MBA-Bewerbung und GMAT-Vorbereitung

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Kommen wir kurz zurück zum GMAT. Wie hast du dich vorbereitet?

Ich habe mir für die Vorbereitung auf den GMAT drei Monate Zeit genommen und mich zuerst mit den gängigen Büchern, die man im Internet findet, beschäftigt. Hierbei ging es meistens um Textverständnis und Analyse. Der analytische Teil hat mir sehr viel Spaß gemacht, den Sprachteil empfand ich als sehr anstrengend. Mein Lebensgefährte gab mir dann den Tipp, dass ein Bekannter von ihm Vorbereitungskurse machen würde (Manhattan Review) und daraufhin besuchte ich also einen einwöchigen Intensivkurs, der immer nachmittags stattfand. Dieser Kurs wird in einigen europäischen Städten angeboten, u.a. auch in London, so dass ich es als sehr bequem empfand. Der Kurs bestand aus acht Leuten, das Tagespensum lag bei ca. fünf Stunden. Der Lehrer selbst kam auch von der London Business School und hatte wertvolle Tipps für mich, wie ich mich am Besten dort bewerben könnte. Er hat sehr spannend präsentiert und ich habe für mich extrahiert, dass es besonders auf eine schnelle Lese- und Verständnisfähigkeit ankommt.

Es wird im analytischen Teil in sieben Bereiche differenziert, dazu gehören beispielsweise Geometrie, Prozentrechnung, Trigonometrie usw. Die erste Hürde sind die englischen Begriffe für z.B. Trapez, Raute, rechtwinkliges Dreieck. Die zweite Hürde ist das Auswendiglernen von Zahlen: Natürlich kann man sich ausrechnen, wie viel sieben Achtel sind, aber wenn man 0,875 bereits weiß, fällt der Denkprozess, der vielleicht 5 bis 10 Sekunden in Anspruch nimmt, weg und auf diese Zeit kommt es u.a. an. Es gibt tatsächlich Leute, die sich ganz besonders auf diesen Test vorbereiten, teilweise bis zu einem Jahr und sich diese Art der Information merken und auswendig lernen. Mir war nicht bewusst, dass man soviel lernen muss für diesen Test. Du hast ungefähr zwei Minuten pro Frage Zeit und alles muss sehr schnell gehen. Natürlich benötigt man als Nicht-Muttersprachler mehr Zeit, um die Frage zu verstehen, aber wie gesagt: Mein GMAT-Ergebnis war nicht berauschend, aber ich habe trotzdem einen Platz bei der IESE Business School erhalten. Eine witzige Anekdote, wenn man es so nennen will, war mein erster Test in London, der Stadt, in der nie etwas funktioniert. Ich kam um acht Uhr morgens, um den Test abzulegen, und man teilte uns mit, dass der Zentralcomputer abgestürzt sei. Wir müssten warten, bis der Computer wiederhergestellt sei. Als wir um 10 Uhr anfingen, wusste ich, dass ich um 12 einen Riesenhunger verspüren würde und genauso ist es auch gekommen. Mein erster Test verlief also alles andere als unter besten Bedingungen, trotzdem war das Ergebnis mit 550 Punkten nicht so schlecht, allerdings auch nicht so gut. Hätte ich von der Möglichkeit gewusst, den Test abzubrechen und später zu wiederholen, hätte ich davon Gebrauch gemacht. Leider wusste ich davon nichts. Eine weitere interessante Information, von der ich vor meinem ersten Test nichts wusste, war, dass sich der Schwierigkeitsgrad der Fragen deinen Antworten anpasst. Beantwortest du die erste Frage also eher schlecht, wird die nächste Frage angepasst, was jedoch auch bedeutet, dass sich die maximale Anzahl deiner Punkte automatisch verringert. Als ich den Test zuhause abgelegt habe, hatte ich immer maxixmal 650 Punkte - niemals eine höhere Punktzahl. 

Was würdest du jemandem raten, der sich auf den GMAT vorbereitet?

Man muss auf jeden Fall früh genug beginnen, sich vorzubereiten. Auf der offiziellen GMAT-Seite kann man sich die wichtigen Bücher bestellen, die man in jedem Fall benötigt. Die kosten auch nur 20 Euro, also nicht wirklich teuer. Der Kurs spart auf jeden Fall eine Menge Zeit, ist natürlich auch mit Kosten verbunden (Fahrtkosten, Übernachtung, Verpflegung usw.). Außerdem habe ich mir noch Bücher von Kaplan bestellt, die ich auch sehr empfehlen kann.

Wie hast du deine Essays aufgebaut?

