Verrechnungspreise / Transfer Pricing

masinga 14.03.08 18:55

Hallo, habe gerade mein Studium als Volkswirt abgeschlossen. Bin auf Jobsuche und habe gesehen, dass die Big Four (KPMG, Deloitte, PwC, Ernst&Young) Volkswirte für den Bereich internationale Verrechnungspreise suchen.
Hat vielleicht jemand von Euch in diesem Bereich gearbeitet bzw. arbeitet jetzt dort? Würde mich interessieren ob Ihr es spannend findet und ob Ihr es weiterempfehlen könnt. Arbeitszeiten?
Vielen Dank im voraus!

  1. Anonym 15.03.08 18:49

    Ich bin auch Volkswirtin und habe als Trainee für 5 Monate bei TP gearbeitet. Es ist schon ein recht spannendes und abwechslungsreiches Themengebiet, allerdings sehr speziell. Ich hatte meine Wahlfächer in den Steuerbereich gelegt und habe auch vor, später in diesem Bereich zu arbeiten. Daher ist TP meiner Ansicht nach - zumindest für mich- eher eine Einbahnstraße. Ich persönlich möchte mich früher oder später bei einer mittelständischen Gesellschaft Bewerben und dafür ist TP als Qualifikation eher ungeeignet. Wenn du vorhast schnell Karriere zu machen ist TP sicherlich sehr geeignet. Meine Kollegen erzählen auf jeden Fall ständig von irgendwelchen Headhunter-Anrufen (und sie arbeiten gerade mal 1-2 Jahre im TP-Bereich) Keine Ahnung, wie du deine Wahlfächer gelegt hast, aber wenn du nicht vorhast, die klassische Steuerkarriere zu machen, ist TP sicherlich sehr attraktiv. Allerdings wird bei den Big Four dennoch in jedem Fall von dir erwartet, dass du deinen Steuerberater machst...
    Meines Erachtens wird händeringend nach guten Leuten gesucht und TP gewinnt auch zunehmend immer mehr an Bedeutung. Die Zukunftsaussichten schätze ich daher als sehr gut ein!
    Die Arbeitszeiten sind denke ich wie in jeder anderen Abteilung auch so 8, eher 9-10 h täglich, je nach Auftragslage. Insgesamt kann ich TP soweit ich das in der kurzen Zeit beurteilen kann auf jeden Fall empfehlen, sehr abwechslungsreich, du bekommst recht tiefe Einblicke in die einzelnen Unternehmen (Produktion, interne Abläufe, Unt.strategie....), du solltest gut im Argumentieren sein und Englischkenntnisse sind recht wichtig (zumindest ist ca.die Hälfte deiner Arbeit auf Englisch).
    Ich wünsch dir auf jeden Fall viel Erfolg!

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  2. lad... 15.03.08 19:27

    Was kann ich mir unter transfer pricing ungefäHR vorstellen?

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  3. gis... 16.03.08 12:23

    Bei TP werden Preise ermittelt für innerbetriebliche Leistungen (Dienstleistungen, Warenverkehr...), so dass sie einem Fremdvergleich standhalten. D.h. die Preise müssen so gesetzt werden, dass sie auch ein fremder Dritter unter sonst gleichen Umständen zu zahlen bereit wäre.
    Wie die Verrechnungspreise zustande kommen und wie man sie genau ermittelt, muss dokumentiert werden, d.h. es wird grob gesagt eine Unt.analyse geschrieben und erklärt, warum man welche Verrechnungspreismethode anwendet und warum diese angemessen ist.

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  4. masinga 17.03.08 19:35

    Hallo Volkswirtin :) vielen Dank für die schnelle und sehr informative Antwort! Was ich mich noch gefragt habe: warum wollen die Big4 unbeding Volkswirte für's TP? Ich war bereits bei zwei Interviews und beide Male hatte ich den Eindruck, dass man im Bereich TP vor allem wissen muss wie Unternehmen ticken. Sind da VWLer nicht eher fehl am Platz? Ich hatte unter anderem Ökonometrie und Statistik als Schwerpunk, aber kein einziges BWL-Fach! Kannst du mir villeicht helfen das Rätsel zu lösen?

