Einstieg in die Strategieberatung auch ohne lupenreinen Lebenslauf

TheCurious 08.02.12 17:31

Ich habe den gleichen Beitrag auch in einem anderen Thread als Unterfrage gepostet, mache jetzt aber doch lieber einen eigenen auf. Auch wenn ähnlichen Fragen mehrmals im Netz gestellt wurden, würde ich gerne eure Meinungen zu meinen Chancen einholen.

Zunächst bin ich den zweiten Bildungsweg gegangen (Realschule, schul. Ausbildung (beides mit 2.1) und Fachoberschule (1.6)). Zudem gehörte ich zu denen, die sich nicht vor dem Zivildienst drücken konnten :-)

Danach habe ich an einer Fachhochschule ein Bachelorstudium in einer Ingenieurswissenschaft (IT) mit integriertem Auslandsjahr in der Regelstudienzeit absolviert (Abschlüsse 1.6 in GER u. 1.3 in GB). Zusätzlich habe ich ein Praktikum bei einem sogenannten globalen Player in einer anderen Stadt gemacht.

Dann ging es für das Masterstudium im gleichen Fach an eine recht bekannte TU (Abschluss 1.5). Hier habe ich die Regelstudienzeit allerdings um 2 Semester überzogen. Die Gründe hierfür waren dass mir aufgrund des Wechsels der Hochschulform Auflagenmodule aufgebrummt wurden, aufgrund der Modulabhängigkeiten eh ein Semester hätte überzogen werden müssen, ich 15-20h die Woche nebenbei in meiner Spezialisierung bei einem sehr renommiertem Unternehmen gearbeitet habe und mich ehrenamtlich in einer Studentenorganisation engagiert habe. Ich muss auch ehrlich zugeben, dass mir der Umstieg der Hochschulform im ersten Semester recht schwer gefallen ist und die Entzerrung auch deshalb schlicht nötig war!

Im Moment promoviere ich an einer sogenannten Eliteuniversität (auch TU) und werde, wenn alles planmäßig klappt, mit ca. 31 ein promovierter Ingenieur sein (wären dann runde 10 Jahre für Studium und Promotion).

Ich möchte anmerken, dass ich die Begriffe „renommiert“ und „Elite-„ nicht so inflationär benutze um mich als unglaublich tollen Hecht hinzustellen (von außen glänzt eh alles viel mehr als von innen!), sondern einfach nur um zu unterstreichen, dass es sich um namenhafte Institutionen handelt. Meiner Erfahrung nach spielen Namen bei Bewerbungsprozessen nun mal eine extrem wichtige Rolle!

Zu meiner Frage:

Wie sehen realistisch gesehen die Chancen für den Einstieg bei einer der Top-Strategieberatung aus?

Auf der einen Seite meine ich ein gutes Profil mit einem deutlichen roten Faden zu besitze und erfülle auch die formalen Checklisten (gute Noten, Praktika, Werksstudententätigkeit, Auslandserfahrung, außeruniversitäres Engagement, flexibel weil an vier Hochschule studiert/promoviert usw..)

Auf der anderen Seite habe ich aber die Regelstudienzeit um zwei Semester überschritten, die Endnoten lagen immer genau an der Grenze zwischen „gut“ und „sehr gut“ (womit ich kein klarer Einser bin) und beim Abschluss der Promotion wäre ich auch knapp über 30. Zudem habe ich kein allgemeines Abitur. Halt kein lupenreiner Lebenslauf auch wenn ich alle „Macken“ gut erläutern kann.

Jetzt bin ich mal gespannt wie ihr die Situation beurteilt :-)

PS: Dass ich ein recht sicheres Auftreten habe und auch vernünftig geradeaus reden kann, muss mir an dieser Stelle einfach geglaubt werden. Zusätzlich mache ich neben der Promotion ein Fernstudium der Wirtschaftswissenschaften. Hier hat aber die Promotion klar Priorität und für den Abschluss vor dem Berufseinstieg wird es definitiv nicht reichen. Eine solide Basis sollte bis dahin aber vorhanden sein.

