Umstieg = Aufstieg?

Anonym 24.02.09 22:40

Hallo zusammen,

Ich habe vor einem Jahr mein Studium abgeschlossen sofort bei einer rel. großen IT-Management Beratung angefangen. Dieses gehört jedoch nicht zu den Größten in der Branche, beschäftigt aber doch 1000 Mitarbeiter. Das Unternehmen warb damals mit einem 6-monatigen Traineeprogramm und da alles sehr gut wirkte und ich auch schnell in den Beruf einsteigen wollte, habe ich mich für das Unternehmen entschieden. (War meine einzige Bewerbung)

Nach nur drei Monaten, aufgrund meiner guten Leistung und der Projektsituation, wurde ich als Berater beim Kunden im größten/lukrativsten Projekt des Kunden eingesetzt. Aufgrund der Größe des Projekts kam natürlich ein hoher Arbeitsaufwand auf mich zu den ich bis jetzt auch sehr genieße. Ich habe mich beim Klienten als kompetenter Ansprechpartner etabliert, was bestimmt auf meinen hohen Arbeitseinsatz und meiner Vorbildung zurückzuführen ist.

Meine Bewertung verlief dementsprechend gut. Jedoch wurde die Gehaltssteierung basierend auf meinem Einstiegsgehalt berechnet, wodurch ich mit dem Ergebnis unzufrieden bin, da ich mich anfangs für ein zu geringes Gehalt verkauft habe. Diesen Schluss ziehe ich aus 1) Aus den Gehältern die meine Vorgänger, welche vor mir in dem Projekt gearbeitet haben, erhalten haben. (Hier wurden Senior-Consultants (plural) eingesetzt) 2) Den Gehältern die meine Kollegen für andere (kleinere) Projekte bekommen. Diese haben aber auch mit besseren Einstiegsgehältern angefangen, (da damals noch kein Traineeprogramm angeboten wurde). 3) Bemerkungen von Kollegen, die meinten, dass meine Postition in dem Projekt eigentlich nicht die eines Berufseinsteigers entspreche, sondern eher auf Senior-Consultant Ebene anzusiedeln sei. Hier hatte ich bestimmt aufgrund der Projektsituation Glück, dass ich in ein für mich passendes Arbeitsumfeld eingesetzt wurde/bin, wodurch ich mich auch sehr schnell entwickelt habe bzw. noch entwickeln kann. Eine neue (Gehalts-)Einstufung erscheint mir jedoch unabhängig von meiner Performance nicht direkt möglich. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass „jammern“ in solchen Situationen weiterhelfen könnte. Jedoch bin ich nicht der Typ dafür, da mir die Arbeit Spass macht. Je aufwendiger/komplexer die Arbeit ist, desto besser gefällt sie mir. Daher sehe ich keinen Anlass mich darüber zu beschweren.

Meine Konsequenz besteht nun darin aus diesem Fehler zu lernen und mich bei anderen Unternehmensberatungen entsprechend zu Bewerben. Meine Fragen sind dazu wie folgt:

1) Macht es sich gut im Lebenslauf mich schon nach einem Jahr das Unternehmen zu wechseln? Wahrscheinlich kommt es darauf an von welcher Unternehmensberatung ich genommen werde...
2) Wie soll ich mit meiner „Verpflichtung“ gegenüber dem Projekt umgehen? Ich bin mir bewusst, dass ich aufgund meiner Performance für meine Firma bzw. für das Projekt beim Kunden äusserst wichtig bin. Daher gehe ich davon aus, dass sie mir entsprechende Gegenangebote stellen werden. Dies ist auch ein taktisches „Kalkühl“ von mir um an meine gerechte Entlohnung zu kommen. Aber mir geht es nicht direkt ums Gehalt, sondern um die Möglichkeit, dass eine sehr gute Leistung enstprechend vom Unternehmen honoriert und gefördet wird. Ist dies soeben beschriebene Szenario „normal“ und genau so bei McK, Accenture & Co. anzutreffen?

Die Alternative würde nun darin bestehen die Situation so wie sie ist zu akzeptieren. Das Beste für mich rauszuholen und noch viel in dem Projekt in diesem Jahr zu lernen und mich nach diesem Jahr mit dann 2 Jahren einschlägiger Erfahung in einem Versicherungsgskonzern bei einem anderen Beratungsunternehmen zu Bewerben? (Wobei die Problematik der Konkurrenzklausel evtl. zu berücksichtigen ist)

Dankbar wäre ich für Meinungen zu meiner Situation.

