Unternehmen vernachlässigen Fortbildung

dos... 03.12.02 13:15

In der aktuellen Lage sparen Unternehmen an allem, was den Arbeitsablauf nicht unmittelbar tangiert. Dazu zählt unter anderem die Fort- und Weiterbildung der Mitarbeiter. Diese Firmenpolitik hat Heinrich C. Mayr, Präsident der Gesellschaft für Informatik (http://www.gi-ev.de), jetzt als großen Fehler bezeichnet, der sich bald rächen werde.

Neuere Untersuchungen sprächen nur noch von einem marginalen Wachstum der Weiterbildungsbranche, viele spezialisierte Bildungsanbieter verzeichneten sogar deutliche Einbrüche. Dies sei ein alarmierendes Zeichen, meint Mayr. "Ein rigider Sparkurs bei der Qualifizierung des Personals ist nicht nur äußerst kurzsichtig, er ist in höchstem Maße kontraproduktiv. Nur mit qualifiziertem Personal, das immer auf dem neuesten Stand der Entwicklung ist, kann Deutschland die derzeitige wirtschaftliche Krise nachhaltig überwinden." Dies gelte insbesondere für die Informatik, deren Wissen sich noch rasanter entwickle als andere Gebiete.

Welch verheerende Wirkung eine kurzfristige Personalpolitik habe, werde an dem so genannten "Schweinezyklus" deutlich, der dem Arbeitsmarkt immer wieder in Wellen einen Mangel an Fachkräften beschere: "In der Krise gehen die Studierendenzahlen in den gerade betroffenen Fachrichtungen zurück. Und sechs Jahre später fehlen dann genau dort die Leute. In der Informatik haben wir das ja erst vor kurzem schmerzlich erlebt."

Dieses Phänomen drohe nun auch bei der Weiterbildung: "Sobald die Konjunktur wieder anzieht, beklagen sich insbesondere die IT-Firmen über einen Mangel an qualifizierten Fachleuten, deren Weiterbildung sie gerade selbst versäumt haben", sagte Mayr. Er appelliere deshalb dringend an die Personalverantwortlichen in den Unternehmen, nicht an der Fortbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sparen, sondern gerade jetzt das eigene Personal auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten. "Fortbildung ist keine Sache von Schönwetter oder Gratifikation für verdientes Personal, sondern eine strategische Aufgabe des Unternehmens, gleichzeitig aber auch eine Holschuld für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen", betonte Mayr. (anm/c't)

(Quelle: http://www.heise.de/newsticker/data/anm-03.12.02-000)
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Hallo squeaker,

wie ist Eure Meinung zu diesem Artikel?

  1. dos... 03.12.02 13:34

    Zur besseren Übersichtlichkeit nachfolgend mein Statement.

    Ich denke das die Unternehmen besser beraten sind in die Weiterbildung der Mitarbeiter zuinvestieren als derartig die Weiterbildungsmittel zusammenzustreichen.
    Erinneren wir uns an die 1999/2000 zu Zeiten des Internetbooms, es wurde händeringend - teilweise verzweifelt - qualifizierte Mitarbeiter gesucht.
    Der Markt war leergefegt, quereinsteiger oder Leute die gerade mal einen Computer einschalten konnten wurden teilweise Angestellt, nur um den Mitarbeiterbedarf zudecken. Mühevoll musste den unerfahrenen neuen Mitarbeitern das Wissen nähergebracht werden, was imho wesentlich mehr Geld kostet als von vornherein die Mitarbeiter besser zuqualifizieren.

    Wenn ein Unternehmen nun in die Weiterbildung investiert, so besteht natürlich die Gefahr das der soeben auf Unternehmenskosten weitergebildete Mitarbeiter das Unternehmen verlässt um einen lukrtiveren Job anznehmen. Aber auch die Unternehmen profitieren von gut ausgebildeten MA's. Denn durch Einstellung eines gutausgebildeten MA reduzieren sich die Kosten der Einarbeitung, lange Grundlagenvermittelung entfällt.

    Um ein Mitarbeiter im Unternehmen zuhalten oder die Kosten für die Weiterbildung zu reduzieren könnte man eine Beteiligung des Mitarbeiter's an den Weiterbildungskosten veranschlagen oder aber eine Wechselsperre verhängen.