Mit den GMAT-Essays habe ich erst im November angefangen - die Deadline war im Januar. Mein erster Essay war sehr schlecht, ich habe mir einfach zuviel Zeit genommen. Ich glaube, man sollte die Essayfragen sofort abarbeiten - bei meiner ersten Bewerbung in London hatte ich die Fragen bereits seit drei Monaten im Kopf und habe mich mit ihnen beschäftigt. Die Fragen, die immer vorkommen:

  • Warum möchtest du einen MBA machen? 
  • Warum möchtest du ihn an unserer Schule machen? 
  • Was sind deine kurzfristigen Pläne direkt nach dem MBA? 
  • Wie sehen deine langfristigen Planungen aus? 
     

Man kann sich natürlich im Internet informieren, welche Inhalte und welche Fragen es zu welchen Themen gibt und sich Ideen dazu holen. Man sollte jedoch nicht zuviel Input sammeln, da sonst der Einfluss der fremden Ideen zu stark wird. Wichtig ist die Selbstanalyse und das Verfassen eigener Essays. Die Jury, die letztendlich über das Wohl und Wehe der Bewerber entscheidet, liest sehr viele Essays und man kann sicher sein, dass sie Essays, die über das Internet verteilt werden, bereits sehr gut kennen.

Inhaltlich habe ich geschrieben, dass ich nach dem MBA wahrscheinlich etwas Eigenes machen möchte - kurzfristig gerne wieder zurück in den Consulting-Bereich. Mit Schwerpunkt allerdings auf kleine Start-up-Unternehmen und wie sich diese finanzieren können. Ich bin auch darauf eingegangen, dass meine Eltern ein eigenes Unternehmen hatten, und mich ebendiese Tatsache motiviert und anspornt, es meinen Eltern gleichzutun. Man kann wirlich alles schreiben: Das Wichtigste, denke ich, ist das man von sich selbst schreibt und authentisch bleibt.

Die Essays sind auf eine bestimmte Wortanzahl limitiert: Bei der London Business School waren es 400 Wörter, bei der IESE ca. 200 Wörter pro Essay. Ein Essay der IESE war auf 600 Wörter begrenzt und den Wortlaut der Aufgabe habe ich auch noch genau im Kopf, da ich sehr lange für die Antwort gebraucht habe: „Please describe two major achievements and one failure in your career/profession or your private endeavours!" Meine beiden „Achievements" konnte ich sehr klar definieren: Das war einerseits das Stipendium während meines Studiums für das Ausland und die Tatsache, dass ich zu Morgan Stanley gekommen bin. Für mein „Failure" muss ich ein bisschen weiter ausholen: An der Uni in Köln gibt es das so genannte SAMS-Programm. Bei diesem Programm geht es darum, dass du zusätzlich zu deinem BWL-Diplom ein weiteres Diplom in „International Management" erwerben bzw. ablegen kannst. Wir haben das in Prag auch, doch damals sagte ich mir, dass ich sowieso nicht aufgenommen werden und diese Sache viel zu viel Zeit und Arbeit kosten würde. Die Deadline war sehr früh und dementsprechend habe ich mich nicht beworben. In Köln habe ich dann sehr viele Kurse dieses Programms besucht, da es geöffnet war für alle Studenten und war begeistert von dem Programm. Leider konnte ich mich im Nachhinein nicht mehr bewerben. Das hat mich natürlich damals und auch heute noch sehr geärgert. Praktisch habe ich meinen Essay mit diesem Fehler begonnen, habe weiter ausgeführt, was ich aus dieser Erfahrung gelernt habe und was mich motivierte, weiter zu machen, z.B. mich für ein Stipendium bezüglich meiner Diplomarbeit zu bewerben, in die USA zu gehen usw.

Wie hast du deine Empfehlungsschreiben bekommen?

Ich glaube, in meinem Fall war das eine ganz wichtige Sache. Man sollte sich die besten Empfehlungen holen, die möglich sind. Meine  Empfehlungen  habe ich von meinen beiden Managing Directors bei Morgan Stanley geholt. Das war kurz vor Weihnachten, ich arbeitete inzwischen schon nicht mehr dort, da ich mir Zeit nahm für meine Bewerbungen. Ich wollte auch nicht, dass die beiden unglaublich viele Empfehlungsschreiben verfassen müssen, da jedes Schreiben einzeln verpackt und an die jeweilige Uni geschickt werden musste. Beide „mussten" also vier Empfehlungen schreiben: London, IESE, ESADE und Cambridge. Ich glaube, dass die Schreiben einen großen Stellenwert besitzen und bin außerdem der Meinung, dass die Empfehlung eines Professors nicht ganz so viel aussagt wie beispielsweise das Lob eines Managers, da Letzterer natürlich die Fähigkeiten des Bewerbers in der freien Wirtschaft wesentlich besser einzuschätzen weiß.

Lenka, wir danken dir für das ausführliche Interview. 

Das Interview führte Benjamin Küster für squeaker.net (2010)

Link: Homepage der IESE Business School


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