was haltet ihr von Studentenverbindungen?

wienermelange 05.07.03 23:12

Mich würde Eure Meinung zum Thema Studentenverbindungen interessieren. Altmodisch und nicht mehr zeitgemäß oder hilfreicher Karrierebooster?
Mehrere meiner Bekannten sind in letzter Zeit solchen Vereinigungen beigetreten - alle geben mehr oder weniger offen zu, daß sie weniger an den traditionellen Werten wie Religion/Heimat/etc interessiert sind als an den Beziehungen, die sich auftun. Ich weiß nicht, wie es in Deutschland ist, aber in Österreich noch immer ein starkes Argument.
Auch für Frauen, obwohl diese trotz Öffnung einiger Verbindungen nicht wirklich akzeptiert sind? Ich persönlich habe absolut kein Interesse, da mir diese Organisationen zu konservativ und zu wenig international sind - wie steht es mit euch?

  1. Anonym 05.07.03 23:42

    Ich halte da eher nicht so viel von. Ich denke aber, die Qualität der Verbindungen hängt stark vom Hochschulort ab.

    Wenn man sich von der Masse im Studium abgrenzen will, schlage ich produktivere Alternativen vor: Studenteninitiativen, Parteien, Engagement, Unternehmertum, eigene Band, usw.

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  2. MelesMeles 06.07.03 00:16

    Völlig richtig. Damit entfällt nämlich auch ein Argument, das zu Werbezwecken genutzt wird, dass man nämlich, um "einem anonymen Studium an einer Massenuni" zu entgehen, unbedingt bei der Verbindung XYZ eintreten müsse.

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  3. Suesse 06.07.03 14:47

    Die "Qualität" einer Verbindung hängt sicher nicht vom Hochschulort ab, Stefan. Die Struktur und die Prinzipien (Lebensbund, FreiheitEhreVaterland etc. pp.) sind überall mehr oder weniger gleich, nämlich reaktionär und (vermeintlich) elitär.

    Daran ändert sich auch dadurch nichts, dass einige Verbindungen mittlerweile so "tolerant" sind, dass sie nicht nur weiße deutsche Männer aufnehmen - in Zeiten schwindender Mitglieder tut's eben auch ein Schwuler, ex-Zivi oder Ausländer, wenn er reaktionär genug ist... Dass es auch gemischte Verbindungen oder sogar reine Frauenverbindungen gibt, ändert ebenso wenig.

    Im übrigen stimme ich euch zu: Das Gerede von "sich von der Masse abgrenzen", "echter Freundschaft" etc. ist eben nur Gerede und von Leuten, die ernsthaft immer noch der Meinung sind, Frauen seien nur schmückendes Beiwerk für Saufgelage, kann man sich gar nicht weit genug distanzieren.

    Die Frage ist m.E. nicht, wie/wo man sich am produktivsten von der Masse im Studium abgrenzen kann - einer Verbindung beizutreten ist eine klare (politische) Wertentscheidung für reaktionäre Strukturen und Riten plus in aller Regel deutschnationale Inhalte.

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  4. Anonym 11.07.03 21:06

    Liebe Tanja,

    da wir nun schon mehrmals unsere Meinungen ausgetauscht haben und ich Dich als eine sehr engagierte aber auch faire Diskussionspartner kennegelernt habe, hoffe ich Du verzeihst mir folgenden Auspruch: Deine Meinung ist flach und voreingenommen, ohne auch nur den geringsten Einblick in das Thema studentische Verbindungen, ihre jetzige Situation oder gar ihre Geschichte zu haben.

    Die "Qualität", nämlich das was man von einer Verbindung erwartet, hängt nicht nur vom Hochschulort, sondern auch von der Einordnung in verschiedene "Gruppierungen" (Arten und Verbände), sowie nicht zuletzt auch von der vor Ort gewachsenen Struktur ab.

