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Pride-Aktivitäten sind Grundvoraussetzung für eine offene und inklusive Firmenkultur

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Consulting for Women
07.06.2024
Köln
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Im Interview mit Raphael Dominitz von Deloitte.

Raphael Dominitz arbeitet als Consultant im Digital Customer Team und engagiert sich als Co-Lead in der Globe Pride Initiative bei Deloitte.

Raphael, du bist im April 2021 durch ein Praktikum zu Deloitte gekommen und direkt danach fest im Bereich Digital Customer eingestiegen. Wie würdest du deinen Einstieg bei Deloitte beschreiben und warum hast du dich für Deloitte als Arbeitgeber entschieden?

Bereits während meines Studiums fand ich die Consulting-Branche immer spannend, aber ich konnte mir den Arbeitsalltag ohne jegliche Praxiserfahrung nicht richtig vorstellen. Also habe ich mich dazu entschieden, erst einmal ein Praktikum bei Deloitte in der Beratung zu absolvieren, um etwas mehr Erfahrung zu sammeln. So konnte ich mir zunächst mein eigenes Bild von der täglichen Arbeit machen – und dies völlig unabhängig von Klischees und Erzählungen – bevor ich dann fest ins Berufsleben eingestiegen bin.

Meinen Einstieg bei Deloitte habe ich als sehr angenehm und herzlich empfunden, insbesondere durch die tollen Kolleg:innen, die mich super willkommen geheißen und jederzeit unterstützt haben. Auch während meiner Zeit als Praktikant war ich von Anfang an ein fester Bestandteil des Projektteams und durfte eigene Aufgaben und Verantwortungen übernehmen. Außerdem hat mich die angenehme und kollegiale Atmosphäre innerhalb der Firma und der Mix aus gleichzeitig gefördert und gefordert zu werden begeistert. Genau das habe ich mir nach meinem Studium gewünscht: aus meiner Comfort-Zone herausgelockt zu werden, viel Neues zu lernen und die Möglichkeit zu haben, aktiv an Problemstellungen mitzuarbeiten.

Seit deinem Praktikum engagierst du dich für die Globe Pride Initiative und bist inzwischen sogar Co-Lead. Worum geht es bei der Initiative?

Die Globe Pride Initiative ist ein Deloitte Netzwerk von Mitgliedern der LGBTQ+ Community und deren Unterstützer:innen, den sogenannten Allies. Das Akronym LGBTQ+ steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Trans, Queer und alle weiteren sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten jenseits von Heterosexualität und Cis-Geschlechtsidentität. Schon während meines Onboardings bei Deloitte habe ich von der Globe Pride Initiative erfahren und mich gleich mit den Kontaktpersonen in Verbindung gesetzt. Für mich war sofort klar, dass ich eine solche Initiative sehr gerne unterstützen möchte, da es mir sehr wichtig ist, dass sich mein Arbeitgeber aktiv dafür einsetzt, eine inklusive und tolerante Arbeitsatmosphäre zu schaffen. In der Initiative sorgen wir grundsätzlich für Aufmerksamkeit und Bewusstsein für die LGBTQ+ Community, sowohl intern als auch extern, optimieren Prozesse und bieten einen Safe Space zum Austausch.

Welche Aufgaben übernimmst du als Co-Lead und mit welchen Themen beschäftigt ihr euch?

Grundsätzlich koordiniere ich zusammen mit einer Kollegin die Initiative. Wir übernehmen die Kommunikation mit dem Management sowie den Austausch mit verschiedenen internen Ansprechpartner:innen und stellen sicher, dass unsere Projekte stets vorangetrieben werden. Da wir bislang jedoch noch ein recht kleines Team sind, bin ich bei den meisten Themen mit dabei und unterstütze, wo ich nur kann.

