richtiger MBA?

Squ... 03.11.12 15:55

Hi! Habe gerade so ne Art Auszeit und würde gern bald meinen MBA machen, wie viele hier;) Bachelor ist durch (Machinenbau) und ich hab nebenbei als Werkstudi bei ner Personalvermittlung gearbeitet. Will jetzt mehr in den Wirtschaftbereich, hab aber gehört, dass Maschinenbau nicht unbedingt ein Nachteil ist/ sein muss. Ich weiß, dass es unterschiedliche Arten des MBA gibt. Wo finde ich einen füre meine "Sparte"?

  1. TheCurious 03.11.12 18:31

    Hallo Sarah,

    also zunächst einmal müsstest du etwas genauer werden. Der „Wirtschaftsbereich“ ist super groß :-)

    Möchtest du so etwas wie Projektleitung oder Beratung machen? Sprich Tätigkeiten wo BWL-Grundwissen nötig ist, aber die keine klassischen Bereiche der Ökonomie und somit fachübergreifend sind?

    Oder zielst du auf wirklich ökonomische Tätigkeiten wie Rechnungswesen und Finanzen ab?

    Im ersten Fall wäre ein MBA mit Kanonen auf Spatzen geschossen, da ein MBA normalerweise die Eintrittskarte für eine Managementkarriere sein oder selbige befeuern soll. Das bedeutet, dass man im Normalfall schon eine Weile arbeitet und die ersten Karriereschritte gemacht hat.
    Im zweiten Fall würde ich zu einem nicht-konsekutiven Master oder „spezialisierten MBA“ (die Klammern werden weiter unten erklärt) raten, wo du dich in deiner gewünschten Tätigkeit spezialisieren kannst.

    Ich selber habe auch einen technischen Hintergrund und mich viel mit dem Thema MBA beschäftigt. Hier mal meine Schlüsse, falls es doch unbedingt ein MBA sein soll.

    Wenn du einen MBA machen möchtest bei dem dein technischer Hintergrund berücksichtigt wird, würde ich zu einem MBA an der TU München oder RWTH Aachen raten. Alternativ kannst du auch einen nicht-konsekutiven Master in Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Hamburg-Harburg machen (allerdings in Vollzeit), der ein technisches Studium voraussetzt und nur noch wirtschaftswissenschaftliche Anteile hat.

    Wenn du auf den ganzen Technikkram keine Lust mehr hast, sollte es natürlich ein allgemeiner sein :-)

    Hier wären im deutschsprachigen Raum sicher Mannheim und St. Gallen die beiden ersten Adressen. Zudem gibt es in Deutschland noch ein paar Private Business Schools. Ansonsten natürlich die Spitzenreiter in den ganzen MBA-Rankings.

    Wenn du dir die Preise dieser Programme anguckst, wirst du sicher aus allen Wolken fallen und schnell die Programme von deutschen (Fach)Hochschulen in Betracht ziehen. Genau hier würde ich aber aufpassen! Ich selber habe lange nicht richtig verstanden was ein MBA eigentlich ist. Mir war z.B. immer schleierhaft warum BWLer einen MBA machen. Aber ich glaube inzwischen habe ich das System zumindest ein wenig durchschaut ;-)

    Ein MBA ist kein BWL-Kurs, sondern eine „Management-Ausbildung“ bei der BWL-Grundkenntnisse ein Bestandteil sind. Das sind aber meist nur ein paar Module. Deshalb ist das ganze auch für Ökonomen interessant. Also denke nicht, dass du danach eine Ökonomin bist. Die haben 10 Semester Vollzeit studiert!

    Und wenn du dir die Preise anguckst, wirst du dich sicher Fragen womit das gerechtfertigt sein soll. Mein Fazit ist, dass das vermittelte Wissen nicht mal annähernd die Preise rechtfertigt! Wenn es dir wirklich um das Wissen geht, reicht es auch wenn du einfache Fortbildungen machst oder meinetwegen einen Fachhochschul(0815)-MBA. Aber selbst die Hochschul-MBAs kosten schon 10-15k€. Und das schlimmste ist, dass du damit niemals (vor allem Deutschland nicht) den MBA-Effekt als Karrierebeschleuniger erzielen wirst.

    Worauf es bei einem MBA wirklich ankommt ist das Ansehen der Business School und die geknüpften Kontakte. Es fängt damit an, dass deine Kommilitonen bei Top-Schulen die absolut besten Bewerber sein werden. Mit diesen Leuten zusammen zu arbeiten und sie als Vitamin B zu gewinnen sollte dich extrem Weiterbringen. Der zweite und schon fast wichtigere Faktor sind die Alumni-Netzwerke. Bei diesen ganzen Rankings gibt es mehre Faktoren wie beispielsweise Gehaltsentwicklung nach dem Abschluss. Die ganzen Alumni sind natürlich darauf erpicht, dass ihr Abschluss möglichst wertvoll ist. Zudem wissen sie genau, welche Zugangshürden Absolventen überwinden mussten und was sie gelernt haben. Deshalb rekrutieren die Alumni sehr gerne in den Netzwerken ihrer „alma mater“.