    Die Wechselsperre wird/wurde teilweise in der Krankenschwestern Weiterbildung benutzt um die so besser qualifizierten MA's an das betreffenden Krankenhaus zubinden. Bei vorzeigter Beendigung des Arbeitsvertrages ist eine Vertragstrafe fällig. (Für die Mediziner unter Euch: Die Angabe der Wechselsperre bezieht sich auf Die Zeit um das Jahr 1994 herum und wurde zu diesem Zeitpunkt häufig angewandt)

    Über Vertragsknebelei oder Behinderung der Berufswahlfreiheit bei einer derartigen Klausel lässt sich natürlich streiten. Meine persönliche Meinung ist, das man die Wechselsperre nicht anwenden sollte.

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  2. dos... 03.12.02 13:42

    Uups, da fehlt doch noch etwas ...

    Klar sollte man als Mitarbeiter überlegen ob nicht auch Eigeninitiative sinnvoll wäre um im Unternehmen bessere qualifizierung zuerreichen.

    Professionelle Kurse sind ziemlich teuer und als normaler Angestellter fast nicht zufinanzieren, aber vieleicht reicht ja erstmal ein Internetkurs der über akademie.de angeboten wird aus.

    Eine andere alternative wäre dann noch das Selbstudium mittels Büchern oder kostenlosen Dokumenten die man über das Internet beziehen kann, bsp. selfhtml.

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  3. Anonym 03.12.02 16:59

    mehrer anmerkungen:

    richtig. fortbildung ist wichtig - sowohl fuer das Unternehmen, als auch fuer den mitarbeiter.

    aber: in wirtschaftlich schlechten zeiten ist es fuer das Unternehmen immer eine investition, die sich rechnen muss - und nicht nur kosten verursacht (du hast ja schon einige punkte angesprochen - auch aus der wechselsperre haben sich einige rausgeklagt!!!!).

    zum anderen: wir haben eine enorm hohe arbeitslosigkeit. und das angebot an arbeitskraeften ist demnach hoch. da wird sich nicht jeder mitarbeiter danach seinen Arbeitgeber aussuchen, wie der fortbildet.

    weiterhin sollte jeder mensch ein interesse an eigener fortbildung haben. diese fortbildung muss ja nicht in "zertifizierter" form stattfinden, die oft mit ueberhoehten gebuehren behaftet ist.

    tja, und dann gibt es ja noch einige firmen, die meinen, dass die taegliche arbeit die beste fortbildung sei ... (kommentar dazu erspare ich mir...)

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  4. dos... 03.12.02 17:42

    Oh was ist denn nun los, wir sind ja mal einer Meinung :-)

    Es reicht in der Tat gerade auf dem IT-Sektor meistens völlig aus das man sich das Wissen angeeignet hat, egal ob im Selbststudium oder in einem zertifizierten Kurs. Wichtig ist lediglich das man das erlernte Wissen auch anwenden kann.

    Wer in der heutigen Arbeitswelt meint das tägliche doing würde als Weiterbildung ausreichen, dem ist wohl absolut nicht zuhelfen. Es soll ja Unternehmer und auch Arbeitnehmer geben die so denken.

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  5. Hen... 03.12.02 18:29

    Wobei der IT Sektor und da insbeondere Programmierung ein Bereich ist in dem man sich relativ viel selbst beibringen kann und aus dem Hobby ein ernsthafter Job. Setzt aber auch hier voraus dass man sich früher oder später mit den Grundlagen beschäftigt und funktioniert nur solange wie bzw. wenn die Qualität der geleisteten Arbeit relativ einfach zu "inspizieren" ist.

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  6. dos... 03.12.02 20:47

    Gerade das Programmieren ist ein Bereich bei dem man vorzüglich mit Hilfe des Selbststudiums sich das nötige Fachwissen aneignen kann. Wenn man dann noch einen Coach hat, der einem Tipps gibt, dann steht der Coderei nichts im Wege.
    Aus meinem Freundeskreis kann ich berichten das es einen derartigen Fall gibt. Hier hat selbst der Hardwarehersteller (glaub es war Nintendo) gesagt, das was er programmiert hat eigentlich auf dem GBA nicht funktionieren kann. Die Herren des Hardwarehrstellers mussten sich eines besseren belehren lassen ...

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  7. Anonym 03.12.02 21:18

    Liegt vielleicht daran, dass wir uns hier nicht darueber unterhalten, was man gegen die arbeitslosigkeit machen kann.

    Sollten wir auch an dieser Stelle unterlassen ;-).

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  8. Anonym 05.12.02 17:10

    Das Problem der Unternehmen ist eine kurzfristige Symptombekämpfung als dem langfr. Übel die Wurzel zu ziehen. Den Sparmassnahmen der Unternehmen fallen nicht nur Weiter- und Fortbildungsmassnahmen zu opfer. Viel gravierender sind kurzfr. Panikreaktionen bei denen die Workforce auf ungesunde weise geschrumpft wird (soviel zum thema gesundschrumpfen) Ich erlebe es gerade am eigenen Leibe hier im Investmentbanking.

