Wahlprogram - Le Pen

Anonym 03.05.02 15:41

In Frankreich ist es üblich, das jeder Wähler kurz vor der 1. Runde einen Brief mit den Vorschlägen aller Kandidaten zur Präsidentschaftwahl erhält.

Ich habe mir mal die Punkte von Le Pen angeschaut und habe darin ein tolles Beispiel gefunden, wie man Wähler manipulieren kann.

Ein Punkt war, Le Pen möchte die Wiedereinführung der Francs erzwingen. In einem Interview meinte er jedoch dazu, er möchte die nationale Währung wieder einführen aber weiterhin an den festen Wechselkursen im Eurosystem festhalten.

Das ganze ist also völlige Augenwischerei meiner Meinung nach, bleiben die festen Wechselkurse, ändert sich auch wirtschaftlich nichts für Frankreich. Also das ganze ist völlig Blödsinn aber man gewinnt bestimmt viele Stimmen vor allem bei den älteren, die ebenso wie hier in Deutschland ihrer alten Währung hinterhertrauern...

Was meint ihr dazu?

  1. runaway 03.05.02 17:30

    Tja, Le Pen wird aber haushoch verlieren. Damit muß sich auch die Francs-Klientel abfinden. Sicherlich ist seine Zusage nichts als Augenwischerei.
    Interessant finde ich nur einen anderen Faktor: Chirac nutzt die Gunst der Stunde, um sich neu zu profilieren. Der meist hartnäckige Konservative gibt sich nun als "Retter der franz. Demokratie" aus..er bekommt damit eine Blanko-Vollmacht, während seiner 2. Präsidentschaft altes Fehlverhalten von neuem ausleben zu dürfen.

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  2. cpo... 03.05.02 23:12

    Ja, er möchte Europa abschaffen und gleichzeitig von den Argrasubventionen für die französischen Bauern profitieren. Da Le Pen gegen Chirac (das kleinere Übel der beiden) verlieren wird, mache ich mir darüber auch keine Gedanken.

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  3. Suesse 04.05.02 01:42

    Ich teile eure Hoffnung bzgl. Le
    Pens Wahlniederlage. Aber die
    Wirkung seiner populistischen
    Hetzparolen ist denke ich nicht
    zu unterschätzen, auf sowas
    fallen dummerweise viel zu viele
    Leute rein. Und selbst wenn jetzt
    tausende gegen Le Pen
    demonstrieren - leider noch nicht
    genug, um Chirac zum Wahlsieg zu
    verhelfen (und auch noch lange
    nicht gesagt, dass sie überhaupt
    Chirac wählen würden). Es bleibt
    wohl leider spannend...

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  4. Che... 04.05.02 10:55

    Es ist traurig mitanzusehen wie wenig die Bevoelkerung (hier: poltische) Aussagen hinterfragt. Das ist ja nicht nur in Frankreich und der Politik so. Bleibt also abzuwarten, was der Normalbueger F's so denkt bzw. was er nicht denkt.

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  5. eve... 05.05.02 10:21

    Du hast Recht, leider werden Aussagen von Politikern nicht immer hinterfragt. Das galt schon bei Kohl und wird sicherlich auch bei Stoiber wieder so sein (obwohl der cleverer ist und keine direkten Aussagen macht). Ich denke, dass es trotzdem noch mehr Stimmen gegen den EURO gibt und so Rechte bzw. Rechtsangehauchte (wie LE PEN oder Stoiber) an Stimmen gewinnen werden.

