Der SQUEAKER Ratgeber

Personal Fit

Persönlichkeit zählt - Personal Fit im Bewerbungsgespräch

Die Vorbereitung auf Personal Fit-Fragen lohnt sich nicht nur für das persönliche Bewerbungsgespräch im Consulting – auch bei Telefoninterviews im Vorfeld musst du mit Fragen zu deinem Lebenslauf und deiner Motivation rechnen.

Ob der Bewerber das für den Beraterberuf nötige analytische Denkvermögen mitbringt, wird vor allem mittels FallstudienEinstellungstests sowie Brainteasern geklärt. Für eine erfolgreiche Karriere in der Unternehmensberatung sind aber auch andere Eigenschaften gefragt, um die hohe Arbeitsbelastung in kleinen Gruppen erfolgreich bewältigen zu können. Dazu zählen insbesondere eine große Leistungsbereitschaft und ausgeprägte Teamfähigkeit.

Die Personal Fit-Fragen, die dir im Bewerbungsgespräch bei Unternehmensberatungen begegnen werden, lassen sich in drei Kategorien einteilen:

 

Wir stellen dir im Folgenden jede dieser drei Kategorien mit den wichtigsten Fragen und möglichen Antwortstrategien vor.

Lebenslauf-Fragen

Mit dieser Art von Personal Fit-Fragen versucht dein Gesprächspartner dich anhand deines Lebenslaufs besser kennen zu lernen. Ein klassisches Element dieser Kategorie ist beispielsweise die Aufforderung „Erzählen Sie von sich“ – wer hier mit gestotterten Halbsätzen antwortet, hat schon verloren. Deine persönliche Geschichte solltest du deswegen sorgfältig vorbereiten. Damit sich der Interviewer später im Debriefing mit seinen Kollegen an dich erinnert, musst du einen bleibenden Eindruck hinterlassen – natürlich im positiven Sinne. Die Benutzung von Bildern und Geschichten bei der Beantwortung von Personal Fit-Fragen kann dir helfen, eine einprägsame, persönliche „Marke“ aufzubauen, z. B. „der Gründer“ oder „der Weltumsegler“.

Das Kennenlernen dient natürlich nur dazu herauszufinden, ob du zu Job und Unternehmen passt. Folgende Frage aus einem Consulting-Bewerbungsgespräch bringt diesen Hintergrund auf den Punkt:

„Nennen Sie sieben Eigenschaften die für einen Unternehmensberater Ihrer Meinung nach am wichtigsten sind. Anschließend bewerten Sie sich selbst anhand dieser Eigenschaften auf einer Skala von eins bis zehn und geben mir für Ihre Einschätzung Belege aus Ihrem Lebenslauf.“

Du siehst, wie wichtig es ist, auf solche Fragen vorbereitet zu sein: Aus dem Stehgreif sieben Eigenschaften zu benennen, mag dir vielleicht noch gelingen – diese aber auf Anhieb sinnvoll und strukturiert mit deinem Lebenslauf zu verknüpfen ist wesentlich schwieriger, gerade wenn du angespannt oder nervös bist.

Andere, oft gestellte Lebenslauf-Fragen, für die es sich lohnt, schon im Vorfeld Antworten zu entwickeln:

  • Was sind deine Stärken?
  • Wie gut sind deine Mathefähigkeiten? 
  • In welcher Situation hast du schon Führungsverantwortung übernommen?
  • Wann hast du Teamfähigkeit bewiesen?
  • Was war die größte Herausforderung in deinem Leben und wie hast du sie bewältigt?
  • Welche Schwerpunkte haben dich im Studium besonders interessiert und warum?
 

Dass Bewerber zunehmend dazu neigen, in der – selten durch Zeugnisse belegbaren – Rubrik „Engagements und Interessen“ etwas dicker aufzutragen, hat sich mittlerweile auch unter Personalern herumgesprochen. So wird beispielsweise aus dem Gardaroben-Job bei einem Studentenkongress, schnell einmal die Organisationsleitung eines Wirtschaftskongresses. Doch nicht nur um Schwindeleien aufzudecken, sondern auch um herauszufinden, was ein bestimmtes Engagement über die Leistungsfähigkeit eines Kandidaten aussagt, bedienen sich Personaler gerne der drei Fragen aus dem sog. Ereignis-Dreiecks:

  • Wie ist es zu dem Engagement gekommen? Wie bist du zu deiner Rolle gekommen?
  • Was war die anspruchsvollste Aufgabe, die du während deines Engagements individuell bewältigt hast?
  • Zu welchen Resultaten hat dein Einsatz geführt? Was ist davon heute noch zu sehen?
 

Auch wenn der Personaler nicht aktiv diese drei Punkte abfragt, kannst du das Schema zu deinem Vorteil nutzen, für den Fall, dass sich das Gespräch, um eines deiner Engagements dreht. Wenn es beispielsweise um deine Amtszeit als Schülersprecher geht, kannst du erstens herausstellen, dass du dich in einem großen Wahlkampf gegen mehrere Wettbewerber durchgesetzt hast (und nicht der einzige Depp warst, der sich für den Job gemeldet hat). Ferner könntest du betonen, dass du in einem landesweiten Schulgremium aktiv warst und einen Vorschlag zur Verbesserung der Hausaufgabenbetreuung von Migrantenkindern eingebracht hast. Abschließend könntest du dann damit triumphieren, dass es in deinem Schulkreis heute ein staatlich gefördertes Netzwerk für Studenten gibt, die ehrenamtlich bedürftigen Schülern Nachhilfe anbieten. Solch eine präzise Schilderung überzeugt auch den skeptischsten Interviewer davon, dass du nicht nur Drive und Ambition hast, sondern auch Impact generierst – und das ist gerade für Unternehmensberater essentiell.

