Antwortverhalten der Unternehmen auf Online-Bewerbungen

Jekob 14.08.02 11:54

Hallo,

mich würde interessieren, welche Erfahrungen ihr mit der Response von Unternehmen auf eure Online-Bewerbungen gemacht habt. Damit meine ich nicht "traditionelle" Bewerbungen, die lediglich elektronisch verschickt wurden, sondern das Ausfüllen extra bereit gestellter Online-Masken für die Bewerbung um konkret ausgeschriebene Stellen.

Hintergrund meiner Frage: Ich hatte mich online auf eine Position bei L’Oreal beworben und wochenlang nichts gehört (auch auf telefonische Nachfrage gab es keine Auskunft). Jetzt war ich nochmal zwei Wochen im Urlaub, kam zurück und es gab immer noch keine Reaktion (weder positiv noch negativ). Dafür aber ist die entsprechende Ausschreibung von der L’Oreal Homepage genommen worden (heißt für mich: das Bewerbungsverfahren ist abgeschlossen, ein Kandidat gefunden worden).

Genau das gleiche habe ich vor einigen Monaten bei e.on erlebt. Meine These: Die Unternehmen bieten zwar die Möglichkeit der Online-Bewerbung an, da es für ein modernes Unternehmen natürlich ein „Muss“ ist, sind dann aber durch die bei attraktiven Positionen sehr zahlreichen Rückläufe schlicht überfordert und werten die eingegangenen Online-Bewerbungen nicht aufmerksam genug aus. Mit anderen Worten: Wer nicht zu den ersten gehört, die sich melden bzw. nicht durch eine gute traditionelle Bewerbungsmappe überzeugt, wird kaum eine Chance haben, zu einem Gespräch eingeladen zu werden – weil seine Bewerbung schlicht nicht genug beachtet wird. Heißt: Die Mühe für Online-Bewerbungen VIA Eingabemaske ist für die Katz'.

Zu kritisch oder teilt jemand meine These?

Schöne Grüße
Jekob

  1. Anonym 14.08.02 12:32

    Also vor einigen Tagen/Wochen hatten wir auch einen squeaker, der in einem Forum sich über den ausbleibenden Response bzg. einer Onlinebewerbung bei L`Oreal beschwert hat.
    Also ich persönnlich würde mich immer Offline Bewerben, wenn die Möglichkeit besteht, da der Selbstdarstellungsspielraum deutlich größer ist, als dies bei einer standardtisierten Online-Bewerbung überhaupt möglich ist.
    Wenn doch Online, dann spätestens eine Woche nochmal telefonisch nachfassen und erfragen ob die Bewerbung eingegangen ist und welche Referenzen noch Offline benötigt werden.

    Antworten Melden
    (4.4/5)   3 Votes
  2. Glo... 14.08.02 13:14

    @ malcom - es war in beiden Fällen Jekob! ;-)

    Antworten Melden
    (4.5/5)   3 Votes
  3. viviane 14.08.02 14:18

    Ich bin auch eher ein Freund von Offline-Bewerbungen. In den Online-Formularen ist alles so standardisiert, die vorgegebenen Ausdrücke treffen nicht das, was man sagen möchte oder es ist schlicht nicht genügend Platz da. Die persönliche Note bleibt da auf der Strecke.

    Steht sowohl die Online als auch die Offline-Alternative zur Debatte, dann hilft sicher ein kurzer Anruf vorab, was dem Unternehmen, res. der bearbeitenden Person lieber ist.

    Antworten Melden
    (4.4/5)   7 Votes
  4. Glo... 14.08.02 15:24

    Ad 1 - Kann ich mir vorstellen, dass den meisten Bewerbern zuwenig Platz vorhanden ist; dennoch sieht sich niemand in HR die ganze Bewerbung an! Kurz das Anschreiben und Schwerpkt auf dem CV - das war´s in den meisten Fällen.
    Persönliche Note - hängt sicherlich von der Branche ab - Consulting recruitet da anders als eine PR Agentur.

