Beratung wird nicht disruptiert

Im Gespräch mit Stefan Schaible, Global Managing Partner bei Roland Berger.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag im Jahr 2021 bei Ihnen aus?

Durch Corona arbeite ich nun häufiger „Remote“, vor allem für interne Besprechungen.
Aber auch bei Kunden ist es inzwischen sehr viel akzeptierter, Meetings als Videokonferenzen durchzuführen. Der Vorteil ist, dass ich an einem Tag Kunden in verschiedenen Kontinenten treffen kann. Von einer Diskussion mit meinen Kolleg:innen in der deutschen Geschäftsführung kann ich problemlos in eine Besprechung mit Kunden im Mittleren Osten wechseln. Das gibt mir die Möglichkeit, mehr Zeit mit meinem Sohn zu verbringen, der noch zur Schule geht. Mir ist es aber weiterhin wichtig, in engem Austausch mit den Teams bei Roland Berger zu stehen. Hierfür hat sich lediglich der Rahmen geändert – zum Beispiel durch digitale Formate statt Treffen vor Ort. Mit steigenden Impfquoten – die Impfkampagne haben wir von Roland Berger stark unterstützt und sehr schnell auch Impfungen in unseren Büros angeboten – treffen wir uns auch wieder häufiger persönlich. Das habe ich nach den Phasen des Lockdowns noch einmal mehr schätzen gelernt.  

Hat sich in den letzten Jahren und im Laufe moderner Trends Beratung verändert? 

In meinen Augen gibt es vier Themen, die heute wichtiger sind, denn je: Das ist zum einen der Klimaschutz. Wir bei Roland Berger sehen die Abschätzung von Klimafolgen als integralen Bestandteil von Projekten. Das zweite Thema ist „Next-Generation Manufacturing“, ein Thema, das die Gespräche um Digitalisierung und Nachhaltigkeit begleitet und die Produktionsprozesse in allen Branchen betrifft. Drittens ist es wichtig, Mobilität radikal neu zu denken. Das geht über das Thema „Smart Cars“ oder die Luftfahrt hinaus und bedeutet, dass wir auch darüber nachdenken, wie sich Geschäftsreisen verändert haben oder wie wir Güter transportieren. Zu guter Letzt müssen wir in einer Welt, die mit unerwarteten Krisen wie Corona konfrontiert werden kann, widerstandsfähige und robuste Organisationen aufbauen, die mit den Herausforderungen unserer Zeit umgehen können. 

Die Pandemie hat aber auch die Arbeitswelt verändert. Beratung wird künftig eine Mischung aus Remote- und Vor-Ort-Beratung sein. Weniger reisen verbessert unseren CO2-Footprint und bedeutet mehr Zeit für persönliche Interessen, mit der Familie und Freunden. Das heißt auch mehr Flexibilität für Karrierewege und Arbeitszeitmodelle – Themen, die uns bei Roland Berger sehr am Herzen liegen. Über flexible maßgeschneiderte Angebote schaffen wir sehr individuelle Entwicklungspfade. Dazu gehört eine Mischung aus Arbeit von zu Hause, im Büro und beim Kunden oder natürlich Angebote wie Sabbaticals, Austauschprogramme mit internationalen Büros, die Unterstützung von sozialen Projekten oder Auszeiten für die Arbeit an der eigenen Business Idee. 

Was hat sich durch Übernahmen in der Consulting-Branche im Bewerber:innenmarkt verändert?

Schon immer war der Wettbewerb um die besten und kreativsten Talente groß. Roland Berger hat hier aber einen entscheidenden Vorteil: Anders als bei den Branchen-Riesen gibt es bei uns viel Raum, selbst etwas aufzubauen und zu gestalten. Bei uns ist man keine Nummer, sondern eine Persönlichkeit, für deren Entwicklung wir eintreten und deren Karriereweg wir ganz individuell gestalten. So lassen wir zum Beispiel alle Berater:innen jedes Jahr neu entscheiden, für welche Arbeitszeitmodelle oder HR-Programme sie sich interessieren. Unsere Unternehmenskultur ist etwas ganz Besonderes und wird von vielen Mitarbeiter:innen als familiär und freundschaftlich beschrieben. Wir schaffen gemeinsam ein Arbeitsumfeld, in dem wir jede authentische Persönlichkeit schätzen, man seine Talente entfalten und Unternehmergeist einbringen kann – durch ein hohes Maß an Verantwortung und eine offene Feedback-Kultur.