  1. mar... 10.02.12 13:38

    Hey,

    es ist natuerlich nur subjektiv meine Meinung aber denke doch, dass du damit jedenfalls Chancen bei der Beratung hast. Der Bildungsweg wuerden MICH nicht stoeren, aber du wirst wohl leider dem (subjektiven) Entscheidungsweg der HR Abteilung ausgeliefert sein.

    Persoenliche Kontakte waeren bestimmt super hilfreich, weil du dann dein sicheres Auftreten und deine klare Artikulation fuer dich sprechen lassen kannst.

    Ob es sonst bei den "Top"-Firmen (ja von aussen glaenzt alles mehr) weiter kommst weiss ich nicht, da ist der Entscheidungsprozess teilweise auch von der Recruitment Person abhaengig die deine Unterlagen in die Finger bekommt. So scheint es mir jedenfalls. Aber in einer mittelstaendigen und trotzdem gut etablierten Beratung solltest du mit Offenheit und Ehrlichkeit doch auch eine Anstellung finden.

    just my two cents worth, wie man so schoen sagt

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  2. Veg... 12.02.12 12:26

    Hi,
    denke, dass der nicht gewöhnliche Bildungsweg keine große Rolle spielen wird. Von den Noten reicht es auch für Top-Strategieberatungen, kenne persönlich Leute, die mit einem schlechteren Durchschnitt (aber in BWL) zu Vorstellungsgesprächen zumindestens eingeladen wurde - danach überzeugen ja weniger die Noten und der Lebenslauf. Allerdings waren bei Ihnen bis auf die Noten die Praktika und andere Punkte im Lebenslauf wirklich top!

    Deswegen würde mich es interessieren von welchen renommierten Unternehmen und Praktikas bzw. Werkstudententätigkeiten du hier sprichst. Ohne diese Angabe kann man dir denke ich nicht sagen, wie deine Chancen stehen. Außerdem würde mich interessieren ob du im Rahmen dieser Tätigkeiten eher im BWL-lastigen Bereich beschäftigt warst oder im naturwissenschaftlichen? - dieser Punkt ist auch durchaus entscheidend!

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  3. TheCurious 12.02.12 19:37

    Hey,

    also aus persönlichen Gründen möchte ich hier nicht alles ganz explizit auf den Tisch legen (hoffe um Verständnis). Es handelt sich beim Prakitkum und einer Werksstudententätigkeit um jeweils eines der größten IT- und Telekommunikationsunternehmen der Welt. Zudem kommt eine Werksstudententätigkeit bei einer der vier großen deutschen Forschungsgesellschaften. Alle Tätigkeiten waren im technologischen Bereich (also sind keine praktischen BWL-Erfahrungen vorhanden).

    VG und vielen Dank im Voraus

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  4. Veg... 12.02.12 20:53

    Persönliche Meinung: denke du hast durchaus Chancen, auch bei Top Unternehmensberatungen. So wie ich es sehe kannst du sie im Grunde genommen durch zwei Sachen sehr stark verbessern:

    1. Irgendwo Kontakte zu Consultants knüpfen (wäre evtl. sogar eine Überlegung wert während der Promotion - falls du eine Freistellung bekommen könntest - ein etwa 3 monatiges Praktikum bei einer Unternehmensberatung zu absolvieren) -- hättest sowohl dein wirtschaftswissenschaftliches Profil geschärft als auch Kontakte zum relevanten Personenkreis geknüpft.

    2. Wirtschaftswissenschaftliches Profil weiter schärfen. zB Fernstudium ist richtig gut dafür, auch wenn du keinen Abschluss hast, dann einen Notenauszug schicken mit den Sachen, die du schon gemacht hast - aber das dürfte dir auch so denke ich klar sein.
    Des Weiteren würde ich mal immer wieder an deiner Uni oder in näherer Umgebung Ausschau nach Workshops und sämtlichen BWL-Seminaren halten. Damit hast du etwas in der Hand (Zertifikat oder sowas) und signalisierst dem Unternehmen, dass du dich dafür interessierst.