Die Aufgabenbereiche und Themen unserer Initiative sind sehr vielfältig und bunt gemischt. Unter anderem arbeiten wir daran, interne Prozesse zu optimieren und inklusiver zu gestalten, wie zum Beispiel die Begleitung des Transitionprozesses von trans Kolleg:innen oder die Unterstützung von Regenbogenfamilien. Durch interne Kommunikation und Events schaffen wir Aufmerksamkeit für die LGBTQ+ Community und Bewusstsein über deren Herausforderungen und Hürden im alltäglichen Leben. Damit einhergehend möchten wir gerne das Netzwerk von LGBTQ+ Allies innerhalb von Deloitte deutlich erweitern, da Allies eine ganz zentrale Rolle spielen beim Erreichen einer inklusiven und toleranten Firmenkultur. Dafür haben wir beispielsweise regelmäßige virtuelle Eventformate entwickelt, die mit Gästen wechselnde Fragestellungen thematisieren und einen Raum bieten für alle Fragen unserer Kolleg:innen.

Auch extern arbeiten wir daran, durch Kommunikationsmaßnahmen und verschiedene Events Deloitte als einen LGBTQ+ freundlichen Arbeitgeber zu positionieren, um Bewerber:innen und Kunden zu zeigen, dass jeder Mensch bei Deloitte willkommen ist, ungeachtet seiner sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität.

"Mir ist es wichtig, dass alle Kolleg:innen bei der Arbeit sie selbst sein können, ohne Vorurteilen oder Ablehnung zu begegnen. Deshalb setze ich mich für eine Kultur der Offenheit und Vielfalt ein."

Ein Meilenstein eurer Initiative war die Teilnahme an der STICKS & STONES Karrieremesse sowie am Christopher Street Day (CSD) im letzten Jahr. Was ist euch bei solchen Events besonders wichtig?

Die STICK & STONES Karrieremesse und der CSD in Berlin sind die beiden größten LGBTQ+ Eventformate, bei denen Arbeitgeber auftreten können und standen daher schon seit der Gründung der Initiative weit oben auf unserer To-Do-Liste. Während der Pandemie war die Planung von Events erschwert und grundsätzlich dauert es natürlich, solche Themen erstmal intern durchzusetzen und dann noch zu planen und zu koordinieren. Umso mehr freuen wir uns, dass wir uns auf den beiden Events erstmals in Person als Initiative und als LGBTQ+ freundlicher Arbeitgeber präsentieren konnten.

Besonders wichtig bei unserem externen Auftritt ist es uns, dass wir kein sogenanntes „Rainbow Washing“ betreiben, sondern ganz offen kommunizieren, wo wir aktuell stehen. Als Initiative und auch als Deloitte stehen noch viele Aktivitäten und Verbesserungspotentiale auf der Liste, aber irgendwo muss man natürlich immer anfangen. Uns ist es wichtig, hier vollkommen transparent zu sein. Darüber hinaus möchten wir auf den Events natürlich auch die Gelegenheit nutzen, mit anderen Firmen zu netzwerken, uns auszutauschen und voneinander zu lernen, aber auch mit Bewerber:innen über ihre Anforderungen und Wünsche an einen LGBTQ+ freundlichen Arbeitgeber zu sprechen.

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Im Anschluss habt ihr auch ein eigenes Format ins Leben gerufen. Worum ging es in der PRIDE Innovation Challenge?

