Der SQUEAKER Ratgeber

Consulting Cases lösen: so geht’s

Fallstudien und Cases mit Frameworks lösen

Um Fallstudien im Consulting-Bewerbungsgespräch souverän zu lösen, ist gute Vorbereitung entscheidend. Zügiges Kopfrechnen und theoretisches Wissen über die gängigen BWL-Frameworks allein reichen für das Lösen von Cases nicht aus.

Die Schwierigkeit bei der Lösung von Cases liegt darin, sich in der konkreten Interviewsituation die richtige Lösungsstrategie zurechtzulegen und die entsprechenden Hilfstools richtig anzuwenden. Cases testen deine Berater-Fähigkeiten: Eine Lösung für die Probleme des Klienten zu entwickeln und ihn von deiner Strategie zu überzeugen, ist sowohl im Interview als auch später in der Unternehmensberatung deine Aufgabe. Da für die Bearbeitung von Fallstudien auch Kreativität erforderlich ist, gibt es keine festen Muster, nach denen Cases im Interview gelöst werden sollen. Allerdings haben viele Aufgabenstellungen eine vergleichbare Grundstruktur. Daher ist es sinnvoll, das Lösen von Cases im Vorfeld zu üben. Wir stellen dir die wichtigsten betriebswirtschaftliche Frameworks vor, die dir helfen, im Interview einen effizienten Lösungsansatz zu entwickeln.

Einige Fallstudien haben einen Bezug zu aktuellen wirtschaftlichen oder technologischen Entwicklungen. Es lohnt sich, die Tagespresse zu verfolgen und mit Hintergrundwissen zu glänzen.

In unserem Insider-Dossier “Consulting Case-Training” findest du weitere Experten-Tipps zum Lösen von Cases.

Allgemeine Tipps für Consulting Cases:

Zunächst ist es wichtig, die Zielsetzung der Frage und das gewünschte Antwortschema frühzeitig zu erkennen. Es hilft, sich während der Vorstellung des Cases Notizen zu machen und gezielte Rückfragen zu stellen. Gerade unerfahrene Bewerber machen den Fehler, anfangs zu passiv zu sein und nicht genügend Fragen zu stellen – dabei sind diese für eine umfassende Lösung unerlässlich und werden sogar von Interviewern erwartet. Es ist kein Problem, sich ein bis zwei Minuten Zeit für die gedankliche Analyse des Problems zu nehmen: Ruhiges und konzentriertes Nachdenken zeugt von deiner Besonnenheit und wappnet dich gegen Flüchtigkeitsfehler. Allerdings solltest du auch bedenken, dass die Besprechung des Cases in der Regel nicht länger als 15-20 Minuten dauert – ein Drittel davon als gedankliche Pause zu nutzen, wäre definitiv zu viel.

Erfolgsentscheidend für deine Lösung ist zunächst das Entwickeln einer logischen Grundstruktur. Wenn du dem Interviewer deine Vorgehensweise anhand eines Plans erläuterst, hilfst du dir selbst bei der Strukturierung und sammelst nebenbei Pluspunkte. Es ist entscheidend, die richtigen Prioritäten zu setzen und mit den wichtigsten Fragen und Problemen zu beginnen. Deine Ergebnisse grafisch zu illustrieren – beispielsweise anhand eines Logikbaums oder verschiedener Charts – hilft, deine Lösung verständlich zu machen. Um den Case erfolgreich zum Abschluss zu bringen, empfiehlt sich außerdem ein Schlussteil, in dem du die wesentlichen Ergebnisse zusammenfasst und noch einmal kritisch auf ihre Plausibilität hin überprüfst.

Eine ausführlichere Erklärung dieser und weiterer Frameworks findest du im Insider-Dossier: Bewerbung bei Unternehmensberatungen. In unserem Ratgeber-Klassiker erfährst du auch, in welcher Situation welches Framework am meisten Sinn macht und kannst ihre Anwendung anhand von über 20 Beispiel-Fallstudien trainieren.

Frameworks für Fallstudien und Cases

Bei der Strukturierung deiner Antwort können dir auch verschiedene betriebswirtschaftliche Konzepte und Tools helfen. Diese Frameworks sind keine Lösungsschablonen – sie sollen vielmehr helfen, ein Grundverständnis für die wesentlichen Prozesse im Unternehmen zu entwickeln und daraus Handlungsempfehlungen für die spezifischen Probleme im Interview-Case abzuleiten. Für eine positive Bewertung deiner Leistung sind aber auch eigene Lösungsansätze erforderlich. Finde heraus, welche Konzepte du für die Lösung sinnvoll verwenden kannst und entwickle deine Antwort anhand einer entsprechenden Struktur – die bloße Auswahl und das Anwenden eines auswendig gelernten Frameworks ist nicht das Ziel der Übung.

Wir haben die Frameworks in zwei Anforderungsniveaus unterteilt: Basic und fortgeschrittene Frameworks. Den Basic-Konzepten begegnen BWLer schon innerhalb der ersten Semester. Umso wichtiger ist es, insbesondere für Nicht-Wirtschafswissenschaftler, diese Konzepte vor dem Bewerbungsgespräch verinnerlicht zu haben. Die fortgeschrittenen Frameworks kennen und anwenden zu können, empfiehlt sich für vor allem für Studenten mit wirtschaftlichem Studienprofil, von denen umfangreichere Business-Kenntnisse erwartet werden.

