Der SQUEAKER Ratgeber

Hidden Champions

Hidden Champions: Karriere beim unbekannten Marktführer

Hidden Champions sind wenig bekannte Unternehmen, die jedoch in ihrer Branche nicht selten Marktführer sind. Für Berufseinsteiger und Young Professionals bieten Hidden Champions interessante Karrieremöglichkeiten abseits großer Konzerne.

Der Begriff „Hidden Champions“ wurde durch Herrn Prof. Hermann Simon in den frühen 1990er Jahren eingeführt. Er beschreibt Unternehmen, mit einem Umsatz von unter 3 Mrd. Euro. Diese stellen Investitionsgüter her, sind eine treibende Kraft auf dem Arbeitsmarkt und nicht selten Weltmarktführer. Dennoch sind sie Berufseinsteigern, Professionals und der Allgemeinheit oft unbekannt, denn Hidden Champions legen den Fokus weniger auf Öffentlichkeitsarbeit oder Marketing. Sie füllen kleine Marktnischen aus oder schaffen sie sich selbst. Oft besitzen sie zwischen 50 bis 70 Prozent Marktanteil in ihrer Nische und sind somit auch für einen Großteil des Exportes in Deutschland, der Schweiz und Österreich verantwortlich.

Berufseinstieg bei Hidden Champions

Für Berufeinsteiger haben diese Strukturen eine hohe Attraktivität, obwohl die Karriereangebote der Hidden Champions relativ unbekannt sind. Doch gerade dies kann für Bewerber zum Vorteil werden. Hidden Champions bieten flache Strukturen, oft eine persönliche Atmosphäre und sind sehr dynamisch. Chancen und Trends können hier über kurze Weg schneller erkannt und verfolgt werden. Da Hidden Champions durchaus einen Auslandsanteil von bis zu 90 Prozent haben können, ist nicht nur der Heimatmarkt interessant, sondern viele Projekte sind sehr international orientiert. Häufig vereinen Hidden Champions die Vorzüge eines globalen Unternehmens mit denen eines Familienunternehmens. In den Erfahrungsberichten der Squeaker erfährst du mehr über den Arbeitsalltag bei Hidden Champions.

Globalisierte Familienunternehmen

Diese Unternehmen zeichnen sich durch hohe Kompetenz auf ihrem Gebiet aus. Sie sind häufig globalisierte Familienunternehmen, die eine hohe Stabilität aufweisen. Das Ziel der meisten Hidden Champions sind weniger gute Quartalszahlen und kurzfristige Gewinne, sondern langfristiger Erfolg. Für diesen Erfolg auf Dauer brauchen Hidden Champions nicht nur ein gutes Mitarbeiterverhältnis – sprich geringe Fluktuationen, ständige Innovationen und Qualität der Produkte – , sondern müssen sich auch den Wünschen ihrer Kunden anpassen. Das schafft eine hohe dynamische und flexible Produktgestaltung und eine stark kundenorientierte Arbeitsatmosphäre. Grundsätzlich sind auch die Top-Kunden eine treibende, ständige Innovationskraft. Die Kostengestaltung eines solchen Hidden Champions ist nicht konkurrenzfähig, sollten große andere Anbieter in den Wettbewerb treten. Somit haben Hidden Champions immer den Anspruch, (Welt-)Marktführer zu sein, indem sie sehr gute Qualität liefern und eine außergewöhnlich gute Kundenbetreuung bieten. Die Qualität der Produkte oder Dienstleistungen, hochqualifizierte Mitarbeiter und interessante Kunden sind das Kapital eines Hidden Champions.

Einstieg als Berater beim Hidden Champion

Bekannte Unternehmensberatungen bekommen unzählige Bewerbungen. Consulting-Interessierte sollten bei der Jobsuche auch die Stellenangebote der Hidden Champions beachten. Das sind die Vorteile und Nachteile des Einstiegs bei Hidden Champions.

Große Beratungen, wie McKinseyRoland Berger oder BCG, ziehen zahlreiche Bewerber an. Gerade Einsteiger, denen tiefere Branchenkenntnisse fehlen, setzen auf die ‘Big Player’ der Consulting-Branche, die mit Bewerbungen förmlich überschüttet werden. Auch Boutiquen und mittelständische Unternehmensberatungen bieten interessante Karrierechancen – besonders für Berufsanfänger. squeaker.net klärt dich über die Vorteile und Nachteile der Hidden Champions im Consulting auf und gibt dir Insider-Tipps für deinen Einstieg als Berater.

