Austritt aus der Kirche

Exilim 20.12.06 18:11

Hallo zusammen,

ich fange jetzt dann zum Arbeiten an und überlege aus verschiedenen Gründen aus der Kirche auszutreten. Kann das später zu Poblemen führen bei Hochzeit, Taufe der Kinder oder Beerdigung? Wäre für jeden Rat oder eure Erfahrungen dankbar. Bitte nur ernstgemeinte Antworten.

Danke, Exilim

  1. Anonym 20.12.06 19:03

    Darf ich Dich Fragen, welche Gründe Dich zu einem möglichen Austritt aus der Kirche bewegen?
    Und - warum machst Du Dir wenn Du mit der Kirche abschließen möchtest Gedanken um Konsequenzen bzw. Problemen bei Hochzeit, Taufe der Kinder oder Beerdigung?

    Es gibt ja potentiell zwei Gründe, warum Du Dich für einen Austritt interessieren könntest:
    1. Du glaubst nicht an die Botschaft der Kirche und die christliche Glaubenslehre. Dann kann es Dir also auch egal sein, wie die Konsequenzen sind. Denn dann dürftest Du auch kein Interesse an einer kirchlichen Hochzeit, Taufe oder Beerdigung haben. Oder etwa nicht? Oder möchtest Du aufgrund "der besonders feierlichen Atmosphäre" kirchlich heiraten? Das wäre Total heuchlerisch und daneben.

    2. Du möchtest Dir einfach nur die Kirchensteuer sparen. Und dann wenn Du eine "Dienstleistung der Kirche" in Anspruch nehmen möchtest schnell wieder eintreten. Das ist natürlich besonders schäbig.

    In Summe: Wenn Dein Entschluss, aus der Kirche auszutreten, gereift ist, warum dann noch die Gedanken um mögliche Probleme?

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  2. Anonym 20.12.06 23:49

    Namd.

    a) Kann meinem Vorredner zustimmen.

    b) Trotzdem noch konkrete Erfahrungen: Hochzeit -- geht wohl nicht mehr kirchlich http://kirchen-abc.de/abc.nordelbien/abc.Fragen/abc.345/nordelbien.html . Taufe: denk' auch nicht, zumindest kann man dann nicht Pate werden. Beerdigung (..du denkst ganz schoen weit voraus..) -- weiss nicht genau, aber man wird wohl nicht irgendwo verscharrt werden. Ich empfehle aber noch http://kirchen-abc.de/abc.nordelbien/abc.Fragen/abc.38/nordelbien.html
    -- je nach deinen Gruenden..

    c) was heisst eigentlich 'aus VERSCHIEDENEN Gründen'?

    gruss

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  3. Anonym 21.12.06 06:19

    Eine interessante Frage. Ich bin mir sicher, dass viele Berufsanfänger ganz ähnlich denken: Man glaubt nicht an Gott und Kirche, hängt aber an den festlichen und gesellschaftlich etablierten Ritualen (Weihnachten, Hochzeit, Beerdigung usw) - möchte aber nicht jedes Jahr tausende von Euro dafür bezahlen. Kann ich gut nachvollziehen.

    Ich finde das auch nicht heuchlerisch - die (vermutliche) Mehrheit der kirchensteuerzahlenden Christen, die maximal einmal im Jahr (in drei Tagen z.B.) in die Kirche gehen, sind ja auch keine Heuchler.

    Ein paar Argumente für die Diskussion:
    - Kirchensteuer: Macht finenziell übers Jahr gesehen schon einiges aus. Ich sehe nicht ein, warum man nicht kirchliche Leistungen in Anspruch nehmen kann und verbrauchsgerecht bezahlen/spenden kann - ohne gleich aus der Kirche austreten zu müssen. Ich wäre bereit (und nagelt mich nicht auf die Beträge fest) z.B. 100€ für Weihnachten, ein paar tausend € für Hochzeit und reichlich Geld für andere Leistungen zu zahlen, wenn ich sie in Anspruch nehme. Ich finde es nicht effizient (auch nicht für die Kirche selber), dass man pauschal den riesigen Verwaltungsapparat, Immobilien (ja, Kirchen) in Premiumlagen und andere Einrichtungen bezahlen muss.
    - Kirchliche Dienstleistungen: Die Kirche und die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter tuen unbestritten viel gutes. Allerdings machen dies auch hunderte kleine unkirchliche Organisationen, die ich gerne statt über eine an mein Einkommen gekoppelte Kirchensteuer, direkt (und somit effizienter) untestützen könnte - ohne gleich ins Fegefeuer zu kommen. Ausserdem hat die Kirche auch schon viel gutes für die meisten von uns getan (Kindergarten, Krankenhäuser usw.) - allerdings auch Dienstleistungen, die ohne kirchlichen Bezug genauso, wenn nicht besser erbracht werden können.

