Life-Science

Anonym 02.03.01 17:02

Ich bitte um Einschätzungen zur aktuellen Situation auf dem Lifescience-Markt. Die Branche befindet sich im Umbruch, die europäischen Dickschiffe sind in Bewegung geraten. Werden Aventis, Bayer etc. den amerikanischen Konzernen Paroli bieten
können, oder ist der Zug bereits abgefahren?
Bietet sich durch den Boom der Biotechnologiebranche in Deutschland eine letzte Chance für die GroßUnternehmen, die
von der Innovationskraft der jungen Unternehmen profitiren
können?

  1. oro... 07.03.01 12:21

    Ich glaube, dass sich im Lifescience-Markt noch viel ändern wird. Allerdings müssten sich die politischen Institutionen in Deutschland, vor allem aber auf einer globalen Ebene im klaren darüber werden, was ethisch ist und was nicht. Die Festlegung solcher Normen und Richtlinien ist ein langanhaltender, dynamischer und sich stetig verändernder Prozess. Aber am Ende werden es dann nicht nur die Firmen überleben, die das beste Know-how und Kapital besitzen, sondern diejenigen Firmen, die in der Lage sind, die öffentliche Meinung für sich zu "manipulieren".
    Bezüglich der Frage, ob es eher junge Unternehmen oder alteingesessene Firmen sein werden, kann man noch nicht genug sagen. Sicherlich besteht in Deutschland, aber auch in anderen Ländern derr Hang dazu eher grosse grosse Unternehmen zu begünstigen- sei es legal oder steuerlich.
    Ich hoffe, dass wir in Zukunft Newcomer erleben werden, die den Bayers und Aventis das Fürchten lehren werden. Dies kann aber nur über die erfolgreiche und zügige Umsetzung von Innovationen erfolgen. Gerade im Biotech-Bereich sind mehrjährige Prüfungsverfahren keine Seltenheit, was ein Problem für den unternehmerischen Erfolg darstellen könnte....

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  2. Anonym 07.03.01 16:54

    Was den letzten Teil deines Beitrages angeht: Schön wärs, das wäre auch für mein Depot gut, wenn ich auch nur ein junges Unternehmen kennen würde, das es mit den großen Konzernen
    aufnehmen könnte...aber ich sehe im Bereich Newcomer Schwarz. Life-Science, das ist ein Bereich, in dem man sich nicht
    allzusejr spezialisieren kann, es geht um alle Aspekte des menschlichen Lebens. Die Sache ist zudem sehr kapital- und Knowhow-intensiv, ein Newcomer müsste schon einige Milliardchen zur verfügung haben. Abgesehen davon sind viele
    potentielle Kandidaten schon joint-ventures mit den Großen eingegangen. Der Wettbewerb wird sich zwischen den schweizerischen, französisch/deutschen, britischen ehemaligen Chemiefirmen abspielen.(Bemerkenswert: BASF macht da nicht mit und setzt darauf, seine alten stärken auszuspielen. Das Unternehmen ist in den letzten zehn Jahren zum größten Chemiekonzern geworden!) Der alte Chemiemarkt wird von den deutschen Firmen dominiert werden, mit Bayer, BASF und Degussa sind drei starke Wettbewerber im Rennen, flankiert von einer Anzahl Unternehmen aus der zweiten Garde, deren Dichte und Wettbewerbsfähigkeit in der Welt beispiellos ist.

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  3. oro... 07.03.01 18:11

    Hallo,
    du hast recht, wenn du feststellst, dass die "Chemieriesen" sich an neuen innovativen Firmen beteiligen bzw. mit ihnen kooperieren, um an die Inventionen im Bereich der Biotechnologie zu partizipieren.
    Allerdings können auch die eingesessenen Unternehmen nur weiter in der ersten und zweiten Reihe mitspielen, da sie auch ihre Organisations- und Entscheidungsstrukturen flexibler gemacht haben. Dazu wird dann auch gehören, dass es buy outs, Ausgründungen, Teilprivatisierungen geben wird, um die benötigten Investitionen finanzieren zu können. Soviel zum Thema milliardenschwere Investitionen. Dennoch wollte ich mit meinem ersten Beitrag dazu beitragen, dass es zuerst notwendig ist die gesellschaftspolitischen und ethischen Richtlinien zu klären. Die Frage, woher dann das Unternehmen kommt, sprich seine geographische Herkunft, wird meines Erachtens immer unwichtiger werden. Natürlich werden sich Headquarters nicht so schnell verändern und Bayers Entscheidungen von Leverkusen aus gefällt, aber denkt doch mal weiter.
    Werden die Bedingungen für die Biotechnologie in Deutschland nicht verbessert und finden Ausgründungen bzw. neue Zusammenschlüsse statt, dann ist es sogar den traditionellen Chemieriesen egal, wo Life Science dann in die Tat umgesetzt wird. Fakt ist, dass der Kunde diese neuen Produkte kennenlernt und auch zu seiner "Bedürfnisbefriedigung" besitzen möchte, muss, kann....
    Ich würde mal von euch gerne wissen, was ihr unter ethischen Standards versteht und wie diese dann (an Beispielen) unternehmerisch umgesetzt werden können.....

