Rasante Marktentwicklung

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Reifeprozess im Zeitraffer

Oliver Wyman Windenergie 2020 Serviceorientierung

In diesem Jahr aber hat die erfolgsverwöhnte Branche mit den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu kämpfen. Die weltweite Nachfrage ist zurückgegangen. Da dennoch Produktionskapazitäten erweitert wurden, sind Überkapazitäten von 20 bis 25 Prozent entstanden. Die Intensität des Wettbewerbs ist drastisch gestiegen und drückt die Preise im Neugeschäft mit negativen Folgen für die Rendite. Für kleine Hersteller, die nur über eine relativ geringe installierte Basis verfügen, wird es immer schwerer, Kunden und Projektfinanzierer für ihre Anlagen zu gewinnen. Entsprechend wird es unter den Herstellern von Windkraftanlagen zur Konsolidierung kommen.

Der Wind-Index von Oliver Wyman spiegelt die Situation der Branche wider. Seit Beginn dieses Jahres haben sich die europäischen Windaktien deutlich schlechter entwickelt als die 50 führenden Aktien des europäischen Bluechip-Index EURO STOXX 50. „Die Windkraftbranche ist spätzyklisch und kämpft nicht nur mit konjunkturellen Problemen, sondern befindet sich mitten in einem strukturellen Reifeprozess“, erklärt Wolfgang Krenz, Partner bei Oliver Wyman. „Und der vollzieht sich im Zeitraffer.“ Während andere Maschinenbaubranchen Jahrzehnte hatten, um sich zu strukturieren und entwickeln, spielt sich dies in der vergleichweise noch jungen Windkraftindustrie innerhalb weniger Jahre ab. „Die Hersteller müssen nun schnell ihre Hausaufgaben machen“, fügt Krenz hinzu, „denn der mittelfristige Wachstumstrend ist intakt, besonders in Europa.“

Die strategischen Herausforderungen der europäischen Hersteller sind vielfältig. Zum einen müssen sie das Neugeschäft weiter ausbauen und ihre Geschäftsprozesse professionalisieren. Notwendig dafür sind anhaltende Internationalisierung, Performancesteigerung des Vertriebs und insbesondere Senkung der Fertigungskosten. Dies setzt eine Verbesserung der Produktstruktur, die Optimierung der Lieferkette und Automatisierung der Produktion voraus. Zum anderen müssen sie ihre Geschäftsmodelle überdenken. Die hohe Wertschöpfungstiefe einiger europäischer Hersteller ist ebenso zu überdenken wie der hohe Wertschöpfungsanteil in Europa. Immer härter werden auch die Time-to-Market-Anforderungen für Neuprodukte. Windkraftanlagenbauer sollten strategische Investments in Windparks oder entsprechende Partnerschaften erwägen. Damit verkürzen sie die Zeit bis zur breiten Vermarktung neuer Anlagen und beschleunigen den Return on Investment.

Servicebedarf wächst rasant

Zur größten Herausforderung der Hersteller zählt jedoch das Servicegeschäft. Die aktuelle Oliver Wyman-Studie zeigt, dass parallel zur steigenden Zahl installierter Onshore- Windkraftanlagen der Bedarf an Serviceleistungen wie Inspektionen, Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten sowie Ersatzteilen überproportional zunimmt. So wird sich der Weltmarkt für Betriebs- und Instandhaltungsservices in den nächsten zehn Jahren auf 27 Milliarden Euro mehr als verfünffachen. Damit wächst das Servicegeschäft fast doppelt so schnell wie das ebenfalls wachstumsstarke Geschäft mit neuen Anlagen. In Europa wird sich das Servicevolumen von heute unter drei Milliarden Euro auf rund acht Milliarden Euro im Jahr 2020 fast verdreifachen und damit rund 40 Prozent des Gesamtgeschäfts ausmachen.

Im vergangenen Jahr verzeichnete die Windenergiebranche weltweit einen Gewinn von rund 2,5 Milliarden Euro. Über 80 Prozent der Profite stammen aus dem Neugeschäft, in dem EBITMargen von durchschnittlich sieben Prozent erwirtschaftet werden. Doch in Zukunft werden die Karten neu gemischt. Ursächlich dafür sind das rasante Wachstum der installierten 3 Windanlagenbasis und die Alterung der Anlagen, einhergehend mit der Professionalisierung des Servicegeschäfts. Die Oliver Wyman-Studie ergibt, dass bis 2020 rund 75 Prozent der Profite in Europa aus dem Servicegeschäft kommen werden. Gleichzeitig werden die EBITMargen mit 15 bis 20 Prozent deutlich besser sein als im Neuinstallationsgeschäft, das langfristig stärker unter Druck gerät. „Gewinne werden neu verteilt“, sagt Henning Thormählen, Associate Partner und After-Sales-Experte bei Oliver Wyman. „Der Service wird zur Profitmaschine der Windindustrie. Auf dieses Szenario aber ist das Gros der Hersteller noch nicht ausreichend vorbereitet.“


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