    Antworten Melden
    (4.3/5)   5 Votes
  5. dos... 14.08.02 12:34

    Hallo Jekob,
    ich habe sehr gute Erfahrungen mit Online Bewerbungsformularen gemacht. Bei der QSC AG hat an sich so glaub ich nach zwei Wochen telefonisch bei mir gemeldet und die "üblichen" Bewerbungsunterlagen angefordert. Nach ca. weiteren 2 Wochen saß ich im Vorstellungsgespräch und kurze Zeit später hatte ich den Vertrag in der Post.
    Mir ist es aber vor der QSC ebenfalls bei einigen Online Bewerbungen so wie dir ergangen, eine BESTätigungs eMail über den Eingang der Bewerbung und das War's. Erst nach Rückfrage sagte man man sei noch in der Bewerberauswahl. Irgendwann kam dann jedoch eine Absage.
    Meiner Meinung nach ist deine These zu kritisch, das postiv Bespiel QSC soll aufzeigen, das es Firmen gibt die sehrwohl auf Online Bewerbungen reagieren.

    Gruss
    Peter

    Antworten Melden
    (4.1/5)   5 Votes
  6. Suesse 14.08.02 14:11

    Kann die positiven Erfahrungen von Peter nur BESTätigen - allerdings bei größeren Anwaltskanzleien, nicht Unternehmen. Z.T. kam die Antwort sogar schon nach 2-3 Tagen. Insgesamt teile ich aber GPs Einschätzung, dass viele noch etwas verschlafen sind, was Online-Bewerbungen angeht. Ich würde auf jeden Fall nach einer Woche telefonisch nachfassen.

    Antworten Melden
    (4/5)   7 Votes
  7. Glo... 14.08.02 13:13

    Viele Unternehmen haben es leider immer noch nicht geschafft Ihr e-Verhalten dementsprechend zu ändern und zu optimieren. Leider trifft das ua auch aufs Recruiting zu. Dennoch würde ich als Bewerber den Weg übers Netz gehen und mich dann nach 7-10 Tagen tel erkundigen. Btw - first come first serve - gilt in Unternehmen sicherlich nicht!

    Antworten Melden
    (4.2/5)   5 Votes
  8. Ken... 14.08.02 14:32

    Spannende Diskussion! Mit Online-Bewerbungen habe ich schon fast zwei Jahren so meine Erfahrungen gemacht. Als ich mich damals für einen Studentenjob bei verschiedenen Kölner Agenturen beworben habe, hatte ich NULL Response. Jetzt, da ich mich als Absolvent für eine Festanstellung bewerbe, mache ich bessere - wenn auch keine durchweg guten - Erfahrungen. Der Nachteil bei den Onlineformularen ist, dass man sich in einem vorgegebenen Rahmen präsentieren muss. Seine Vorteile und Trümpfe, bzw. seine individuelle Duftmarke, kann ein Bewerber so weniger auffällig in den Vordergrund stellen. Auch fällt es den Personalern erfahrungsgemäß leichter ein html-Dokument oder eine eMail zu "trashen", als dies bei den traditionellen Bewerbungsmappen der Fall ist. Ein äusserst positives Beispiel für Online-Bewerbungssysteme ist der Personell-Career-Planner (PCP) von Bertelsmann. Dort kann man seine Standardangaben machen, hat aber genügend freie Felder fürs Selbstmarketing. Zusätzlich können am Ende des Durchlaufs Dokumente (ohne Größenbeschränkung!) hochgespielt werden. Und ein Feedback erhält man als Bewerber in Form einer Eingangsbestätigung umgehend. Deshalb sehe ich die Lösung von Bertelsmann als Benchmark. Auch Kienbaum bietet Online-Formulare zur Bewerbung an - jedoch nicht mit dem Komfort und den geschilderten Vorteilen von Bertelsmann. Insgesamt kann ich sagen, dass die Onlineformulare und das gesamte Handling von e-Bewerbungen sich ständig verbessert. Auch wenn ich sehr internet-affin arbeite und von den Vorteilen des Internets überzeugt bin: eine schöne, individuelle Bewerbungsmappe ist der weitaus größere Trumpf.

    Viele Grüsse an Stefan in Aussie-Land!