    Warum werde ich aus der Religionsgemeinschaft gestossen, wenn ich keine Kirchensteuer zahlen möchte? In anderen Ländern funktioniert das kirchliche System auch über Spenden usw. Warum bin ich heuchlerisch, wenn ich von festlichen Anlässen, die in unserer Gesellschaft verankert sind, verstoßen werde - nur weil ich lieber an UNICEF statt an die Kirche "spenden" möchte?

    ...nur ein paar (diskutierbare) Anregungen. Ich sitze in drei Tagen in der Kirche, wie jedes Jahr - und werde weiter drüber nachdenken.

    Frohe Weihnachten!

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  4. Exilim 21.12.06 10:35

    Stefan hat es exakt auf den Punkt gebracht. Ich sehe auch nicht ein, warum ich jedes Jahr einen Batzen Geld an Kirchensteuer zahlen sollte, wenn ich diese Einrichtung nicht nutze. Zudem muss auch mal gesagt werden, dass 60-70% der Kirchensteuer für Personal und Immobilien verwendet werden. Man muss sich nur mal die Gehälter eines Pfarrers mit all seinen Vergünstigungen anschauen...

    Auch wenn ich nicht gläubisch bin und aus der Kirche daher austreten will, möchte ich aber nicht die festlichen und gesellschaftlich etablierten Rituale (Weihnachten, Hochzeit, Beerdigung usw) verlieren. Deshalb auch die Frage, ob man nach einem Austritt wieder eintreten kann für Heirat & Co. oder wie das dann laufen würde? Ich möchte ja auch meiner zukünftigen das nicht verwehren, v.a. denke ich auch an meine zukünftigen Kinder mit Taufe, Kindergarten etc. Bin für jede Erfahrung dankbar.

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  5. feb... 21.12.06 11:40

    ich möchte nur eine kurze (grundsätzliche) Anmerkung machen: ich glaube durchaus, dass man gläubig sein kann und trotzdem einen kritischen Geist gegenüber der Kirche behalten kann -

    d.h. man kann durchaus hinterfragen wie gewisse dinge von der kirche (wie z.b. ihre finanzierung) gehandhabt werden, ohne dadurch heuchlerisch zu wirken/ sein wenn man (trotzdem) in die kriche geht.

    ich glaube gerade die haltung, die ich so ein bisschen aus dem zweiten beitrag heruasgelesen habe - vermutlich zu unrecht - dass man entweder das ganze paket akzeptiert oder eben gar nix... ist falsch und tendentiell nicht ungefährlich.

    ich freue mich über eine etwas andere diskussion an dieser stelle (und warte gespannt darauf, dass jemand es schafft doch noch den bogen zu gs, jpm, ml, ms, mck, BCG, rb, pipapox, plimplampom zu spannen...)

    philipp

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  6. missin79 21.12.06 12:37

    Hallo Exilim
    ich habe genau dasselbe durchgemacht wie Du:) . Ich hatte ähnliche Gedachten zu Hochzeit, Taufe etc. und später...Laut meinen Recherchen ist es sehr wohl möglich, später der Kirche beizutreten. Man muß sich mit dem Pfarrer einigen können. Die meisten Kirchen seien froh (laut dem Ordnungsamt) über wieder heimkehrende Kirchenzahler. Kurz gesagt: ich hatte zwar kurz ein schlechtes Gewissen, bin dennoch vor 1 Monat ausgetreten. Ich werde stattdessen monatlich einen kleinen Betrag an eine Organisation spenden, bei der weiß, wo das Geld landet.
    Viele Grüße
    missin