Hidden Champions: Consulting-Expertise

  • Vorteil: Hidden Champions sind klein aber fein. Sie haben erfolgreich eine Beratungsnische besetzt und überzeugen Kunden mit ihrer Expertise für bestimmte Branchen, Themen oder Zielgruppen, etwa dem gehobenen Mittelstand. Kleine oder mittelständische Beratungen haben sich dieses Insider-Wissen meist mit jahrzehntelanger Arbeit erworben. Größere oder neuere Beratungen haben es deshalb schwer, mit dem Know-how der kleineren Experten zu konkurrieren. Zudem haben Hidden Champions innerhalb ihres Beratungssegments starke Netzwerke geknüpft, von denen du als Einsteiger profitieren kannst.
  • Nachteil: Eine kleineres Berater-Team ist gezwungen, das wertvolle Wissen auf seinem Spezialgebiet immer auf dem neuesten Stand zu halten und veränderte Kundenbedürfnisse frühzeitig zu erkennen, um den Wettbewerbsvorteil gegenüber größeren Beratungen nicht zu verlieren. Das kostet Aufwand und Zeit, die sich manche Beratungen mit weniger Mitarbeitern auf Dauer nicht leisten können.

Hohe Verantwortung, steile Lernkurve

  • Vorteil: Aufgrund der geringeren Mitarbeiterzahl wird dir bei einer kleineren Beratung mehr Verantwortung übertragen. Du wirst schneller in die täglichen Abläufe eingebunden und trittst in Kundenkontakt. Solche anspruchsvollen Aufgaben fördern sowohl deine Motivation als auch deine Lernkurve als Berater – nicht nur fachlich, sondern auch hinsichtlich deiner Führungsfähigkeiten.
  • Nachteil: Manchmal wirst du dich als junger Berater überfordert oder allein gelassen fühlen. Das wird dir aber in anderen Beratungen ebenso gehen. Auch der Umgang mit Rückschlägen will gelernt sein – bitte deinen Vorgesetzten um ein Feedback-Gespräch.

Der Kampf um den Berater-Nachwuchs

  • Vorteil: Die Chance, dass deine Bewerbung als Berater bei einem Hidden Champion erfolgreich verläuft, ist höher. Weniger Bewerber bedeuten für dich weniger Konkurrenz. Zudem gewinnt der Personal Fit bei einem kleineren Berater-Team noch an Bedeutung. Daher bieten viele kleine und mittelständische Beratungen ehemaligen Praktikanten ein vereinfachtes Bewerbungsverfahren für den Direkteinstieg an oder machen ihnen ein Vertragsangebot.
  • Nachteil: Kleinere Beratungen mit Potenzial zum Hidden Champion überhaupt ausfindig zu machen, stellt für Bewerber die erste Herausforderung dar, noch vor dem eigentlichen Bewerbungsprozess. Doch die Recherche lohnt sich. Insider-Tipps zur Stellensuche findest du im Kasten.

Insider-Tipp für die Bewerbung bei kleineren Beratungen

“Ein Bewerber sollte sich mit der Mentalität des Mittelstandes vertraut machen. Dort zählt Substanz mehr als Show. Insofern sollte man im Vorstellungsgespräch nicht zu dick auftragen. Mehr Sein als Schein – damit fahren Bewerber besser! Denn bei großen Beratungen ist es eher üblich, dass Einsteiger nur ein paar Jahre in der Firma bleiben, um dann in die Industrie zu wechseln. Bei mittelgroßen Beratungen ist das anders. Junge Talente sollen dem Unternehmen möglichst lange verbunden bleiben und mit ihm wachsen.”
Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Simon, Gründer und Chairman der Marketing- und Vertriebsberatung Simon-Kucher & Partners, Weltmarktführer in der Preisberatung

Anspruchsvolle Bewerbungsverfahren bei Hidden Champions

Du hast bei mittelständischen Beratungen und Boutiquen zwar weniger Mitbewerber, doch darauf darfst du dich nicht ausruhen: Echte Hidden Champions haben anspruchsvolle Bewerbungsverfahren. Einige Beratungen setzen darüber hinaus Fachwissen zu bestimmten Themen oder Kundenanforderungen aus Praktika voraus. Ein Praktikum ist aber auch für dich eine gute Möglichkeit, zu prüfen, ob du dich für eine Einstiegsposition beim Hidden Champion eignest. Du solltest nämlich wissen, ob du dich in deiner Karriereplanung frühzeitig auf eine Branche, einen Beratungsansatz oder ein Thema festlegen möchtest. Informier dich darüber hinaus, ob dein potenzieller neuer Arbeitgeber dir trotz der Spezialisierung einen breiten Einblick in die Consulting-Branche bieten kann und wie es um deine Entwicklungsmöglichkeiten in den ersten drei Jahren nach dem Einstieg als Berater bestellt ist.

Insider-Tipps vom Recruiter

“Wir haben hohe Anforderungen an unsere Bewerber. Insofern sind sehr gute Noten, mehrere relevante Praktika und außeruniversitäre Aktivitäten eher ‘Hygienefaktoren’. Entscheidend ist eine i­nteressante Persönlichkeit mit intellektueller Neu­gierde, Kommunikations- und Teamfähigkeit. Und dies lässt sich frühestens im Bewerbungsgespräch feststellen.” – Daniel Petzold, Manager und Recruiting­-Verantwortlicher für Praktikantenbewerber Ebner Stolz Management Consultants

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