Private und staatliche Hochschulen im Vergleich

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Privat oder staatlich studieren? Wir bieten dir einen Überblick über die Charakteristika von privaten und öffentlichen Hochschulen.

Privat oder staatlich studieren?

Private Hochschulen im Vergleich

Nach dem Abitur, aber auch nach dem erfolgreich abgeschlossenen Bachelorstudium hat man die Qual der Wahl. Ein (weiteres) Studium absolvieren oder ins Arbeitsleben stürzen? Die Möglichkeiten sind weit gefächert, nicht nur bei der Wahl des Studiengangs, sondern auch bei der der passenden Hochschule. Passt eine staatliche Hochschule besser zu dir, als eine Hochschule mit privater Trägerschaft? 

Private Hochschulen erlebten in den letzten Jahren einen Aufschwung an Popularität. Die Anzahl der Studienanfänger stieg in den Jahren 2012 bis 2015 von 34.902 auf 41.967 Studenten. Insgesamt studierten im Jahr 2015 196.450 Studierende an Hochschulen mit privater Trägerschaft, von denen es ungefähr 100 Einrichtungen in ganz Deutschland verteilt gibt. 

Bei privaten Hochschulen sind die Gruppengrößen im Vergleich zu den immer gut gefüllten Vorlesungssälen an staatlichen Hochschulen sehr klein – meist betreut ein Dozent zwischen 15 und 30 Studenten. Dadurch ist es den privaten Hochschulen möglich, ihre Studenten individuell zu fördern und eine praxisnahe Ausbildung zu gewährleisten. Dozierende kommen meist direkt aus der Wirtschaft und geben ihre Praxiserfahrungen mit Passion an die Studierenden weiter.  

Auswahlverfahren bei privaten Hochschulen: individueller als die der staatlichen Hochschulen

Jeder, der sich schon ein wenig mit den unterschiedlichen Hochschultypen beschäftigt hat kennt es: Das gängige und sich hartnäckig haltende Klischee, dass sich die Studenten in private Hochschulen einkaufen und auch die erworbenen Leistungen hier eher von der Größe des Geldbeutels abhängig sind. Dieses Vorurteil möchten wir an dieser Stelle einmal kritisch betrachten. Die Zulassungsverfahren bei privaten Hochschulen unterscheiden sich von denen der staatlichen Hochschulen besonders in einem Punkt: Die privaten Hochschulen legen viel Wert auf die persönliche Motivation eines jeden Studenten. Zum Teil aufwändige Bewerbungsverfahren und oft auch Assessment Center, prägen die Selektion, die die privaten Hochschulen bei der Auswahl ihrer künftigen Studierenden vornehmen. Beispielsweise werden Bewerber dazu aufgefordert, in einer Podiumsdiskussion über ein aktuelles Thema zu sprechen. Hierbei wird bei jedem Bewerber auf Körpersprache, Präsenz und Initiative geachtet, was den Auswahlprozess beeinflusst. Auch schriftliche Tests sind nicht selten. Sie prüfen die grundsätzlichen mathematischen und logischen Kenntnisse der Bewerber. Natürlich spielt am Ende des Bewerbungsprozesses auch die Zahlungsfähigkeit eine Rolle, doch werden nicht alle zahlungsfähigen Bewerber auch aufgenommen.

Studieren an einer privaten Hochschule

Das Studentenleben an einer privaten Hochschule ist geprägt von einem straffen Zeitplan, der den Studenten wenig Spielraum für Eigengestaltung des Studiums lässt. Stundenpläne werden häufig für die jeweiligen Semester vorgegeben, der Weg den die Studenten gehen wird somit vorab festgelegt. Das führt dazu, dass das System private Hochschule mehr verschult wird, als dessen Pendant. Der Vorteil hierbei: Effizientes Studieren wird möglich gemacht und die Regelstudienzeit in den meisten Fällen eingehalten. 

Staatliche Hochschulen im Vergleich

Staatliche und private Hochschulen unterscheiden sich in vielen Aspekten voneinander, der offensichtlichste ist wohl die Anzahl der Studenten, die bei öffentlichen Hochschulen im Jahr 2015 bei über 2 Millionen Studierenden lag. Dadurch sind auch die Hörsäle hier wesentlich gefüllter, als an einer privaten Hochschule. In einen Hörsaal, der für 200 Studenten konzipiert ist, finden theoretisch 300 Personen eine Sitzgelegenheit, je nach Beliebtheit der Vorlesung müssen die Studenten dann auch schon einmal mit dem Boden vorlieb nehmen. 