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  7. Exilim 21.12.06 13:53

    Hallo Missin,

    vielen Dank für deinen Beitrag. Es freut mich, dass ich nicht alleine dastehe mit meiner Meinung. Was heisst denn genau "man muss sich mit dem Pfarrer einigen können". Gesetzt dem Fall, ich trete jetzt aus der Kirche aus und möchte z.B. nach 5 Jahren heiraten. Kann ich dann ein halbes Jahr vorher wieder in die Kirche eintreten und nach der Hochzeit wieder austreten oder schiebt die Kirche da einen Riegel vor.

    Ich glaube auch an etwas, nur eben nicht an die Kirche. Deshalb bin ich ja kein schlechterer Mensch als ein Gläubiger. Daher sehe ich das mit der Kirchensteuer auch nicht ein, Private Spenden kann ich gezielter umsetzen. Aber die Gesellschaft bzw. Verwandtschaft erwartet eben diese gesellschaftlichen Rituale.

    Gruß Exilim

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  8. Anonym 21.12.06 14:52

    Na, das ist ja ne klasse Einstellung - nur für den Zeitpunkt der Hochzeit eintreten.... das ist genau so ein Schmarotzertum, wie es gerade manchen Arbeitslosen vorgeworfen wird :-(

    Wenn man nicht gläubig ist, aber dennoch "Leistungen" der Kirche in Anspruch nehmen will (Gottesdienst zu Weihnachten, Hochzeit, Kindergarten usw.), sollte man sich diese Annehmlichkeiten auch nicht von der "Allgemeinheit" finanzieren lassen sondern selber in den sauren Apfel beissen und auf den Kirchenaustritt verzichten. Um die Annehmlichkeiten und Leistungen zu ermöglichen, müssen eben Gebäude und Angestellte übers ganze Jahr finanziert werden, da reichen 5 Euro für den weihnachtlichen Gottesdienstbesuch eben nicht aus. Sonst sollte man wirklich besser eine Schützenhalle oder sonstwas mieten und da nen Gastredner rumturnen lassen - gerade die z.T. besondere Lage und (pflegebedürftigere = teure) ältere Bausubstanz der Kirchen machen doch die besondere Atmosphäre etwa zu Weihnachten aus.

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  9. wis... 21.12.06 14:28

    + meines wissens ist regelmäßiges spenden ('zehnter') in der bibel festgeschrieben, also unabhängig von der kirche als menschengeschaffene und damit irrtumsanfällige institution. für einen regelbefolgenden gläubigen fällt also so oder so ein montlicher beitrag an. egal ob an kirche oder andere organisation. dh. die kirchensteuer als austrittsgrund fällt für einen bibelfesten& befolgenden gläubigen mal aus; kritik an der spendenallokation der kirche ist ja ein anderes thema, das man ja diskutieren könnte ohne gleich auszutreten.

    + nicht unabhängig von der kirche als Arbeitgeber von pfarrern ist die operative umsetzung der sakramente hochzeit, taufe usw. durch den austritt aus der kirche verzichtet man auf diese sakramente. finde ich die positionen der kirche bez. kritischer themen so unerträglich (kirchenbeitrag ist für einen gläubigen wie gesagt irrelevant),
    dass ich sogar auf die sakramente verzichte, oder bin ich sowieso nicht gläubig, dann tritt man eben aus. andernfalls nicht. aber das ist eine grundsatzentscheidung, die man dann nicht bei gesellschaftlichen druck umstossen sollte.

    + in die kirche kurzfristig wieder einzutreten, um den erwartungen seines umfeldes gerecht zu werden, finde ich aufgrund der oben angesprochenen grundsatzentscheidung erbärmlich. wenn auf rituale nicht verzichtet werden kann, kann man sich ja wie beim kindergeburtstag den clown bei der hochzeit irgendeinen festredner
    engagieren, der das umfeld dann zufrieden stellt. so gefestigt sollte man dann schon sein; zumindest wenn man ins top-ib/UB will (womit jetzt auch die
    oben angesprochene kurve gekratzt wäre).

