Arroganz ist der Tod des Erfolges

Im Gespräch mit Dr. Oliver Greiner, Partner im Bereich Transformation,  Competence Center Strategy & Innovation bei Horváth.

Wie könnte ein typischer Consulting-Tag im Jahr 2041 aussehen?

Dr. Oliver Greiner: Um 07:36 Uhr vibriert meine Smartwatch, die meine perfekte Weckzeit errechnet hat. Ich bin im Stadium 1 des Non-REM-Schlafes, trotzdem würde ich gerne noch länger liegen bleiben. Das ändert sich wohl nie. Sei‘s drum, immerhin steht mein Bio-Health-Kaffee schon dampfend in der Küche – selbstverständlich ist die Maschine an meine Smartwatch gekoppelt. Da ich heute nicht persönlich beim Kunden sein muss (das passiert höchstens noch ein- bis zweimal pro Woche), sitze ich eine Stunde später geduscht und durch meine Audio-Info-Systeme top informiert am Schreibtisch. Die Nachrichten habe ich per künstlicher Intelligenz vorgefiltert und vorgelesen bekommen – sehr praktisch! Erst vergangene Woche haben die Horváth-IT-Experten mein Arbeitszimmer komplett neu eingerichtet. Besonders cool finde ich die neuen Holobrillen. Wenn ich mich gleich in den Workshop einwähle (ein Begriff aus der Steinzeit), werde ich das Gefühl haben, meinen Kolleginnen und Kollegen direkt gegenüber zu sitzen. Los geht’s!

Wird die Zusammenarbeit in Zukunft ausschließlich virtuell stattfinden? 

Dr. Oliver Greiner: Persönliche Zusammenarbeit wird immer seltener werden. Allerdings werden die Menschen diese Zeit viel bewusster wahrnehmen, stärker zu schätzen wissen und besser strukturieren. Es zeichnet sich zudem bereits ab, dass zwischen verschiedenen Meeting-Typen unterschieden wird: Info- oder Abstimmtermine finden hauptsächlich virtuell statt. Für inhaltliche Diskussionen oder gar kreative Problemlösung bleibt das persönliche Format ungeschlagen.

Welche Aufgaben übernimmt 2041 KI?

Dr. Oliver Greiner: 2041 wird ein Übergangspunkt in noch stärker automatisierte Welten sein. So wird in Zukunft zum Beispiel eine SWOT-Analyse per Knopfdruck auf Grundlage eines Screenings von Millionen von Unterlagen durchgeführt. Für die Erstellung einer Pivot-Tabelle in Excel spricht man mit seinem Tabellenkalkulationsprogramm und sagt, was man möchte – und die Maschine erledigt den Rest. Protokolle aus Workshops werden durch eine automatische Tonaufnahme, die durch KI die wesentlichen Themen herausfischt, erarbeitet. Und so weiter. Letztendlich werden es unsere Kreativität, Menschlichkeit und Intuition sein, für die wir unser Gehalt verdienen, wohingegen repetitive Tätigkeiten komplett durch KI abgebildet werden.

Letztendlich werden es unsere Kreativität, Menschlichkeit und Intuition sein, für die wir unser Gehalt verdienen.

Welches „Beratungs-Tool“ müsste noch erfunden werden?

Dr. Oliver Greiner: Ich freue mich schon auf Folgendes: Die erarbeiteten Präsentationsfolien sind optisch noch nicht perfekt, da sie verschiedene Schrifttypen enthalten, zu textlastig sind und die Elemente nicht richtig ausgerichtet sind. Das ist aber kein Problem. Ich rufe meinem Rechner einfach zu: „Bitte mach meine Präsentation schön“ – und schon sieht die Unterlage top aus. Zudem freue ich mich auf selbstfahrende Autos, die per Knopfdruck bestellt werden. Dann kann ich endlich auch in Taxis ungezwungen telefonieren und vertrauliche Gespräche führen.

