfolgen“. Ich vermisse bei Stoibers diplomatisches Geschick in der so wichtigen Frage der deutschen Vergangenheit. Mit Kanzler Stoiber werden wir es schwer haben uns als weltoffenes Land darstellen zu können und schüren Vorurteile gegen Deutschland. Das Nationalisten und mußmatliche Verbrecher wie Berlusconi auf CSU Parteitage eingeladen werden, um den Zusammenhang konservativer (?) europäischer Kräfte zu demonstrieren, wird eigentlich nur noch von Haiders Stellungnahme aus dem Tagesspiegel getoppt: "Heute, als amtierender Ministerpräsident, hört er es nicht mehr gern, dass er an einem Vortragsabend mit mir in München öffentlich die Meinung vertreten hat, dass die CSU eigentlich lieber mit mir und der FPÖ zusammenarbeiten würde, als mit der ÖVP."

    So stelle ich mir die Kernkompetenzen eines Bundeskanzlers wahrlich nicht vor.

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  13. Suesse 28.01.02 22:12

    Stimme dir ausnahmsweise mal voll zu, Markus!

    Naja, fast... mit der Wirtschaftskompetenz hakt es wohl auch ein wenig - aber das sieht man von aussen nicht so leicht. Gut sieht es eigentlich nur in den Ballungsräumen München und Nürnberg aus, es gibt da noch so ein paar vernachlässigte Ecken mit an die 10 % Arbeitslosenquote (was heißt ein paar Ecken, ein kompletter Regierungsbezirk). Wer Stoibers Wirtschaftskompetenz mit ein paar Zahlen und Fakten vertiefen möchte, dem kann ich bei dieser Gelegenheit einen recht guten Artikel aus der taz von heute ans Herz legen (zu finden unter www.taz.de).

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  14. zottelthebest 25.01.02 16:31

    Raab oder Schmidt hin oder her, was Herr Stoiber bei Christiansen losgelassen hat hat nichts damit zu tun wie sehr Raab oder Schmidt auf dem Herrn Stoiber rumreiten, diesen "peinlichen" Auftritt hat er sich selbst zuzuschreiben. Da brauch man nicht auf die Beiträge in den übrigen Sendungen warten! Dennoch denke ich dass er kompetent genug ist.

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  15. Lan... 28.01.02 00:18

    Da liegen leider geschichtliche Unwahrheiten in Deinen Ausführungen. In der Sudetendeutschenfrage kenne ich mich sehr gut aus. Die Benesdekrete sind die Grundlage für die Vertreibung und nicht für eine "Rückführung". Was Zeman geäußert hat, ist scharf zu verurteilen. Dieser Mann hat nichts in der europäischen Politik zu tun.

    Die historischen Zusammenhänge sind im detail etwas komplexer, als man sich das auf den ersten Blick vielleicht vorstellen mag.

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  16. runaway 29.01.02 00:46

    ..oder aber sie werden verkompliziert....
    (Ich beschäftige mich ebenfalls mit Völkerrecht.)
    Nicht zu übersehen ist, was sich alles zusammenbraut. Haider, der Verband der Sudetendeutsche und Teile der CSU scheinen eine Grossoffensive gegen Zeman gestartet zu haben. Mit Österreich nicht genug, versucht der Rechtspopulist Haider auch noch die Massen in Deutschland für seine launige Politik zu begeistern. (Wie kommts, dass ich österreichische Rechtspopulisten noch mehr hasse, als alle anderen auf der Welt????) Die Vertreibung ist Unrecht, keine Frage. Aber vor allem der Verband der S.deutsche sollte sich vielleicht von ihrer historischen Verbohrtheit lösen und den Blick in den Geschehnissen jener Zeit kreisen lassen. Angesichts der Hysterie, mit der sie seit Jahrzehnten aufschreit, seit dem Ende der kalten Krieges noch hysterischer, und angesichts des damals fehlenden Widerstandes gegen den Nazieinzug und die folgende -diktatur (die historischen Quellen geben hierzu nichts wesentliches her) erscheint die politische Elite der Sudetend. nicht besonders glaubwürdig. Eine Vertreibung ist sicherlich damit nicht zu rechtfertigen, aber Prag sollte die entsprechende Zeit gelassen werden, um die Benes-Dekrete entsprechend zu überdenken. Losgelöst von der Sowjetunion+Warschauer Pakt hatte sie bislang nur 10 Jahre Zeit hierzu. Ost-Preußen, Pommern, Posen und alle anderen sind sicherlich auch nicht begeistert gewesen von ihrer Vertreibung, aber sie nehmen es gelassener hin. Immerhin starben im Gegenzug Millionen von Osteuropäern in dem Wahnsinn, was sich die Unterwerfung des Ostens nannte. So etwas verheilt nunmal nicht schnell.