    Kenny (rb von kf)

    Antworten Melden
    (4.4/5)   6 Votes
  9. Glo... 14.08.02 15:27

    @ Kenny - dass HR´ler eine email schneller trashen als eine Bewerbungsmappe sehe ich nicht so; leider ist der Zeitaufwand - sprich aufschlagen und umblättern höher - aber ein schlechter Bewerber bleibt eben ein schlechter!
    Und alleine aufgrund des Zeitverzuges, dtsch Post, Umschlag öffnen, interne Hauspost etc - ist die einzige Alternative e-Recruiting!

    Antworten Melden
    (4.2/5)   4 Votes
  10. Anonym 14.08.02 14:44

    hi jekob,

    ich denke das Internet ist sinnvoll fuer den ersten Kontakt. Bei meiner letzten Bewerbung hab ich an die 3 Firmen jeweils eine Mail geschickt, mit einer kurzen Beschreibung was ich mache, was ich machen moechte, warum gerade ich eingestellt werden sollte und die Frage an wen ich meine schriftliche Bewerbung schicken soll.

    Das ist jedesmal auf sehr gute Resonanz gestossen, und innerhalb von 3 Wochen hatte ich von allen drei Banken einen Anruf, anschliessend habe ich dann die Bewerbung abgeschickt.

    Ich sehe den groessten Vorteil in dieser Herangehensweise, dass du erstmal Zeit heist, einen ersten Eindruck ueber dich zu formulieren. Beim spaeteren Anruf von der Personalabteilung, weiss der Personaler dann schon worum es geht, er ist informiert, um welche Stelle es gehen wird und du kannst schonmal ein bisschen mit ihm Quatschen (anstatt auf bloed bei einer Firma anzurufen und irgendeinen kerl mit deinen zukunftsplaenen voll zu labbern)

    die bewerbungsunterlagen wuerde ich dann aber immer per brief schicken, die wasserzeichen sind in der e-mail immer so schlecht erkennbar ;-)

    Antworten Melden
    (4.1/5)   4 Votes
  11. Jekob 14.08.02 16:50

    Hallo nochmal,

    wow, ganz schöne Response - hier zumindest... ;-)

    Klar ist, dass hier Leute antworten, die sowohl schlechte, als auch gute Erfahrungen gemacht haben. Ich will auch gar nicht in Abrede stellen, dass es Unternehmen gibt, die vorbildlich damit umgehen. Daher wäre es natürlich toll, wenn wir hier zwei konträre Meinungen zum gleichen Unternehmen finden würden.

    Was mir auffällt ist, dass viele beklagen, dass sie in den vorgefertigten Formularen nicht genug Raum zur Selbstdarstellung haben. Das stimmt natürlich - aber:
    1. sollte das doch nicht unser Problem sein, wenn die Unternehmen solche Masken gestalten, dann sollten sie auch Wege finden, diese adäquat auswerten zu können.
    2. können solche Masken ja auch eine Hilfe sein, das ganze Blabla von vornherein auszusieben und nur die - besser vergleichbaren - Hard-facts durchzulassen (ich war selbst mal in der Situation, Bewerbungsmappen zu sichten - was da teilweise zusammen gereimt wurde....).

    Also wenn ich mal ein Zwischenfazit ziehe: Online-Recruiting ist längst nicht bei allen optimiert, entwickelt sich aber. Vorbildliche Unternehmen gibt es bereits.

    Danke und weiterhin spannende Diskussion
    Jekob

    PS: Zum Thema Nachfassen - habe ich bereits mehrfach telefonisch....

    Antworten Melden
    (4.1/5)   5 Votes
  12. Anonym 14.08.02 17:54

    Genial sowie perfekt in der Handhabung von Online Bewerbungen sind Investment Banken, was sicherlich auch daran liegt, dass man sich bei diesen in der Regel ausschließlich Online Bewerben kann. Dies ist von der Handhabung, wie mir eine HR- Dame von DRKW erzählte, deutlich einfacher, so bekommt man nur die gewünschten hardfacts zu sehen und ein reply per Mail folgt innerhalb von drei Tagen.

    Antworten Melden
    (4/5)   4 Votes
  13. han... 19.08.02 21:23

    Hallo Jekob!