Nach der erfolgreichen Teilnahme an den externen Events sind wir tatsächlich auf den Geschmack gekommen und hatten richtig Lust, etwas Eigenes auf die Beide zu stellen. Das Ergebnis war die PRIDE Innovation Challenge, eine dreitägige Veranstaltung sowohl für interne als auch externe Teilnehmende. Die Challenge war unser erstes eigenes LGBTQ+ Event mit dem Ziel, den Austausch persönlicher Erfahrungen in einem Safe Space zu ermöglichen und gemeinsam Ideen für die Zukunft zu entwickeln. Sie startete mit einem großen Networking & Keynote Event, an dem sich ca. 100 Teilnehmende auf Augenhöhe zu relevanten Themen austauschen und inspirieren lassen konnten. Zwei internationale Key-Note-Speaker:innen aus der LGBTQ+ Community haben ihre persönlichen Erfahrungen geteilt und gaben Einblicke in die Herausforderungen und das Potenzial von LGBTQ+ Inclusion im Arbeitsumfeld. In den folgenden zwei Tagen hatten dann 25 interne und externe Teilnehmer:innen die Möglichkeit, innerhalb von kleinen Teams kreative Lösungen für verschiedene Herausforderungen der Community zu entwickeln. Die Themen der Challenges reichten vom Arbeitsplatz bis hin zum Umgang mit Diskriminierung und Stereotypisierungen. Bei den methodischen Design Sprint Workshops unterstützten unsere Innovationsexpert:innen durch Coaching und Mentoring. Die entwickelten Lösungen deckten ein breites Spektrum ab: Von Tools zur Weiterbildung bis hin zu Strategien zur Prävention von Hassrede in sozialen Medien waren viele tolle Ansätze dabei. Die Gewinner-Idee: Eine Kombination aus greifbaren Spielzeugen und digitalen Medien, um frühkindlich sowie in der weiteren Entwicklungsphase über das Gender-Spektrum aufzuklären.

Welche Bedeutung hat die Initiative für dich persönlich? Warum stellt die freiwillige Arbeit in der Pride Initiative eine Herzensangelegenheit für dich dar?

Ich bin selbst Teil der LGBTQ+ Community und kenne die Herausforderungen für deren Mitglieder aus erster Hand. Für mich ist es sehr wichtig, dass ich mich zu keinem Zeitpunkt verstellen oder Dinge verheimlichen muss. Da ich einen großen Teil meines Alltags bei der Arbeit verbringe, möchte ich dort hinkommen können, so wie ich bin. Es tut gut, dass Deloitte es mir ermöglicht, meinen Arbeitsalltag nicht getrennt von meinen persönlichen Werten und Überzeugungen im Privatleben betrachten zu müssen. Das Engagement in der Initiative ist für mich eine tolle Möglichkeit für Themen einzustehen, die mich selbst betreffen, und diese voranzutreiben. 

Vielen ist es vor dem Hintergrund einer Trennung von Privatleben und Job oft nicht bewusst, was das Thema LGBTQ+ mit der Arbeit zu tun haben soll. Doch auch im Arbeitsalltag stößt man immer wieder auf Herausforderungen, an die Außenstehende vielleicht nicht denken. In neuen Konstellationen weiß man nie, wie akzeptierend das neue Umfeld ist und gerät immer wieder in Gesprächen in die Situation, sich outen zu müssen. Wenn wir es schaffen, nur einer Person diesen Alltag erleichtern zu können, ist das für mich bereits Grund genug, unsere Arbeit fortzusetzen.

Die Zahl der Supporter und das Bewusstsein für die LGBTQ+ Community wächst stetig. Trotzdem könnte die Unterstützung noch größer sein. Was wünschst du dir in Zukunft von deinem Arbeitgeber und deinen Kolleg:innen und wie können sie die Pride Initiative noch besser unterstützen?

Auch wenn Deloitte noch nicht alles perfekt macht, sind wir sehr dankbar, auf offene Ohren zu stoßen und Support innerhalb des Unternehmens zu erfahren. Ein wichtiger Punkt ist für mich, dass Aktivitäten im Bereich Diversity & Inclusion keinen Business Case brauchen, sondern Grundvoraussetzung für die Arbeitsatmosphäre und Firmenkultur sind. Der Return-On-Investment kann hierbei nicht monetär gemessen werden, vielmehr zeigt er sich durch Mitarbeitende, die gerne zur Arbeit gehen und sich dabei wohl und sicher fühlen. Wir sind bereits auf dem richtigen Weg. Ich wünsche mir jedoch, dass wir in Zukunft noch weiter fortschreiten bei der festen Verankerung von Diversity & Inclusion in der Organisationsstruktur und der Freigabe von Ressourcen und Budgets.