    Good luck.

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  5. Anonym 15.02.12 11:06

    Die akademischen Leistungen passen, auch wenns für BCG und MCK (besonders notengeil) knapp werden könnte. Fachabi ist egal.

    Probleme sehe ich mit praktischen Erfahrungen: Werkstudententätigkeiten werden kaum angerechnet, da Teilzeit und keine vollwertige Berufserfahrung. 1 Praktikum ist ziemlich wenig, wenn man mit 31 einsteigen will.

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  6. TheCurious 15.02.12 12:36

    Ich verstehe nicht ganz, wieso Werksstudententätigkeiten weniger Wert sind als Praktika (20h die Woche sind ein reeller Halbtagsjob, neben einem Vollzeitstudium). Und daneben waren weitere Praktika schlicht unmöglich (sonst hätte ich ja kündigen müssen). Zudem möchte ich nochmal anmerken, dass das späte Eintrittsalter aufgrund einer Promotion und nicht durch ein Langzeitstudium zustande kommt.

    Aber trotzdem Danke für den ehrlichen Post.

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  7. Anonym 16.02.12 13:51

    ich finde die Geringschätzung von Werkkstudententätigkeit auch nicht verständlich, aber mit den HR-Anforderungen muss Du Dich abfinden.

    Ich kenne konrkete Beispiele von Leuten mit exzellenten akademischen Leistungen, 1 Praktika und 5 Jahre Werkkstudententätigkeit, die aufgrund fehlender Praxiserfahrung von Top-Beratungen nicht eingeladen sind.

    Und diese geringe praktische Erfahrung kombiniert mit einem Alter von 30 Jahren, ist schon ein Problem. Viele Studenten haben mit 10 Jahren weniger Lebenserfahrung 3 - 5 Praktika und dadurch in den Augen der Personaler 1 - 2 Jahre Berufserfahrung.

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  8. pbulla 23.02.12 20:00

    Sorry, aber du hast zwei Studiengänge hinter dir und promovierst momentan und dann stellst du SO eine Frage? Jeder Hauptschüler mit ein wenig "logischem Denken" wird wissen, dass man so eine Frage niemals pauschal über das Internet beantworten kann...ich Frage mich echt wie du auf die Idee kommst, später mal BERATEND tätig sein zu wollen/können wenn du selbst nach Antworten/Beratung von Fremden im Internet "suchst" auf Fragen die NIEMAND beantworten kann. Nichtmal der Personaler von MCK BCG...whatever....du kannst auch 20 Praktika gemacht haben, wenn du aussiehst wie ne Eule und sprichst wie ein Depp....

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  9. TheCurious 23.02.12 21:48

    Ich sehe mich doch genötigt kurz Stellung zu beziehen. Wenn ich so eine Frage im Internet stelle, möchte ich einfach nur eine Einschätzung von anderen Leuten hören, die sich mit solchen Themen beschäftigen (dafür ist diese Platform doch gedacht oder nicht?). Im Endeffekt sehen die User hier auch nur ein abstraktes Profil, wie es ein Personaler durch den Lebenslauf auch sehen würde. Nach allem was danach kommen würde, hat kein Hahn gekräht!

    Mir ist völlig klar, dass da keiner eine verbindliche Aussage treffen kann. Wenn das Feedback positiv ist, renne ich morgen doch nicht du die Stadt und sage das ich bald bei BCG oder McK anfange.

    Jetzt Frage ich mich aber was mit dir los ist? Hier einfach unqualifiziert rumpupen kann jeder. Foren sind da um Fragen zu stellen und Meinungen einzuholen. Wenn dir was nicht passt, kannst du dir auch dein Teil denken und den Thread nicht weiter beachten.

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