Promotion im Ausland?

Ale... 11.05.09 15:32

Hallo allerseits,

ich interessiere mich für eine Promotion im Ausland. Wie ich bei der ersten Info-Suche herausgefunden habe, ist der PhD noch stärker als der deutsche Dr. auf wissenschaftliche Karrieren ausgerichtet. Dazu zwei Fragen:

1) Ist es denn überhaupt ein gängiger Weg, nach dem PhD in die Praxis zu gehen?

2) Gibt es Möglichkeiten, den PhD schneller als in 4-5 Jahren abzuschließen, sei es an bestimmten Universitäten oder durch Überspringen von Vorbereitungskursen etc.?

Freue mich auf Eure Antworten, vielen Dank im Voraus!

  1. Ednbra 11.05.09 16:55

    In GB dauert es in der Regel zwischen 3 und 4 Jahren, wie auch in vielen anderen europäischen Ländern (z.B. Norwegen, Schweden usw.). Die Dauer ist natuerlich meistens abhängig vom funding. Generell gilt: eine Promotion sollte nicht überschätzt werden. Ich habe bisher noch keinen getroffen, der in meinem Bereich (Engineering) nach 3 Jahren fertig war. Natürlich ist es machbar, aber man muss viel Glück haben (alle Journalpaper zackig rausbekommen, genug Konferenzpaper akzeptiert bekommen, einen engagierten Betreuer haben, eine gute Gruppe im Rücken, kein Praktikum machen usw.). Es wichtig, dass man vorher sicherstellt, dass genügend Geldmittel zur Verfügung stehen, da man ansonsten ohne Geld noch ein Jahr weiterackern muss. Es macht meiner Ansicht nach keinen Unterschied ob man 3 oder 4 Jahre gebraucht hat; es zählt die Arbeit, die man geleistet hat.

    Was die Industrie angeht: es kommt drauf an, was du unter Praxis verstehst. In den meisten grösseren praxis-nahen Forschungsschuppen (Google, Microsoft, IBM) bekommt man erst eine Stelle mit einem PhD. Wenn Du ins Consulting möchtest sollte das auch kein Problem sein, so lange Du eben deren Suchkriterien erfüllst (zwei bekannte, die neulich fertig wurden, sind ins Consulting gegangen).

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  2. Mid... 12.05.09 22:44

    Erst einmal solltest du erwähnen, in welchen Fach du promovieren möchtest.

    Wer hat dir den Blödsinn erzählt der Dr. sei weniger wissenschaftlich als der PhD.?
    Ganz im Gegenteil. der Dr. setzt ein Diplom voraus, der PhD. einen Bachelor. Auch musst du zum Dr. Studium wissenschaftlich befähigt sein, auch das gilt nicht bei PhDs.
    Ich hab in meinem Auslandsjahr (ICL) nach dem Vordiplom PhD-Kurse belegt. Die waren knapp gesagt: schlecht.

    Achte darauf wo und bei wem du deinen PhD. machst. PhDs gibt es im Ausland auch schon fürs Hühnerfüttern. Wenn du einen PhD hast, darfst du dich in Dtld. nicht Dr. nennen, es sei denn eine Universität akkreditiert dir den PhD zum Dr. Das machst sie in der Regel aber auch nur, wenn sie was davon hat (PostDoc)

    Für so manchen Prominenten endete der Titelklau schon sehr böse ;)

    zu 1) nein und ja; auch hier kommt es auf das Fach an. I.d.R. bleiben die wenigsten in der Wissenschaft, eben weil sie ein besseres Angebot bekommen, oder weil sie keine Lust mehr haben.

    zu 2) kommt auf dich an: ich promovierte auch in weniger als 3 Jahren. Die Regel sind aber 4 Jahre (Physik). Wie schon oben beschrieben: acht auch auf das Geld, hol dir am besten ein anerkanntes Stipendium.

    Fazit: Im Ausland musst du viel mehr darauf achten wo und bei wem du einen PhD machst. Finanziell lohnt sich der auch nicht, also solltest du schon wissenschaftlich Ambitionen haben.