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  10. Rubble_Maker 09.02.07 18:24

    Das Kirchensteuerrecht in Deutschland ist kritisierungswürdig, und im Vergleich zu anderen europäischen Ländern eine Ausnahme. In Belgien etwa leben die Pfarrer von freiwilligen Spenden. Hier in Deutschland ist die Regelung meines Wissens als Entschädigung für die massiven Enteignungen der Kirche während des Kulturkampfes entstanden. Wie dem auch sei: Das System ist fragwürdig realisiert.

    Ob ich nun austrete oder nicht, würde ich schlicht und ergreifend daran festmachen, ob ich mich der Kirche zugehörig fühle oder nicht. Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschliessen, dass es absolute Heuchelei ist, aus der Kirche austreten zu wollen aber gleichzeitig nicht z.B. auf die Sakramente verzichten zu wollen: Wenn man nicht an die christliche Botschaft glaubt, was jucken einen dann bitteschön irgendwelche Sakramente??? Genauso kann man in einem Restaurant nen schönen Partykeller mieten und ggf. noch nen Redner dazu.

    Das ekelerregende ist, dass erstaunlich viele Deutsche zwar von vorne bis hinten nur über die Kirche schimpfen, auch mit dem Glauben nix mehr am Hut haben, ihre Angebote (wie Ehe, Kindestaufe, Weihnachtsmesse usw.) dann aber doch wieder gerne annehmen wollen. In der Stadt wo ich als Student wohnte, bietet die Kirche abgesehen von kirchlichen Veranstaltungen wie Messen auch Wohnheime für Studenten, Weiterbildungsangebote (etwa Rethorikkurse für Studenten), karitative Einrichtungen, Kindergärten, Beratungen & Seelsorge, Jugendarbeit usw. - da ich selbst in den Genuss einiger dieser Angebote kam, käme ich mir heute ehrlich gesagt als Heuchler vor, wenn ich keine Kirchensteuer zahlte, auch wenn ich das System an sich nicht gut finde und lieber direkt für Dinge spenden würde, die ich sinnvoll finde.

    Also rational gesehen gibt es nur die Alternative: Austreten, dann aber bitte auch aus Überzeugung, und dann jucken einen auch der Verzicht auf Weihnachtsmesse, Ehesakrament, Kindestaufe, Firmung usw. nicht - oder aber, wenn man in den Genuss dieser Angebote kommen möchte weil man sich dem christlichen Glauben eben doch irgendwie zugehörig fühlt, gefälligst auch dafür zahlen.

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  11. sudden 11.03.07 01:02

    ich weiß zwar nicht, was die Kirche mit dem Glauben zu tun haben sollte aber ok.

    Dass die Kirche viele caritativen Einrichtungen hat ist schön und gut aber theoretisch könnte man diese auch über den Staat und Steuern finanzieren!

    So viel Scheisse wie die Kirche in den letzten 1000 Jahren gebaut hat müssten alle austreten, so dass der Verein endlich pleite geht.

    Sorry aber die Kirche ist für mich eine der größten Gauner dieser Welt! Und dass man "automatisch" Kirchensteuer zahlt ist die größte Scheisse die es gibt!

    Spart euch das Geld und gebt es für Urlaub, Auto, Bildung, Erziehung oder was weiß ich aus, spendet es meinetwegen aber eigtl. ist es überall besser angelegt als bei der Kirche.

    und das hat NICHTS mit dem Glauben zu tun. Warum sollte man in der Hölle landen nur weil man aus der Kirche ausgetreten ist? Beten kann man immer und überall! Dafür braucht man die Kirche nicht!

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  12. Che... 01.06.07 22:48


    Dass die Kirche viele caritativen
    Einrichtungen hat ist schön und gut
    aber theoretisch könnte man diese
    auch über den Staat und Steuern
    finanzieren!

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  13. Che... 01.06.07 22:51

    Wie schön, da logge ich mich nach
    Jahren wieder hier ein und weiss jetzt
    endlich wieder, was ich noch erledigen
    wollte ;-)

    PS: Ich geh schon seit Jahren zu
    Weihnachten oder sonstigen Anlässen
    nicht in die Kirche - und das obwohl ich
    dafür "bezahlt" habe.

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