Bayer AG

squ... 04.07.01 17:29

Der deutsche Pharmariese - zu klein für die immensen Entwicklungs- und Marketingkosten im Weltmarkt?

  1. oro... 04.07.01 21:37

    ich glaube, dass die Frage nicht so ganz richtig gestellt ist. ich denke nämlich nicht, dass es an F&E- bzw. Marketingkosten liegt im Weltmarkt zu bestehen, sondern an den produkten. ein trend, der sich vor allem in der pharma industrie mehr und mehr durchsetzt, ist die forschung in die agrochemie sowie genforschung. als noch-deutsches Unternehmen hat Bayer da klar einen wettbewerbsnachteil, da ein grossteil des umsatzes nicht in diesen zukunftsträchtigen feldern generiert wird. dennoch steht der pharmariese nicht untätig rum und hat z.b. durch seine beteiligung an lion technologies einen richtigen schritt getan. natürlich sind solche investments nicht so spektakulär und werden deswegen von den analysten nicht so belohnt. daher rührt auch die vage aussage, dass Bayer zu klein sei. dies wird sich ändern, sobald der derzeitige vorstand mal komplett ausgewechselt ist. dennoch glaube ich, dass Bayer auch in zukunft gute chancen auf weiteres unternehmenswachstum besitzt, auch wenn es ein beamtenladen par excellence ist.....

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  2. Hen... 09.07.01 16:13

    Na ja, gute Produkte braucht man schon, um zu bestehen, aber die Entwicklung dieser Produkte kostet viel Geld und dauert im Vergleich sehr lange. Um das durchzuhalten braucht man grössensordnungsmässig mind. mehrere 100 Mio. DM, wenn nicht mehr. Dazu kommt noch, dass die Markteinführung nicht mehr nach und nach sondern zeitgleich in vielen Ländern stattfindet.
    Um so etwas zu finanzieren, braucht man den entsprechenden cash-flow und dafür den entsprechenden Umsatz. Also doch Grösse = entscheidend? So ist jedenfalls die übliche Standardargumentation.

    Agrochemie ist eher Rückzugsgebiet der internationalen Pharmakonzerne, aber hier streiten sich noch die Geister, insb. in Deutschland. Wenn der Trend in Richtung Bio/Gentechnologie erfolgreich ist, dann ist die Verknüpfung mit der Spezial-und Agrochemie, die die Pharmafirmen über manche finanzielle Flaute gerettet hat überflüssig. Was nicht heisst, dass in und mit der Agrobiotechnologie nicht wieder "economies of scope" entstehen.

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  3. oro... 09.07.01 18:33

    a propos, gute produkte. ich wollte gar nicht unterstellen, dass Bayer keine guten guten produkte hat, aber im laufe der jahre ist der abstand zu anderen Unternehmen doch eher grösser, denn kleiner geworden....

    dem wird nicht so richtig rechnung getragen bei den herren in der Bayer firmenzentrale. aber auch hier gibt es kein richtiges rezept. einerseits muss man wachsen, um auf dem weltmarkt zu bestehen, hält aber an dem traditonellen firmensitz fest. ich möchte nicht sagen, dass ich gegen die tradition bin, aber damit anspruch und wirklichkeit (nummer eins zu sein) sich auch decken, muss heutzutage vor allem in der chemie viel internationaler gearbeitet werden.

    Ich habe das Gefühl, dass sich alle diese Unternehmen international betiteln, jedoch sich zu lange ausruhen bzw. akzeptieren, dass Wandel nur langsam funktioniert. Gerade dieser passiert besonders langsam bei den "Aspirinas"

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  4. Hen... 09.07.01 23:51

    Was hat der Firmensitz mit nicht oder doch stattfindendem Wachstum zu tun? M.E. relativ wenig - ausser Symbolik mit der man vielleicht die Finanzmärkte oder Presse beeindrucken kann - vielleicht. Als Standort ist Leverkusen nicht schlecht - realtiv nahes Rheindelta, nahes Ruhrgebiet, Aachen mit der TH für Ingenieure, Köln als forschungsorientierte Universität Bonn mit den Pharmazeuten und dazwischen eine potentielle Biotechnologieregion, in der sich in den nächsten Jahren hoffentlich und wahrscheinlich einiges tun wird.