    Um ehrlich zu sein, fehlt mir einfach die Lust auf Deine Rundumschläge detailiert einzugehen. Genaugenommen halte ich bei dieser Masse an Vorurteilen eine Diskussion in einem Forum für unangebracht. Deine Vorlage sachlich zu beantworten fällt unsagbar schwer, nicht zuletzt, weil Du mich damit und zumindest einen kleinen Teil meiner Weltanschauung beleidigst.

    Ich Frage mich beispielsweise, ob Du aufgrund unserer Diskussionen in der Vergangenheit tatsächlich den Eindruck gewonnen hast, daß ich Frauen lediglich als "schmückendes Beiwerk für Saufgelange" betrachte? Wenn ja, bedaure ich es sehr.

    Ebenso habe ich zu keinem Zeitpunkt meines Lebens eine "klare (politische) Wertentscheidung für reaktionäre Strukturen" getroffen. Ich könnte es wohl kaum mit meinen Idealen vereinbaren und müsste mich zwischen Jungsozialisten und Verbindungen entscheiden.

    Vielleicht eine kleine Anektode zu den vielen Meinungsmachern, die einem großen Teil der Verbindungen zu Unrecht Knüppel zwischen die Beine wirft, manchmal sogar in Wortsinn.

    Wir hatten vor einigen Semestern das Glück, daß uns einige bekannte Persönlichkeiten einen Diskussionsabend zugesagt haben. Das waren u.a. Gabi Zimmer (PDS), Jörg Schönbohm (CDU) und Prof. Nolte (der vom "Historikerstreit").
    Gabi Zimmer hat leider sehr kurzfristig abgesagt, Jörg Schönbohm musste sich einige extrem unangenehme Fragen gefallen lassen, aber die spannenste Diskussion war wohl die mit Prof. Nolte. Wer sich mit Geschichte näher befasst, weiß wie umstritten Nolte ist. Er hatte uns vorher gebeten nicht allzuviel Werbung zu machen, da er ein wenig Angst vor übergriffen hatte. Zur Sicherheit haben wir also einen Studenten vor die Tür gestellt, der zumindest rechtzeitig Steinwürfe oder (nicht friedfertige) Aufmärsche erkennen kann, um im Zweifel die Polizei um Hilfe zu bitten. Ich finde es mehr als bedenklich, daß man solche Maßnahmen ergreifen muß.

    Am Abend ist es ruhig gewesen, die Diskussion war extrem "hart", Nolte musste sich viele (fundierte) Gegenreden anhören. In einem kleinen Kreis (30-50 Personen) ist es wesentlich schwerer Fragen auszuweichen, ich denke das hat er gemerkt.

    Am Abend ist dann dreimal ein alter Opel an unserem Haus im Schritttempo vorbeigefahren, mit zwei -nennen wir sie mal konspirativen- Personen darin, die Fotos vom Haus gemacht haben. Einige Tage später konnten wir dann in einer der Universitätszeitschriften einen Artikel lesen, der zwar in Teilen einige nachdenkenswerte Kritiken (insbesondere über unsere "Entstehung" erhiehlt, aber zu einem Großteil aus schlicht sachlich falschen Behauptungen bestand und unsere Veranstaltung als Lobeshymne an Nolte hervorhob. Es wäre für die Redakteure ein leichtes gewesen, ihren Opel auf unseren Parkplatz zu stellen und einfach reinzukommen und mitzudiskutieren (oder die Veranstaltung zumindest zu beobachten), statt wie kleine Idioten geheimnissvoll vorbeizufahren. Auch die gröbsten Fehler im Artikel hätten vor Ort geklärt werden können, etwa indem wir unsere Quellen zu Verfügung stellen.

    Wir haben lange überlegt wie wir in Zukunft auf solche Artikel reagieren. Wir sind zu dem Schluß gekommen, daß wir nichts machen. Wir erwarten nicht, daß sich bei diesen Menschen durch ein sachliches Gespräch etwas ändern läßt und andere Mittel ("Gegenangriff", rechtliche Schritte) stehen für uns nicht zur Disposition. Wir sind dieser Willkür, resp. dem Meinungstotalitarismus einiger selbsternannter Studentenvertreter schutzlos ausgeliefert.