    Also, ich kann Dir ganz konkrete Erfahrungen bei der Firma Procter&Gamble geben. Dort kannst Du Dich nämlich nur über das Internet Bewerben. Selbst wenn Du Dich "offline" bewirbst, wird Dir auf elektronischem Wege der weltweit standardisierte "Online-Questionnaire" zugeschickt. Eine Antwort ist garantiert, wobei ich nicht ausschließen möchte, daß bei der Vielzahl an Bewerbungen mal einer durch's Netz fällt, was allerdings nicht passieren sollte. I.d.R. erhält man innerhalb von max. 4 Wochen Antwort, sprich man wird zum persönlichen Gespräch eingeladen oder aber gleich abgewiesen.

    Dieses Verfahren ist bis jetzt einmalig, soweit mir bekannt. Die Firma hat es an all ihren Standorten weltweit standardisiert, um Bewerber flexibler einsetzen zu können - mit großem Erfolg! Auf 20 Stellen für ein "International Internship Program" haben sich über 1.400 Kandidaten beworben.

    Fazit: Es kommt sicherlich auf das Unternehmen und die Kultur, die dahintersteckt drauf an. Die "Amis" sind nunmal eher leistungsorientiert und in solcher Hinsicht sehr akurat, sprich eine Online-Bewerbung kommt durchaus gut an und ist auch mehr als erwünscht! Noten & Bilder sind von zweitrangigem Belang.

    In Deinem Fall handelt es sich allerdings um ein franz. Unternehmen, daß lediglich versucht, die leistunsgorientierte Variante in den Bewerbungsprozeß einzubringen. Ich glaube nicht, daß dieser Prozeß von allen bei L'oréal mitgetragen wird, ebenso nicht bei vielen deutschen Traditionshäusern. Die sind halt noch nicht so weit. Ich an Deiner Stelle würde mir vorher immer die Kultur des Unternehmens etwas genauer angucken und mit Deinem natürlichen menschenverstand urteilen, ob es Sinn macht, den umfangreichen Fragebogen auszufüllen oder nicht. Falls Du dann immer noch Zweifel haben solltest, schick einfach erst Deine Unterlagen "offline". Wenn die Firma dann noch ein "elektronisches" Profil braucht, dann wird sie sich schon bei Dir melden. Ist glaube ich 'ne sicherere Variante.

    Hoffe, ich konnte Dir ein wenig helfen. Fragen? Immer...

    Grüße aus der Schweiz

    André

    Antworten Melden
    (4.1/5)   7 Votes
  14. Anonym 21.08.02 10:58

    Plaut hat dazu eine studie verfasst www.plaut.at

    Ergebnis: 50% antworten innerhalb einer Woche zumindest mal mit einer BESTätigungsmail, 20% brauchen länger, 25% melden sich überhaupt nie, bei 5% kamen sogar nur fehlermeldungen zurück (falsche meailadresse usw)

    Antworten Melden
    (4.3/5)   6 Votes

Disclaimer: Erfahrungsberichte und andere Nutzerbeiträge sind subjektive Erfahrungen einzelner Personen und spiegeln nicht die Meinung der squeaker.net-Redaktion wieder. Beitrag melden.      

  • »Ehrliche, kontrollierte und anonyme Erfahrungsberichte auf squeaker.net sind eine wichtige und sinnvolle Hilfe im Bewerbungsprozess bzw. bei der Auswahl interessanter Arbeitgeber.«

    Was unsere Mitglieder über uns sagen
  • »squeaker.net’s eigener, authentischer Stil, hohe Qualität des Netzwerkes und die Infos sind das Beste.«

    Was unsere Mitglieder über uns sagen
  • »Man sollte sich ein genaues Bild von jeder Firma machen bevor man sich bewirbt. Deshalb habe ich mich auf www.squeaker.net angemeldet.«

    Was unsere Mitglieder über uns sagen
  • »squeaker.net hat mir bei meinem Bewerbungsprozess sehr geholfen, das Insider-Wissen zu den Interviews und Unternehmen ist Gold wert!«

    Aly Zaazoua, Squeaker und angehender Praktikant bei Siemens Management Consulting
  • »Unabhängige Bewertungen und Erfahrungsberichte wie auf squeaker.net sind unbezahlbar.«

    Was unsere Mitglieder über uns sagen