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  4. Anonym 08.03.01 17:15

    Ich sehe in den letzten Jahren eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Biotechnologie, auch das Image hat sich GEändert. In Europa ist die deutsche Biotech-Branche die bei weitem dynamischste. Wer Material zu diesem Thema haben möchte, kann mir eine Mail schreiben, in meiner Eigenschaft als Redakteur eines Ezines mußte ich mich mit der Thematik ausgiebigst beschäftigen...
    In die Debatte über ethische Standarts werde ich mich am Wochenende einklinken, wenn ich mir ein paar Gedanken gemacht habe.
    André

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  5. cpo... 07.03.01 16:56

    Ich kann mich der Meinung meines Vorredners nur anschließen. Jedoch glaube ich, daß kleinere Firmen bis auf wenige Ausnahmen nur einge wirkliche Chance haben, sich am Markt zu behaupten, wenn sie in Kooperation mit den großen agieren. Aufgrund der immer größer werdenden Transparenz werden Informationen immer schneller in Umlauf gebracht und somit schwinden Wissensvorsprünge. Heute kann man im Biotech-Sektor ähnliche Zusammenarbeit schon erkennen; mit Vorteilen für beide Partner.

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  6. Anonym 13.04.01 18:17

    Ich setze das hier einfach mal unten dran, weil es mir oben zu eng wird...
    Ich habe vor einer Woche in der "Zeit" einige sehr interessante Dinge über den weltweit größten Pharmakonzern (die Rede ist von Pfizer) gelesen. Die Firma hat neue Wirkstoffkandidaten getestet - nicht etwa in vernünftig ausgestatteten Kliniken in Amerika oder Europa sondern in Nigeria. Bei den Testreihen starben im Durchschnitt 6% der Testpersonen, in der Hauptsache Kinder unter 10 Jahren. Die Tests wurden von der Washington Post aufgedeckt, ein Sprecher von Pfizer
    bezeichnete sie als rechtlich einwandfrei, vom ethischen Standpunkt aus vertretbar(!) und die Todesrate bekam das Prädikat erfreulich gering.
    Nur zur Kenntnisnahme.

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  7. Anonym 14.04.01 20:34

    Das ist natürlich ein Skandal.

    Ich hatte vor kurzem die Möglichkeit in Japan von einem Start-up eines Professors des Tokyo Institutes of Technology zu hören, der als nächsten Boom-Bereich (nach Biotech an sich), den Bereich der Proteonomics sieht.

    Ich bin selber kein Biologe oder Chemiker, mir wurde das so erklärt, dass hiermit die extrem kostspieligen Testverfahren für neue Medikamente deutlich beschleunigt werden können. Kennt sich da jemand besser aus als ich?

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  8. Anonym 19.04.01 19:41

    proteonomics: Im Grunde genommen handelt es sich um einen
    Teilbereich der Biotechnologie, der sich auf die Arbeit mit Proteinen beschränkt, wohingegen zentraler Aspekt der klassischen Biotechnologie immer Veränderungen im Erbgut,
    in der DNA waren. (Man denke nur an die Insulinproduktion durch genetisch veränderte Bakterien) Die beschleunigten Testverfahren sind einfach zu erklären: Man kann die Proteine
    in ihren verschiedenen Spielarten großtechnisch herstellen und die Medikamente in vitro (im Reagenzglas) testen. Noch weitergehend: man könnte die Tests am Computer simulieren.
    Die Euphorie des Professors ist verständlich, schließlich resultieren die Wirkungen und Nebenwirkungen der Medikamente aus Wechselwirkungen mit Proteinen.
    Das alles hört sich in der Theorie toll an, wäre auch schön, wenn die "Ein Gen-Ein Protein Hypothese" zutreffen würde. Leider durchlaufen die wichtigsten menschlichen Proteine
    einen äußerst komplexen Reifungsprozess, der sich schwer nachvollziehen läßt. Echte Impulse in der kommerziellen Biotech durch proteonomics erwarte ich nicht vor 10 bis 15 Jahren.
    An den klassichen Testmethoden führt vorerst kein Weg vorbei.
    Zudem werden start-ups auf diesem Gebiet kaum eine Chance haben, es handelt sich (in ferner Zukunft) um den Schlüsselmarkt der life-science-Branche, und die Konzerne wissen das auch.
    P.S. Um die Nebenwirkungen eines Medikaments zu testen, müßte man ein komplettes System simulieren, das alle menschlichen Proteine berücksichtigt. Ein Ding der Unmöglichkeit in unserem Jahrhundert.

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