Um Lebenslauf-Fragen perfekt zu beantworten, sollte man schon im Vorfeld überlegen, welche Eigenschaften der zukünftige Job verlangt und im CV entsprechende Schwerpunkte setzten. Tipps dazu findest du in der Rubrik Bewerbung und in unserem Insider-Dossier “Bewerbungen bei Unternehmensberatungen“.

Stressfragen

Stressfragen im Vorstellungsgespräch testen deine Reaktion auf unerwartete Sachverhalte anhand von überraschenden oder provozierenden Fragen. Auch hier ist es wichtig, vorbereitet ins Bewerbungsgespräch zu gehen – wer nicht weiß, dass die plötzliche Aussage des Interviewers, „Sie sind eigentlich gar nicht der Berater-Typ, oder?“ nur als Test gedacht ist, verliert je nach Charakter schnell Nerven oder Mut. Mit Stressfragen werden die vordergründigen Schwachstellen in deinem Lebenslauf geprüft, beispielsweise ein abgebrochenes Studium oder schlechte Noten. Zeige, dass du die Fähigkeit zur Selbstreflexion besitzt und erkläre dein Verhalten und die positiven Folgen des vermeintlichen Rückschlags. Mit Ruhe und Übersicht lassen sich scheinbare Unstimmigkeiten auf deinem Karrierepfad aus dem Weg räumen.

Weitere Stressfragen, die dir begegnen könnten, sind zum Beispiel:

  • Was sind Ihre Schwächen?
  • Was war Ihr größter Misserfolg?
  • Warum liegen Sie über der Regelstudienzeit?
  • Meinen Sie wirklich, dass ihre praktischen Erfahrungen für den Job ausreichen?
  • Sie wollen Unternehmensberater werden – also auf eine eigene Familie verzichten?

Wer als Antwort auf die Frage nach seinen Schwächen „Perfektionismus“ oder „Ungeduld“ angibt, langweilt Personaler schnell. Versuche besser dir gute Gedanken über deine wirklichen Schwächen zu machen – und bring zum Ausdruck, wie du an ihnen gearbeitet hast. Außerdem solltest du dir diese Schwächen gut notieren und aufheben, denn häufig wirst du sie für deine nächste Praktikumsbewerbung wieder benötigen.

Motivations-Fragen

Diese Kategorie von Fragen untersuchen die Motive, die zu deiner Bewerbung geführt haben – warum willst du Unternehmensberater werden und warum hast du dich für eine Bewerbung bei genau dieser Beratung entschieden? Hast du ein realistisches Bild vom Berater-Alltag und weißt, welche Opfer von dir verlangt werden?

Für die Beantwortungen solcher Fragen ist eine Recherche im Vorfeld sinnvoll – nützliche Mittel dafür sind beispielweise die Firmen-Homepage, BranchenforenErfahrungsberichte und das Verfolgen der Tagespresse auch abseits des Sportteils. Recruiting-Events oder Gespräche mit Mitarbeitern auf Karrieremessen bieten ebenfalls eine gute Argumentationsgrundlage für das Gespräch.

Weitere gern gestellte Fragen, die in vielen Bewerbungsgesprächen auftauchen:

  • Welche Themen oder Branchenschwerpunkte unserer Beratung interessieren Sie besonders?
  • Wie stellen Sie sich den Beruf als Unternehmensberater vor?
  • Bei welchen anderen Beratungen haben Sie sich noch beworben?
  • In welcher Branche würden Sie alternativ gerne arbeiten?

Insider-Tipp: Auf squeaker.net findest du unter Arbeitgeber eine Übersicht aller Top-Unternehmensberatungen. Anhand der Profile kannst du Unternehmenswerte und -ziele gut nachvollziehen und bei deiner Job-Entscheidung einbeziehen.

Deine Fragen

Zum Abschluss kannst du oft deinerseits Fragen stellen – nimm diese Chance wahr! Mit Personal Fit-Fragen wird getestet, ob du aus Unternehmenssicht passt – gleichermaßen solltest du überprüfen, ob auch du dir vorstellen kannst, den Großteil deiner Zeit dort zu verbringen. Informationen abseits von geschönten Werbebroschüren können dabei entscheidend sein. Außerdem wird es schnell als Desinteresse am Unternehmen gewertet, wenn du gar keine Fragen hast. Zeige, dass du dich gut vorbereitet hast und frage nach Dingen, die dir bei deiner Recherche für die Beantwortung der Motivationsfragen unklar blieben.

Falls dir selbst keine kluge Frage einfällt, kannst du unserer Checkliste einige Beispiele entnehmen:

  • Wie werden Einsteiger auf ihren Job vorbereitet?
  • Wie funktioniert der Prozess zur Besetzung von Projekt-Teams?
  • Wie sieht der Review- bzw. Bewertungs-Prozess aus, der die weitere Karriereentwicklung bestimmt?
  • Wie ist das Verhältnis von Partnern zu Beratern?
  • Gibt es einen Office Friday?
  • Welchen sozialen Engagements geht die Beratung nach?

 

Tausche dich vor deinem Telefoninterview oder Bewerbungsgespräch mit anderen squeaker.net-Mitgliedern aus und schreibe anschließend einen eigenen Erfahrungsbericht. Weitere Experten-Tipps findest du im Insider-Dossier “Bewerbung bei Unternehmensberatungen“.