I-Banking Number Crunching bis 3h nachts - wofür?

stefan24 22.08.08 11:44

Hallo zusammen,

ich möchte mal mit diesem Beitrag die Motivation für Bewerbungen bei UBs, aber v. a. IBanken in Frage stellen?

Ich beschäftige mich sehr mit dem Thema I-Banking und UB als möglichen Berufseinstieg für mich selbst. Ich absolvierte auch schon ein längeres Praktikum im IB in NYC und machte die Erfahrung...

...ich dachte der Einstieg ins M&A wäre n super Start in die Karriere, aber umso mehr ich darüber nachdenke in letzter Zeit, umso mehr wird mir eigentlich klar das es Total die scheiss Fließbandarbeit ist bis spät nachts...wenn man in Ländern mit 24h Öffnungszeiten lebt, kann man noch das ein oder andere erledigen, aber hier in Deu merke ich einfach wie katastrophal es ist das eigene Leben noch bei solchen Arbeitszeiten organisiert zu bekommen (bin gerade in einem anderen zeitintensiven Praktikum).

Es stellt sich die Frage, was ist die Motivation überhaupt dabei am Fließband Numbers bis spät nachts zu crunchen, wo dann vorne und hinten nichts mehr stimmt, weil man Total fertig ist?

Am Ende des Tages ist meiner Meinung nach nur der Faktor Prestige (...."JP Morgan", "Goldman Sachs", "Merill Lynch"..) und die erhoffte Anerkennung von Außen die Hauptmotivation für viele. Behaupten zu können "ich arbeite 80-100h die Woche, war so und so lange im IB" und zu hoffen der Gegenüber sagt "Oh wow bei Goldman, wie hält man da die Arbeitszeiten aus...?".
Geld zählt bei IB finde ich wenig, weil 1) der Stundenlohn minimal ist 2) faktisch keine Zeit außer im Urlaub bleibt es auszugeben, da man an sehr vielen WE auch drin ist. Unter der Woche ist ausgeschlossen einkaufen zu gehen..und kommt mir jetzt nicht mit Online-Shopping...als der Ausweg das Geld auszugeben ;)

Bei UBs kann ich noch als Motivation (besides den oberen) verstehen, wenn man ein Netzwerk aufbauen möchte und sehr gute Exit-Möglichkeiten in verschiedene (Ex-) Kunden-Unternehmen hat.

Doch wo sind die tollen Exit-Möglichkeiten im IBanking? Von Top-Tier zu Second-Tier? Was ist die langfristige Perspektive? Zu hoffen als Associate weniger Arbeiten zu müssen nach 2-3J Analyst Zeit?

Was sind eurer Meinung nach die treibenden Faktoren so einen Job anzunehmen und sich solchen Arbeitszeiten freiwillig auszusetzen bei gleichzeitig relativ langweiliger Arbeit und mageren Karriereperspektiven (es sei denn man will einmal IB immer IB...)…

..bin gespannt was es hier für Meinungen noch gibt…

  1. Florian123 22.08.08 12:00

    Ich persönlich kenne viele ex-IB Leute (und nichtmal zwangsläufig vorher bei Goldman, sondern z.B. bei Drueker bzw. Leonardo) die bei durchaus nennenswerten PE Häusern anlanden konnten (e.g. Oaktree, Advent, Eurazeo, Investcorp..). Ich denke für jemanden der die Station PE anstrebt (und das sind ja durchaus nennenswerte Jobs) ist IB sicherlich eine gute Möglichkeit, dort unterzukommen.

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  2. legrinch 22.08.08 12:21

    Sehr interessanter Beitrag, bin gespannt, was noch für posts kommen!

    Bin selber an einem Einstieg in die UB interessiert u teile ähnliche Zweifel - denke aber, mich dennoch pro UB zu entscheiden, eben wg der interessanten Aufgaben u der Exit-Möglichkeiten.