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  17. Lan... 29.01.02 11:59

    Der Unterschied zwischen der Vertreibung aus den sog. Ostgebieten und der Sudetendeutschenfrage ist, dass die Ostgebiete aus Angst vor den heranrückenden Russen geräumt wurden. Es war eine Flucht am Ende des Krieges, also unmittelbares Kriegsgeschehen. Mit der Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze und der insofern abschließenden 2+4-Verträge ist dieses Kapitel abgeschlossen. Mit der Sudetendeutschenfrage verhält es sich anders. Es gab keine Flucht während des Krieges, sondern eine systematische Vertreibung nach dem Krieg. Heute nennt man solche Aktionen auch "ethnische Säuberungen"; es waren schließlich unsere Landsleute.

    Der Erlaß der Benesdekrete war die rechtliche Grundlage bzw. Legitimation für die Vertreibung von 3.5 Mio Menschen aus diesen Gebieten mit allen Mitteln. Hier wurde Unrecht mit Unrecht beglichen, und zwar nach Kriegsende.

    Die Gefahr besteht darin, dass man die Sudetendeutschen pauschal als Nazis und Kollaborateure verunglimpft. Dann müsste man die Deutschen in ihrer Gesamtheit in eine moralische Sippenhaft nehmen. Gelassenheit zu fordern ist eine historische Vermessenheit, die den Gesamtüberblick vermissen lässt. Gerade völkerrechtlich ist die Beurteilung dieser Frage längst geklärt. Überdenken werden die Tschechen die Benesdekrete ohnehin nicht, da bereits 2 Entscheidungen des tschech. Verfassungsgerichts in Brünn dem entgegenstehen, die die Benesdekrete als rechtmäßig einstufen und diese Dekrete zum einen Grundlage der tschechischen Rechtsordnung sind und zum anderen in einigen Teilen gar nicht mehr in Kraft sind. Die Tschechen werden sich nicht einen Teil ihrer Rechtstradition nehmen lassen und zum anderen ist eine rückwirkende Beurteilung eines in Teilen nicht mehr formell gültigen Rechtsaktes im übrigen nach tschech. Recht verfassungswidrig.

    Politisch wäre der Konflikt zu lösen: z.B. durch Gesten wie den Deutsch-tschechischen Zukunftsfond und die gemeinsame Erklärung, obgleich dies nur erste Schritte waren. Zeman hat gezeigt, dass er keinen Dialog in dieser Frage sucht. Im Hinblick auf den beabsichtigten EU-Beitritt Tschechiens eine fragwürdige Einstellung.

    So sehr ich Haider verabscheue, aber ich weiss nicht, ob es mir gefallen würde, ein veraltetes Atomkraftwerk vor der Türe zu haben, mit einer Regierung, die sich trotzig jeden Dialogs auch in dieser Frage widersetzt. Somit sind auch die kritischen diplomatischen Noten aus Berlin und Wien zu begrüßen und verständlich.

    Den Sudetendeutschen geht es im Ergebnis nur um eine öffentliche Entschuldigung des tschechischen Staates für die Vertreibung, kein relativierendes Bedauern. Beide Seiten sind stur und die Situation ist zugegeben verfahren. Aber die tschechische Regierung muss den Dialog suchen, da sie sonst nicht EU-fähig ist.

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  18. Anonym 29.01.02 15:56

    Wenn ich mich Recht erinnere hat Schüssel mit den Tschechen doch schon längst eine Nachrüstung auf westdeutschen Standard vereinbart, oder?

    Die Unterstellung meine Ausführungen zu den Benes Dekreten enthielten historische Unwahrheiten muß ich scharf zurückweisen und empfehle Dir die Lektüre "Anmerkung zu den Benes Dekreten" von Prof. Dr. Hans Hautmann (Dekan des Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte der Universität Linz), den Du unter: www2.Uni-linz.ac.at/fak/SoWi/ngesch-zgesch/modern.history.linz/ 002.pdf

    findest.

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  19. Anonym 29.01.02 18:32

    Wenn ich mich Recht erinnere hat Schüssel mit den Tschechen doch schon längst eine Nachrüstung auf westdeutschen Standard vereinbart, oder?

