RB vs. Capgemini

Fri... 08.07.08 00:55

Hallo zusammen,

bin BWL-Absolvent und habe sowohl ein Angebot von Roland Berger als auch von Capgemini Strategy Consulting. RB zahlt knapp 10.000 mehr, allerdings bietet Cap mehr Urlaub und erweckt auch den Eindruck, etwas vertretbarere Arbeitszeiten zu haben (wenn man zurück ins Hotel kommt hat das Fitnessstudio noch auf...). Wer kennt eine von den Firmen und kann mir nochmal Insights oder Rat geben?

Vielen Dank vorab!

  1. gen... 08.07.08 10:18

    Das mit den extremen Arbeitszeiten habe ich von RB auch schon gehört. Ich habe da aktuell von jemanden gehört, der jetzt nach 8 Monaten zu Horvath (aus diesem Grund) gewechselt ist, dass die den Office Day jetzt am Samstag haben und somit von Mo-Fr beim Kunden sind. Es war wohl auch nicht unüblich, dass Nachts um 2 Uhr noch eine ToDo-Liste für morgens um 10 Uhr reinkam. Aber wie gesagt, so war's bei einer Person. Kann auf anderen Projekten anders aussehen. Jedenfalls verliert RB momentan sehr viele Berater (auch auf höheren Posten) und im Hinblick auf Internationalität sind sie auch nicht so gut. Dafür ist das Renommee und das Doktorprogramm besser. Von daher ganz klar - die Work-Life-Balance ist bei Capgemini deutlich besser.
    Wenn ich mal Fragen darf, was verdient man denn so bei Capgemini? Kannst ja auch so in Bereichsschritten angeben (bspw. zw. 50-55k) oder verschlüsseln ;-)

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  2. Fri... 08.07.08 13:27

    Vielen Dank für das Feedback. Mit 50-55k liegst du richtig.

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  3. Anonym 08.07.08 16:43

    Deine Aussagen sind sehr undifferenziert und geben teilweise Falsches wieder. RBSC hat wie jede andere großte Strategieberatung den Home Office Day freitags. Je nach Projektsituation kann dies sich natürlich auch einmal verändern (etwa aufgrund von Auslandsprojekten oder Due Diligence Projekten). Auch was die Arbeitszeiten betrifft ist RBSC absolut mit MBBB vergleichbar, d.h. man hat eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 60h. Das einzige CC, in welchem dies anders ist, ist das CC Corporate Finance & Restructuring, wo die Arbeitszeiten teilweise sogar über 70h pro Woche liegen. Dies liegt allerdings in den Charakteristika der dort bearbeiteten Projekte (hoher Zeitdruck, problematische Liquiditätssituation etc.) begründet.

    Ein Wechsel von RBSC zu Horvath & Partners dürfte in den meisten Fällen wohl weniger an der zu großen Arbeitsbelastung, sondern an Underperformance der jeweils wechselnden Personen liegen, da dies de-facto ein Wechsel von einer 1st tier Beratung in eine 3rd tier Beratung ist.

    Eine hohe Personalfluktuation ist für große Strategieberatungen nicht ungewöhnlich, sondern eigentlich die Regel und sogar gewünscht. McK, BCG, Bain sowie RBSC treten im Schnitt alle fünf Jahre mit einer komplett neuen Mannschaft an. Hinzu kommt, dass in der momentan positiven wirtschaftlichen Lage vielen Beratern attraktive Positionen in der Industrie angeboten werden (gerade auch Principals und Partnern!), was die Personalfluktuation zusätzlich verstärkt. Wenn viele Berater ein Beratungsunternehmen verlassen, ist dies nicht zuletzt auch ein Beweis für die Qualität des Personals des Beratungsunternehmens, da diese ja offenbar problemlos woanders unterkommen. Entscheidend ist, dass die Beratungsunternehmen die offen werdenden Positionen mit ebenso oder sogar höher qualifizierten Nachfolgern besetzen können, um weiter wachsen zu können und möglichst viele Projekte bearbeiten zu können.

    genusneduba, Du schreibst, auch "im Hinblick auf Internationalität" sei RBSC nicht sehr gut - was genau soll das bedeuten? Du erwähnst das im Kontext mit der angeblich problematischen Personalfluktuation. Meinst Du also, diese werde durch angeblich mangelnde Internationalität hervorgerufen oder verstärkt? Falls das so gemeint sein soll: Fakt ist, dass RBSC weniger global aufgestellt ist als McK, BCG und Bain. Dies liegt insbesondere an der schwachen Präsenz in den USA. Andererseits muss man sehen, dass RBSC kontinuierlich neue Büros im Ausland eröffnet, so etwa letztes Jahr Hong Kong, dieses Jahr Chicago, Istanbul und Casablanca. Mit anderen Worten: Die an der Anzahl internationaler Büros messbare Internationalität / globale Aufstellung von RBSC hat sich zuletzt eher stark verbessert als verschlechtert. Im übrigen wächst RBSC außerhalb Deutschlands in vielen Märkten überdurchschnittlich starkt (etwa Frankreich, Niederlande, Japan, China, Naher Osten). Insofern erscheint Deine Argumentation wenig logisch und auf Fakten basierend, sondern legt den Verdacht der Polemik nahe.

