Leben für den Beruf?

Ronin79 22.05.06 14:31

Hallo Leute,

ich möchte euch mal eine Sache Fragen, die mich schon ziemlich lange beschäftigt.

Wieviel muss ich für eine Karriere aufgeben? Ich hab mich mit Tonnen von Literatur versorgt und das Internet abgeerntet. Das Ergebnis war erschütternd (wenigstens für mich).

Partnerschaft ade, Familie ade, Freunde ade, Hobbys ade, und so weiter...

Besteht das Leben wirklich nur aus dem Beruf. Ich hab gelesen das manche Consulter bis zu 100 Stunden pro Woche aktiv sind. Mir ist nicht ganz klar, wofür...

Mich würde interessieren, ob ihr Erfahrungen oder Vorstellungen und Ideen zu diesem Thema habt. Danke.

  1. Anonym 22.05.06 14:53

    Hallo,

    es kommt immer darauf an was man selber für sich im Leben erreichen möchte.

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  2. feb... 22.05.06 19:05

    naja,

    halte es für einen interessanten aspekt, ob nicht in der Frage nach plan (familie etc.) und leben ein kleines problem steckt...

    kann mir nämlich vorstellen, dass es zweierleie dinge sind einen plan zu erfüllen und zu "leben"...

    bzw. andersrum, es nicht unbedingt ein widerspruch sein muss zu arbeiten und zu leben... (ausser der job ist nur die erfüllung eines plans...:-)))))))))

    nur so halt mal...

    philippo

    p.s.: ja, manchmal staune ich selbst...

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  3. Anonym 22.05.06 19:07

    Kann nur zustimmen. Consulting ist im Vergleich zu (Top)-Investmentbanking (M&A) uebrigens von den Arbeitszeiten noch sehr angenehm (man soll ja sogar meistens am WE frei haben und schon meistens um Mitternacht Feierabend machen...)
    Solche Jobs sind nicht nur eine Frage des Berufs sondern des Lifestyles. Der Adrinalinausstoss muss dir soviel zurueckgeben, dass du sagst, wow, das ist es.

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  4. autares 22.05.06 19:43

    Ich denke mal, jeder, der eine etwas höhere Position im Berufsleben anstrebt, steht irgendwann vor genau dieser Frage. Zunächst muss ich allerdings festhalten, dass man nicht pauschalieren sollte. Es gibt genug I-Banker und Consultants, die viel arbeiten und trotzdem Familie und Freunde haben.

    Jeder muss wohl für sich selbst herausfinden, was für ihn Priorität hat. Ich habe alles mitgemacht (Praktika in IB, UB, Asset Management und Trading). Mir war aber insgeheim von Anfang an klar, dass ich lieber 10h/Tag unter Strom stehe, dann aber am Abend abschalten kann und auch noch ein Wochenende habe. Das ist mir persönlich wesentlich lieber, als um 2300 auf die Uhr zu gucken und zu überlegen, ob man das Pitch noch fertig macht.

    Kann mich da nur der einen Meinung anschliessen: M&A etc. muss dir halt den Kick geben, dann schaffst du das auch mit der Familie/Freunde etc. Ich kenne den Kick selber, auch wenn ich nicht im M&A arbeite.

    Ehrlich gesagt kann und konnte ich die Leute noch nie verstehen, die 100h-Wochen super finden. Get a life! Das Leben ist viel zu kurz, um nur zu arbeiten!

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  5. qwaser 23.05.06 00:43

    Je nach Lebensphase halte ich es durchaus für realistisch, zeitweise auch mal für begrenzte Zeit 80-100h/Woche (halbwegs) effektiv zu arbeiten, ohne gleich den Sinn für die anderen schönen Seiten des Lebens aus den Augen zu verlieren. Fällt diese Phase allerdings mit Familiengründung oder ähnlichen Dingen zusammen, dann sehe ich da auch ernsthafte Interessenkonflikte, solange man noch nicht den hierarchischen Status erreicht hat, dass man etwas entspannter auf die Dinge blicken kann.
    Den Preis, den man dafür zahlt, muss jeder selbst beurteilen.

    Zwei Dinge hierzu, die ich in den letzten Wochen gehört habe:
    - "Ich kenne zwar viele Leute, die bei der Unternehmensberatung XYZ arbeiten, aber keinen davon privat."
    - "Ein ehemaliger Kommilitone hatte mit 31 einen Herzinfarkt."

