Start-Up vs. sichere Karriere: Eine Meinung

Ste... 08.06.11 16:02

Hi Leute,

nicht selten kommen Studenten und Absolventen auf mich zu und Fragen mich, wie das so war, damals aus der Uni raus ein Start-up zu gründen. Viele, viele sind vom Herzen her gründungsinteressiert und behaupten, am liebsten selbstständig werden zu wollen. Wären da nur nicht die Sorgen und Zukunftsängste...

"Erstmal einen sicheren Job" - "einen MBA machen und dann gründen" - "erstmal den Master machen". Deferred Life nenne ich das. Warum sollte man das, was man wirklich machen möchte, immer aufschieben. Seien wir ehrlich: Wie viele von denen, die sagen, dass sie eigentlich davon träumen, selbstständig zu sein, werden es jemals? Wie viele werden sich mit paarundsechzig pensionieren lassen und zurückblicken auf die Träume die man damals noch hatte?

Die erste Frage sollte sein: "Bin ich wirklich ein Gründer?" Ich bin mir sicher, dass Gründen zurzeit ein bisschen in Mode ist und viele daher die sozial erwünschte Antwort geben, Gründen zu wollen. Man sollte sich genau überlegen, was einen erwartet und die Sache ernst nehmen. Halbherzig visionäre Geschäftsideen brainstormen aber nie den ersten Schritt zur Umsetzung machen ist. nicht. gründen. !

Die zweite Frage: "Bin ich talentiert genug, um besser zu sein als die anderen?" Wenn du eine Chance hast, bei einer Top-Bank oder Beratung eingestellt zu werden oder bereits an einer guten Uni studierst, lautet die Antwort: "JA". Du kannst ALLES machen, brauchst keine tolle einmalige Idee. Schau dich einfach um und mache es besser. Insbesondere BWLer sind wahnsinnig risikoavers und denken immer nur an die tollen Markenunternehmen anstatt ein bisschen Mut in sich selber zu haben.

Ich habe im Jahr 2000 gegründet und bin mit 3 Firmen zwei Rezessionen durch gegangen, habe Leute eingestellt, Leute gefeuert, gewonnen, verloren, Krisen und Parties durchgemacht. Und ich war selber auch risikoavers und bin drei Jahre in eine Beratung gegangen, was auch eine gute Erfahrung war (allerdings nach der Gründung). Ich kenne NIEMANDEN der 2000 gegründet hat und das heute bereut. Alle verdienen besser als sie es woanders könnten, einige sind sehr reich geworden, alle sind reicher an Lebensqualität und Erfahrung. Bei niemandem hat die Gründung einen Knick im Lebenslauf verursacht - ganz im Gegenteil: Der Lebenslauf ist wertvoller und einzigartiger geworden.

Also: Ihr seid jung, talentiert und wollt im Leben etwas erreichen: Dann gründet!

  1. delta9 11.06.11 10:17

    Ganz ehrlich: Ich bin jetzt seit mehreren Jahren Unternehmer und eher desillusioniert als motiviert. Man arbeitet überdurchschnittlich, verdient unterdurchschnittlich, trägt ein hohes Risiko (ich würde bei Insolvenz keine Unterstützung bekommen) und hat nur Schwierigkeiten (mit Kunden, Personal, Lieferanten, Behörden etc.). Daneben ist man gesellschaftlich überhaupt nicht anerkannt. Ich würde im nächsten Leben eher eine Konzernkarriere anstreben oder besser in den Staatsdienst gehen. Genau darum bewundere ich auch erfolgreiche Unternehmen, die das alles auf sich genommen haben. Ich jedenfalls bin nach 4 Jahren "Hamsterrad" innerlich ausgebrannt.

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  2. Squ... 06.12.13 11:20

    "Du kannst dich durch eine Entscheidung nicht wirtschaftlich verbessern" so die herrschende Lehre in der VWL. Dies trifft auch auf die Frage: "Angestellt oder Selbständig zu". Anders gesagt, wenn es der Königsweg wäre würde jeder ein Unternehmen gründen. Demnach sollte es eine Bauch Entscheidung sein. Wer Spaß an dem hat was er tut, der zählt weder Stunden noch Euros, der genießt.
    Ich betreue Unternehmensgründer und habe mir viele Gedanken gemacht was letzten Endes für den Erfolg entscheident ist. Bin zu dem Entschluss gekommen, dass es die Schlüsselquali für Unternehmer nicht gibt. Allerdings ist es einfacher für Menschen die aus einem unternehmerischen Umfeld kommen (der liebe Habitus). Ansonsten gehört auch immer ein stückweit Naivität/Risikoaffinität dazu. Wer im Vorfeld lange abwäägt und alle Für und Wieder durchgeht wird immer zu dem weniger Risikobehafteten Anstellungsverhältnis gelangen.