    Die Unterstellung meine Ausführungen zu den Benes Dekreten enthielten historische Unwahrheiten muß ich scharf zurückweisen und empfehle Dir die Lektüre "Anmerkung zu den Benes Dekreten" von Prof. Dr. Hans Hautmann (Dekan des Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte der Universität Linz), den Du unter: www2.Uni-linz.ac.at/fak/SoWi/ngesch-zgesch/modern.history.linz/ 002.pdf

    findest.

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  20. Lan... 29.01.02 21:51

    Es gibt eine Vereinbarung zwischen Zeman und Schüssel, die eine Umrüstung zum Inhalt hat. Die Diskussion, die sich nun entfacht, entspringt der mangelhaften Umsetzung dieser Vereinbarung. Was nützen Vereinbarungen, wenn sie nicht eingehalten werden. Deshalb kam es auch zu dem Volksbegehren in Österreich und dem Austausch der kritischen diplomatischen Noten. Daß sich dabei Zeman im Ton vergriff, heizt das Ganze zusätzlich an, so daß Österreich zu Recht auf die Umsetzung dieser Vereinbarung besteht. Ohne Dialog wird es dazu jedoch nicht kommen, so daß es zusätzliche Hürden vor dem EU-Beitritt Tschechiens geben wird, falls Österreich sein Vetorecht nutzt.

    Nun zu den Benesdekreten:

    Die Benesdekrete wurden ohne jegliche parlamentarische Legitimation damals erlassen und ergänzen insofern den von Dir zitierten Artikel des Potsdamer Abkommens.

    Artikel XIII des Potsdamer Abkommens vom 2. August 1945, legte fest, dass „die Überführung von deutscher Bevölkerung, die in Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn zurückgeblieben ist, nach Deutschland durchgeführt werden muss“. Sie sollte „in ordnungsgemäßer und humaner Weise erfolgen“. (!)

    Ein Beschluß, der den Ereignissen im Sudetenland um Monate nachhinkte und der ausdrücklichen Intention dieses Artikels Hohn sprach, daß "jede Überführung ... in ordnungsgemäßer und humaner Weise erfolgen soll". Denn inzwischen hatte sich ein beträchtlicher Teil der Vertreibung in einer Weise vollzogen, die ziemlich genau den Deportationen und Todesmärschen entsprach, die von der NS-Diktatur durchgeführt worden waren. Nachdem die Sudetendeutschen ihre "Befreiung" durch Hitler im Krieg mit einem Blutzoll von etwa 215 000 Gefallenen bezahlt hatten, fielen jetzt, nach dem 8.Mai 1945, 220 000 bis 230 000 Personen, darunter meist Frauen und Kinder, dem Austreibungsgeschehen zum Opfer. Dabei kam es zu wilden Exzessen, die dem Kriegszustand glichen. So wurden am 30. Juli 1945 allein in Aussig über 2000 Deutsche ermordet. Der berüchtigte Brünner Todesmarsch forderte ein Vielfaches an Opfern.

    Nun Frage ich mich, welche Ermächtigungsgrundlage dafür gegeben war. Artikel XIII des Potsdamer Abkommens oder die Benesdekrete, die mit den Dekreten vom 19. Juni 1945, 21. Juni 1945 und 25. Oktober 1945, die Enteignung und Vertreibung aller Deutschen und Madjaren legitimierte unter Ausnutzung sämtlicher zu Verfügung stehender Mittel.

    Als Ermächtigungsgrundlage kommt somit nicht das Potsdamer Abkommen in Betracht, sondern die Benesdekrete. Nur diese legitimierten die Vertreibung und Ermordung. Die juristischen Details kannst Du in jedem Lehrbuch für Völkerrecht nachlesen.

    Im übrigen darf ich auch die Publikationen von Prof. Dr. Friedrich Prinz (Historiker, LMU München), Prof. Dr. Ferdinand Seibt (Historiker, Uni Bochum) und Prof. Dr. Dieter Blumenwitz (Völkerrechtler, Uni Würzburg) empfehlen.

    Den Vorwurf der Ungenauigkeit halte ich daher aufrecht.

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  21. Lan... 29.01.02 22:20

    Kleiner Nachtrag noch:

    Stoiber befindet sich mit seiner Forderung nach Aufhebung der Benesdekrete übrigens in guter Gesellschaft:

    Das Europaparlament hat in einem Appell vom April 1999 von Prag gefordert, "fortbestehende Gesetze und Dekrete aus den Jahren 1945/46, soweit die sich auf die Vertreibung einzelner Volksgruppen in der ehemaligen Tschechoslowakei beziehen, aufzuheben", und zwar vor dem Betritt zur EU.