    Vor einigen Monaten ist im übrigen vor dem Haus einer anderen Berliner Verbindung ein Brandsatz GEZündet worden. Auch wenn ich persönlich große Probleme mit dieser Verbindung habe und wir aufgrund diverser Meinungsverschiedenheiten im Moment keinen Kontakt unterhalten, Frage ich mich, ob dies tatsächlich der richtige Weg ist.

    Wir sind eine demokratische Organisation. Wenn ich auch nur den Eindruck bekäme, daß dem nicht so wäre, würde der Lebensbund von mir sofort gebrochen. Ich erwarte von den (von uns im allgemeinen gern gesehenen) Kritikern das gleiche Verständnis und eine fundierte Beschäftigung mit uns, bevor man uns verurteilt.

    Viele Grüße,
    Markus

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  5. Anonym 11.07.03 20:28

    Ich halte Deine Ansicht für ein wenig "einfach". Ob der Eintritt in eine Partei oder die Gründung einer eigenen Band die eigene Entwicklung tatsächlich mehr födert als eine Verbindung halte ich für fraglich. Das mag im Einzelfall zutreffen, aber nicht der Grundsatz sein.

    In Parteien lernst Du nur selten Menschen mit anderen Meinungen auch tatsächlich zuzuhören und sie ernst zu nehmen. Gerade die Vielfalt der politischen Meinungen in meiner Verbindung (VDSt Berlin&Charlottenburg), sowie das große Spektrum an verschiedenen dort vertretenen Studiengängen hat mich von den Vorteilen überzeugt.

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  6. MelesMeles 06.07.03 00:14

    Zu dem Thema kann ich aus eigener leidvoller Erfahrung berichten...
    Ich war 3 Monate als Späh-Fuchs bei einer farbentragenden und schlagenden Verbindung in Heidelberg. Folgende Punkte sind meiner Meinung nach zu beachten: Zu Thema Beziehungen kann ich nur sagen, dass die Vorstellung man könne sich über die Mitgliedschaft "Beziehungen" verschaffen, endgültig der Vergangenheit angehört. In keiner Verbindung sind so viele Top-Shots, dass es sich lohnen würde, deswegen beizutreten. Außerdem lassen die alten Herren auch nicht einfach so ihre Beziehungen spielen. Letztlich können auch sie es sich nicht leisten, irgendjemandem einen Gefallen zu tun, nur weil derjenige ein Bundesbruder ist und sonst nicht viel zu bieten hat. Dies ist nämlich überwiegend der Fall. Die Kientel, die von Verbindungen heutzutage angezogen wird, ist zumeist diejenige, die sich auf diese Art von "Karriere" verläßt. Nach meinen eigenen Erfahrungen und Nahcforschungen sind in den Verbindungen eher unterdurchscnittliche Studenten zu finden. Was auch nicht weiter verwundern darf, da "corporierte Kommelitonen dem Alkohol sehr zugetan sind und eher selten in der Vorlesung zu sehen sind. Manche von denen hab' ich ungelogen einmal gesehen und dann nur noch bei den Klausuren. Zur politischen Einstellung... hier hat sich das Bild doch sehr zum positiven gewandelt. Die meisten nehmen Ausländer auf. Auch Konfession und Bund oder Zivi spielen mittlerweile (mit Ausnahme der Corps und Burschenschaften) zunehmend keine Rolle mehr. Der sonstige Habitus ist wie oben von dir erwähnt sehr konservativ bis deutschnational. Das kann schon mal dazu führen, dass sich eine Bursche dazu versteigt zu behaupten, dass Klaus Wowereit nicht für ein öffentliches Amt geeignet ist, weil er schwul ist. Eventuelle Fragen können hier gestellt werden.