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  3. Ale... 13.05.09 14:47

    Vielen Dank schon mal für Eure ausführlichen Antworten. Mein Studienfach ist BWL. In diesem Sinne würde ich mich über weitere Antworten und Anregungen freuen!

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  4. Ednbra 13.05.09 18:02

    "Ganz im Gegenteil. der Dr. setzt ein Diplom voraus, der PhD. einen Bachelor. Auch musst du zum Dr. Studium wissenschaftlich befähigt sein, auch das gilt nicht bei PhDs."

    In GB kann man in einigen Fällen schon mit einem Bachelor promovieren, jedoch dauert der Bachelor auch 4 Jahre, was also mit einem flotten Diplom gleichzusetzen ist. Was meinst Du denn mit "wissenschaftlich befähigt sein"? Man publiziert auf den gleichen Konferenzen und arbeitet an den gleichen Themen, egal ob in Deutschland, England oder Russland. Wenn Du Lehre meinst stimmt das auch nur bedingt, da es vom Prof abhängt ob er Dir mal eine Vorlesung aufsetzt.

    Man darf sich sehr wohl in Deutschland "Dr." nennen, solange die Uni an der Du promoviert hast akkreditiert ist. Dies ist weiters noch Länderabhänging, aber solange an einer europäischen Uni promoviert wurde, gibt es keine Probleme. Mehr dazu unter: http://www.anabin.de/

    Schliesslich gilt, dass man eine Promotion nur angehen sollte, wenn man wirklich von dem Thema begeistert ist. Alles andere ist Unsinn und Zeitverschwendung. Dennoch bin ich überzeugt, dass es der Karriere sicherlich nicht schadet. Gerade in dem noch recht titel-begeisterten Deutschland.

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  5. Jan... 16.05.09 14:27

    So ein Blödsinn der vom unwissenden "Midsommer" hier verbreitet wird...

    Ein PhD is ein Abschluss der zum tragen des Titels "Dr." berechtigt, auch in Deutschland, sofern der Abschluss an einer Universität vergeben wurde, die in ihrem Land als wissenschaftliche Universität anerkannt ist.

    Zugangsvorraussetzung für das PhD-Programm ist in England ein Master mindestens mit "Merit", was einem Notendurchschnitt

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  6. Anonym 19.05.09 00:00

    Hallo Jan,

    Geren darfst du (wieder?) mal die Wikipedia bzgl. der Unterscheidung "Titel" uns "Grad" bemühen. Zu kennen scheinst du die Seite ja, klingt mir dein Satz sehr nach einer unverstandenen Wikipedia Erklärung. Kann verstehen, wenn man die nicht richtig lesen mag....

    gerne darfst du mir aber die Quelle nennen, die dich beflügelt den dt. Dr. einem PhD. gleich zusetzten.
    Gerne auch bzgl. "PhD. benötigt mindestens einen Master". Nenne ein relevante Quelle, dann ist es gut. Ich beziehe mich nur auf eine meiner Anfragen an den Wissenschaftsrat vor knapp 1.5 -Jahren. Danach durften auch Bachelors direkt zum PhD. Studium.
    Lasse mich aber gerne eines besseren belehre.
    Ich kann dir zwei Kollegen nennen, die in Cambridge mit einem Vordiplom ihren PhD (na)bekamen - nur deshalb wollte sich noch immer keiner als PostDocs.

    TIPP: Fallst du einen PhD. hast, mach doch einfach mal eine offizielle Anfrage an die DFG, die hilft dir sicher weiter. Teil uns allen gerne die Antwort mit - interessiert zumindest mich wirklich! Würde einigen Kollegen von mir auch helfen, die sich noch immer nur Dr. nennen dürfen, aber PhD.s sind.