    Aus diesem Grund sind Zugangsvoraussetzungen auch sehr hoch. Selbst wenn du bei GMAT und TOEFL super abschneiden solltest, ist keineswegs gesagt dass du auch genommen wirst. Die wollen sich ja ihre Ranking Platzierungen nicht kaputt machen, falls du danach nicht extrem steil gehen solltest ;-)

    Im Endeffekt muss man einiges auf dem Kerbholz haben und somit als „High-Potential“ gelten. Danach erkauft man sich den offiziellen Ritterschlag und Zugang zu einem recht elitären Zirkel.

    Ich habe das Ganze so ausführlich beschrieben, weil ich auf reichlich Feedback und eine rege Diskussion hoffe. Ich lasse mich gerne durch gute Argumente vom Gegenteil überzeugen :-)

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  2. soulmate 05.11.12 18:15

    Ich gebe meinem Vorredner komplett Recht.

    Ein MBA sollte immer General Management sein. Die Zusätze oder Spezialisierung sind eine deutsche Eigenheit und totaler Blödsinn.

    Ein MBA ein einer guten Business School (in Deutschland zählen Mannheim, die WHU und die HHL dazu) erfordert allerdings mindestens 2 Jahre post graduale Berufserfahrung

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  3. Squ... 06.11.12 11:48

    Hallo ihr beiden "Anonyms". Dem ersten- VIELEN DANK für die ausführliche Antwort. Sie macht für mich sehr viel Sinn.

    Um auf deinen "General Management"-Einwand nochmal einzugehen- wahrscheinlich hast du Recht. Diese ganzen speziellen MBAs machen wohl wenig Sinn, da es eh hauptsächlich auf die connections ankommt.

    Habe jedoch schon mal von sogenannten "doppelten MBAs" gehört, wo man dann quasi zwei Qualifikationen in der Tasche hat. Wenn die Schule gut ist (natürlich wichtigste Voraussetzung) spricht generell nichts dagegen, oder? Mir fällt jetzt keine Beispielschule ein, aber vllt weiß hier ja jmd im Forum was. Würde mich auch über ne Diskussion und unterschiedliche Meinungen freuen. Vielleicht auch Erfahrungsberichte!

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  4. Squ... 06.11.12 11:48

    Na? ;)

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  5. TheCurious 06.11.12 13:12

    Hallo Sarah,

    ich bin quasi Anonym 1 ;-)

    Ich weiß ehrlich gesagt nicht genau was du mit doppelter Qualifikation meinst. Es gibt MBA-Programme wo zwei Partnerschulen zusammenarbeiten (z.B. eine Schule aus Europa und eine Schule aus Asien). Am Ende erhält man dann von beiden einen Abschluss (auch Dual-Degree genannt). Dagegen spricht aus meiner Sicht nichts, wenn beide Schulen einen entsprechenden Ruf haben. Allerdings solltest du die enormen Reisekosten berücksichtigen.

    Ich habe allerdings das Gefühl, dass du von deutschen MBAs redest. Also quasi eine Fortbildung machst und am Ende als Bonbon noch einen MBA-Titel oben drauf bekommst. Da der MBA-Titel meines Wissens in Deutschland nicht geschützt ist, ist so etwas zwar möglich, aber ich persönlich würde das niemals machen. Allerdings bin ich in meiner Karriereplanung auch ziemlich international orientiert.

    Allgemein wirst du es schwer haben, bei den großen Schulen angenommen zu werden (das ist jetzt wirklich überhaupt nicht böse gemeint). Wie schon mehrfach erwähnt, erwarten die mehrere Jahre Berufserfahrung, hohe Punktzahlen bei GMAT und TOEFL, ein Essay und dass man schon einige Sprossen auf der Karriereleiter erklommen hat. Zudem kosten die dann auch 50k€ und aufwärts (exkl. Reisekosten usw.).

    Wenn ich dich richtig verstanden habe, hast du ein Bachelorstudium im Maschinenbau absolviert und danach ein Jahr Pause gemacht. Daher ist mein subjektiver Rat: Geh erst einmal etwas arbeiten und mach berufsbegleitend Fortbildungen wie z.B. EBC*L. Die kosten nicht die Welt, benötigen einen vertretbaren Zeitaufwand und man bekommt zumindest ein paar praxisrelevante BWL-Grundlagen. Zudem zeigt man guten Willen indem man berufsbegleitend Zeit und Geld in seine Kompetenzen investiert. Danach bist du immer noch keine Ökonomin, aber zumindest eine Ingenieurin mit ökonomischen Grundlagen. Über den MBA kannst du dir dann nach ein paar Jahren erneut Gedanken machen. Vielleicht dann sogar mit etwas Unterstützung vom Arbeitgeber.