Wie wird sich die Beratungsbranche in 20 Jahren verändert haben?

Dr. Oliver Greiner: Wie viele andere Branchen auch wird sich der Beratungsmarkt 2041 deutlich konsolidiert haben. Dennoch gibt es weiterhin einige wenige „Dickschiffe“, ein paar wendige Angreifer und eine Reihe von hochspezialisierten Boutiquen, von denen immer wieder neue gegründet werden. Beratungsmarken werden wichtig sein und für einen gewissen Typus Mensch stehen, mit dem man zusammenarbeiten möchte. Eine Vertrauensbeziehung ist weiter das A und O, daher wird der Kunde durchaus das Beratungshaus wechseln, wenn Berater:innen wechseln. Die Loyalität gilt also weniger der Beratungsmarke, sondern bestimmten Menschen bzw. Menschentypen.

Arroganz ist der Tod des Erfolges. Du bist nicht schlauer als dein Kunde, sondern hast nur andere Dinge gelernt.

Was wünschst du dir für die Zukunft der Consulting-Branche?

Dr. Oliver Greiner: Ich wünsche mir mehr Bewusstsein über den Mehrwert der Branche. Im Gegensatz zu vielen anderen Berufsgruppen erzählen Berater:innen im privaten Umfeld häufig ungern, welchen Job sie ausüben. Das hat den Hintergrund, dass Berater:innen oftmals keinen guten Ruf haben, was sehr schade ist. Meiner Meinung nach ist dieser Beruf ein wichtiger Bestandteil der Weiterentwicklung und Verbesserung von Unternehmen und damit der Wirtschaft in Summe. Ohne Beratung fehlt ein praktischer Transmissionsriemen für den Transfer von Ideen oder ein lösungsorientierter Unruheherd für den Status quo – ganz zu schweigen von der temporären Spezialkapazität, die für die zeitgerechte Umsetzung von Sonderaufgaben notwendig ist und bei denen man nicht in die gleichen Fallstricke treten möchte wie andere. Eine Wirtschaft mit einer starken Beratungsbasis ist eine erfolgreichere Wirtschaft als eine ohne. Davon bin ich überzeugt. Diesen Auftrag gilt es nicht nur positiver zu kommunizieren, sondern mit herausragender, konsequent ergebnisorientierter Arbeit kontinuierlich zu beweisen.

Was ist dein wichtigster Tipp für den Consulting-Nachwuchs?

Dr. Oliver Greiner: Mein erster Tipp lautet immer: Über die perfekte Erfüllung leichter Aufgaben qualifiziert man sich für Höheres. Zweitens: Arroganz ist der Tod des Erfolges. Drittens: Du bist nicht schlauer als dein Kunde, sondern hast nur andere Dinge gelernt. Und viertens: Mach deinen Beruf zu deiner Berufung!

Wie schafft man es, mit all den Veränderungen Schritt zu halten, die die kommenden 20 Jahre mit sich bringen?

Dr. Oliver Greiner: Man sollte flexibel bleiben, denn mit Dogmen gewinnt man nichts. Wichtig ist es zudem, ständig Neues zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Es klingt zwar wie eine Plattitüde, aber ist leider wahr: Dein heutiges Fachwissen ist vergänglich, also hinterfrage immer, was du besser machen könntest und wie. Was nicht vergänglich ist, ist deine soziale Kompetenz. Lerne viele Menschen kennen, höre zu, bleibe bescheiden, stärke deine Empathie.

Dr. Oliver Greiner berät seit über 20 Jahren Unternehmen bei der Gestaltung ihrer Zukunftsfähigkeit und hat die Strategiearbeit in Deutschland auf unterschiedliche Weise geprägt: Konzepte wie der integrierte Strategieprozess oder das „7-K-Prinzip“ gehen auf ihn zurück. Er gilt als einer der Pioniere der Balanced Scorecard und gründete das Strategieleiter-Netzwerk im deutschsprachigen Raum.

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