    Bliebe jetzt noch die Strategie selbst und die Anziehungskraft auf internationale Fachkräfte - zu letzterem kann ich nicht viel sagen, sorry.
    Was Bayer "auszeichnet" ist, dass man an der Verbindung von Chemie und Pharmazie festhalten will - das missfällt den Finanz- und Strategieauguren. Aber: warum nicht, wenn man damit das Geld und/oder das notwendige Wissen für neue pharmazeutische Produkte generieren kann. Wenn man macht, was alle machen und vielleicht schlechter als die anderen, bleibt man besser bei seinem Leisten, daher: "the verdict is STILL out".

    Was wohl angeblich - nach mehr oder weinger gut unterrichteten Kreisen - schlimm bei solchen grossen Pharmafirmen ist, ist die Bürokratisierung: wenn mit Medikamenten etws schief läuft hängen vieleicht Menschenleben dran - also beser zweimal getestet und gut dokumentiert. Wie schafft man es also Sicherheit und Dynamik so zu verknüpfen, dass dabei auch noch gute Produkte herauskommen?

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  5. oro... 10.07.01 14:16

    Laut Werbung liegen die Anmutungs-ansprüche Sicherheit und Dynamik nicht soweit auseinander. Aber es ist so wie in allen Dingen, wo Menschen miteinander schaffen....
    Die einen sind offen für neue Ideen, die anderen wollen einfach nicht mehr. Keiner gibt zu, dass er/sie nicht immer in der Lage ist Höchstleistungen zu bringen, da es political incorrect wäre und dies wirkt sich auch auf die Produkte aus.

    Bezüglich Bayer wäre die Dynamik bestimmt noch viel bahnbrechender, wenn der Gesetzgeber nicht so rigide wäre. Auch wenn es um die Gesundheit geht, sind viele Prozesse durch das Phänomen der "Bürokratie" erheblich verlangsamt. Ich denke, dass die Veränderung in den Köpfen anfängt und sich in den Produkten niederschlägt, die eigentlich nur die logische Konsequenz sind. Je flexibler die Menschen, desto bedürfnisgerechter, d.h. sicherer und dynamischer die Produkte.....;-)

    Genug geschwallt, ich möchte zu gerne wissen, ob diese Foren auf solche philosophisch geprägte Diskussionen hinauslaufen sollen?

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  6. Hen... 11.07.01 16:06

    Ob der Gesetzgeber z.B. in den USA im Pharmabereich flexibler ist? Ob Bayer dynamischer wäre ohne Gesetzgeber mit anderen Mitarbeitern? - Es kommt wirklich darauf an, wo der Zug in den nächsten Jahren im Pharma-/Agro-Bio/Gen-/Chemiebreich hinfährt. Es gibt zwar die oben beschriebene "Konzentrationsansicht" (Größe entscheidend), aber ich würde mich nicht wundern, wenn da auch ein gutteil Aktionismus und undifferenzierte Betrachtung, und Lemmingeverhalten bei ist.
    Ich glaube ein paar Leute mit Erfahrung wären nicht schlecht - wir können uns hier mit unserem theoretischen Dissertations-, Uni- und Zeitungsfachwissen die Köpfe heissreden - die Praktiker haben doch wieder eine andere Sicht.

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  7. oro... 11.07.01 17:00

    du hast recht, das ganze gelabere spiegelt die realität nicht wieder. denn veränderung kann nur so schnell passieren, wie die mitarbeiter es auch wollen....

    ich mache momentan diese Erfahrung und kann mich nur schwer daran gewöhnen...

    ich bin auch mal gespannt darauf, was und wie entscheidend für wettbewerbsvorteile in der chemischen industrie sein wird. fakt ist, dass diese aber nicht mehr soviele neue ideen generieren wird.....
    cheers, oliver

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  8. Hen... 30.08.01 14:34

    Ein Nachtrag zu der Diskussion: es gibt von den einschlägig verdächtigen Unternehmensberatungen Studien zur Pharma/Biotech und Chemieindustrie. Besonders interessant fand ich die von Theron, die kräftig gegen den Strich bürsten.

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  9. Anonym 25.09.01 10:55

    Man kann den Pharmabereich als "zu klein" bezeichnen,
    Bayer ist alles andere als ein Pharmariese - aber die Firma ist immer noch der drittgrößte Chemiekonzern der Welt.

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