    Das betrifft im Übrigen auch die Interessen Ungarns, da viele Ungarn auch von den Benesdekreten betroffen waren.

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  22. runaway 29.01.02 22:28

    Die Ermächtigungsgrundlage waren in der Tat nur(!!!) die Benes-Dekrete. Die Vertreibung war eine nationale Entscheidung der damaligen Tschechei, international völlig ungezwungen. Welches internationale Abkommen könnte eine solche Thyrannei rechtfertigen!? Nicht zu vergessen bleibt, dass sämtliche während und nach dem Weltkrieg ausgehandelten Verträge, seien sie in Potsdam, auf Jakarta oder sonstwo ausgehandelt, von den osteuropäischen "Alliierten" nicht eingehalten wurden. Ich stimme Langner auch bezüglich der Feststellung zu, dass die Behandlung und Vertreibung der Deutschen den Methoden der Nazis gleichten. Diese Fakten sind ein Selbstverständnis bei der Beurteilung.

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  23. runaway 29.01.02 22:10

    Die Ausführungen treffen den Kern der Sache. Das Wort "Gelassenheit" war sicherlich falsch gewählt.
    Bezüglich des überalteten Atomkraftwerks hast du vollkommen recht. Das ist durchaus ein Grund die tschechische Regierung zu rügen. Aber die Art wie Haider es macht lässt zu wünschen übrig. Die tschechische Regierung zu behandeln, als hätten die ein little-man-Syndrom, provoziert mehr als das es einen Dialog schafft. Dadurch wurde die Zeman-Regierung geradezu in die Trotzphase gedrängt.

    Sicherlich stimmt auch die Vermutung, dass die Benes-Dekrete wahrscheinlich nie überdacht+am besten abgeschafft werden, und dass das uncharakteristisch für die EU wäre. Wenn man schon andernorts die Abschaffung ähnlicher Dekrete/Richtlinien gefordert hat oder fordert (Beispiel: Zypern), so darf auch Prag nicht ein Freischein für diese Prüfung erteilt werden. Das muss Zeman sicherlich deutlich gemacht werden.
    Aber sollte Österreich als EU-Land nicht auch reifer in ihren politischen Mitteln+Äußerungen werden?

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  24. Lan... 29.01.02 22:25

    Ich stimme Dir zu. Die Tschechen haben politisch Komplexe, was aber aufgrund ihrer Geschichte verständlich ist. Österreich poltert freilich auch ein wenig herum. Diplomatisches Feingefühl lassen zur Zeit alle Beteiligten vermissen. Bleibt zu hoffen, daß eine Lösung gefunden wird und die EU-Osterweiterung reibungslos verläuft.

    Damit kein falscher Eindruck ensteht: Ich bin Tschechien in besonderer Weise verbunden, ich liebe dieses Land; aber ich nehme die Details halt sehr genau.

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  25. Suesse 30.01.02 23:00

    Nun, juristisch mag das Kapitel Ostvertreibung durch die 2+4-Verträge abgeschlossen sein, Sören. Wenn man sich allerdings die Brandreden der diversen Vertriebenenverbände anhört, sieht die Sache völlig anders aus. In Nürnberg finden jährlich solche Vertriebenentreffen statt, ich habe mir das neugierhalber mal angetan - mit oberschlesischem Nachnamen kein Problem, da reinzukommen... - was da betrieben wird ist Geschichtsklitterung und revisionistische Hetze in Reinkultur! Der Herr Ministerpräsident Stoiber gibt sich gelegentlich mal die Ehre, dort eine Rede zu halten... und staatliche Fördergelder für die Vertriebenenverbände gibt es nach wie vor. Die Rückgabe u.a. der oberschlesischen Besitztümer ist allerdings nicht nur eine Forderung der Vertriebenenverbände, sondern auch Standard im Programm jeder Rechtsaußen-Partei (da heißt das Ganze dann "Deutschland in den Grenzen von 1937"). Glücklicherweise gibt es aber nicht nur solche "Vertriebenen", in der Familie meines Vaters tragen das zB alle mit erstaunlicher Fassung, und seine älteren Geschwister haben die Vertreibung selbst als Kinder miterlebt (er selbst wurde in einem Flüchtlingslager geboren).

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