Wolfgang Ettlich studierte International Manangement an der Fachhochschule Deggendorf, sammelte bei KPMG zwei Jahre lang Berufserfahrung und berichtet heute von seinem MBA-Studium an der Hong Kong University of Science and Technology.

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Warum hast du dich für ein MBA-Studium an der HKUST entschieden?

Zum einen hat mich Asien sehr interessiert, zum anderen wollte ich mich beruflich weiterentwickeln gerade im Bereich Corporate Finance, Transaktions- oder Unternehmensberatung. Die Überlegungen reichen natürlich noch wesentlich weiter: Wie kann man das MBA-Studium kosteneffizient gestalten? Wie erhält man den Mehrwert, den solch ein Studium mit sich bringen sollte?

Was machst du zur Zeit?

Im Moment bin ich auf Jobsuche. Anfang dieses Jahres habe ich meinen MBA-Degree erworben. Im Moment gestaltet sich die Suche jedoch äußerst schwierig. Nicht nur bei Kommilitonen, auch bei Freunden ist es dasselbe Bild. Viele machen Praktika, einige sind zu ihren Wurzeln in ihre alten Jobs zurückgekehrt. Man fragt sich dann, ob es an der Schule liegen könnte, ob die Wahl Hong Kong vielleicht doch zu exotisch war? Liegt es an der Reputation der Business School oder am Bekanntheitsgrad? Im Vergleich: Mein Auslandssemester habe ich an der University of Chicago Booth School of Business absolviert, an der ca. 500 Fulltime-MBA-Studenten studieren, während Hong Kong 70 bis 90 Vollzeitler hat. Bei Chicago gibt es dementsprechend deutlich mehr Alumni, die sich im Land verteilen. Dadurch zieht Chicago wesentlich mehr Unternehmen an, die sich auf dem Campus präsentieren – Hong Kong kann da nicht mithalten. Dennoch ist auch hier die Jobsituation nicht bedeutend besser. Die Wirtschaftskrise hat besonders die Einstellungszahlen, der bei MBA-Studenten beliebten Investmentbanken aber auch der Consulting-Firmen stark beeinflusst.

Aus welchen Nationalitäten hat sich der Jahrgang zusammengesetzt?

Der Jahrgang setzte sich ca. zu einem Drittel aus Chinesen zusammen. Ein weiteres Drittel bestand aus Chinesen, die in westlichen Ländern aufgewachsen sind und weiteren Asiaten aus Indien, Korea, Japan, Thailand, Philippinen, während das letzte Drittel aus „Westlern” bestand. Zusätzlich kommen noch die Austauschstudenten, die in großer Zahl vorhanden sind. Es sind ungefähr 30 bis 50 Studenten pro Semester, vor allem von amerikanischen Top-Schulen. Die Hong Kong University of Science and Technology hat unglaublich viele Partneruniversitäten, unter anderem auch die Handelshochschule Leipzig und die WHU – Otto Beisheim School of Management, welche ebenfalls oft durch Austauschstudenten vertreten sind.

Sprichst du denn Chinesisch?

Ich besitze Grundkenntnisse. Im Vorprogramm des MBA-Studiums konnte man Grundkurse belegen: Drei Wochen bevor es losging, konnte man sich vier Stunden pro Tag die Basics aneignen. Für mich war dies eine gute Gelegenheit, Kommilitonen kennen zu lernen. Während des Studiums hat man dafür dann keine Zeit mehr. Man ist ja auch nur ein Jahr in Hong Kong, danach geht es gleich ins Auslandssemester. Nach meinem Studium habe ich die Möglichkeit ergriffen mit Privatlehrern meine Chinesisch-Kenntnisse zu verbessern. Je nach Lernerfolg öffnen sich durch chinesische Sprachkenntnisse zusätzliche Türen auf dem lokalen Arbeitsmarkt. Für die Jobsuche sind Grundlagen jedoch irrelevant: Man sollte schon das so bezeichnete „Conversational Chinese” beherrschen, welches ab ca. 6 Monate Vollzeitstudium erlangt werden kann, um sich einen wirklichen Vorteil bei der Jobsuche zu erarbeiten.

Hast du dich auch bei anderen Business Schools beworben?

In Asien habe ich mich noch für die National University of Singapore und CEIBS (China Europe International Business School) in Shanghai interessiert. Außerdem hatte ich noch die London Business School im Kopf – hauptsächlich wegen der starken Finance-Positionierung Londons. Beworben habe ich mich tatsächlich ausschließlich an der HKUST. Schon in meinem Auslandssemester im Bachelor-Studium nutzte ich die Möglichkeiten die asiatischen Unis zu sondieren und Hong Kong gefiel mir mit Abstand am besten. CEIBS kann zwar in vielen Bereichen mit der HKUST mithalten und ist in Bezug auf Unternehmenskontakte speziell in China sogar besser aufgestellt, schien mir aber eher für chinesische Studenten und Ausländer gemacht, die sich konkret auf den chinesischen Arbeitsmarkt vorbereiten wollen. Für eine Anstellung in Hong Kong sind chinesische Sprachkenntnisse dann aber noch etwas wichtiger. Unabhängig von den Rankings, die im Falle von Financial Times CEIBS als Nummer 1 in Asien und im Falle vom Economist HKUST als führend ansehen, denke ich, dass der Zielarbeitsmarkt ausschlaggebend für die Wahl der Business School sein sollte. Es ist einfach von Vorteil, wenn man bereits in der jeweiligen Stadt studiert und gelebt hat – insbesondere um Kontakte zu sammeln und Interviewtermine wahrzunehmen. Hong Kong präsentiert sich internationaler und ich denke, in den meisten Fällen wird sich ein westlicher Student für Hong Kong oder Singapur entscheiden, weil hier die Sprachbarriere wesentlich geringer ist.