    Um dem ursprünglichen Poster die Entscheidung etwas zu erleichtern hier noch ein paar Fakten:

    PRO RBSC:
    - Vor allem in Europa und Asien äußerst renommierte Strategieberatung, die sowohl in Deutschland als auch international stark wächst und laufend neue Büros eröffnet
    - Generalistisch aufgestellt, Top-Management-Fokus, zunehmend internationale Projekte
    - Sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten durch MBA und Promotionsförderprogramme, sehr gute und vielfältige interne Trainings
    - Sehr leistungsorientiertes, unternehmerisches und intellektuell stimulierendes Umfeld
    - Integration in die Entwicklung von Thought Leadership
    - Gehalt 65k + Bonus und Fringe Benefits


    CONTRA RBSC:
    - In den USA nicht sehr renommiert
    - Im CC Corporate Finance & Restructuring relativ hohe Arbeitsbelastung

    PRO Capgemini:
    - Relativ geringe Arbeitszeiten (~ 50h / Woche)
    - Gute Industrieexpertise aufgrund der Verbindung mit IT Applications und Outsourcing

    CONTRA Capgemini:
    - Anhängsel eines riesigen und somit relativ anonymen IT und Outsourcingkonzerns
    - Begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten durch MBA / Promotion aufgrund schlechter / fehlender Programme
    - Geringe Reputation im Bereich Strategy / Top Management Consulting
    - Eher durchschnittlich motiviertes Umfeld aus durchschnittlichen Beratern
    - Wenig Thought Leadership im Bereich Strategy

    FAZIT: Ich würde hier nicht lange nachdenken, bei diesen Alternativen ist RBSC in jeglicher Hinsicht superior!

    Wenn Du Dich persönlich und fachlich schnell, umfassend und tiefgreifend weiterentwickeln willst, kannst Du über Capgemini nicht ernsthaft nachdenken...

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  4. neutric 10.01.12 17:25

    Herzlichen Dank für diese ausführliche Einschätzung.

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  5. homofaber 08.07.08 14:08

    RB gehört – zumindest in Kontinentaleuropa – zu den Top-Strategieberatungen (sicherlich nicht ganz das Renommee wie McK oder BCG, aber doch recht dicht dahinter), Capgemini Strategy Consulting ist der Beratungsarm eines IT-Hauses, den – ehrlich gesagt – in der Branche niemand ernst nimmt (die einzigen, die wenigstens halbwegs ernst genommen werden sind Accenture).

    Die Frage ist also (etwas polemisch formuliert): magst Du bei den großen Jungs mitspielen oder lieber nicht.

    Bei den "großen" Strategie-Läden (und das gilt nicht nur für RB) arbeitest Du mit sehr guten Leuten an Projekten die (jedenfalls häufig) von großer Bedeutung für das beratende Unternehmen sind, was leider mitunter zu extremen Arbeitszeiten führt. Die Restrukturierungs-Practice bei Berger steht im Ruf besonders arge Arbeitszeiten zu haben – der Rest der Firma arbeitet wohl "Branchenüblich". Ich bin mir nicht sicher, ob Capgemini wirklich so viel weniger arbeitet (kenn da niemanden) – von Accenture hab ich gehört, dass die mitunter auch ganz gut keulen.

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  6. gen... 08.07.08 18:52

    Ich habe nix gegen RB - falls hier der Eindruck aufgekommen sein sollte. Mann beschäftigt sich halt etwas mit der Materie und bekommt da einiges zu hören. Firmenkultur und Work-Life-Balance ist ja sowieso immer subjektiv. Trotzdem habe ich deutlich mehr schlechte Aussagen über RB gehört als über die anderen Big5-Strategieberatungen. Ist zwar eine kleine Stichprobe, aber was soll man machen.

    Hier ist natürlich das etwas andere Problem, dass RB nicht gegen McK, BCG und Co kämpft sondern gegen Capgemini, die natürlich in einer anderen Liga spielen. Da trumpfen sie natürlich mit Gehalt, Incentives, Weiterbildung und Renommee. Hatte in meinem ersten Posting etwas mehr Bezug zu den Big5 genommen.

    Du warst ja dann bereits bei den Firmen und hast einige Berater kennengelernt. Da wirst du doch schon einiges festgestellt haben.

    Ich würde es so machen: Bei RB anfangen und die Probezeit durchhalten. Dann kannst du nochmal überlegen - zu den "kleineren" Beratungen kann man dann immernoch wechseln.

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  7. fatman 08.07.08 18:52

    Ich kann mir nur einen Grund vorstellen zu Capgemini zu gehen, im Durchschnitt niedrigere Arbeitszeiten.

    RB ist keine internationale Top Managementberatung, aber auf jedenfall Top in Europa. Die Anzahl der internationalen Offices ist nicht wirklich ein guter Maßstab für die Internationalität einer UB. Oft werden die Offices nur eröffnet um vereinzelte Projekte besser abwickeln zu können. RB leidet nach wievor an einer viel zu starken Konzentration auf Deutschland/ Europa und der fast kompletten Abwesenheit im wichtigsten Beratermarkt der USA.

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  8. homofaber 08.07.08 19:08

    das Thema "ist RB eine INTERNATIONALE Top-Beratung" haben wir ja hier vor ein paar Wochen schon mal diskutiert (da hatte jemand Angebote von Bain und RB), Ergebnis: Wohl nicht Top 5, aber Top 10

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  9. homofaber 08.07.08 19:11

    ... wobei ja Capgemini größte Unternehmensberatung europäischen Ursprungs und RB die größte Strategie-UB europäischen Ursprungs ist

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