Kampf um Öl statt Krieg gegen Terror

dos... 16.09.02 07:38

In einer Serie analysiert FAZ.NET Zusammenhänge zwischen Irak-Politik und Ölpreis, dessen Auswirkungen auf Ölaktien, US-Dollar und Devisenmärkte oder auf russische Anleihen. Zum Auftakt eine Betrachtung der Rolle Saudi-Arabiens in der amerikanischen Energiepolitik.

Der irakische Präsident Saddam Hussein hat den Vereinigten Staaten vorgeworfen, den Irak zerstören und das Nahost-Erdöl kontrollieren zu wollen. Auch der ehemalige saudische Erdölminister Scheich Jamani, äußerte den Verdacht, Washington versuche unter dem Deckmantel des „Krieges gegen den Terror“ die Vorherrschaft über die Energiereserven des Kaspischen Meeres zu erlangen. Unbestritten hat der Antiterror-Kampf der Großmacht neue geostrategische Perspektiven im Wettstreit um die knapper werdenden Ölvorkommen eröffnet.

USA wollen weniger Abhängigkeit
Es ist ein offenes Geheimnis, dass Washington seine Abhängigkeit von Saudi-Arabien verringern möchte. Der Anteil an saudischem Öl bei den amerikanischen Importen wurde in den letzten zehn Jahren kontinuierlich zurückgeschraubt. Stattdessen setzte Amerika auf alternative Lieferanten. Auf Dauer sind die Saudis aber nicht zu umgehen: Das Land am Golf ist nicht nur der wichtigste Erdölproduzent der Welt, es verfügt auch über die größten Vorkommen.

Engpässe auf dem Weltmarkt
Mit seinen Kapazitäten kann es Engpässe auf dem Weltmarkt kurzfristig ausgleichen und ist seiner Rolle als „wing supplier“ bisher zuverlässig nachgekommen. Die noch auf Roosevelt und Ibn Saud zurückgehende amerikanisch-saudische Abmachung „Erdöl gegen Sicherheit“ hat jahrzehntelang gut funktioniert. Die Vereinigten Staaten garantierten die Sicherheit der saudischen Monarchie, dafür lieferte diese den für die amerikanische Wirtschaft unverzichtbaren Rohstoff zu akzeptablen Preisen.

Unsicherheit in Saudi-Arabien
Doch das Regime in Saudi-Arabien ist instabil, Experten befürchten über kurz oder lang seinen Zusammenbruch. Im schlimmsten Fall könnten dann Islamisten die Macht ergreifen und die würden das verhasste Amerika sicher nicht mehr so bereitwillig mit Erdöl beliefern. Für dieses Szenario haben die Amerikaner nach Aussagen von Experten bereits Pläne in der Schublade.

Washington, so wird spekuliert, würde seine militärische Stärke nutzen und die Ölfelder besetzen. Da sich diese im Landesinnern konzentrieren, wäre dies militärisch zu bewerkstelligen. Ein Eingreifen der USA hätte aber möglicherweise eine Ausweitung des Konflikts auf die ganze Region zur Folge und könnte Vergeltungsschläge provozieren.

CIA-Studie
Eine CIA-Studie geht davon aus, dass es ein Leichtes wäre, mit relativ wenig Aufwand die Ölfelder für mindestens zwei Jahre außer Betrieb zu setzen. Diese Katastrophe für die Weltwirtschaft versucht Washington um jeden Preis zu vermeiden. Seine Truppenpräsenz am Golf, die jährlich zwischen 30 und 60 Milliarden Dollar kostet, soll die Sicherheit an diesem neuralgischen Punkt garantieren.

Irak als Zukunftsinvestition
Beim diskutierten Angriff auf den Irak geht es nicht nur um den Sturz eines Unrechtsregimes, sondern auch um die Zukunft der amerikanischen Energieversorgung, munkeln Amerika-kritische Stimmen. Der Irak exportiert derzeit auf Grund internationaler Sanktionen seit dem Golfkrieg weniger als zwei Millionen Barrel pro Tag. Bagdad würde gerne sechs Millionen fördern. Nach einem Machtwechsel könnte der Irak wieder ungebremst Öl produzieren, das, so wird gemutmaßt, seinem „Befreier“ Amerika zu Gute käme. Eine Investition in die Zukunft, schließlich verfügt das Land über die zweitgrößten Reserven der Welt.

Dem halten Experten entgegen, dass der Irak bereits jetzt an seiner Kapazitätsgrenze fördere. Seine Anlagen seien veraltet und es bedürfe hoher Investitionen, um sie wieder in Schuss zu bringen. Doch davor müsste Saddam Hussein erst einmal gestürzt und durch ein stabiles pro-amerikanisches Regime ersetzt werden.

Pipeline-Projekt in Afghanistan
Wie schwierig es ist, ein Land zu befrieden, nachdem ein ungeliebtes Regime beseitigt wurde, zeigt das Bespiel Afghanistan. Auch das dortige amerikanische Engagement wird immer wieder unter den vermeintlichen Interessen amerikanischer Ölfirmen betrachtet. Als Indizien werden angeführt, dass der afghanische Präsident Hamid Karsai früher als Berater für den amerikanischen Ölkonzern Unocal gearbeitet hat und auch der amerikanische Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, für Unocal tätig war.

