Interview mit Chiara, Beraterin bei McKinsey im Berliner Büro: 

Chiara, wie wird deiner Meinung nach Vielfalt bei McKinsey gefördert?

In der Firma gibt es Menschen mit sehr verschiedenen Interessen, Zielen, Lebensentwürfen, und es herrscht das gemeinsame Verständnis, dass dies gut so und niemand „falsch“ ist. Es ist okay, mit manchen besser und mit anderen schlechter auszukommen, in manchen Bereichen sehr stark und in manchen weniger stark zu sein. Und der Satz „Find your people!“, den ich in den ersten Monaten oft gehört habe, war super wichtig für mich. In meinem Alltag fördert die Firma Vielfalt, indem sie es mir ermöglicht, mit den Leuten mit denen ich mich gut fühle, an meinen Stärken zu arbeiten.   

„Ich möchte gute Arbeit leisten können, ohne mit Erniedrigungen oder mit Aspekten meiner Person, die für meine Arbeit irrelevant sind, konfrontiert zu werden!“

Chiara, Beraterin

Wie wichtig sind für dich Austausch, Vernetzung und Offenheit?

Das kommt darauf an, mit wem ich zusammen arbeite. Wenn mein Gegenüber kein Verständnis für meine Lebensrealität, für queere Beziehungen und nicht-binäre Geschlechtsidentitäten hat beispielsweise, und mit Unverständnis, übergriffiger Neugierde oder Spott reagieren würde, schweige ich lieber über die wichtigen Personen in meinem Leben oder meine Wochenendpläne. Aber wenn ich mich Kolleg:innen nahe genug fühle, ist es natürlich umso schöner, Dinge teilen zu können, insbesondere wenn man täglich intensiv zusammenarbeitet. Als meine letzte, romantische Beziehung auseinander ging, war es bspw. wirklich hilfreich für mich, mit meinen engen Kolleg*innen darüber sprechen zu können, was mit mir los ist und zum Weinen nicht auf die Toilette rennen zu müssen. 

Was für Möglichkeiten bietet die GLAM-Initiative ihren Mitgliedern?

GLAM bietet Vernetzung und damit das Gefühl, nicht alleine und isoliert zu sein – auf Büro-Ebene, Länderebene und weltweit. In einer Videokonferenz zum Thema Mental Health in der LGBTQIA+ Community hunderte, internationale Mitarbeitende zu sehen, die sich als Teil dieser Community verstehen, war unglaublich schön. Außerdem ist GLAM laut und präsent und arbeitet dadurch effektiv gegen das Stigma, das Queerness noch immer anhängt. Es ist deutlich leichter sich zu outen, wenn man Teil einer Initiative wird, die coole Events auf die Beine stellt, die McKinsey seit Jahrzehnten prägt und in allen Positionen in der Firma vertreten ist. Schwieriger wäre es die richtigen Worte in einem Unternehmen zu finden, das die Existenz queerer Menschen totschweigt. GLAM bietet natürlich auch Mentoring, regelmäßigen Austausch, spezifische Karriereevents und inspirierende Talks, für mich war aber Ersteres bisher am wichtigsten. 

„GLAM ist laut und präsent und arbeitet dadurch effektiv gegen das Stigma, das Queerness noch immer anhängt."

Chiara, Beraterin

Wie können sich Kolleg:innen als Allies zeigen und unterstützen?

Ich würde sagen, der erste Schritt, um ein Ally für jede Diskriminierungsform zu sein, ist, sich darüber zu informieren, wie diese Diskriminierung unser aller Alltag, unser Verhalten, unsere Denkweisen prägt. Inwiefern reproduzierst du jeden Tag Denk- und Handlungsmuster, die Menschen abwerten – wegen ihrer race, wegen ihrer Behinderung, wegen ihrer sexuellen Orientierung, wegen ihrer Geschlechtsidentität, wegen ihrer sozialen Herkunft – die Liste ist lang. Was sind typische Mikroaggressionen, die marginalisierte Personen ertragen müssen? Beispielsweise die Frage nach der Herkunft, die Annahme, dass die andere Person heterosexuell sei oder der skeptische, prüfende Blick auf der Damentoilette? Nur wenn du das weißt, kannst du anders handeln, erkennst dieses Verhalten bei anderen und kannst verletzende Fehltritte offen ansprechen. Mir sind die Momente in Meetings sehr schmerzhaft in Erinnerung, in denen ich die einzige Person war, die darauf hingewiesen hat, dass eine Bemerkung rassistisch oder misogyn (oder beides) war und alle anderen geschwiegen haben. Richtig gut hat es sich dagegen angefühlt, als bei einem Training in meiner ersten Woche gleich drei weiße Kolleg:innen eingesprungen sind, um einer vierten klar zu machen, dass eine rassistische Situation keineswegs für die involvierte weiße Person genauso unangenehm ist wie für eine Schwarze Person. Da hatte ich das Gefühl, dass ich nicht alleine damit bin – auch wenn es mir natürlich anders weh tut.    

Was ist in der Erwartungshaltung an den Arbeitgeber anders?

Ich kann nicht für alle Personen sprechen, die sich als LGTBQIA+ identifizieren. Ich persönlich habe die gleiche Erwartungshaltung wie andere Arbeitnehmende auch: Ich möchte als individuelle Person gesehen werden; ich will nicht als „anders“ oder „merkwürdig“ gelten; ich möchte gute Arbeit leisten können, ohne mit Erniedrigungen oder mit Aspekten meiner Person, die für meine Arbeit irrelevant sind, konfrontiert zu werden. Nicht meine Erwartungen sind anders – anders ist, dass marginalisierte Personen vermeintlich selbstverständliche Erfahrungen nur dann machen, wenn Arbeitgebende sich und ihre Belegschaft diskriminierungskritisch bilden.  

Wer wir sind:

McKinsey ist eine weltweit tätige Unternehmensberatung, die Organisationen dabei unterstützt, nachhaltiges, integratives Wachstum zu erzielen. Wir arbeiten mit Klienten aus dem privaten, öffentlichen und sozialen Sektor zusammen, um komplexe Probleme zu lösen und positive Veränderungen für alle Beteiligten zu schaffen. Wir kombinieren mutige Strategien und transformative Technologien, um Unternehmen dabei zu helfen, Innovationen nachhaltiger zu gestalten, dauerhafte Leistungssteigerungen zu erzielen und Belegschaften aufzubauen, die für diese und die nächste Generation erfolgreich sein werden. In Deutschland und Österreich hat McKinsey Büros in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München, Stuttgart und Wien. Weltweit arbeiten McKinsey Teams in mehr als 130 Städten und 65 Ländern.

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