Zudem sind wir immer auf der Suche nach neuen engagierten Mitgliedern für die Initiative. Aber auch Kolleg:innen, die keine Zeit hierfür finden, können im täglichen Leben ihren Beitrag leisten und die Community unterstützen. Zum Beispiel, indem sie an unseren Events teilnehmen und sich aktiv mit den Themen auseinandersetzen und dazu austauschen. Auch die Bereitschaft zur Nutzung von inklusiver Sprache und das Ablegen der grundsätzlichen Annahme von Hetero- und Cis-Normativität als Standard kann einen großen Einfluss auf Mitmenschen haben. Außerdem ist es wichtig, in Momenten von Diskriminierung die Initiative zu ergreifen und für die Community einzustehen, Vorfälle zu melden und Betroffene zu unterstützen. Allies nehmen eine besonders wichtige Rolle hierbei ein, da der Einfluss von marginalisierten Gruppen auf die Gesellschaft begrenzt ist und Ziele oft nur mit zusätzlicher Unterstützung von nicht direkt betroffenen Personen erreicht werden können.

Warum sollten sich Deloitte Mitarbeitende deiner Meinung nach unbedingt in der Pride Initiative engagieren?

Ich finde, die Arbeit in der Initiative ist eine besondere Möglichkeit, das Arbeitsklima und die Kultur des Unternehmens aktiv mitzugestalten. Meckern kann jeder, mitgestalten macht aber deutlich mehr Spaß! Dabei lernt man nicht nur für sich selbst dazu, sondern kann auch einen Mehrwert für den Alltag von Kolleg:innen schaffen. So viel Spaß mir die tägliche Arbeit an Kundenprojekten auch macht, umso mehr freue ich mich über den Ausgleich, an anderen Themen mitzuwirken, die mich persönlich direkt betreffen.

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Und was ist dein größter Wunsch für die LGBTQ+ Community?

Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. In den letzten Jahrzehnten ist in Deutschland viel passiert – die Legalisierung der „Ehe für Alle“, gesetzlicher Schutz vor Diskriminierung oder die angestrebte Ersetzung des Transsexuellengesetzes durch ein Selbstbestimmungsgesetz. Ich habe das Gefühl, dass diese Errungenschaften vielen Außenstehenden das Gefühl geben, es wäre schon alles getan und erreicht, als wäre Gleichberechtigung bereits gegeben und weitere Anstrengungen in diesem Bereich nicht mehr unbedingt nötig. Die Realität ist allerdings eine andere – nicht nur in den vielen Ländern der Welt, in denen Homosexuelle durch strafrechtliche Verfolgung oder sogar die Todesstrafe bedroht sind, sondern auch in Deutschland und auch noch im Jahr 2023. All die Errungenschaften der letzten Jahrzehnte sind nicht einfach so passiert, sondern von sehr vielen, sehr mutigen Aktivist:innen mühsam erkämpft worden, die oft einen hohen Preis für ihr Engagement zahlen mussten. Ich wünsche mir, dass das Bewusstsein hierfür noch größer wird: Das, was bereits erreicht wurde, war harte Arbeit und das, was noch kommt, wird es auch sein. Zusammenfassend kann ich sagen: Mein größter Wunsch ist es, dass die gesamte Arbeit, die wir gerade leisten, so viel Spaß sie mir auch macht, eines Tages gar nicht mehr notwendig sein wird und jeder Mensch ganz selbstverständlich so akzeptiert wird, wie er ist, weil es keine bewussten – aber insbesondere auch keine unbewussten – Vorurteile mehr geben wird.

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Fr., 15.03.2024
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