Es gibt viele Gründe, warum sich Organisationen – und insbesondere Beratungen – für Diversity engagieren sollten. Dr. Wiebke Rasmussen und Johanna Terjung arbeiten beide für die Beratungsfirma BearingPoint und engagieren sich hier in unterschiedlichen Rollen für Diversity und Inclusion im Unternehmen. Im Interview berichten sie, was sie fasziniert, was möglich ist, und wo die Grenzen des Messbaren liegen.

Wiebke BearingPoint

Wiebke, was bedeutet Diversity & Inclusion für Dich persönlich?

Was mich persönlich antreibt: Es geht immer um Menschen, Sichtbarkeit der Situation und – auch wenn es ein großer Begriff ist – Gerechtigkeit. Spannend ist, dass sich die Themen und Schwerpunkte immer wieder neu aufstellen. Schauen wir mal auf den Sommer 2020: Mit Corona haben wir uns natürlich umso mehr mit der Doppelbelastung von Familien befasst. Eng damit hängt auch das Thema Mentale Gesundheit zusammen, dass wir als Schwerpunkt adressiert haben. Auch wurden im Zuge von #BLM (BlackLivesMatter) Diskurse angestoßen. Außerdem glaube ich, dass Diversity & Inclusion aktuell auch Befassung mit sich selbst bedeutet – den eigenen Privilegien, den Blick auf „andere“ und die Suche nach einem Kompromiss – und das ist manchmal vielleicht anstrengend, aber am Ende meistens erkenntnisreich.

Wie hat sich die Arbeitswelt im Consulting in den vergangenen Jahren verändert und welche Bedeutung hat Diversity heute in der Beraterbranche?

Ich beobachte, dass immer mehr junge Kolleginnen und Kollegen sich aktiv erkundigen, wie wir unternehmerische Verantwortung leben – ein Teil davon ist eben ein authentisches Engagement zugunsten der Förderung von Vielfalt und Belonging im Unternehmen. Consulting lebt davon bunt zu sein – es ist unser Job, nicht nur Themen zu begleiten, sondern sie auch aus der Perspektive unserer Kunden und wiederum ihrer Stakeholder vorauszudenken. Da überrascht es also nicht, dass Diversity und Inclusion mittlerweile als Thema in allen Beratungshäusern ein fester Bestandteil ist.

Was sind in Deinen Augen Maßnahmen mit echtem Nutzen für Diversity?

Das ist schwer zu sagen. In unserem Team und zusammen mit unseren sog. Affinity Initiativen (Women, Proud, Ability, und MORE – Minorities of Religion and Ethnicity) bieten wir Diskussionen, Trainings und Unterstützung an. Jedes Angebot ist Teil der Gleichung mit vielen Unbekannten, an deren Ende die Zielgröße „Belonging“ steht.

Am Ende helfen wohl konkrete Ziele am ehesten. Wir werden bis 2025 daran arbeiten, dass 40% unserer Mitarbeitenden Frauen sind. Hieran müssen wir uns messen lassen – und das wird unsere Maßnahmen entsprechend erfolgswirksam werden lassen. Allerdings muss man eben auch sehen, dass es in unserer Arbeit teils sehr schwer ist mit konkreten Zielen zu arbeiten, aufgrund nicht erhebbarer Daten oder weil konkrete Repräsentationsziele nicht zielführend sind.

Welches sind die größten Herausforderungen dabei, eine diverse Unternehmenskultur zu etablieren und wie weit ist BearingPoint?

Viele Themen, die wir ansprechen, sind persönlich und sensibel oder politisch. Auf individueller Ebene ist der blindsight bias eine Barriere – die innere Überzeugung, dass man keine Vorurteile oder Muster im Kopf hat. Ich verantworte das Thema firmenweit und auf dieser Ebene ist die Herausforderung, dass Länder sehr unterschiedlich aufgestellt sind, was Werte, Rechtslage und Herausforderungen einzelner Gruppen betrifft. Grundsätzlich aber ist die größte Herausforderung in vielen Organisationen, dass Diversity und Inclusion in der Führungsetage immer noch nicht wirklich angekommen ist – umso dankbarer können wir in unserem Team sein, dass unsere Geschäftsführung unsere Arbeit an jeder Stelle unterstützt.