  1. Defton 24.02.09 23:25

    Hast Du mal dran gedacht das Thema einfach direkt anzusprechen und die Gründe wie oben darzulegen, weshalb Du denkst ein höheres Gehalt verdient zu haben? Wäre für mich zunächst das Naheliegenste, vor Allem wenn Du ansonsten mit Deinem Job glücklich bist!

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  2. pml22 25.02.09 02:03

    Mal davon abgesehen, dass die aktuelle Lage grade sehr schwierig ist auf dem Beratermarkt und du dir gut überlegen solltest, wie weit du dich aus dem Fenster lehnst, da McK und BCG mit hoher Wahrscheinlichkeit momentan kaum Leute mit 1Berufsjahr einstellen, solltest du dir auch überlegen wieviel du bekommst und wie lange du arbeitest. Bei BCG und McK wirst du 60-70h arbeiten und das Gehalt im zweiten Jahr ist bei denen nur etwas höher als der Einstieg. Lass mal hören, was du bekommst und dann sag ich dir, ob es eine Steigerung wäre.

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  3. PsychoTherapist 25.02.09 14:03

    Bei 60h ~45.000€ Brutto. wobei hier die Prämie (Überstunden) inkludiert ist. Das Problem ist auch die schlecht bezahlten Überstunden. Es zahlt sich in meinem Unternehmen nicht aus "viel" zu Arbeiten, da ich bei 40h-45h ~42.000€ bekommen würde.

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  4. PsychoTherapist 25.02.09 13:55

    Ja, das Problem ist meinem Fall auch ein Organisatorisches. Grundsätzlich ist mein direkter Ansprechpartner für solche Angelegenheiten mein Coach, welche Anfang diesen Jahres für laaaange Zeit erkrankt ist. Daher war ich auch gezwungen direkt mit der Geschäftsführung meine Bewertung durchzuführen. Das Problem ist: 1) Ich bin als Einziger von meinem Unternehmen in dem Projekt beim Kunden tätig. 2) Mein Sprachrohr (Coach) nach draussen (zu meiner Firma bzw. Geschäftsführung) ist praktisch nicht vorhanden. Ein Coach hätte mich direkt auf ein Gespräch mit der Geschäftsführung vorbereiten müssen. So war ich zu selbstsicher und gleichzeitig zu unvorbereitet in der Bewertung, obwohl ich diese Argumente schon angebracht habe.

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  5. pml22 25.02.09 19:56

    Dann würde sich ein Wechsel, wenn er klappt finanziell lohnen. Die Strategieberatungen zahlen im zweiten Jahr ca. 50-60k fix, wenn man sich den einjahres Leave bezahlen lässt und ca. 75k fix, wenn man keinen Leave macht. Hinzu kommen die üblichen Boni und Annehmlichkeiten wie Firmenwagen etc.

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  6. bal... 25.02.09 21:25

    Hallo,
    ein paar kritische Worte vorweg:
    Wisser, bist Du das??

    Du bist hier etwas sehr selbstsicher unterwegs (grosse Strategieberatungen moegen Selbstbewusstsein, aber keine Dummschwaetzer).
    Du bist also im groessten/lukrativsten Projekt Deiner 1000-Mann-Firma, aber Du bist der einzige Mitarbeiter vor Ort?

    Dass sich Gehaltsveraenderungen am aktuellen Gehalt bemessen, ist ziemlich normal. Da brauchst Du evtl. ein paar Jahre, um dein zu-niedriges-Gehalt durch gute Performance und hohe Steigerungen auszugleichen. (btw: serioese Unternehmen wuerden einen schon warnen, bevor sie dir deutlich unter dem normalen Anfangsgehalt Deiner Peers bezahlen)

    Ein Wechsel koennte Dir einen minimalen Gehaltsvorteil bringen (sagen wir mal, Du wechselst zu Accenture; grosse Strategieberatungen zahlen deutlich mehr, aber das wusstest Du bestimmt vorher schon).
    Aber Du musst Dir gute Argumente ueberlegen, warum Du wechseln moechtest.
    Die Erklaerung "mein Job macht Spass, ich habe viel Verantwortung und kann eigenverantwortlich ein Kundenprojekt leiten, nur die Bezahlung passt nicht zur Leistung" duerfte innere Alarmglocken laeuten lassen.