Auswahlverfahren bei staatlichen Hochschulen: alles dreht sich um die Noten

Da der Großteil der Studienanfänger sich für ein Studium an einer öffentlichen Hochschule bewirbt, ist der Run auf die öffentlichen Einrichtungen entsprechend hoch und es muss bereits im Bewerbungsverfahren stark ausgesiebt werden. Hier gehen die öffentlichen Hochschulen hauptsächlich nach Abiturnote, da die große Zahl der Bewerber keine individuellen Einschätzungen zulässt. Der berühmte Numerus Clausus (NC) spielt hier eine besondere Rolle. Er bestimmt bei zulassungsbeschränkten Studiengängen, wie gut die Abiturnote mindestens sein muss, um in den erstrebten Studiengang aufgenommen zu werden. NCs unterscheiden sich je nach Standort voneinander. So lag der Numerus Clausus für Rechtswissenschaft im Wintersemester 2016/17 an der Universität zu Köln beispielsweise bei 1,9; an der Ludwig-Maximilians-Universität München bei 2,3. Während die meisten Bewerber aufgrund der Durchschnittsnote, die im Abitur erreicht wurde, ausgewählt werden, werden außerdem Wartezeiten berücksichtigt, die ein Bewerber bis dato angesammelt hat. Auch Losverfahren sind möglich. In Studiengänge ohne Zulassungsbeschränkung können sich Studierende direkt eintragen. Die schiere Anzahl der Bewerber bei öffentlichen Hochschulen führt dazu, dass der Bewerbungsprozess sich bis in ein zweites Nachrückverfahren in die Länge ziehen kann. Ein Bewerber hat bis hierhin die Möglichkeit, aufgenommen zu werden. 

Studieren an einer staatlichen Hochschule

Während das Studium an einer privaten Hochschule meist unter dem Druck der hohen Studiengebühren steht, haben Studenten an einer öffentlichen Hochschule die Möglichkeit einer höheren Autonomie. Sie müssen weniger Studiengebühren bezahlen und können sich ihre Seminare und Stundenpläne frei einteilen, haben weniger Vorgaben, an die sie sich halten müssen und somit auch – zumindest in der Theorie – mehr Freizeit. Allerdings birgt diese Form der Autonomie auch das Risiko, über die Regelstudienzeit hinaus zu studieren. Durchschnittlich jeder dritte Student bricht sein Studium ab, während nur 8 bis 9 Prozent der Studenten an einer privaten Hochschule ihr Studium nicht abschließen.  

Karrierechancen nach dem Studium – private oder staatliche Hochschule?

Grundsätzlich ist der Abschluss an einer staatlichen Hochschule gleich gestellt mit dem an einer privaten Hochschule. Die Abschlüsse an privaten Hochschulen sind staatlich anerkannt. Während das Studium an einer staatlichen Hochschule die Regel darstellt, der ein übermächtiger Großteil der Abiturienten folgt, gilt ein Abschluss von einer privaten Hochschule trotz der stark gestiegenen Zahlen immer noch als außergewöhnlich. Aufgrund der Praxisnähe, haben Absolventen einer privaten Hochschule beim Berufseinstieg einen kleinen, aber merklichen Vorteil gegenüber ihren Kollegen von der staatlichen Hochschule. Sie kriegen nach ihrem Abschluss etwas schneller eine Jobzusage und verdienen zum Teil etwas mehr. Dafür mussten sie aber auch höhere Studiengebühren zahlen. Jedoch gilt unabhängig von der Studienform natürlich auch: Wer im Studium gute Leistungen erzielt, hat später auch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.  

Fazit – Welche Vor – und Nachteile haben private und staatliche Hochschulen?

Alle vorangegangenen Informationen zusammenfassend lassen sich mögliche Vor – und Nachteile herausfiltern, die es einem erleichtern können, sich für ein System zu entscheiden. Wer individualistisch und eigenverantwortlich agieren möchte und die dazugehörige Verantwortung nicht scheut, ist an einer öffentlichen Hochschule gut aufgehoben. Hier muss das Studium zu großen Teilen selbst eingeteilt und absolviert werden. Der monetäre Beitrag zum Studium ist hier im Vergleich wesentlich geringer. Auch das Studium an einer privaten Hochschule verlangt ein hohes Maß an Disziplin, hier werden allerdings die Studienbedingungen vorgegeben, Stundenpläne werden durch die Hochschule selbst vergeben, der Workload ist dahingehend durchgehend intensiv. Allerdings kann das Studium durch die Vorgaben der Hochschule schnell und erfolgreich absolviert werden. Wer an einer privaten Hochschule studiert, genießt die Vorteile einer modernen Einrichtung, Steckdosen an jedem Platz und einem praxisnahen Unterricht.   

Wäre da noch die Sache mit den Kosten. Wer privat studieren möchte, ist nicht unbedingt auf ein reiches Elternhaus angewiesen. Viele Studenten nehmen beispielsweise Studienkredite auf. Auch das beliebte Bafög ist bei einem Studium an einer privaten Hochschule möglich. Die Finanzierungsmöglichkeiten sind vielseitig und gelten für ein privates als auch für ein staatliches Studium gleichermaßen.

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