Johanna, wie erlebst Du Diversity aktuell im Beratungsalltag bei BearingPoint und seinen Kunden?

Wir sind in Deutschland mehr als 1.000 Beraterinnen und Berater aus über 40 Nationen, von Baby Boomer bis Generation Z (eine Spanne von 40 Lebensjahren) arbeiten wir in wechselnden Projektteams zusammen. Für uns ist klar, dass gemischte Teams komplexe Probleme durch Perspektivvielfalt besser lösen, Innovation fördern und langfristig für mehr Profitabilität sorgen. Bei unseren Kunden ist das ähnlich. Diversität ist also per Jobdefinition gegeben. Die spannende Frage ist, wie wir dieses Potenzial bestmöglich nutzen.

Wie erfolgreich erlebst Du die Diversity Maßnahmen Deines Arbeitgebers?

Viele von uns bringen sich sehr aktiv in unseren Affinity Initiativen ein. Unser Frauennetzwerk Women@BearingPoint beispielsweise wurde 2016 durch einige Kolleginnen ins Leben gerufen. Mittlerweile umfasst es ca. 400 aktive Teilnehmerinnen, intern wie extern, die regelmäßig zu Roundtables, Trainings, Abendveranstaltungen usw. zusammenkommen. Dass die Formate so begeistert angenommen werden, ist für mich ein Zeichen, dass wir damit einen Nerv treffen.
Auf unserem Einstiegslevel als ‚Analyst‘ steuern wir in Deutschland auf eine 50/50 Geschlechterverteilung zu. Auf den folgenden Leveln nimmt diese etwas ab. Teilzeitarbeit, Familienservices, Arbeit von zu Hause etc. sind alles gute Angebote, die wir auch in Deutschland haben, deren Wirkungsweise aufgrund der Reisetätigkeit jedoch ehrlicherweise mitunter begrenzt war. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass Projekte auch remote erfolgreich umgesetzt werden können. Natürlich ist der persönliche Kontakt zu unseren Kunden essenziell und wir werden – hoffentlich, wenn man mich fragt – weiterhin für wichtige Meetings und Workshops zu unseren Kunden reisen. Aber – neben mehr Nachhaltigkeit – bieten die Erkenntnisse eine große Chance für Frauen und Männer ‚Familie und Job‘ noch besser zu vereinen.

Was würdest du Einsteigerinnen gerne mit auf den Weg geben, wenn sie jetzt ihre Karriere im Consulting starten?

Kurz und knapp: Wenn du Lust auf Beratung hast, bewirb‘ dich! Wenn du startest, sei du selbst!

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Über Dr. Wiebke Rasmussen

Seit 2019 ist Dr. Wiebke Rasmussen als Managerin bei BearingPoint tätig. Sie ist hier global verantwortlich für alle Fragen rund um verantwortungsvolles Unternehmertum – inklusive Diversity-Themen. Zuvor war sie bei der PHINEO gAG und anderen gemeinnützig ausgerichteten Organisationen in verschiedenen Rollen tätig. Aktuell ist sie daneben immer wieder als Privatdozentin für Themen rund um Digitalisierung und Nonprofit-Management tätig. Von Haus aus ist Wiebke Rasmussen Wirtschaftswissenschaftlerin. In ihrer Promotion an der Ruhr-Universität Bochum hat sie sich mit der Rolle von Fairness in der Ökonomie beschäftigt.

Über Johanna Terjung

Johanna Terjung ist Senior Business Consultant bei BearingPoint im Bereich Customer & Growth und gestaltet den digitalen Wandel unserer Kunden aus der Telekommunikationsindustrie mit. Dabei begleitet sie Projekte, in denen gemeinsam mit Kunden zukunftsbasierte Geschäftsmodelle entwickelt und Abläufe und Prozesse digitalisiert werden. Seit 2020 ist Johanna Terjung daneben Gleichstellungsbeauftragte für BearingPoint in Deutschland. Hier wirkt sie bei personellen, organisatorischen und sozialen Maßnahmen mit, die Chancengerechtigkeit am Arbeitsplatz fördern. Zuvor hat sie ihr Bachelorstudium in Hamburg und anschließend ihren Master (Sc.) an der Nova School of Management and Economics in Lissabon absolviert.

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