Unocal ist die Firma, die in Konkurrenz zum argentinischen Konzern Bridas mit den Taliban über den Bau einer Pipeline verhandelt hat. Die geplante Pipeline durch Afghanistan und Pakistan soll helfen, die Erdgas- und Ölvorkommen in Zentralasien zu erschließen. Oberste Priorität hat dabei, den vom amerikanischen Präsidenten als „Schurkenstaat“ gebrandmarkten Iran zu umgehen. Doch solange Afghanistan so instabil ist wie bisher und auch in Pakistan Unruhe herrscht, werden sich keine Investoren finden. (Quelle: www.faz.net)

  1. dos... 16.09.02 07:53

    An dieser These ist nach meiner Meinung etwas wahres dran.
    Ich werde dieses Gefühl nicht los, das die USA nicht im Sinne der Demokratie ihr weltweites Engagement durchführen, sondern einzig nur um ihr politischen und wirtschftlichen Einfluss zu vergrößern.
    Sicherlich war der Einmarsch des Irak in Kuwait 1990 nicht korrekt, hier war die USA auch schnell zur Stelle - vieleicht weil es in Kuwait Ölfelder gibt? Ansonsten denke ich hätte es die USA nicht geschert das ein souveräner Staat (Irak) einen anderen suveränen Staat (Kuwait) überfällt.
    Im Golfkrieg I (Iran-Irak) haben die USA, wie auch die damalige Sowjetunion, fleissig Waffen geliefert, da wurde der Konflikt als "interne" Angelegenheit abgetan.

    Wieso schaut man dem Morden zwischen Israel und den Palästinensern nahezu tatenlos zu?
    Wo bleibt der Klimaschutz und die Resourcenschonung seitens der USA?
    Wieso müssen sich US-Soldaten bei vergehen gegenüber internationalem Recht nicht wie Soldaten anderer Staaten vor dem internationalen Gerichtshof verantworten?
    Die Rede von Bush vor der UN war in meinen Augen unsinnig, damit hat die USA nur die Verantwortung auf die UN abgeschoben um jetzt die UN unter druck zusetzen.
    Dies sind offensichtlich alles Indizien für eine polit. wie auch wirtschftl. vorherschaft der USA in der Welt.

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  2. runaway 16.09.02 09:32

    Es geht nicht nur um Erdöl- und Erdgasvorkommen im Nahen Osten, Kausasus und Zentralasien. Diese werden nach einhelliger Meinung unter Wissenschaftlern ohnehin in 50-60 Jahren ausgeschöpft sein.
    Die Energievorräte der Erde an Kohle reichen jedoch für die nächsten 300-400 Jahre mindestens aus. Da kommen Länder wie Mongolei (150 Milliarden Tonnen Kohlevorkommen geschätzt) und Kirgisistan (ca.80 Milliarden Tonnen) mit ins Spiel. (zum Vergleich: Deutschland hat ca. 33 Milliarden Tonnen an Kohlevorkommen) In Kirgisistan haben die Amerikaner bereits eine Airbase ("Kampf gegen Terror" versteht sich). Vor allem China hat reges Interesse an der Mongolei. Dieses Interesse möchte man unterbinden. Der Einfluß Russlands ist in Zentralasien dominierend. Daher geht die US-Politik mit Rußland Hand in Hand. Demnächst, wenn Rußland auch in der Nato ist - und das ist kein unwahrscheinliches Szenario mehr - wird einer US geführten Hegemonie des Westens im Ostens kein Stein mehr im Weg stehen. Wie das ganze moralisch zu bewerten ist, ist eine völlig andere Frage.
    Der Krieg in Tschetschenien kam auch nicht von ungefäHR. Russland sollte vom Kaukasus abgeschnitten werden. Daß der Plan nicht aufging, ist ja bekannt. Statt dessen einigte man sich mit der Führungsmacht Rußland. Die Tschetschenen waren nur die Leidtragenden.
    Fazit: USA haben eine Kehrtwende in ihrer Staatspolitik vorgenommen. Über die Ursachen und Gründe hierfür läßt sich streiten. Sie sind kein Gegengewicht zum Imperialismus mehr. Sie werden selbst imperialistisch.

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  3. sho... 17.09.02 11:53

    dem kann ich voll und ganz zustimmen. es besteht kein gegengewicht mehr. amerika hat die "greencard" oder die narrenfreiheit die welt nacht ihren interessen zu "gestalten". sobald die wirtschaft nach unten geht wird ein krieg der wirtschaftlichen interessen provoziert um einen boom zu erzwingen. ich hoffe das die eu bald stark genug und auch selbstbewusst genug ist, um diesen aktionen parole bieten zu koennen und nicht immer "ja und Amen" zu allem sagt was die herren bush & co vorschlagen!

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  4. dos... 17.09.02 14:21

    Wäre zu schön wenn die EU endlich mal mit einer Stimme sprechen würde und auch ein contra gegenüber USA vertreten würde. Nur sehe ich leider das Gegenteil, die EU ist sich oft uneins über das Vorgehen in einem Fall ist.

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  5. Hen... 11.11.02 15:32

    da möchte ich doch etwas widersprechen. die USA hben viel machtpolitischen Freiraum, aber keine weltpolitische "carte blanche". iregendwann und -wo werden grenzen erreicht sein und dann werden auch die USA feststellen, dass sie ihre macht nicht gleichzeitig überallhin "projezieren" können. problem: überdehnung, von daher werden sie immer mit partnern zusammenarbeiten muessen und dereen interessen entsprechend berücksichtigen.

    plus alles kan man den amerikanern auch nicht verkaufen -- wenn es "zu undemokratisch" wird, werden auch die nicht mehr mitspielen.

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