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  7. zottelthebest 07.07.03 10:41

    Da muss ich meles zustimmen, ein paar Kumpels von mir sind auch in einer Studentenverbindung. Auf was für Leute man dort manchmal trifft ist eine echte Überraschung, viele von denen bekommen Ihr Studium etc gar nicht richtig auf die Reihe, es ist interessant zu beobachten, wie vereinzelt die Leute in der Verbindung aufgehen. Ja auch das Fechten, um dass man meist nicht herumkommt gehört zur Verbindung, denn wenn man mal an eine Verbindung gerät, die vielleicht einige Beziehungen haben, muss man durch die Fechtpartien zeigen, dass man hinter der ganzen Sache steht. Wem es gefällt der solles machen, aber Verbindungsangehörende Studenten haben später selten höhere Posten, als der Rest, nur wegen der Beziehungen. Ausnahmen gibt es wohl, sieht man sich einmal in der Führung des von Siemens um, dort gibt es wohl Leute, die einen dicken Schmiss auf der Backe haben sollen... Doch diese sind aus der Zeit, wo anscheinend wirklich noch Beziehungen über Verbindungen geknüpft werden konnten.

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  8. Anonym 11.07.03 21:13

    Du solltest Deine Ansichten nicht allzusehr verallgemeinern. Schlagend (Pflicht oder Fakultativ) ist nur ein (nicht übermäßiger großer) Teil der Verbindungen.

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  9. Anonym 11.07.03 21:11

    Bevor ich in eine schlagende Verbindung eintrete, hätte ich mir vermutlich eher den Daumen abgeschnitten.

    Im übrigen war die Frage allgemeiner gehalten. Du solltest also Erwähnen, daß Du nur einen sehr kleinen Einblick (Corps, Burschenschaften) hast.

    Viele Grüße,
    Markus

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  10. Anonym 11.07.03 20:24

    Du sprichst ein sehr umfangreiches Thema an, daß sich nicht so einfach umreissen läßt.

    Prinizipiell bin ich der Meinung, daß die Frage nach der Karriere kein alleiniges Entscheidungskriterium für einen Beitritt in eine Verbindung sein sollte. Damit wirst Du auf die Nase fallen und enttäuscht werden.

    Die oft unterstellten "Seilschaften" sind selten existent. Natürlich werden sich alte Herren Mühe geben, Dir bei der Jobsuche zu helfen. Sie werden Dich allerdings kaum in Dein Unternehmen aufnehmen, wenn Du die erforderlichen Qualitäten nicht mitbringst. Allerdings sehen es viele Verbindungen als Ihre Aufgabe an, Dich während des Studiums und Deiner Zeit als Aktive/Aktiver auf Dein späteres Leben vorzubereiten und Wissen zu teilen.

    Hinzu kommt die Unterstützung durch günstigen Wohnraum.

    Da sich die Verbindungen sehr stark unterscheiden (auch wenn diese Differenzierung von den Gegnern selten nachvollzogen wird), kann Dir jedoch selten ein Unbefangener einen wirklich objektiven Tipp geben. Sinnvoll ist es, sich die Grundsätze der verschiedenen Verbindungen anzuschauen und dann vor Ort einen Überblick bekommen. In der Regel sind alle Veranstaltungen frei zugänglich, Ausnahmen bilden die Convente (die basisdemokratische Entscheidungsebene) und in reinen Männerbünden sind auch die Kneipen für Damen nicht zugänglich, letztere Verbindungen brauchst Du Dir dann allerdings ohnehin nicht anzuschauen.

    Meine Erfahrungen mit der Wiener "Szene" waren für mich etwas zweischneidig. Ich habe dort tolle Menschen kennenlernen dürfen, hatte aber den Eindruck, daß der "Gegenwind" dort noch stärker ist und als Konsequenz daraus auch die Verbindungen weniger liberal sind als in Deutschland. Das mag täuschen, da ich nur einen kleinen Einblick gewinnen konnte.

    Informationen rund um das Verbindungswesen findest Du im übrigen unter http://www.cousin.de/cousin/.

    Viele Grüße,
    Markus

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