    Problem ist, dass die Maßnahmen viel zu spät kommen (die Banken haben sich schon verbrannt) und im upswing muessen sie sich wieder teuer einkaufen.

    an weiterbildungsmaßnahmen zu sparen bedeutet einen wissensverlust der mitarbeiter. die halbwertzeit des wissens beträgt ca. 2 jahre. bilde ich meine ma nicht weiter (wobei jeder sich selber privat fortbilden soll - lebenslanges lernen! - ) wirkt sich das sehr schnell auf die qualität, image usw aus...

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  9. Anonym 06.12.02 15:47

    Gerade im Bankenbereich finde ich den Unterschied zwischen "Mittelstand" (bis 1,5 Mil Bilanzsumme) und den Großbanken so interessant.

    Während bei den kleinen kaum Leute entlassen werden, reagieren die Großunternehmen wie von Dir Beschrieben fast panikartig. Liegt das vielleicht an der Rechtsform und dem vielbeschworenen Blick auf die Taschen der Aktionäre?

    Warum passiert soetwas? Ich denke wir sind uns einig, daß gerade im Bankenbereich zur Zeit völlig unsinnige Entscheidungen getroffen werden.

    Zum Thema Workforce und upswing habe ich gerade eine interessante Seite entdeckt - www.vds-ev.de ;-)

    Besonders interessant: Der Billigschnapstarif (Moonshine) der Telekom ;-)

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  10. Anonym 06.12.02 18:22

    ich denke das liegt eher daran, dass die ganzen kleinen banken normalerweise Sparkassen und Volksbanken sind. und da sieht die Welt etwas anders aus als bei Grossbanken.

    Da Sparkassen sehr eng an die Kommunen gebunden sind, wird dort die Marktwirtschaft ein bisschen ausgeschaltet, dadurch wird es dort niemals zu solchen Entlassungswellen kommen...

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  11. Anonym 07.12.02 00:07

    Mhhh, warum hast Du jetzt kein Argument für die Ausschaltung der Marktwirtschaft bei den Genossenschaftsbanken gebracht? ;-)

    Gerade hier ist es nur bei sehr großen Instituten (etwa Berliner Volksbank) zu Entlassungen gekommen, wenn auch in kleinem Rahmen.

    Eventuell hat es etwas damit zu tun, daß das Privatkundengeschäft weniger anfällig für Rezessionen ist. Ich denke, daß hat jetzt auch die Deutsche Bank begriffen (wenn auch reichlich spät).

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  12. Anonym 03.12.02 23:49

    Ich kann mich Mayr nur anschließen.

    Allerdings ist seine Stellungnahme etwas "unscharf". Die Art der eingesparten Fortbildungen werden nicht differenziert, gerade dies hätte mich aber interessiert.

    So wird bei meinem früheren Arbeitgeber seit jeher auf freiwilliger Basis "weitergebildet". Sowohl Dozenten, als auch die restlichen Mitarbeiter opfern einen Teil der Freizeit für spezielle Weiterbildungen. Lediglich bei Einführung von neuen Produkten oder Programmen werden verpflichtende Schulungen mit Arbeitszeitausgleich angeboten. Ebenso wenig wird bei Verkaufsschulungen gespart, was angesichts des offensichtlichen Kosten-Nutzenverhältnisses auch klar ist.

    Mich würde interessieren, ob es bei den Einsparungen tatsächlich um die üblichen innerbetrieblichen Schulungen geht, oder um Zertifizierungen (MC*, RedHat, SuSE, Notes, Novell, IBM Business Consulting) speziell im IT Bereich geht. Das könnte ich angesichts der momentanen Lage verstehen, denn diese Zertifizierungen sind nur in geringem Umfang für den laufenden Betrieb interessant (bspw. für die Einstufung in bestimmte Partnerprogramme, etwa bei IBM) und sind in erster Linie bei Bewerbungen wichtig.

    Zur Frage nach dem Nutzen von Zertifizierungen im IT Bereich (wie in einem anderen Beitrag bereits angesprochen) bleibt der Hinweis auf einen Blick in die Stellenanzeigen. Als "Certified was auch immer" kommt man einfach weiter. Ausnahmen gibt es nur für die absoluten Überflieger, zu denen weiß Gott wenige gehören. Denen bleibt dann eben nur der "Minesweeper Champion & Solitär Expert (MCSE)". ;-)

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