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  5. gis... 17.03.08 21:27

    Warum jetzt im Speziellen Volkswirte gesucht werden, ist mir auch eher unverständlich. Ökonomischer Sachverstand ist wichtig, meiner Meinung nach aber vielmehr betriebswirtschaftliches Wissen. Mit Ökonometrie und Statistik hat TP überhaupt nichts zu tun; aber da es bei VWL ja auch einen BWL-Pflicht-Block gibt (war zumindest bei uns so) und man es im Grundstudium ja auch mit einigen betriebswirtschaftlichen Fächern zu tun hat, ist es auch kein Problem, sich in die Thematik einzulesen. Ich persönlich hatte während meines Studiums praktisch noch nie was vonVerrechnungspreisen gehört und konnte mir darunter wenig vorstellen. Ich glaube, es ist im Endeffekt ziemlich egal, ob du VWL oder BWL studiert hast, du musst dich in dich einlesen und dir einfach mal anschauen, wie die Praxis ausschaut und siehst dann, ob es dich interessiert. Es ist eine ziemlich praktische Arbeit, wo du z.B. Betriebsprüfer durch gute Argumentation überzeugen, warum genau diese Verrechnungspreise angemessen sind. Dabei musst du viel Literatur wälzen, Urteile und Gesetzestexte lesen und darauf deine Argumentation für bspw. eine Stellungnahme aufbauen. Da praktisch nie ein Sachverhalt gleich ist, lernst du ständig dazu und die Arbeit ist daher auch sehr spannend und abwechslungsreich.

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  6. jarque 07.04.08 19:15

    Hallo Masinga,
    ich bin auch VWLer (auch Schwerpunkt Ökonometrie ;) ) und hab demnächst ein Vorstellungsgespräch bei einem der Big4 im Bereich Transfer Pricing. Könntest Du vielleicht ein bisschen von dem Vorstellungstermin berichten oder gar den einen oder anderen Tipp für das Gespräch geben. Wäre echt klasse. Wurde Dir ein Case-Study vorgesetzt? Ich hab übrigens abgesehen von ein bisschen Recherche im WWW auch keinerlei Vorwissen auf dem Gebiet. Aber ich glaube, dass wir VWLer für den Bereich recht sexy erscheinen weil uns, im Vergleich zu BWLern, tendenziell bessere analytische Fähigkeiten nachgesagt werden (no offence intended). Abgesehen davon geht es ja unter anderem auch um Preisbildungsprozesse (- Mikroökonomie interessant) und um Branchenanalyse (- speziell Industrieökonomik interessant).
    Besten Dank im Voraus

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  7. masinga 09.04.08 15:55

    Hallo Jarque,
    ich hab bei meinem letzten Inteview mal nachgefragt, warum die Big4 ausgerechnet VWLer für diesen Bereich suchen. Antwort: die Volkswirte denken viel übergreifender und bringen einfach mehr gesunden Menschenverstand mit, als die Kollegen von der BWL. So viel dazu. Nun zu Deiner Frage. Ich war bisher bei E&Y, Deloitte und KPMG. Das mit Abstand anspruchsvollste Interview was bei Deloitte (hat insgesamt 4 Stunden gedauert). Zuerst etwa 2 Stunden Gespräch mit dem Chef der Abteilung und einem anderen Mitarbeiter. Fragen zu Lebenslauf, Studium, Verrechnungspreisen (Du solltest auf jeden Fall wissen worum es da geht und welche Methoden es gibt, zumindest die bekanntesten). Danach kam ein Case Study. Hatte 20 min Zeit mich vorzubereiten und musste dann den Fall mit zwei anderen Kollegen aus der Abteilung auf Englisch besprechen. Der Case Study war nicht ganz einfach, aber man kriegt auf jeden Fall Hilfe. Am Ende wurde ich noch durch die Abteilung geführt und konnte mich mit den Mitarbeitern dort unterhalten. Insgesamt hatte ich ein sehr guten Eindruck. Die Leute waren sehr nett und es gab keine superfiesen Fragen. Die Interviews bei E&Y und KPMG waren viel kürzer und ohne Case Studies, aber auch hier muss man grob über Transfer Pricing Bescheid wissen. Ich hab keine besonderen Tipps eigentlich; bleib einfach natürlich und der, der Du bist. Das kommt glaub ich am besten an. Frag einfach, wenn Du noch Fragen hast.
    Bis dann!

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  8. Squeaker 1 20.03.13 16:03

    hey,
    ich werde auch bald ein interview bei deloitte haben (transfer pricing). auch wenn es etwas her ist, könntest du mir bitte etwas mehr über die case study erzählen ? was wurde in etwa gefragt und was würdest du für die vorbereitung konkret empfehlen ?
    Gruß und Danke im Voraus für deine Antwort.

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  9. Chrissi83 18.11.08 16:18

    Hallo,

    ich hoffe hier liest noch jemand!? Versuche mich auch gerade über Transfer Pricing schlau zu machen. Was man in etwa macht, habe ich mittlerweile verstanden. Aber kann mir auch jemand sagen, was man in ein paar Jahren damit machen kann? Man hört ja, dass die wenigsten ewig lange bei den Big4 bleiben, aber für welche Arbeitgeber ist man denn interessant wenn man ein paar Jahre im Transfer Pricing gearbeitet hat?
    Oben wurden ja die Headhunteranrufe erwähnt, oder bezog sich das auf andere WP/Stb-Gesellschaften?

    Danke :-)

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