    Aber um vllt. einer Verwechslung vorzubeugen (Ok - ich war oben auch schlampig):
    Noch immer muss man in Dtld. den akademischen Grad so führen (und ich meine Österreich auch - stand Aug. 2008) wie es die Urkunde befähigt. (also z.B.: Dr. rer. nat.) oder eben gar nicht Dr. Alles andere ist strafbar. TIPP: auch dein Arbeitnehmer hat sich in Dtld. mit dem verliehenen Grad zu nennen. Nennt er dich nur Dr. oder PhD., kannst du ihn verklagen ;)

    Auch seit Bologna stellt der PhD. von einer akkreditierten Uni nur eine Ausnahme dar. So darfst du den Namenszusatz Dr. tragen - aber eben nichts weiter (den Grad bekommst du aber immer noch nicht und du musst ihn dir akkreditieren lassen - kannst mir aber gerne ne Quelle nennen - wie gesagt: einige Kollegen würden sich freuen).

    Und um es noch einmal auf den Punkt zu bringen:
    Die, die es Wissen, halten noch immer nichts von einem Dr. (ohne Zusatz) oder eben einem PhD. Es empfiehlt sich noch immer (wie es in den US und UK üblich ist) die Uni + Prof. zu nennen, dann kann man den einordnen. Nicht umsonst gibt es in Dtld. extra eine Behörde die sehr gerne gegen "Titelklau" ermittelt.

    Vllt. liegt es aber einfach auch nur an meiner Erfahrung, nichts von Graden zu halten, sonder noch immer unbefangen auf Qualität zu achten. Genug Dr. rer. nat. saßen auch schon bei mir, die einfach nur schlecht waren.

    Nur: wenn bei mir heute ein Anfrage eines Dr.s oder eines PhD.s von einem mir nicht bekannten Prof. im Mail-Programm landet, wird sie gelöscht.

    Und ja: deine Wikipedia Erklärung ist richtig. Nur von einem britischen Dr./PhD. halte ich nicht viel. Sorry, wenn ich da Gefühle verletzte, aber das lehrt mich meine Erfahrung.

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  7. Anonym 19.05.09 00:04

    Hallo Jan,

    Geren darfst du (wieder?) mal die Wikipedia bzgl. der Unterscheidung "Titel" uns "Grad" bemühen. Zu kennen scheinst du die Seite ja, klingt mir dein Satz sehr nach einer unverstandenen Wikipedia Erklärung. Kann verstehen, wenn man die nicht richtig lesen mag....

    gerne darfst du mir aber die Quelle nennen, die dich beflügelt den dt. Dr. einem PhD. gleich zusetzten.
    Gerne auch bzgl. "PhD. benötigt mindestens einen Master". Nenne ein relevante Quelle, dann ist es gut. Ich beziehe mich nur auf eine meiner Anfragen an den Wissenschaftsrat vor knapp 1.5 -Jahren. Danach durften auch Bachelors direkt zum PhD. Studium.
    Lasse mich aber gerne eines besseren belehre.
    Ich kann dir zwei Kollegen nennen, die in Cambridge mit einem Vordiplom ihren PhD (na)bekamen - nur deshalb wollte sich noch immer keiner als PostDocs.

    TIPP: Fallst du einen PhD. hast, mach doch einfach mal eine offizielle Anfrage an die DFG, die hilft dir sicher weiter. Teil uns allen gerne die Antwort mit - interessiert zumindest mich wirklich! Würde einigen Kollegen von mir auch helfen, die sich noch immer nur Dr. nennen dürfen, aber PhD.s sind.

    Aber um vllt. einer Verwechslung vorzubeugen (Ok - ich war oben auch schlampig):
    Noch immer muss man in Dtld. den akademischen Grad so führen (und ich meine Österreich auch - stand Aug. 2008) wie es die Urkunde befähigt. (also z.B.: Dr. rer. nat.) oder eben gar nicht Dr. Alles andere ist strafbar. TIPP: auch dein Arbeitnehmer hat sich in Dtld. mit dem verliehenen Grad zu nennen. Nennt er dich nur Dr. oder PhD., kannst du ihn verklagen ;)

    Auch seit Bologna stellt der PhD. von einer akkreditierten Uni nur eine Ausnahme dar. So darfst du den Namenszusatz Dr. tragen - aber eben nichts weiter (den Grad bekommst du aber immer noch nicht und du musst ihn dir akkreditieren lassen - kannst mir aber gerne ne Quelle nennen - wie gesagt: einige Kollegen würden sich freuen).

