Die Entscheidung für einen Full-Time MBA in Europa

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Wie hat dein Prozess zur Entscheidungsfindung ausgesehen? Vollzeit/Teilzeit, Inland/Ausland, Namhafte Schule/No-Name-Universität…

Ich habe mich relativ schnell für ein Vollzeit-Studium entschieden, da ich raus wollte aus meinem bisherigen Job und der Executive-MBA eigentlich für Leute ist, die ca. 6-7 Jahre Berufserfahrung haben. Zudem wollte ich mir Zeit nehmen, um mich voll auf den MBA konzentrieren zu können und alles mitzunehmen, was man mitnehmen kann, wie die Kontakte und auch das Studiumsfeeling.

Die nächste Frage, die sich mir stellte, war Europa oder USA. Bei Morgan Stanley zählten nur die amerikanischen Unis, eventuell noch die London Business Schoolund die französische Insead. Dementsprechend kamen für mich auch nur die besten Universitäten in Frage, da mein Anspruch an mich selbst sehr hoch ist. 

Meinen Austausch habe ich damals an der UCLA gemacht und habe dort schon MBA-Kurse besucht, was mir auch sehr gut gefallen hat. Wenn also USA, dann hätte mein Favorit auf jeden Fall festgestanden: die UCLA. Allerdings waren meine Familie und meine Freunde alle in Europa. Ich habe tolle Netzwerke hier in London, in Deutschland, in Tschechien. Die Frage lautete, wo ich mich in der Zukunft sehe: in den USA oder Europa? Die Antwort hierauf war ganz klar Europa.

Der zweite wichtige Faktor für mich war der GMAT. Ich habe den Test vor meiner Entscheidung abgelegt, um zu sehen, wo ich stehe. Mit meinem ersten Ergebnis von 550 Punkten war ich überhaupt nicht zufrieden. Die London Business School nimmt ihre Bewerber ab einem Ergebnis von 600 Punkten, aber ein besseres Ergebnis macht natürlich einen besseren Eindruck. So fielen für mich die wichtigsten Top Ten-Unis in den USA aus: Mein Problem lag nicht in dem analytischen Teil, sondern im englischen Sprachteil. Es geht im Wesentlichen darum, wie schnell du Texte lesen kannst, wie schnell du einen falschen Satz redigieren kannst und wie gut du darin bist, logische Zusammenhänge in Sätzen zu erkennen. Der ganze Test ist auch für Muttersprachler schwer, für Ausländer eine besonders große Herausforderung. Ich hab im englischen Teil nicht gut abgeschnitten. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass an amerikanischen Universitäten 80 Prozent der Studenten US-Amerikaner sind. Der internationale Anteil ist sehr niedrig. Diese internationalen Studenten sind entweder supersmart oder bereiten sich zwei Jahre lang in Indien oder China auf den GMAT vor (lacht). Die hohen Scores, die man erreichen muss, um auf die Eliteschulen zu gehen, waren für mich unerreichbar.

Noch ein Faktor, der mit in meine Entscheidung eingeflossen ist, war die Tatsache, dass ich bei amerikanischen Schulen einen  TOEFL  hätte ablegen müssen - bei europäischen nicht. Da ich ja bereits drei Jahre in London gearbeitet habe, blieb mir der TOEFL in Europa erspart. So entschied ich mich für ein Vollzeitstudium in Europa.

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Wie ging es weiter?

Der weitere Auswahlprozess war sehr schwierig. Im Gegensatz zu den USA, wo alle MBA-Programme zwei Jahre dauern, gibt es in Europa die Wahl zwischen 12 und 18 Monaten. Ein Jahr war zu kurz, um meine Ziele verwirklichen zu können. Außerdem habe ich mir klargemacht, dass, wenn ich im September das Studium beginne, ich bereits im Januar auf Jobsuche gehen müsste. Das wollte ich nicht. Attraktiver hörte sich da schon das 18-monatige Programm an, das auch einen dreimonatigen Aufenthalt in anderen Business Schools beinhaltet. Blieb nur noch die Frage: Wohin?

Es hört sich vielleicht blöd an, aber ich wollte auf jeden Fall an eine der Top Ten Unis in Europa. Mein Favorit war eigentlich die London Business School, bei der sich auch eine ganze Reihe meiner Kollegen beworben haben. Beim letzten Ranking der Financial Times war London auch ganz oben mit dabei, was natürlich die Attraktivität und das Renommee der Schule erhöht und dementsprechend die Bewerberzahlen nach oben schnellen lässt. Nun stehen auch die US-amerikanischen Business Schools unter Druck, da bei der hohen Zahl der nationalen Studenten die Internationalität der amerikanischen Unis verloren geht. So wird dann auch die London Business School für viele Amerikaner interessant.