    Warte lieber noch ein Jahr, denn ein Wechsel nach zwei Jahren macht sich deutlich besser im Lebenslauf; dann kannst Du z.B. argumentieren, anderes Umfeld, andere Taetigkeitsschwerpunkte, und evtl. auch fehlende neue Herausforderungen.
    Cheers

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  7. PsychoTherapist 25.02.09 23:46

    Nein, ich bin ich nicht der "Wisser".

    Danke für deine Antwort. Um die Situation "Du bist also im groessten/lukrativsten Projekt Deiner 1000-Mann-Firma, aber Du bist der einzige Mitarbeiter vor Ort?" zu untermauern müsste ich ausholen, was in diesem Rahmen nicht viel Sinn macht. Mir ist natürlich klar, dass dieses Statement kritisch zu hinterfragen ist.

    @Accenture und das Bezahlungsverhältnis zur Strategieberatung: Auch das ist ein guter Punkt: Das wusste ich schon im Vorhinein, mich hat zunächst die IT-Beratung mehr interessiert. Das Gehalt war ein sekundärer Faktor.

    Die Erklaerung "mein Job macht Spass, ich habe viel Verantwortung und kann eigenverantwortlich ein Kundenprojekt leiten, nur die Bezahlung passt nicht zur Leistung" duerfte innere Alarmglocken laeuten lassen.

    Das habe ich vermutet und akzeptiere ich auch.

    "Warte lieber noch ein Jahr, denn ein Wechsel nach zwei Jahren macht sich deutlich besser im Lebenslauf; dann kannst Du z.B. argumentieren, anderes Umfeld, andere Taetigkeitsschwerpunkte, und evtl. auch fehlende neue Herausforderungen."

    Das ist auch ein wesentlicher Punkt um den es mir geht. Ich habe ein wenig das Gefühl mich zu sehr zu spezialisieren,... Wenn sich ein Wechsel nach 2 Jahren deutlich besser im Lebenslauf macht, dann werde ich diesen verfolgen. Es geht mir genau darum Abwechlsung in meinen Tätigkeitsbereich reinzubringen und dabei gefördert zu werden. Das dies in einer gewissen Eigenverantwortung zu erfolgen hat habe ich vermutet.

    Damit sind meine Fragen/Bedenken eigentlich beantwortet. Vielen Dank dafür. Falls es anderen Meinungen/Sichten dafür gibt freue mich natürlich wenn sie gepostet werden.








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  8. Anonym 26.02.09 11:22

    "Du bist also im groessten/lukrativsten
    Projekt Deiner 1000-Mann-Firma, aber
    Du bist der einzige Mitarbeiter vor Ort?"

    Ich glaub du bist einfach jmd. der sich
    viel zu wichtig nimmt. A la: ich bin
    Berater und mache Headlines.
    Ich denke Dein Gehalt ist gerechtfertigt.
    Fähige Leute sind informiert und wissen
    welchen Vertrag sie unterschrieben - und
    ob dieser relativ gut oder relativ schlecht
    ist.

    tzzz....

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  9. bal... 26.02.09 12:52

    Und in diesem Projekt natuerlich unterfordert. :-)
    Aber man darf ja mal Fragen, dafuer gibts das Forum schliesslich.

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  10. PsychoTherapist 27.02.09 13:25

    Grundsätzlich bin ich jemand der sich nicht (zu) wichtig nimmt. Diese Bemerkungen/Ansichten sind von Kollegen an mich herangetragen worden. Es geht auch nicht um die oben beschriebene Situation, sondern wie sinnvoll mit einer "schwierigen" Situation wie meiner sinnvoll umgegangen werden kann. Vorallem wenn man sich am Anfang unter seinem Wert verkauft hat. Gerade beim Berufseintieg kann das denke ich auch bei kompetenten Leuten passieren...

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  11. wis... 26.02.09 14:31

    offensichtlich haben meine schäfchen das problem bereits selbst gelöst, bisschen handzahm zwar, aber immerhin. trotzdem. bitte mich erst dann rufen, wenns wirklich ernst wird.

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