Analyse von internen und externen Einflussfaktoren

Bei Case-Fragen, die von dem Bewerber fordern, das Unternehmen, sein Umfeld und den Markt zu analysieren, lohnt es sich, interne und externe Faktoren zu vergleichen. Ein sinkender Marktanteil kann beispielsweise mit internen Faktoren wie dem Marketing-Budget oder externen Faktoren wie den Produkten der Wettbewerber begründet werden.

Beobachtung der Angebots- und Nachfrage-Situation

Angebot und Nachfrage spielen besonders bei klassischen Markt- und Wettbewerbsanalysen eine wichtige Rolle. Auch die Entwicklung und Festsetzung von Preisen lässt sich oft gut mit der Entwicklung der Angebots- und Nachfrage-Situation über die Zeit begründen, speziell bei Produktneueinführungen.

Kosten-Nutzen-Analyse

Eine Kosten-Nutzen-Analyse ist ein sinnvolles Tool, um attraktive Investitionen zu identifizieren. Wichtig ist eine solche Analyse vor allem aus der Investorenperspektive. Für die Gegenüberstellung und Gewichtung von Kosten- und Nutzenfaktoren bietet sich beispielsweise eine Tabelle an.

Kosten-Kennzahlen

Kosten-Kennzahlen bieten eine gute Argumentationsbasis bezüglich der Festsetzung von Preis, Produktionsmenge und Ausbau bzw. Abbau von Kapazitäten. Wichtige Größen, die man betrachten sollte sind:

  • Fixe- und variable Kosten
  • Durchschnittskosten
  • Grenzkosten
  • Opportunitätskosten

SWOT-Analyse

Der Begriff SWOT setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Wörter strengths, weaknesses, opportunities und threats zusammen. Die SWOT-Analyse besteht also aus der Erstellung eines Stärken-Schwächen-Profils, welches mit Informationen über mögliche Entwicklungen in der Zukunft verknüpft wird. Die einzelnen Punkte lassen sich gut in einer 2×2 Matrix grafisch gegenüberstellen. Neben der Beurteilung von Unternehmen oder Märkten kannst du dieses Framework z. B. auch zum Check deiner Bewerbung verwenden: Welche Stärken und Schwächen hast du? Welche Chancen und Risiken ergeben sich dadurch für das Unternehmen?

Porter´s Five Forces

Mithilfe des Five Forces Modells lassen sich etwaige Unternehmensstrategien abbilden, ableiten und entwickeln, besonders im Hinblick auf Unternehmens-Positionierung, die Gestaltung eines effizienten Pricing und den Eintritt in einen neuen Markt. Die Five Forces lauten:

  • Markteintrittsbarrieren
  • Verhandlungsmacht der Nachfrager
  • Verhandlungsmacht der Lieferanten
  • Gefahr durch Substitutionsprodukte
  • Rivalität unter Firmen

Weitere Tools zur Lösung von Cases inklusive vieler Beispiele zur Veranschaulichung der Tools findest du in den Insider Dossiers: Bewerbung bei Unternehmensberatungen und Consulting Case-Training

4Ps

Ein bewährtes Marketing-Framework, das bereits in den 60er Jahren von Jerome McCarthy entwickelt wurde. Die Marketing-Aktivitäten eines Unternehmens werden als Mix aus den 4Ps begriffen: Product, Price, Promotion und Place (Distribution). Dieses Framework eignet sich zur und Positionierung von neuen oder bereits existierenden Produkten.

4 Cs

Während sich die 4 Ps sehr konkret auf ein einzelnes Produkt bzw. eine Produktgruppe beziehen, kannst du mit Hilfe der 4 Cs sehr gut eine allgemeine Markteintrittsstrategie beschreiben: Customer, Competition, Cost und Capabilities sind die vier wichtigsten Faktoren, bezüglich der ersten Markteintrittsüberlegungen.

Produktlebenszyklus

Der Produktlebenszyklus lässt sich, je nach Reife des zu untersuchenden Produktes, sehr gut in die Argumentationskette einer Case Study einbauen. Den vier Lebensphasen eines Produkts (Einführung, Wachstum, Reife und Abschwung) sind unterschiedliche Annahmen hinsichtlich Umsatz, Kapitalbedarf, Gewinne und Rentabilität zugeordnet.

BCG-Matrix

Die BCG-Matrix wird verwendet, um die Marktattraktivität eines Produktes einzuschätzen und ein gegebenes Produktportfolio zu beurteilen. Zusätzlich kann anhand dieser Darstellung veranschaulicht werden, wie sich ein Unternehmen im Wettbewerb positioniert. Die Matrix unterteilt das Produktportfolio anhand des Marktwachstums und des relativen Marktanteils in die 4 Quadranten: Stars, Cash Cows, Questionsmarks und Poor Dogs.

5 Cs

Wie auch die 4 Ps und 4 Cs bietet das Konzept der 5 Cs die Möglichkeit, die Analyse eines Unternehmens zu strukturieren. Mithilfe der Faktoren Character, Capacity, Capital, Conditions und Competetive Advantage können Chancen und Risiken – bspw. einer Übernahme – besser eingeschätzt werden. Daher eignet sich dieses Framework vor allem zur Beurteilung von Akquisitionskandidaten in Finance-Cases.

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