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  6. Anonym 04.05.02 14:48

    Ich denke, die meisten Wähler haben sich gar nicht mit dem Wahlprogramm Le Pens auseinandergesetzt - vermutlich genauso wenig wie mit denen der anderen Kandidaten. Wieso denn auch: Der inhaltliche Unterschied zwischen den Herren Chirac und Jospin ist minimal, zudem war die Kampagne Jospins eher eine "Anti-Chirac"-Kampagne als dass sie eigene Standpunkte verdeutlichte. Nun gut, der Wähler wendet sich also angewidert ab - entweder hin zu den Extremen (knappe 20% für die Rechte, zwischen 10 und 15% für die Linke) oder aber er hat den Sonntag in der Sonne verbracht (28% Nichtwähler).
    Jedem, der sich das Wahlprogramm Le Pens angeschaut hätte, hätte gemerkt, dass es illusorisch und Augenwischerei ist. Ob Euro-Abschaffung oder NATO-Austritt. Aber wenn man einfach nur wählt um Denkzettel zu verpassen, dann ist einem das vermutlich egal.
    Stimmengewinne auf populistische Art zu sammeln gelang Le Pen allerdings mit dem Thema Sicherheit; wobei er sich bei Chirac bedanken kann, der ihm durch das Aufgreifen dieses sensiblen Themas eine astreine Vorlage gab. Und jemand, der nichts versprechen zu braucht, kann auch sagen, dass das Militär in die Viertel einmarschieren soll, in denen Jugendbanden herrschen. Das fällt bei einigen Franzosen auf fruchtbaren Boden. Endlich jemand, der "durchgreift".
    Dennoch sollte das Ergebnis der zweiten Tour nicht überraschen: Der neue und alte Präsident wird Jacque Chirac heißen (die Meinungsforschungsinstitute halten sich wegen ihrer Fehlprognosen der Ersten Tour zurück).
    Nichtsdestoweniger kann das nicht beruhigen, denn es spiegelt ein Phänomen wider, das auch in anderen europäischen Staaten um sich greift: Politikverdrossenheit. Kandidaten, die sich scheinbar nicht mehr voneinander unterscheiden und dennoch keine Antworten auf die Herausforderungen an die Politik finden. Da wird Protest gewählt. Dieser Protest ist dann häufig rechtsaußen zu finden, da nationalstaatliches Denken nun mal einfach zu erklären ist, ist es doch rückwärtsgewandt. Antworten auf Globalisierung zu finden ist hingegen schwierig und komplex. Da mag sich der Bürger nicht auch noch den Kopf zu zerbrechen, ist er doch (auch durch die Medien) eindimensionale Kost gewohnt.

    Vor allem in Hinblick auf Europa macht das Sorgen, denn ein Europa, das nicht das Vertrauen seiner Bürger hat, wird ein schwaches Gebäude sein.

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  7. Anonym 06.05.02 09:00

    Glückwunsch an Frankreichs Wähler! Sie haben den zweiten Wahlgang der Präsidentenwahl am Sonntag in ein Referendum gegen den Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen verwandelt.

    Das Ergebnis lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig. 80 Prozent der Wahlberechtigten gingen zu den Urnen und gaben dem neo-gaullistischen Amtsinhaber Jacques Chirac über 82 Prozent der Stimmen. Der Chef der Front National, der mit Hass auf Ausländer, Juden und die EU Stimmung macht, bekam nur knapp 18 Prozent - weniger als der Stimmenanteil der Rechtsextremen in der ersten Runde.

    Diese Abfuhr für Europas gefährlichsten Demagogen ist das beste Ergebnis, das nach dem schockierenden Vordringen Le Pens in die Stichwahl noch möglich war. Ein deutlicher Zuwachs für den Rechtsaußen auf 25 Prozent oder mehr hätte beunruhigende Fragen aufgeworfen, wie weltoffen und demokratisch Frankreichs Präsident und politische Klasse künftig noch sein können.


    Chirac kann deshalb heute einen bürgerlichen Interimspremier ernennen, ohne dabei mit nationalistischen oder betont rechten Signalen um Le Pens Wählerschaft buhlen zu müssen. Der Präsident und seine neue Regierung müssen auch nicht der Versuchung symbolischer Europafeindlichkeit erliegen. Zudem: Das Wahlergebnis stoppt zumindest bis zu den niederländischen Wahlen Mitte Mai den Vormarsch der europäischen Rechtspopulisten.


    Doch das deutliche Votum für Chirac und gegen Le Pen ist nur ein Etappensieg. Der durch Skandale und eine magere Bilanz angeschlagene Präsident weiß, dass ihm aus dieser Wahl der Widersprüche nur eine schwache politische Legitimität erwächst. Denn der Konservative, der in der ersten Runde das schlechteste Ergebnis eines Amtsinhabers erzielte, kam in der Stichwahl nur dank einer beispiellosen Mobilisierung von Gewerkschaften und Linksparteien gegen Le Pen auf das bislang beste Ergebnis bei einer Präsidentenwahl.


    Als unangefochtener politischer Führer Frankreichs wird Chirac nur anerkannt werden, wenn er das bürgerliche Lager bei den Parlamentswahlen Mitte Juni wieder zu einer Mehrheit führt. Dabei sollten ihm die Europäer viel Glück wünschen. Denn die Fortführung der Kohabitation mit einer linken Parlamentsmehrheit oder gar eine Nationalversammlung, die wegen des Einzugs der Front National zu keiner Mehrheit findet, würden das politische System weiter lähmen - neue Siege für die Rechtsextremen beim nächsten Urnengang wären damit so gut wie programmiert.


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