Einen Tag vor der Falling Walls Conference präsentieren ausgewählte Teilnehmer einer Jury ihre innovativen Ideen. Die Beratung A.T. Kearney organisierte mit der Falling Walls Foundation das Lab und vergab ein Stipendium für den akademischen Nachwuchs.

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Die Falling Walls Conference findet seit drei Jahren am Tag des Mauerfalls in Berlin statt. Das ungewöhnliche Konzept der Konferenz geht auf: Innovative Denker präsentieren innerhalb von 15 Minuten ihre persönliche Idee, einen Breakthrough für die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft. Dieser Durchbruch kann im Bereich der Neurowissenschaften, der Nuklearmedizin, der Evolutionsbiologie oder der Friedensforschung liegen – entscheidend ist, dass er neue wissenschaftliche Erkenntnisse bringt, die unsere Welt verändern können. A.T. Kearney und die Falling Walls Foundation ließen sich von diesem Format inspirieren und organisierten zum ersten Mal das Falling Walls Lab: Über 400 Studenten, Absolventen, Doktoranden, junge Berufstätige und Gründer hatten sich für das Falling Walls Lab beworben. 100 durften der Jury aus Wissenschaftlern und Unternehmern in jeweils drei Minuten ihren Breakthrough vorstellen und im Rahmen eines Stipendiums von A.T. Kearney auch an der Falling Walls Conference in Berlin teilnehmen. So bekommt auch der akademische Nachwuchs die Chance, seine Ideen einzubringen in die weltweite Debatte, welche Mauer als nächste fallen muss.

Herr Dr. Sonnenschein, was ist für Sie das Besondere am Falling Walls Lab?

Dr. Sonnenschein: Das Besondere ist der Austausch zwischen den unterschiedlichen Disziplinen, Kulturen und Denkweisen in einem Forum mit 100 Teilnehmern. Diese Zusammensetzung der Audienz aus Teilnehmern und der Jury, bestehend aus Wissenschaftlern und Unternehmern, gibt es so kein zweites Mal. In drei Minuten kann jeder Teilnehmer zeigen, an welchem Durchbruch und neuem Konzept er arbeitet. Formate, bei denen man in einer halben Stunde seine Idee vorstellen kann, gibt es genug. Es ist eine viel größere Herausforderung, sich auf drei Minuten zu beschränken. Gerade junge Talente haben manchmal Schwierigkeiten, anderen ihre Arbeit zu vermitteln. Insofern ist das Falling Walls Lab auch ein Training für die Präsentation von Gedanken und Erkenntnissen. Zu meiner Studienzeit gab es dafür weit weniger Gelegenheiten.

In seiner Eröffnungsrede an die Stipendiaten sagte Dr. Martin Sonnenschein, Managing Director Central Europe bei A.T. Kearney, als Student hätte er sich selbst eine solche Veranstaltung gewünscht. squeaker.net traf ihn während des Falling Walls Lab zum Gespräch und fragte, warum. 

Was verspricht sich A.T. Kearney vom Falling Walls Lab? Ist diese Veranstaltung auch eine neue Form von Recruiting?

Dr. Sonnenschein: Natürlich ist das Entwickeln und Gewinnen von Talenten und der Austausch mit ihnen erfolgskritisch für eine Unternehmensberatung – wir haben nur Köpfe als Assets. Im Consulting geht es um Wissen und insbesondere die Fähigkeit, Probleme zu lösen. Dafür brauchen wir Leute, die querdenken und über den Tellerrand schauen. Solche Menschen finden wir auf dieser Veranstaltung und bieten ihnen gleichzeitig die Möglichkeit, sich zu vernetzen.

Nach welchen Kriterien wurden die 100 Stipendiaten ausgewählt?