    Und um es noch einmal auf den Punkt zu bringen:
    Die, die es Wissen, halten noch immer nichts von einem Dr. (ohne Zusatz) oder eben einem PhD. Es empfiehlt sich noch immer (wie es in den US und UK üblich ist) die Uni + Prof. zu nennen, dann kann man den einordnen. Nicht umsonst gibt es in Dtld. extra eine Behörde die sehr gerne gegen "Titelklau" ermittelt.

    Vllt. liegt es aber einfach auch nur an meiner Erfahrung, nichts von Graden zu halten, sonder noch immer unbefangen auf Qualität zu achten. Genug Dr. rer. nat. saßen auch schon bei mir, die einfach nur schlecht waren.

    Nur: wenn bei mir heute ein Anfrage eines Dr.s oder eines PhD.s von einem mir nicht bekannten Prof. im Mail-Programm landet, wird sie gelöscht.

    Und ja: deine Wikipedia Erklärung ist richtig. Nur von einem britischen Dr./PhD. halte ich nicht viel. Sorry, wenn ich da Gefühle verletzte, aber das lehrt mich meine Erfahrung.

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  8. Mid... 19.05.09 00:17

    Nachtrag: leider kann man ja hier nicht editieren...

    Natürlich meinte ich, dass man den Arbeitgebern verklagen darf, nicht den Arbeitnehmer, wenn man den korrekten Titel unterschlägt.

    Auch die Doppelpost tut mir leid.

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  9. Jan... 21.05.09 22:02

    Zur Gleichwertigkeit:

    "Britische Ph.D.-Grade können [...] den fachlich entsprechenden deutschen Doktorgraden von Anforderungen und Niveau voll gleichgewertet werden."

    Quelle: http://www.anabin.de/scripts/frmAbschlusstyp5.asp?ID=671

    Zur Zulassungsvoraussetzung:

    "Zulassungsvoraussetzung ist der Besitz eines britischen Mastergrades ( oder als gleichwertig anerkannte in- oder ausländische Qualifikation) oder eines Bachelorgrades mit einer bestimmten Mindestnote zuzüglich einer weiteren Qualifikationsstufe. [...] Die Qualifikationsstufe besteht i.d.R. darin, dass zunächst eine Registrierung in einem "M.Phil."-Kurs erfolgt und nach einem Jahr durch den Betreuer des Studenten, den "supervisor", entschieden wird, ob eine Übernahme in das eigentliche Ph.D.-Programm erfolgen kann."

    Quelle: http://www.anabin.de/scripts/frmAbschlusstyp2.asp?ID=671

    Zur Führung des Titels in Deutschland...

    "Die Führung der deutschen Abkürzung „Dr.“ ist für Inhaber von in einem wissenschaftlichen Promotionsverfahren erworbenen Doktorgraden aus Mitgliedstaaten der EU bzw. des EWR ohne Herkunftszusatz möglich."

    Quelle: http://www.kmk.org/wissenschaft-Hochschule/internationale-hochschulangelegenheiten/fuehrung-auslaendischer-hochschulgrade.html

    Zum Thema Titel und Grad...

    In England ist der PhD der Grad, der zum tragen des Titels Dr. berechtigt.

    Zum allgemeinen Vergleich der Reputation...

    Da genügt wohl ein Blick auf das folgende Ranking. Zu den besten 100 gehören nur 3 deutsche Universitäten, aber zahlreiche amerikanische und britische.

    http://www.topuniversities.com/worlduniversityrankings/results/2008/overall_rankings/top_100_universities/

    Wie auch immer, früher oder später werden sämtliche Doktorandenprogramme in Deutschland auch mit der Verleihung des PhDs abschließen.

    Gruss,
    Jan

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