    Jeder muss dies natürlich für sich selbst beurteilen, aber man sollte schon darauf achten, dass der finanzielle und vor allem perspektivische Gegenwert realistisch bleibt. Und je knapper die Freizeit wird, desto wertvoller wird sie. Irgendwann wird's unbezahlbar.

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  6. Ronin79 23.05.06 08:30

    Ich danke euch für eure Kommentare. Ich muss zugeben, dass ich mir sowas schon gedacht habe. Eine goldenen Mitte muss jeder für sich finden. Ich bin aber enttäuscht, dass es so viele Gründe gibt, kein "normales Leben" zu führen.

    Was macht man, wenn man in den letzen 2 Wochen keinen einzigen Tag frei hat und man keinen Freund mehr hat, weil sie auch so arbeiten oder seit Wochen auf ein Lebenszeichen von dir warten?

    Was hat mir das Geld gebracht? Bin ich gesund? Nein. Bin ich glücklich? Kann sein. Bin ich reich? Wahrscheinlich.

    Na, ich danke euch und hoffe auf weitere Kommentare.

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  7. MBA_05 23.05.06 10:57

    Eine aehnliche Frage, die mich schon seit langem beschaeftigt: auf diesem Forum scheint es von Studenten zu wimmeln, die unbedingt ins M&A oder in die Beratung moechten. Deshalb meine Frage:

    was macht diesen Berufszweig so attraktiv? Das Geld allein kann es nicht sein, die Arbeitszeiten sind beschissen-also was ist es?

    Waere sehr dankbar fuer Kommentare

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  8. qwaser 23.05.06 11:18

    Relativ schnelle Aufstiegsmöglichkeiten, ebenso abwechslungsreiche wie anspruchsvolle Tätigkeiten und vor allem gewinnt man einen sehr guten Einblick in verschiedene Unternehmen und Branchen. Gerade am Karriereanfang ist es ein sehr guter Katalysator, um anschließend aus dem Stress-Business in das ruhigere Konzern-Leben umzusteigen - eben ein paar Stufen weiter als dies bei direktem Start im Konzern üblicherweise möglich ist. Nicht zu verachten ist darüber hinaus das Netzwerk, das man sich bei den sehr stark von Diplomatie getriebenen Jobs aufbauen kann, das einem später wertvolle Dienste erweisen kann.

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  9. MBA_05 23.05.06 15:16

    verstehe. Vielen Dank

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  10. autares 24.05.06 07:02

    Naja, abwechslungsreiche und anspruchsvolle Aufgben trifft in den ersten 2-3 Jahren und nach 100erten von Pitches, die man nach Muster X in der Zeit erstellen muss wohl nicht zu, da gibt es wesentlich abwechslungsreichere Berufe. Was stimmt, ist sicherlich die Tatsache mit dem Netzwerk, da stimme ich zu.

    Dass man viel Geld verdient, stimmt in den ersten Jahren zumindest auch nicht und im Consulting häufig auch nach mehreren Jahren nicht. Wenn du nicht gerade bei den Top3 der Beratungen bist, dauert es meistens 6-8 Jahre, ehe nur "angemessenes" Geld verdienst und Partner bist. Ein 2nd-year analyst hat mir z.B. auf einem Workshop vorgerechnet, dass er 3€/h verdient. Auch in höheren Hierarchien gibt es nicht soviel Geld, wie es die Arbeitszeiten vermuten liessen. Da gibt es Jobs, in denen du sehr viel mehr Geld verdienen kannst und wesentlich, wesentlich weniger arbeiten musst. Der Unterschied, sorry aber so ist es nun einmal, ist, dass du sehr gut sein musst....