Wieviel hat dein MBA Studium gekostet?

Etwa 55.000 bis 60.000 Euro. Allerdings war ich ja auch in den USA und die dortigen Lebenshaltungskosten waren enorm. Ich habe beispielsweise für mein Zimmer in der Student Hall knapp 1.000 Dollar gezahlt.

Hast du eine Art Kulturschock erlitten – anderes Land, andere Mentalität, andere Gebräuche?

Nein. Ich kannte die Stadt ja bereits aus meinem ersten Studium, hatte auch noch Freunde dort. Man muss wissen, worauf man sich einlässt – wenn man nach dem Studium nicht in Asien arbeiten will, macht es keinen Sinn, den MBA in Asien zu absolvieren. Das Interesse an Land und Leuten und natürlich an der Geschäftswelt muss vorhanden sein.

Wie hast du dich auf den GMAT vorbereitet?

Ich hab mir die Bücher von GMAC und Princeton Review gekauft und dann einfach drei Monate vor dem Test nach der Arbeit gelernt. Man muss die Prüfungsstrategie verstehen und sich gut vorbereiten. Dies ist meiner Meinung nach der sinnvollste Weg. Es gibt ja auch Kurse, die auf den GMAT vorbereiten. Allerdings sind diese in meinen Augen Geldverschwendung. Nur mit den Büchern und den Übungstests, die es im Internet gibt, habe ich ein Ergebnis von 660 Punkten erzielt.

Wie sah es bei dir mit dem TOEFL und den Essays aus?

Den TOEFL musste ich nicht ablegen, da das erste Studium in Deggendorf bereits auf Englisch gelehrt wurde. Für die Essays habe ich mir auch einen Princeton Review Ratgeber gekauft, in der ausführlich beschrieben wird, wie man die Essays am besten schreibt. Den Business Schools ist es sehr wichtig, ehrgeizige und erfolgreiche Absolventen hervorzubringen – nicht zuletzt weil die Rankings auch durch die zukünftigen Gehälter der Absolventen bestimmt werden. Ich glaube, das Wichtigste bei den Aufsätzen ist, dass man zeigt, warum man den MBA macht und darstellen kann, wie der MBA die eigene Karriere vorantreibt.

Hast du ein Stipendium bekommen?

Ich habe ein Stipendium von der Universität selbst bekommen – das belief sich auf etwa 10% der Studiengebühren. Beim DAAD hatte ich mich zwar beworben, aber leider habe ich eine Absage bekommen.

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Was ist dir besonders positiv bzw. negativ aufgefallen?

Die eigene Entwicklung wird durch die Internationalität sehr gefördert. Zudem bin ich der Meinung, dass Hong Kong die beste Stadt ist, um sich über die asiatischen Wachstumsmärkte zu informieren, was natürlich einen großen Pluspunkt darstellt. Überzeugt hat mich auch die Qualität der Vorlesungen in Hong Kong im Vergleich mit Chicago. Chicago ist ja bekannt für Nobelpreisträger und herausragende Persönlichkeiten und Koryphäen. Trotzdem konnte die HKUST in der Qualität der Ausbildung durchaus mithalten.

Als negativ kann man die Größe der Universität betrachten. Zwar ist der intime Kontakt mit den Kommilitonen sehr förderlich für das Zusammengehörigkeitsgefühl, jedoch kann man mit 70 bis 90 Studenten nicht so viele Recruiter auf den Campus locken. Verstärkt wird das durch die Tatsache, dass das MBA-Programm erst in den 90er Jahren gestartet wurde. Es ist prächtig entwickelt, hat einen guten Ranking-Platz, aber die großen Business Schools aus den USA haben eben den Vorteil, dass in jedem wichtigen Unternehmen Alumna von ihnen sitzen. Dieses Netzwerk ist bei kleineren Business Schools natürlich nicht in gleichem Maße vorhanden.

Kannst du eine bestimmte Empfehlung aussprechen für angehende HKUST-Studenten?

Man sollte sich überlegen, ob man nicht vor dem Studium einen längeren Chinesischkurs absolvieren möchte. Dabei ist es nicht ausschlaggebend, ob man die Sprache gleich fließend beherrschen will und ein ganzes Jahr einplant oder einfach ein paar Monate lernt. Chinesisch lernt man nicht über Nacht und es ist von Vorteil so früh wie möglich anzufangen. Man könnte z.B. ein paar Monate nach Peking gehen und sich mit der Sprache auseinandersetzen. Für einen guten Start ins MBA-Studium lohnt sich dieser Gedanke auf jeden Fall. Schwierig wird es hingegen, wenn man versucht, die Sprache neben dem MBA zu erlernen, da hier die Zeit oft fehlt. Hat man jedoch ein paar Monate erste Erfahrungen gesammelt, kann man den Smalltalk mit den einheimischen Studenten auch auf Mandarin führen und somit besser am Ball bleiben, als wenn man gerade vor ein paar Wochen begonnen hätte. Außerdem kann man gleich noch einen guten Eindruck hinterlassen. Die Lebenshaltungskosten in Peking sind auch nicht ganz so hoch: Mit 1.000 Euro pro Monat müssten sowohl Miete, Essen, etc. als auch Privatlehrer (Stundenlohn etwa 6 Euro) bezahlt sein. Ob man 60.000 oder 66.000 Euro ausgibt, bleibt sich (bis auf den Einkommensausfall) auch fast gleich.

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