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  3. klawipo 14.06.11 10:06

    Neben Mut bedarf es auch meistens etwas Kapital zur Gründung. Wer mit einem goldenen Löffel im Mund geboren und inzwischen erfolgreicher Unternehmer ist, dem ist oft nicht mehr bewusst, dass er oder sie zum Start bereits eine gewisse finanzielle Sicherheit hatte. Für uns Arbeiterkinder ohne Geld und reichen Erbonkel heißt es Banken anbetteln und sich verschulden oder erstmal Geld verdienen und sparen. Das kann man bei Marken-Unternehmen eben ganz gut. Außerdem lassen sich dort wichtige Kontakte knüpfen, die einen in einer späteren Selbstständigkeit helfen. Insofern schließen sich die "sichere" Karriere und Gründertum gar nicht aus. Vielmehr kann man die Angestellten-Zeit gezielt als Sprungbrett zur späteren Unternehmensgründung nutzen.

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  4. Ste... 06.12.13 11:46

    Ich stimme hier auch nicht zu. Bin Handwerker-Sohn und hab aus dem Studium squeaker.net gegründet ohne jedes Kapital. Mit zwei Mitgründern die Privatrechner in einen Raum gestellt, Leute begeistert, losgelegt, 4 Monate später live gegangen, erste Umsätze gemacht.

    Das muss nicht für jeden das richtige Modell sein. Natürlich macht es auch Sinn, erstmal ein bisschen Sicherheit zu schaffen, Studienkredite abzuzahlen usw. Ich sehe aber sehr viele Leute, die eigentlich mal gründen wollten, dann aber den "Absprung" aus der Sicherheit / aufgebauten Lebensstandard nicht mehr schaffen.

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  5. Squ... 14.05.13 13:04

    Insbesondere die Kontakte sind neben dem finanziellen Background entscheidend. Selbständige Gründer sind ohne Sicherheiten i.d.R. nicht kreditwürdig und haben große Probleme mit der Finanzierung.

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  6. Squ... 15.10.12 19:04

    Es kommt aufs Geschäftsmodell an ! Im Internet kann man Unternehmen für wenige Hundert Euro gründen. Wenn du aber einen Lebensmittelversand gründen willst dann wirds natürlich teuer...

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  7. Pas... 21.12.13 12:13

    Rein rational gründet man kaum, denn im Durchschnitt sind 75% aller Neugründungen nach 5 Jahren insolvent. Dies ist bekannt aus der empirischen Unternehmertumsforschung. Wer sich wirklich selbstständig machen möchte und dem daß Risiko bewußt ist geht wohl ganz anders an die Grüdung ran. Er oder Sie analysiert so genau wie möglich die Risiken und Chancen und identifiziert die wichtigsten Faktoren die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Dann erst erstellt er oder sie einen genauen ersten Geschäftsplan der die Risiken und Chancen quantifiziert und die erarbeitet wie das Risiko des Scheiterns minimiert werden kann und welche weiteren Ressourcen, wie Netzwerke, Kontakt zu Abnehmern und Finanzierungsöglichkeiten, für den Erfolg notwendig sind.

    Meinem Vater half ich mit der Finanzplanung, lokalen Marktanalyse und Planbilanzen für sein Labor. Ohne diese Planung hätte die Bank wohl kaum die Refinanzierung und Bündelung der Kredite zu niedrigeren Zinsen genehmigt, denn die Bänker wußten, daß das Geschäfts- und Finanzierungskonzept fundiert war. Dazu braucht man auch ein gutes BWL Bachelorstudium.

    Ein solch "optimistischer Realist" ist viel glaubwürdiger als der etwas naive, oder blauäugige, Studienabrecher mit dem 5555sten Internet-start-up Idee ohne fundiert durchdachtem Geschäftsmodel.

    Herzliche Grüße und frohe Weihnachten

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