    Mal schauen, was die Leute aus den IBs zu sagen haben :)

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  3. glitz 22.08.08 12:54

    _Es stellt sich die Frage, was ist die Motivation überhaupt dabei am Fließband Numbers bis spät nachts zu crunchen, wo dann vorne und hinten nichts mehr stimmt, weil man Total fertig ist?_

    Haha, das kenne ich auch aus einem Praktikum bei einer sog. Top-UB. Die Zahlen waren teilweise einfach wild geschätzt (und alle haben gehofft, dass keine Nachfragen kommen) und dann gab es auch noch verschiedene Rundungsvorlieben, um Ungenauigkeiten zu verschleiern (einer rundete immer auf ganze Millionen Dollar, einer immer in 5-Millionen-Dollar-Schritten). Schon eine ernüchternde Erfahrung.

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  4. Aka... 22.08.08 13:57

    Du hast sicher Recht mit dem Argument, dass die Kohle stimmt, man aber keine zeit hat, sie auszugeben. Aber wer bleibt schon bis zur Rente im I-banking, z.B. M&A. Der Masterplan ist doch hier einige Jahre zu arbeiten, bis der Bonus stimmt und Geld zu scheffeln, um sich danach auf die faule Haut zu legen. Also sich bis 30 die Kante zu geben und danach zu sagen:" So Leute, ich habs geschafft, ich bin raus."
    Wenns sein soll, kann man danach ja noch in einen "normalen" Job wechseln. Ich denke nicht, das es hier nur PE gibt, in dem Punkt weiß ich aber auch nicht bescheid.

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  5. dyn... 22.08.08 17:54

    So jungs,

    ich sitze grad inner top ib in London und hab credit crunch bedingt etwas mehr zeit hier mal meine einblicke zu geben.

    1.) Ich muss mich sehr wundern. Du warst in New York im IB und stellst diese Frage, berechungen auf - ist fuer mich nicht nachvollziehbar.

    2.) Fangen wir mal mit dem wichtigsten an, dem Geld: Jungs, vergesst mal alle eure Stundenlohnberechnungen. Warum? Weil am Ende des Tages es egal ist wie lange du gearbeitet hast. Anner Ampel bleibt Ferrari Ferrari und Golf Golf.
    3.) Karrierperspektiven: Ich lasse jetzt McKinsey und BCG aussen vor, denn man hat relativ gute Exit moeglichkeiten dannach vor allem in die Industrie. Alle anderen UBs..come on guys, denkt ihr wirklich, dass ihr ins Topmanagement oder PE dannach kommt. Forget it! Die meisten Leute in London gehen nach 2 Jahren ins PE oder Hedgefund (=big, big Money). Ihr koennt ja mal den Stundenlohn berechnen wenn ein Blackstone sich nach einem Jahr eine Dividende von lets say 300-500 mn usd aus EINEM asset in die Tasche steckt.

    Ich moechte hier echt nicht arrogant rueber kommen, aber die Perspektiven im IB (ich rede hier nur ueber London und NYC, Frankfurt mag ander sein) sind enorm.

    Hoffe damit genug zuendstoff in die diskussion geworfen zu haben.

    BEST

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  6. pml22 22.08.08 18:52

    Finde die Diskussion auch interessant, da ich die gleichen Fragen mir immer wieder stelle. Habe naemlich feste Angebote sowohl aus M&A als auch Top UB und muss mich bald entscheiden zwischen beidem.

    Halte die Frage auch gar nicht fuer so doof, denn ich glaube, dass viele meinen UB und IB waeren nur was fuer Ueberflieger und dann enttaeuscht feststellen wie die Wirklichkeit aussieht. Und meist sind es ja wirklich clevere Leute, die eigentlich unter ihrem geistigen Potential dort arbeiten. Vor allem als Analzst im M&A. In der UB hat man ja wenigstens wechselnde Projekte und Aufgaben.

    Aus meiner Sicht ist das einzige Motiv wirklich Geld (vor allem im IB) und der Sozialstatus bei einer Firma zu sein, wo es hart ist reinzukommen. Dementsprechend hat man gerade im IB auch eine gewisse Klientel von Leuten sitzen.

    Wenn man aber akademisch gut und interessiert ist, stellt man schnell fest, dass es viel Schaumschlaegerei ist.

