Wechsel "Big 4" zu Top-Management Consulting

Mike_D 30.05.06 16:06

Hallo Squeeker,

ich arbeite derzeit für eine Beratung, die ehemals (vor dem Enron-Skandal!) Consultingteil einer der "Big 4" Wirtschaftprüfungen (KPMG, Ernst&Young, PwC, Deloitte) war.

Nach drei interssanten Jahren dort würde ich nun gerne in eine der sogenannten "Top-Management-Beratungen" wie McK, Boston Consulting, Mercer, Roland Berger o.ä. wechseln. Ich habe im Kollgenumfeld gehört, das der Wechsel "nicht unbedingt" einfach ist.

Hat hier jemand schon konkretere Erfahrungen mit einem solchen Wechsel gemacht oder von jemandem gehört, dem ein solcher Wechsel gelungen ist?

Vielen Dank vorab!

  1. qwaser 31.05.06 00:16

    Sobald Du nicht mehr Frischling von der Uni bist, ist der Einstieg immer etwas schwieriger. Der fachliche Hintergrund steht dann weit weniger zur Diskussion als der "Fit" ins Unternehmen und ob man noch "streambar" ist.

    Zudem findet der Einstieg in einem Hierarchie-Bereich statt, wo die erste Runde bereits aussortiert wurde und man dem entsprechend schon besondere Qualitäten vorweisen sollte, um interessant für das Unternehmen zu sein.

    Anders als nach dem Studium reicht ein interessanter Werdegang in Unizeiten nicht mehr aus, um die Chance zu bekommen. Natürlich sollte auch die Bewerbung nicht mehr so pauschal stattfinden, sondern gezielt für geeignete Bereiche, in denen Du interessante Erfahrungen vorweisen kannst.

    Die ehemaligen Consulting-Teile von KPMG, EY und PwC sind sehr IT-lastig, was i.d.R. wenig Interesse bei McK & Co. auslösen dürfte. Deloitte Consulting (immer noch unter dem Dach der Mutter) ist nach Meinung vieler wesentlich interessanter positioniert.

    Aber generell gilt: wenn Du wirklich gut bist und für das Unternehmen einen deutlichen Mehrwert bieten kannst, dann ist der Wechsel durchaus möglich, aber sicher nicht leichter als der Direkteinstieg nach dem Studium.
    Schließlich konserviert jeder Laden seine eigene Kultur und prägt die Mitarbeiter frühzeitig.

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  2. MBA_05 31.05.06 14:36

    @gwaser: Gibt es irgendein Alter, in dem der Zug fuer Einstieg in BIG 4 mehr oder weniger 'abgefahren' ist? (Unabhaengig von Qualifikationen).

    Bevorzugen die Top Consulting Unternehmen junge Absolventen die sie noch formen koennen?

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  3. qwaser 31.05.06 15:53

    Du meinst wohl den Einstieg in die Stategieberatungen und nicht in die Big4, oder? Ich kann mich nur auf Aussagen von Freunden und Bekannten stützen, die bei McK, BCG oder Bain arbeiten (oder ge-"outet" oder abgelehnt wurden). Eine Altersgrenze scheint nicht vorzuliegen, selbst 40jährige mit guter Industrie-Expertise können interessante Mitarbeiter darstellen, aber pauschal kann man nichts dazu sagen. Pi mal Daumen würde ich sagen: die Rekrutierungsmasse (70%) hat einen Abschluss (oder Doppeldiplom) und ist demnach zwischen 23 und 27. Bewerber, die mit einem MBA oder sogar einem Dr.-Titel eingestellt werden, machen 15% aus (und sind zwischen 26 und 32), die restlichen 15% kommen aus der Industrie und haben dort 3-10 Jahre Erfahrung gesammelt (28-35 J).

    Generell herrscht durchaus die Meinung vor, dass die Beratungen gerne ihre Leute "formen", von daher recht frische, "unverdorbene" Bewerber bevorzugen. Individualisten oder Leute mit ausgeprägtem Führungsanspruch haben es mit Sicherheit sehr schwer, sich einer diktierten Unternehmenskultur unterzuordnen.

    Gegen einen Jugendwahn spricht auf der anderen Seite natürlich der Senioritätsanspruch der Beratungen: Ein 25-jähriger, der Vorstandsmitglieder in einem Workshop eine Unternehmensstrategie vermitteln soll, hat allein schon aus Altersgründen einen schlechten Stand. Daher findet der Kontakt mit Schlüsselpersonen bei den Kunden in der Regel über ältere Berater statt, die vor allem Berufserfahrung vorweisen können. Allerdings werden diese Positionen bevorzugt mit den intern nachwachsenden Leuten besetzt.

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  4. MBA_05 31.05.06 17:34

    Ja, meine natuerlich Strategieberatungen.

    Vielen Dank fuer die ausfuehrliche Antwort-dann besteht ja noch Hoffnung

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  5. Mike_D 31.05.06 18:38

    @qwaser: Also wirklich vielen Dank für Deine schnelle, kompetente und sehr umfassende Auskunft!

    Zwei ergänzende Fragen hätte ich noch:

    a) ich arbeite nicht bei Deloitte, aber im absoluten non-it Bereich, d.h. wir "pitchen" regelmäßig gegen Bain, Berger und McK. Wird das als Faktor berücksichtigt, oder werden Mitarbeiter der ehemaligen "Big 4" generell als unpassend angesehen, sofern sie nicht von Deloitte sind?

    b) Wie wird denn die "streambarkeit" eingeschätzt, bzw. wovon ist diese Einschätzung abhängig?

    Ich freue mich natürlich auch über jede weitere Wortmeldung zum Thema allgemein ;-)

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  6. qwaser 31.05.06 19:12

    a) Um so besser, wenn Du besondere Kenntnisse im Stammgeschäft mitbringst - vor allem, wenn ihr regelmäßig Aufträge wegschnappt ;-) UBs sind keine Wohlfahrtsverbände: Nur wenn sie sich von Dir einen Mehrwert versprechen, bist Du interessant. Ob der Mehrwert aus anderem UB-Knowhow oder aus Industrieerfahrung besteht ist dabei egal.

    b) Gute Frage, zumal diese Frage wohl je nach Lust und Laune beantwortet wird: das Kreide-hol-Spielchen in den ACS kann man auch so oder so interpretieren. Mal kann jemand, der Initiative übernimmt und in einer Case-Study Führungsverhalten zeigt, positiv als Alphatier interpretiert werden, ein Nörgler kann dies aber auch als mangelnde Subordination interpretieren. Ich bezweifle, dass es harte Kriterien für die Streambarkeit gibt, vielmehr wird das Urteil stark vom persönlichen Eindruck des Bewerbercharakters geprägt, den man im Rahmen eine Gesprächs schon recht gut einschätzen kann (eigensinnig vs. harmonierbedüftig, entscheidungsfreudig oder hilfe/ratsuchend usw.).

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  7. Mike_D 01.06.06 21:17

    Würde denn eine Zusatzqualifikation (wie ein MBA) in meinem Fall die Chancen für einen Wechsel zu den o.g. signifikant erhöhen?

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