Promotionsalternative LL.M.

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Der LL.M.

Immer häufiger gilt ein LL.M., ein Master of Laws (bzw. M.jur. an der University of Oxford), als Ersatz für die Promotion. Gerade von anglo-amerikanischen Kanzleien hört man mitunter sogar, ein LL.M. sei ihnen wichtiger als eine Promotion. Als Karrieretipp überzeugt das nur bedingt: Der fachliche Nutzen eines LL.M. ist meist noch überschaubarer als der einer Promotion. Während letzterer befasst man sich immerhin mit einer Fragestellung des deutschen Rechts, in dem man später praktiziert. Zwar stimmt es, dass du mit einem LL.M. in den USA auch das „bar exam“ ablegen kannst, das dich in wenigstens einem US-Bundesstaat zur Ausübung des Anwaltsberufs befähigt. Vernünftigerweise wird man aber mit einem knappen Jahr theoretischer Erfahrung im US-Recht dort nicht praktizieren; auch nicht mit einer größeren internationalen Kanzlei. Insofern ist der Titel „attorney at law“ sicher nett auf dem Kanzleibriefbogen, wird dich aber fachlich nicht wesentlich weiterbringen. Weshalb der LL.M. hierzulande so wichtig ist, erklärt sich aus den Anforderungen internationaler Transaktionsprozesse, bei denen fast immer Englisch gesprochen wird – die Beteiligung eines internationalen Finanzinvestors genügt. Mit möglichst vielen LL.M. Titeln auf dem Briefkopf kann eine Kanzlei leicht nachweisen, dass ihre Anwälte alle über exzellente Englischkenntnisse verfügen. Das leistet aber auch jeder andere im Ausland erworbene Mastertitel, sodass es keineswegs zwingend erforderlich ist, einen LL.M. zu absolvieren.

Interkulturelle Rechtskompetenz

Schließlich lässt sich mit einem LL.M. auch ein gewisses Maß an interkultureller Rechtskompetenz nachweisen – wer sich eingehend mit anglo-amerikanischem Recht beschäftigt hat, wird vielleicht besser verstehen, welche Aspekte des deutschen Rechts für die Kollegen in Übersee schwer greifbar sind. Alles in allem ist der LL.M. also keinesfalls vergebene Mühe; in den meisten Fällen wird man zumindest ein wirklich spannendes und ereignisreiches Jahr verlebt haben. Allerdings solltest du nicht den Fehler begehen, allzu sehr auf den freizeitlichen Aspekt des LL.M. zu schielen und ihn an einer No-Name-Universität in der Südsee absolvieren – ein gewisses Maß an akademischer Ernsthaftigkeit sollte für den späteren Arbeitgeber erkennbar sein. Auch gibt es bestimmte LL.M.-Programme, die im Ruf stehen, fast ausschließlich Deutsche anzuziehen, sodass der sprachliche Gewinn für dich überschaubar sein dürfte. In diesem Fall hat der LL.M. gegenüber einem 9-monatigen Surfurlaub auf Maui kaum noch Vorteile. Wer sich aber eine namhafte, traditionelle Universität aussucht, wird neben dem akademischen und sprachlichen auch viele persönliche Gewinne mitnehmen können. Die Seriosität einer Promotion vermag aber auch der anerkannteste LL.M. nicht zu vermitteln – jedenfalls gegenüber deutschen Mandanten.

Verbindung von LL.M. und Promotion

Wer sowohl die Promotion als auch den LL.M. absolvieren möchte, kann mit der Promotion beginnen und anschließend einen rechtsvergleichenden Teil mit dem LL.M. verknüpfen. An dieser Stelle solltest du aber im Hinterkopf behalten: Wenn du überhaupt vor der Entscheidung Promotion oder LL.M. stehst, hast du ein reines Luxusproblem.

Sebastian Schilling, Jahrgang 1984, studierte von 2001 – 2004 Philosophy, Politics & Economics am The Queen’s College, University of Oxford und von 2004 – 2009 Rechtswissenschaft an der Bucerius Law School in Hamburg. Seit 2009 promoviert er an der Universität Münster bei Prof. Dr. Ingo Saenger und gründet das Unternehmen HeadStarter. Während seiner Studienzeit hat Sebastian Praktika in Unternehmen, Banken, Beratungen und Anwaltskanzleien absolviert und coacht zudem neben seiner Promotion zwei Hauptschüler auf ihrem Weg zum Realschulabschluss.

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Inhalt

  1. Einleitung: Promotion oder LL.M.
  2. Promotionsalternative LL.M.

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