    Ich denke letztendlich muss sich die Frage jeder selbst beantworten und seine Freizeitpraeferenzfunktion aufstellen.

    Momentan geht ja im IB eh wenig, was sich aber in Kuerze wieder erholen duerfte.

    Aber eins steht fuer mich fest. Die wahre junge Elite sitzt nicht in UBs und IBs, sondern in PHD Programmen der Ivy League Unis.

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  7. Anonym 25.08.08 15:39

    Ich Frage mich vor allem warum einige Leute meinen die Arbeit im M&A wäre langweilig. Aus meiner Sicht gibt es einige Aspekte die äusserst reizvoll sind. Zum einen ist es eine tolle Mischung aus strategischen und zahlenlastigen Themen. Die getroffenen Entscheidungen haben enorme Auswirkungen und deshalb hat man sehr viel mit CEOs und CFOs zu tun die häufig sehr fähige und interessante Personen sind. Dazu kommt, dass der Bereich vielfältig ist. Kapitalstruktur, Finanzierung, Bewertung und Marktumfeld spielen eine wichtige Rolle. Noch dazu gibt es unterschiedliche Aufgaben wie Abwehrmandate, Restrukturierungen, Kauf- und Verkaufsmandate, Privatisierungen etc. Jeder deal ist anders und man lernt viele verschiedene Unternehmen in unterschiedlichen Industrien kennen.

    Natürlich ist nicht alles immer Total spannend und manche Aufgaben wiederholen sich, aber in welchem Job ist das denn anders? In der Industrie ist es ja wohl in den ersten Jahren im Finance Bereich alles andere als interessant und die Lernkurve ist erheblich flacher. Unternehmensberatung ist noch am ehesten eine Alternative, allerdings für Leute die das Thema Corporate Finance interessant finden sicherlich keine bessere. Letztendlich ist doch M&A nichts anderes als Unternehmensberatung fokussiert auf ein spezielles Thema (das aus meiner Sicht spannendste)
    Ein weiterer Vorteil ist dass man überwiegend mit intelligenten und motivierten Kollegen zusammenarbeitet. Das führt mich aber auch zu einem Nachteil: die Kollegen sind wenn man Pech hat arrogant und das Klima ist sehr kompetitiv. Habe aber bis jetzt in Praktika eher positive Erfahrungen gemacht. Bei Gesprächen mit amerikanischen bulge brackets hatte ich allerdings auch schon schlechtere Eindrücke gesammelt.
    Ein weiterer Nachteil sind natürlich die Arbeitszeiten. Einzige Option ist in eine sehr kleine Boutique zu gehen.

    Zu den Exit Möglichkeiten:
    Aus einer IB kann man prima ins PE, ein Industrieunternehmen, eine Unternehmensberatung, IBs mit anderen Ausrichtungen, Wirtschaftsprüfungen, oder in die Selbstständigkeit wechseln. Welcher andere Bereich - ausser UB - hat denn ähnliche Optionen?

    Noch ein abschliessender Satz zum Thema allgemein. Warum sind IB und UB immer im Kreuzfeuer der Kritik? Die Vorteile sind nicht zu leugnen und ich habe das Gefühl, dass viele Leute ein Problem damit haben weil sie nicht die Möglichkeit haben dort anzufangen und es künstlich schlecht reden. Ausserdem spielt der Neid aufs Gehalt sicher eine Rolle. Es muss ja keiner machen der keine Lust hat viel zu arbeiten. Und wenn man nicht reinkommt ist das auch kein Weltuntergang. Aber ich starte auch keinen Thread: Wie kann man nur in einem normalen Unternehmen anfangen wo alles Total bürokratisch ist, die Auifgaben langweilig sind, man weniger Geld verdient und man weniger lernt.
    Es gibt nunmal unterschiedlich Jobs die zu unterschiedlichen Menschen passen.

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  8. stefan24 25.08.08 16:50

    "Es gibt nunmal unterschiedlich Jobs die zu unterschiedlichen Menschen passen. " - Amen! Das war natürlich die ultimative Antwort - das Wort zum Sonntag sozusagen!