    Wie ich in dem ersten Beitrag erwähnt habe, bin ich auch alles andere als ein Karriereberater. Ich habe mich länger mit dem Thema beschäftigt und viel gelesen. Das was ich hier wiedergebe sind die Schlüsse aus meiner Recherche und nicht der Weisheit letztes Wort :-)

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  6. soulmate 06.11.12 16:30

    Hi Sarah,

    hier ist Anonym 2 ;-)

    Ich absolviere gerade ein MBA an einer der führenden Business School in Deutschland und ich kann meinem Vorredner nur recht geben. Die Berufserfahrung ist einer der relevantesten Zulassungskriterium zum Studium. Warum? Jeder in der Klasse soll von den anderen profitieren, d.h. in den Vorlesungen und Case Work Gruppen bringt jeder Teilnehmer die Erfahrung aus seinem Unternehmen/ Branche/ Funktion ein. Das klappt nur, wenn man schon relevante Berufserfahrung (inkl. Führungsverantwortung) hatte.

    Gegen die doppelten Qualifikationen spricht meiner Meinung nach nichts, allerdings würde ich dieses auch nicht als Kriterium nehmen. Stattdessen sollte das MBA Programm gute Kooperationspartner haben (Mannheim hat z.b. die Stern Business School in NY, die WHU die Columbia in NY und Kellog in Chigago).

    Auch ich würde dir empfehlen erstmal relevante Berufserfahrung zu sammeln und nebenbei BWL Grundlagen zu erarbeiten. In 2 bis 3 Jahren kannst du dann schauen, ob ein MBA Studium für dich und in deiner Position Sinn macht.

    Viele Grüße

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  7. Squ... 12.11.12 15:36

    Hi, ihr zwei! Mit doppelter Qualifikation meinte ich so ne art doppelten MBA, wie ihn manche Business Schools anbieten. Beispielsweise das NIT in Hamburg, bin ich zufällig drauf gestoßen, weil ich aus der Nähe komme:

    http://www.nithh.de/media/media-center/nit-Facebook-video-clip/

    Da kann man nen Master in Engineering und nen MBA in Technology Management gleichzeitig machen. Vielleicht hat Anonym2 etwas Ähnliches auch in seinem Post angesprochen. Ich dachte lediglich, dass es diese Möglichkeit nicht an vielen Schulen gibt.

    Danke euch beiden auf jeden Fall schonmal fürs kompetente Feedback.

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  8. soulmate 13.11.12 13:37

    Hier anoynm2

    Ich meinte mit doppelten Qualifikation eigentlich, das man den MBA an zwei Schulen bekommt (die GISMA bietet das z.b. an).

    Ich würde dich grundsätzlich davor warnen einen MBA mit Schwerpunkt zu wählen. Ein MBA sollte immer General Managemet sein, d.h. ohne Schwerpunkt. Leider gibt es in Deutschland zu viele Anbieter von zweifelhaften MBA Programmen.

    Ich kann dir als weiteren Einstieg folgenden Aritkel: http://www.spiegel.de/Karriere/berufsleben/MBA-fahrplan-zehn-schritte-zum-schmucken-titel-a-813944.html, sowie weitere Artikel von Fr. Schwertfeger empfehlen, diese hat einen recht guten Überblick über den MBA Markt in Deutschland.

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  9. Squ... 13.11.12 13:41

    Hi Anonym2:) danke für die Rückmeldung. Bin eigentlich auch eher für nen generellen MBA...fand die Schule da im Link nur so ganz nett. Scheint auch nen vertretbaren Ruf zu haben, also nicht komplett zweifelhaft. Werd mir das alles nochmal gründlich überlegen und Optionen abwägen...

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  10. Squeaker 1 21.11.12 11:50

    Liebe Sarah,

    eine weitere Option könnte für Dich als Ingenieurin ein "Master in Management" (MIM) sein. Denn an vielen internationalen Business Schools sind diese Programme für Absolventen unterschiedlicher Fachrichtungen geöffnet.

    Mögliche Vorteile von MIM-Studiengängen: diese gehen in der Regel fachlich tiefer als MBAs (besonders die zweijährigen Programme). In vielen MIM-Studiengängen hast Du überdies die Möglichkeit Dich zu spezialisieren - solltest Du das wünschen.

    Eine Übersicht renommierter Master in Management-Studiengänge findest Du z.B. über das Masters in Management-Ranking der Financial Times. Top 3: St. Gallen, ESCP Europe, CEMS.

    Viel Erfolg bei der Suche und ein spannendes Studium!

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