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  11. qwaser 25.05.06 13:56

    Das Aufgabenfeld ist glücklicherweise auch oft anders, jedenfalls bei UBs, zum Bereich M&A habe ich keinen Bezug. Auch der Verdienst und die Möglichkeiten, in interessante finanzielle Regionen zu kommen (für mich bereits deutlich unterhalb 7-stelliger Einkommen) sieht in den Unternehmen, die ich kenne, anders aus.
    Aber man kann sicher weder bei UBs oder im M&A mit 40h/Woche irgendeinen Preis gewinnen, noch sind die Stundenlöhne so rosig wie manche erwarten. Aber für 3€/h muss man sich schon verdammt dämlich anstellen :-)

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  12. Bri... 28.05.06 15:54

    Da siehst Du mal Ronin, Du stellst die Frage nach dem Leben und am Ende der Diskussion dreht sich doch alles wieder nur um Gehalt. Ich meine wesentlicher Diskussionsaspekt ist die Lebenserfahrung. Wer gerade im Berufsleben eingestiegen ist, denkt -glaube ich- noch nicht um Sinn und Unsinn einer 7-Tage Woche nach...anders dagegen wohl die Leute, die den ersten Kick des gestressten Alltags überstanden haben und bei Freunden und Bekannten auch die negativen Seiten des voll ausgelasteten Berufslebens erkannt haben! Ich jedenfalls weiss, dass meine letzten Gedanken sich nicht darum drehen werden, wie gerne ich doch noch einige Stunden länger gearbeitet hätte-sondern wohl eher wie gerne ich noch mehr Zeit mit Freunden, Familie etc. erlebt hätte!

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  13. Ronin79 05.06.06 18:43

    Ich danke dir für diesen Kommentar. Endlich jemand der sich ans Thema gehalten hat.

    Ich glaube, dass man sich frühzeitig um Fragen der "Work-Life Balance" (neudeutsch = Verhätnis von Privatleben und Job) kümmern muss. Ich kann ja auch nicht nach Jahren feststellen, dass Familie nicht alles ist und ich plötzlich eine Karriere haben wollen. Dann ist es zu spät. Umgekehrt ist es aber auch so. Nur nach Karriere streben und später die Beziehnung nachkommen lassen, hat auch seine Macken.

    Wo ist also das Verhältnis, welches Leben und Job voneinander trennt? Pauschal würde ich sagen, dass jeder individuell daran arbeiten muss. Aber es wird sicher ZUtaten geben, die man beachten muss. Welche sind das? Wie kann ich ein "gutes" Verhältnis finden? Wie es durchsetzen und wie meine Vorteile daraus ziehen?

    Aber dennoch danke ich euch herzlich für alle bisherigen Kommentare.

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  14. Ped... 06.04.07 22:54

    Ich möchte mich der Diskussion anschliessen...

    Klar kann die Arbeit Spass machen, Überstunden sind ja auch ok (solange Sie vergütet werden). Doch wie sehr kann ein Job einen den Kick geben, dass man auf seine Frau, seine Kinder etc. völlig verzichtet ? - Was gibt es schöneres Nachmittags mal mit seinem Sohn Fussballspielen zu gehen oder mit der Tochter in den Zoo ... hört sich vielleicht komisch an, aber genau das ist der Sinn des Lebens... die kontinuierliche Fortpflanzung :-).

    Es kann doch nicht sein das der Beruf alles ist, niemand wird auf Dauer glücklich wenn es nicht im Familienleben auch funktioniert. Daraus folgt das eine Balance zwischen beiden Faktoren gefunden werden muss. Es liegt natürlich an jedem selber wie diese aussieht.

    Der Tag hat bekanntlich nur 24 Stunden, es ist doch wohl echt schräg wenn man davon 14 Stunden arbeitet 8 schläft und 2 für opfert

    Man beachte auch die Fluktuationsraten bei den Anfangs so begehrten Unternehmen. Dies sind die besten Signale dafür das Arbeiten für viele doch nicht alles im Leben ist.

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  15. suesse82 20.09.07 17:57

    Aprospos Fluktuationsrate: Ich habe jetzt 2 Jahre UB hinter mir und es kotzt mich an alleine im Hotelzimmer zu sitzen, während ich ein schönes Einfamilienhaus besitze, welches ich nur am Wochenende sehe. Daher wechsel ich im Herbst den AG....
    Früher oder später merkt glaube ich fast jeder Consultant, dass Arbeit nicht alles ist und dass Freizeit am Sonntag (wenn überhaupt) nicht ausreicht...

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  16. cch... 05.05.08 19:03

    Bin jetzt fast 3 Jahre in der Beratung und muss immer noch Leuten erklären warum ich mich nicht freue mit dem Flieger dauernd in Europa herumzufliegen ;-)

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