    Gerade deshalb diskutiert man doch!

    Ich finde einfach das die Relation eher stumpfsinnige Tätigkeit, v.a. im Analysten Job (sind wir mal ehrlich) - extrem wenig Freizeit - gutes Geld nicht mehr zusammenpasst.

    Ich denke man kann immer in solche Firmen reinkommen, spätestens wenn man dann eines Tages nach seinem "Durchschnitts-Job" nen MBA macht an einer Top-School.

    Langsam glaube ich, dass solche Jobs für Leute gemacht sind, die etwas an Selbstkomplexen leiden und die BESTätigung brauchen. V. a. durch außen!

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  9. Anonym 25.08.08 17:56

    "Ich denke man kann immer in solche Firmen reinkommen, spätestens wenn man dann eines Tages nach seinem "Durchschnitts-Job" nen MBA macht an einer Top-School"
    Hehe, das zeigt aber wirklich dass du keine Ahnung hast. An eine Top-School zu kommen ist alles andere als einfach, vor allem nicht wenn man vorher einen "Durchschnittsjob hatte". Und selbst wenn es klappt mit einem Top-MBA ist es längst keine Jobgarantie für ne TopIB, zumal auf Associate-Ebene nicht so viele Leute eingestellt werden und vor allem eher welche die schon Erfahrung in dem Bereich haben.
    Aber klar - man kann immer reinkommen...und die Jobs sind nur für Leute mit Selbstkomplexen gemacht. Das meine ich mit Leuten die ohne Sinn und Grundlage rummäkeln weil sie irgendein Problem haben. Warum würde man sich sonst so aufregen...

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  10. Else_ 25.08.08 19:21

    @stefan: Muss mich meinem Vorredner anschliessen. Eigtl. nur noch Schwachsinn was Du erzählst. Zumal aus vorherigen Beiträgen von Dir zu erkennen ist dass Du noch nie im M&A gearbeitet hast. Lustigerweise hast Du ja trotz Deiner negativen Äusserungen überlegt ins M&A zu gehen - wo ist da der Sinn? Aber bei credit crunch und fh-abschluss brauchst Du Dir darüber keine Gedanken machen, das wird nix.

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  11. stefan24 26.08.08 14:50

    danke else für den persönlichen angriff, zeugt von persönlichkeit.

    ich diskutier eben gerne darüber und fast alle menschen wiegen ab bei ihrer Karriere-entscheidung, ob sie einen job machen aus "vernunft" weil sie sich langfristig tolle jobchancen / geld / anerkennung etc erhoffen und ihn eigentlich aber weniger spannend oder berauschend finden. gerade bei IB und UB sind es oft "vernunft-entscheidungen" (erkundigt euch mal wieviele im UB nach nem halben jahr die kurve kratzen...)...

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  12. Anonym 12.05.09 16:06

    Es gab letztens einen Superartikel ... wenn Du Milliardaer werden willst, bist Du entweder Schulabrecher mit ner eigenen Firma, oder warst vorher im Investment Banking bei Goldman ... so hart wie das klingt, der Job im IB ist nicht fuer jeden ... gibt viele, die ihn wollen, einige die ihn kriegen und wenige die ihn koennen ... ich wurde nicht genommen ... haeng jetzt auch bei ner PE Bude rum, aber Goldman im Lebenslauf ... das ist nochmal was anderes. Hier reden auch alle die ganze Zeit uebers Geld ... das was du da als Associate kriegst ist doch egal ... IB und AM ist wie jedes Geschaeft mit viel, viel Geld nur Personenabhaengig. Ob ich jemand einen Job gebe haengt bei der Wahl zwischen einem Harvard, Oxford und INSEAD Absolventen nicht mehr am Koennen ... da ist das Profil entscheidend ... und das Profil eines IBlers ist nun mal: Hard working, Makes his numbers und Knows the Game.

    Kurze Frage: FH und IB? Reutlingen vielleicht, aber woher denn sonst? Da haben ja schon Oxbridge Leute ein Problem.

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