Das war auf jeden Fall die erste Bewerbung, die ich losgeschickt habe: am letzten Tag natürlich, weil ich unbedingt noch einmal prüfen wollte, ob ich auch alles richtig ausgefüllt habe und alles vollständig ist. Naja, nach zwei Monaten kam die Absage mit der Begründung, dass die Uni so viele Bewerber hatte, dass sie mir leider keinen Studienplatz zur Verfügung stellen könne. Natürlich schreibt die Schule nicht den wahren Grund, sondern nur ein vorgefertigtes, allgemeines Schreiben. Meine Vermutung ist, dass sich mehrere Bewerber mit ähnlichem Profil beworben haben. Das Bestreben der Uni muss es jedoch sein, dass sich in einem Jahrgang viele Leute mit unterschiedlichem Background treffen. Die Schule hat einen sehr guten Ruf bezüglich des Finance-Themas und das ist etwas, was ich bereits gemacht habe. Ich glaube, dies ist der eigentliche Grund für die Absage und vielleicht ist das auch gar nicht schlecht, da ich mich ja entschieden habe, nicht mehr zu den großen Unternehmen zu gehen.

Plan B, den ich bis dahin eher stiefmütterlich behandelt hatte, waren die Business Schools IESE und ESADE in Barcelona. Ich habe mir natürlich auch andere Programme angeschaut: Die Hochschule Insead ist in der Nähe von Paris, also auch gar nicht in Paris und ich überlegte, dass ich kein Französisch spreche, keine Freunde oder Bekannte in Frankreich habe - meinem Freund und baldigem Ehemann erging es ebenso, so dass dieses Programm für mich ausfiel. Der zweite Campus von Insead in Singapur schied ebenfalls aus, da Singapur wie auch die USA einfach zu weit weg ist. Eine weitere Möglichkeit war IMD in Lausanne. Hier bewerben sich allerdings Leute, die wesentlich mehr Berufserfahrung haben als ich. Die Altersstruktur ist sehr viel höher, so dass ich mich in diesem Fall auch gegen die Business School entschieden habe. Eine weitere Uni, die schon lange in meinem Kopf herumgeisterte, weil ich den Namen schon in meinem BWL-Studium in Prag oft gehört hatte, war St. Gallen. Die Problematik hierin bestand in der einfachen Tatsache, dass ich bereits eine Zeit meines Studiums in Deutschland verbracht hatte und ich dachte, dass sich eine deutschsprachige Hochschule nicht in derselben Form lohnt wie eine anderssprachige Universität. Zwei Möglichkeiten in England sollte ich noch erwähnen: Oxford und Cambridge, die beide ein Ein-Jahres-Programm-MBA anbieten. Ich habe also nach meiner ersten Bewerbung in London, meiner zweiten und dritten Bewerbung in Barcelona auch noch eine weitere nach Cambridge geschickt. Die habe ich natürlich auch in letzter Sekunde abgeschickt: Der Vorteil war, dass man nichts für die Bewerbung zahlen musste. Man muss pro Bewerbung ungefähr mit 100 bis 150 Euro rechnen. Cambridge hat sich leider nicht bei mir gemeldet! Nachdem ich beide Zusagen aus Barcelona hatte, habe ich mich nicht weiter darum gekümmert, aber trotzdem muss ich sagen, dass die Bewerbung - auch wenn sie nichts gekostet hat - durchaus viel Mühe und Sorgfalt erforderte. Die Business School von Cambridge nutzt auf ihrer Webseite auch ein Online-Bewerbungsformular, aber im Gegensatz zu vielen anderen Unis arbeitet man hier mit Word - einer Uralt-Methode, wenn man bedenkt, wie viele verschiedene Word-Versionen es bereits gibt. Aber gut: Das war meine Erfahrung mit Cambridge. Im Endeffekt wurde ich sowohl bei ESADE als auch bei IESE angenommen.

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Inhalt

  1. Einleitung: IESE Business School
  2. Die Entscheidung für einen Full-Time MBA in Europa
  3. MBA-Bewerbung und GMAT-Vorbereitung

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