Wie erleben Sie die Anforderungen der Bewerber:innen heute? 

Werteorientierung, Themen wie Vielfalt und Nachhaltigkeit sind heute eine wichtige Voraussetzung, um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Ich bin der Ansicht, dass wir die ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen bewältigen müssen, um nachhaltiges Wachstum zu sichern, anstatt auf Kosten künftiger Generationen kurzsichtige finanzielle Interessen zu verfolgen. Wir brauchen eine Herangehensweise, die sich nicht nur kurzfristig auszahlt, sondern echte Veränderung fördert. Als Beratung können wir durch Fortschritt und Innovation nachhaltigen Wandel schaffen. Für die tiefgreifenden Herausforderungen unserer Zeit müssen wir Verantwortung übernehmen. Wir unterstützen unsere Kunden, Wachstum zu sichern und robuste, profitable Geschäfte, und somit nachhaltige Perspektiven für die Zukunft zu eröffnen.

Diversity steht für uns ganz oben auf der Agenda. Das zeigt sich unter anderem durch unsere internen Initiativen, wie zum Beispiel unser globales Netzwerk für unsere LGBTQ+ Kolleg:innen „Just be“ oder unser Programm „EmpowHER“, mit dem wir Frauen fördern. Auch in Sachen Nachhaltigkeit gehen wir bei Roland Berger voran. Nach der 2020 erreichten Klima-neutralität haben wir uns weitere Ziele gesetzt und streben für 2028 Netto-Null-Emissionen an – der ambitionierteste Ansatz aller führenden Beratungen.

Welche Tipps können Sie mit Ihrer Erfahrung heutigen Einsteiger:innen geben?

Bei Roland Berger suchen wir authentische Persönlichkeiten, die etwas bewegen wollen. Meiner Meinung nach kann nur ein guter Consultant sein, wer außerhalb der Beratung eine Identität hat. Für uns ist es erforderlich, Fragestellungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Eine zu stromlinienförmige Studien- und Karriereplanung ist nicht immer von Vorteil. Es ist wichtig, dass man mit Leidenschaft dabei ist und über den Tellerrand hinausblickt – sei es im Rahmen des Studiums, bei Praktika oder über das Engagement in einer Initiative. Es führt auch nicht nur ein Weg zum Ziel. Ich selbst habe zum Beispiel Chemie, Recht und auch Philosophie studiert. Für mich war diese fachliche Breite unheimlich bereichernd. Deshalb ist mein Tipp: Sei neugierig, sei du selbst und bleib dir treu!

Ein Blick in die Zukunft: Was denken Sie, wie die Consulting-Branche in 20 Jahren aussieht? 

Wir leben in einer sich ständig verändernden Welt, deren Komplexität steigt – und damit verbunden die Herausforderungen für Unternehmen und Institutionen. Innovationszyklen werden kürzer. Beratung wird weiterhin gefragt sein, eine Wachstumsbranche bleiben und nicht disruptiert. Deshalb wird Consulting nach wie vor ein äußerst attraktives Berufsfeld bleiben. Die Digitalisierung und Elektrifizierung sind langfristige Themen, die uns über Dekaden beschäftigen werden und somit auch in zwanzig Jahren noch aktuell sind. Märkte wie Asien oder Afrika werden aufgrund der Wachstumsprognose, aber vor allem auch wegen des Bevölkerungswachstums, eine noch stärkere Rolle spielen. Wir werden uns hoffentlich in einem Endspurt befinden, in allen Ländern der Erde die Klimaziele zu erreichen. Unser Wirkungsfeld wird globaler. Gleichzeitig steigen durch die hohe Komplexität die Anforderungen unserer Kunden an Fach- und Expertenwissen. Wir brauchen diverse Talente – mit unterschiedlichsten Fähigkeiten und Hintergründen. Es bleibt also spannend!

Stefan Schaible ist Global Managing Partner bei Roland Berger und gemeinsam mit zwei weiteren Kollegen für das weltweite Geschäft verantwortlich. Als Berater befasst er sich vor allem mit Themen der Digitalisierung sowie mit groß angelegten Transformationen. Zudem
verfügt er über weitreichende Erfahrung in der Beratung des öffentlichen Sektors sowie von Finanzdienstleistern und infrastrukturlastigen Industriebereichen.

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