Dr. Sonnenschein: Jeder, der unter 35 Jahren ist, konnte sich für das Stipendium bewerben. Zu den Auswahlkriterien der Jury gehören der akademische Abschluss und die Abschlussnote, Berufserfahrungen durch PraktikaAuslandserfahrung im Studium und Beruf, wissenschaftliche Exzellenz, wissenschaftliche Veröffentlichungen sowie bereits erhaltene Preise und Stipendien. Wichtiger sind jedoch ein überzeugendes und originelles Motivationsschreiben und ein Abstract des geplanten Vortrages. Beim Abstract geht es uns vor allem um die Verständlichkeit sowie um die wissenschaftliche und gesellschaftliche Relevanz des jeweiligen Breakthroughs. Wenn das Anschreiben und das Abstract spannend sind, muss der Bewerber keine Bestnoten oder keinen Vorzeige- Lebenslauf mitbringen. Es geht uns um Persönlichkeiten und eine größtmögliche Vielfalt unter den Stipendiaten, hinsichtlich Fachbereich, Nationalität, kulturellem Hintergrund, Geschlecht und Status (Student, Absolvent, Doktorand, berufstätig oder selbständig). Wir glauben an multikulturelle und interdisziplinäre Teams, um innovative Lösungen hervorzubringen. Deshalb geben wir auch Bewerbern mit unsteten Biografien eine Chance, ihre Ideen vorzustellen.

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Und nach welchen Kriterien wurden die Sieger des Falling Walls Lab 2011 ausgezeichnet?

Dr. Sonnenschein: Diese Entscheidung war eine echte Herausforderung für die Jury. Es gab tolle Ideen, die nicht überzeugend präsentiert wurden, und schwächere Ideen, die mit einer sensationellen Präsentation glänzten. Die Gewinner mussten von beidem etwas mitbringen: eine innovative Idee und die Fähigkeit, diese auch zu kommunizieren. Zudem sind die Ideen natürlich auch in unterschiedlichen Entwicklungsstadien: Manche stehen am Anfang ihrer Abschlussarbeit, manche sind schon Post-Docs. Die Jury-Mitglieder vergeben schon während der Präsentation Scores von 0-5 Punkten pro Vortrag. Auch die Zuhörer konnten ihre Stimme abgeben und einen Publikumspreis verleihen. Begeistert hat uns das soziale Engagement der Bewerber und Teilnehmer. Es gab einige, die hätten gleich mehrere Themen präsentieren können und hatten deshalb die Qual der Wahl. Die hatte dann auch unsere Jury.

Wie können sich Bewerber im nächsten Jahr auf das Falling Walls Lab vorbereiten?

Dr. Sonnenschein: Für die Veranstaltung ist keine besondere Vorbereitung nötig, aber man muss offen sein für Neues. Es geht darum, als Teilnehmer zu zeigen, dass man mit dem, was man tut, einen Beitrag für den Fortschritt der Gesellschaft leistet, in wissenschaftlicher und sozialer Hinsicht. Und man muss diese Energie auch transportieren können. Manche brennen wirklich seit zwölf, 18 oder 36 Monaten für ihr Thema. Das ist die beste Vorbereitung – sich mit Leidenschaft für eine Idee zu engagieren. 

Was sind Ihrer Meinung nach die Herausforderungen der Zukunft?

Dr. Sonnenschein: Die wichtigsten Herausforderungen der Zukunft sind zum einen die technologischen Entwicklungen, vor allem in Bezug auf Ressourcenknappheit und Energieeffizienz; zum anderen geht es aber insbesondere um „Innovationen im menschlichen Miteinander“, um die Bereitschaft, Mauern einzureißen und Offenheit für Veränderung. Für mich bedeutet das: Gemeinschaftssinn, Mut, Authentizität und visionäres Denken miteinander zu vereinen. Davon brauchen wir mehr.

Die ausgezeichneten Breakthroughs beim Falling Walls Lab 2011

1. Platz & Audience Award (1000 Euro und ein iPad 2)
Dr. Shuo Zhang, Deutschland/Nationalität : Chinesisch
Breaking the Wall of Magnetic Resonance Imaging  
Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie (Karl-Friedrich-Bonhoeffer-Institut), Göttingen 

2. Platz (750 Euro)
Tom Bieling, Deutschland/Nationalität: Deutsch
Breaking the Wall of Misinterpreting Dis/ability
Universität der Künste, Berlin

3. Platz (500 Euro)
Eileen Diskin, Irland/Nationalität: USA
Breaking the Wall of Antibiotic Resistance
Trinity College Dublin

4. Platz (500 Euro)
Jennifer Jordan, Niederlande/Nationalität: USA
Breaking the Wall of Moral Psychology
Universität Groningen

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